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Interview zu Schavans Titelentzug: "Schusseligkeit ist hinnehmbar, Täuschung nicht"

Volker Lannert/Uni BonnSchavans Titel ist weg - oder? Im Interview erklärt Wolfgang, Promotionsexperte der Uni Bonn, warum Schavan sich mindestens noch ein paar Wochen Doktor nennen kann und warum die Klage der Ministerin gegen den Titelentzug kaum Aussicht auf Erfolg haben wird.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-881827.html
  1. #1

    Damals

    Ich habe Ende der 70'er mein Diplom in Erziehungswissenschaften gemacht. Damals wurden schon deshalb keine Quellen unterschlagen, weil man zeigen wollte, was man alles gelesen hatte. Damit hat man zwar selten das "Rad neu erfunden" - aber man hat gezeigt, dass man mit Erkenntnissen angemessen umgehen konnte!
  2. #2

    Soo, und jetzt bringen wir vielleicht mal etwas Hirn in die Sache und fragen uns, ob Schavan für ihren heutigen Job die Fähigkeiten braucht, die durch eine Ablieferung einer gültigen Doktorarbeit vor 33 Jahren vermittelt oder bewiesen worden wären?!

    Und nein, ich bin nicht pro-Schavan und verachte die ganze Politikergarde. Aber bei der obigen Frage setzt auch mal die Verantwortung der Medien ein. Sie hat gemogelt, das ist igitt. Vor 33 Jahren. Besser (der Spiegel tut es sogar in einer anderen Kolumne), die heutigen Leistungen eines Politikers in Anspruch und Wirklichkeit zu untersuchen.
  3. #3

    Verjährung

    M.E. ist eine Verjährung nicht sinnvoll. Der Verlust des akademischen Grades ist doch wohl keine Strafe, oder?
    Man muss oft noch nicht einmal befürchten, aufgrund der Vorspiegelung falscher Tatsachen und daraus erlangter Vorteile im Beruf, belangt zu werden.
  4. #4

    Schavan versus Guttenberg

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Schavans Titel ist weg - oder? Im Interview erklärt Wolfgang, Promotionsexperte der Uni Bonn, warum Schavan sich mindestens noch ein paar Wochen Doktor nennen kann und warum die Klage der Ministerin gegen den Titelentzug kaum Aussicht auf Erfolg haben wird.

    Interview Wolfgang Löwer: "Schavan kann nicht auf Verjährung hoffen" - SPIEGEL ONLINE
    Wenn Frau Schavan geschummelt hat, steht ihr nun mal der Dr. nicht zu; das ist das eine.

    Das andere ist meiner Meinung nach der Unterschied in der Genese der Dissertationen zwischen Herrn Guttenberg und Frau Schavan. Letztere erinnert mich an die panische Vordiplomantin mit Spickzettel, ersterer scheint mir seine Arbeit von Anfang an als "Auftragsdissertation" geplant zu haben.

    Bei Frau Schavan handelt es sich also quasi um die Aberkennung einer "durch Unterschleif" erlangten Prüfung. Bei Herrn Guttenberg handelt es sich um die Aberkennung eines gezielt erschlichenen Titels.

    Bei Frau Schavan war das ein Ausbildungsabschluss, wahrscheinlich unter Leistung- und Sozialdruck; bei Herrn Guttenberg sollte das die politische Leiter ganz nach oben werden.

    Ich halte Frau Schavan einige politische Versäumnisse vor: z.B. wurde erst unter Koalition das Hochschulrahmengesetz so erweitert, dass den Ländern Studiengebühren möglich wurden!

    Die ganze Debatte lenkt aber genau von diesen politischen Themen ab, sondern projeziert alle Versäumnisse der Vergangen, so zu sagen, auf menschliches -und am besten Politiker- Versagen.
  5. #5

    Kollektiver Verdacht

    Im Grunde hat die ganze Aufdeckung der Täuschungsfälle auch eine Kehrseite: Dr.-Titel stehen unter Generalverdacht - aufgrund der Vielzahl der öffentlich augeschlachteten und prominenten Fälle. Ob man damit der Promotion nicht einen Bärendienst geleistet hat wird sich ziegen müssen. Es hat doch mittlerweile (fast) jeder im Hinterkopf wenn er einen Dr Titel sieht: "ob der wohl auch durch Täuschung erworben wurde?" Und was hat im Grunde genommen ein Dr. Titel außerhalb der Uni zu suchen? Er ist nur Zier, denn in der Regel hat die Ausübung des mit dem Titel beworbenen Berufes thematisch rein gar nichts mit der Promotion zu tun.
  6. #6

    Der Entzug des Titels geht in Ordnung. Er repräsentiert eine Leistung die Frau Schavan nicht erbracht hat. Das seitdem 33 Jahre vergangen sind sollte dabei keine Rolle spielen.

    Aber deshalb muß Frau Schavan nicht zurück treten. Ich finde diese ständigen Forderungen "Minister XY muß jetzt zurück treten...." peinlich und albern. So albern und unglaubwürdig wie die Verteidigungselegien der Parteifreunde. Das ist reinste Eitelkeit auf beiden Seiten. Da dürfen sich die selbstgerechten Politiker nicht wundern, wenn ihr Ansehen in der Gesellschaft noch unter dem von Wettpaten und Drogendealern liegt.

    Ich kann die Leistung der Ministerin Schavan nicht beurteilen. Aber große Fehler scheint sie nicht gemacht zu haben. In sieben Monaten ist die Regierung, der sie angehört, ohnehin nicht mehr im Amt. Der nächsten Regierung - auch wenn Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben sollte - wird Frau Schavan nicht mehr angehören.
    Die Forderung für sieben Monate noch einen neuen Minister zu benennen (und zusätzlich zu bezahlen) nur weil der amtierende Minister vor 33 Jahren nicht ganz aufrichtig war, ist deshalb absurd. Als ob es in diesem Land nichts wichtigeres gäbe.
  7. #7

    Zitat von herkurius Beitrag anzeigen
    Soo, und jetzt bringen wir vielleicht mal etwas Hirn in die Sache und fragen uns, ob Schavan für ihren heutigen Job die Fähigkeiten braucht, die durch eine Ablieferung einer gültigen Doktorarbeit vor 33 Jahren vermittelt oder bewiesen worden wären?!
    1. Selbst Albert Einstein meinte:
    "Ich stehe auf den Schultern von Riesen und Zwergen."
    Jede Promotion basiert auf Wissen, das sich andere Menschen zuvor unter großen Entbehrungen angeeignet haben. Es ist nicht zu viel verlangt nach wissenschaftlichen Standards zu arbeiten, um die Vorarbeit anderer Menschen zu würdigen.

    2. Mir ist noch in Erinnerung geblieben, wie sie über KT zu Guttenberg sagte: "Ich schäme mich nicht nur heimlich."
    Das bedeutet sie ist sich der Bedeutung solch einer Tat durchaus bewusst.

    3. Sie ist Bundesministerin für Bildung und Forschung. Sie hat gewollt oder ungewollt eine Vorbildfunktion für Akademiker.
  8. #8

    immer die gleiche Leier

    Zitat von herkurius Beitrag anzeigen
    Soo, und jetzt bringen wir vielleicht mal etwas Hirn in die Sache und fragen uns......

    .....Besser (der Spiegel tut es sogar in einer anderen Kolumne), die heutigen Leistungen eines Politikers in Anspruch und Wirklichkeit zu untersuchen.
    1.) dieser Artikel hat ausserordentlich viel Hirn. Einer der wenigen Artikel, die sachlich mit dem Thema umgehen, finde ich.

    2.) Die heutigen Leistungen spielen eben keine Rolle. Für das Lebenswerk gibt es einen Oscar oder -eher wahrscheinlich sogar- einen Dr. h.c. , aber eben keinen ordentlichen Dr. phil. (oder was die Dame bis dato ihr Eigen nannte).
  9. #9

    Wann kann man fünf gerade sein lassen?

    Die genaue Biographie von (Dr.) Schavan kenne ich nicht. Ob vor 33 Jahren, oder heute: In Diplom- und Dr-Arbeit richtig zitieren ist eine Qual. Im Sinne der Wissenschaft ist der Entzug des Dr. bei Schavan richtig. Es besteht aber kein Bezug zu ihrem heutigen 'Pöstchen' als Ministerin. Für den nächsten Bundestag bewirbt sie sich wieder dreist. Dreist, Mutti würde ihr wieder das 'Pöstchen' der Bundes-Bildungs- und Wissenschafts-Ministerin zuschachern! ... Frau Schavan reist gerne, weilt gerade in Südafrika? - Wahrscheinlich wird doch Niebel's Sessel im Entwicklungshilfe-Ministerium frei! - "Alles wird gut!"


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