Internet und Gesellschaft: Erschöpft, aber nicht geknechtet

Droht uns eine Machtübernahme durch autoritäre Maschinen, die unsere wachsende Abhängigkeit von Computer und Internet ausnutzen? Frank Schirrmacher hat ein vielbeachtetes Buch mit dieser These geschrieben und damit beifälliges Nicken ausgelöst. Christian Stöcker nickt nicht.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...663296,00.html
  1. #1

    Weblinks

    Zermanscht das Internet unsere Gehirne? - Spiegelfechter.de

    25. The internet - IchWerdeEinBerliner.com
  2. #2

    Generationenproblem

    Das Problem ist nicht, dass die Generationen, deren Angehörige noch Bücher lesen und wissen, wie sie eine Bibliothek benutzen, der Informationsflut gerecht wird.
    Das Problem ist, dass eine Generation heranwächst, die dieser Informationsflut Herr werden muss ohne gelernt zu haben, wie sie dies zu tun hat. Für die Jüngeren ist es nicht gezielte Ablenkung, sondern wird zum Selbstzweck. Reflexion der aufgenommenen Informationen kann dann Dank mangelnder Hintergrundinformationen tatsächlich nicht mehr so stattfinden, dass man von fundiert sprechen kann. Darin liegt, meiner Ansicht nach, das größere Problem.
  3. #3

    Internet vs. Konzentration

    Habe gestern gezwungenermaßen mal vermehrt Bücher gelesen und die Anstrengung und den Aufwand dafür im Vergleich durchaus als beruhigend und konzentrierend empfunden. Man kann sich beim Bücherlesen schlicht mehr auf eine einzige Sache und einzelne Inhalte konzentrieren, weil man viel weniger Gefahr läuft, sich in Informationsmassen zu verzetteln und zu verlieren. Soll im Umkehrschluß heißen: Die Verarbeitungsanforderungen des Internets bringen wegen seiner Informationsmassen und der Massen und oftmaligen Übergrößen seiner einzelnen Informationseinheiten (Internetseiten) durchaus andere und stärkere Belastungen und Konzentrationsanforderungen mit sich als etwa das fokussierte Lesen eines einzigen Buches.
    Dem kommen die Onlinemedien für mein Empfinden leider noch viel zu wenig mit nötiger Strukturierung, Zuspitzung und Verkürzung einzelner Informationen entgegen. Ein Textkonvolut wie etwa dieses raubt mir in den Informationsmassen des Internets leider mehr Nerven und Konzentration und damit leider auch Zeit als es einen Gewinn an Informationen bringt: http://www.spiegel.de/politik/deutsc...662838,00.html Hier wünschte ich mir immer noch mehr Struktur, Schematisierung, Tabellen, Übersichten usw. Ein Riesen-Textmeer wie das Internet müßte (wenigstens in Zusammenfassungen) viel rigoroser und leserfreundlicher auf seine Kerninformationen strukturiert, eingedampft und reduziert werden.
  4. #4

    Neues Buch, neues Geld

    Herr Schirrmacher zeigt einmal mehr, wie es geht, mit wenig viel Geld zu verdienen. Mir ist nicht ersichtlich, weshalb mich Herrn Schirrmacher Meinung zu diesem und auch anderen Themen interessieren sollte. Ich erkenne bei ihm lediglich den Versuch der Provokation, damit sein Buch auch hübsch verkauft wird.
  5. #5

    nichts neues

    Bisher hat jede Generation sich Sorgen über die neuen Medien gemacht.
    In den 30er bis 50er Jahren wurde dem Radio nachgesagt, dass es den Menschen einsam und denkfaul machen könne…
    Nicht ganz zu unrecht, aber auch nicht ganz zu recht.
    Wichtig war, den richtigen Umgang mit dem Radio zu lernen, es nicht ins Kinderzimmer zu stellen und das Medium nicht unreflektiert zu nutzen…

    - in den 40er- und 50er Jahren wurde gesagt, das Comics die Lesefaulheit fördern würde und die Kinder dumm mache
    Nicht ganz zu unrecht, aber auch nicht ganz zu recht.
    Wichtig war, den richtigen Umgang mit Comics zu lernen und dieses Medium nicht unreflektiert zu nutzen…
    - in dein 60ern und 70ern wurde gesagt, dass die neue Musik, die Schallplatten und Cassettenrecorder Autismus fördern könne, dass der Mensch zunehmend zum Konsumenten werden lassen würde…

    Nicht ganz zu unrecht, aber auch nicht ganz zu recht.
    Wichtig war, den richtigen Umgang mit Musik zu lernen und dieses Medium nicht unreflektiert zu nutzen…

    in den 70er Jahren wurde gesagt, dass Fernseher den Menschen faul machen würde und dass er mit den neuen Medien überfordert wäre…

    Nicht ganz zu unrecht, aber auch nicht ganz zu recht.
    Wichtig war, den richtigen Umgang mit Fernsehen zu lernen und dieses Medium nicht unreflektiert zu nutzen…

    in den 80er Jahren kam RTL, Tele5, Sat 1 etc.
    Es wurde gesagt …

    Nicht ganz zu unrecht, aber auch nicht ganz zu recht…

    Dann kamen die Computer C64 mit den Spielen, Amiga ebenso, dann der tolle 286er

    Es wurde gesagt …
    Nicht ganz zu unrecht, aber auch nicht ganz zu recht…

    Dann kamen das Internet mit allen vor- und Nachteilen

    Es wurde gesagt …
    Nicht ganz zu unrecht, aber auch nicht ganz zu recht…

    Jetzt sind es Handys…


    Das Internet bietet Risiken, aber auch bisher nie gekannte Möglichkeiten.
    Nutzen wir die Chancen und lernen wir mit den Risiken umzugehen.

    Das Internet hat bis zu einem gewissen Alter nichts im Kinderzimmer zu suchen, genau so wenig wie der Fernseher. Informieren Sie sich über das Medium, lernen Sie es kennen und bringen Sie Ihren Kindern bei, wie man damit umgeht …
  6. #6

    Achja?

    Zitat von newflying Beitrag anzeigen
    Reflexion der aufgenommenen Informationen kann dann Dank mangelnder Hintergrundinformationen tatsächlich nicht mehr so stattfinden, dass man von fundiert sprechen kann. Darin liegt, meiner Ansicht nach, das größere Problem.
    Da müssen Sie jetzt nur noch Erklären, weshalb man zwar die Information an sich im Internet findet, die Hintergründe dazu aber ausschließlich offline? Merken Sies?

    Das Internet ist ja wie es momentan ist nicht fertig, es wird auch nie fertig. Es kommen immer mehr Informationen hinzu. Und sich eine Meinung bilden zu können hat nichts damit zu tun, woher man die Hintergrundinformationen bekommt. Das man eine Sache tiefer durchdenkt ist wohl eher eine persönliche Charaktereigenschaft, mit der Art des Informationsträgers hat es indes noch nie zu tun gehabt und das kann man auch nicht erlernen oder vermitteln.

    Meiner Meinung nach droht auch kein Internetmaschinenterroregime ala Schirmi. Denn jeder Killerspieldaddler weiß, solange Strom physikalisch ist und nicht virtuell, kann man den Maschinen die Stromzufuhr jederzeit entziehen. Selbst wenn sie solarbetrieben wären, dann würfe man eben eine Decke drüber und fertig.

    Ich glaube wirklich, es ist eine Generationenfrage. Schirmi und seine Boys sind altersbedingt nicht mehr in der Lage und auch nicht genötigt, ihr Leben auf eine neue Epoche einstellen zu müssen. Für sie ist das was die Jungspunde an ihren Zauberkisten tun irgendwie alles Hokospokus.

    Für die jungen Menschen ist es kein Hokospokus, sonder nichts anderes als für Schirmis Generation der Videorekorder oder das Festnetztelefon zum Selberwählen zu Hause.

    Während Schirmis Eltern oder Großeltern vermutlich fürchteten, der kleine Schirmi könnte sich an der Telefonschnur aufgrund Dauergesprächsentkräftung unglücklich verheddern und selber aufhängen, kann dafür Entwarnung gegeben werden. Heute ist oft genug nicht mal mehr ein Kabel dran.

    Und genau so gehts auch beim Internet weiter. Irgendwann ist das so bedrohlich wie die Zeitansage oder der Rundfunk, es wird Alltag sein.

    Ist es ja heute auch schon für die meisten Menschen. Filme und Nachrichten gucken die meisten im Netz, erst wenn es das dort nicht gibt, geht man zu klassischen Medien über. Und wem es zuviel im Internet wird, der kriegt auch füe Alternativen im Netz massenhaft Informationen.
  7. #7

    Aussterbende Gattung -

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Droht uns eine Machtübernahme durch autoritäre Maschinen, die unsere wachsende Abhängigkeit von Computer und Internet ausnutzen? Frank Schirrmacher hat ein vielbeachtetes Buch mit dieser These geschrieben und damit beifälliges Nicken ausgelöst. Christian Stöcker nickt nicht.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...663296,00.html
    Vorhersagbarkeit des Verhaltens, das Maschinen ausnutzen könnten, etc., das ist natürlich Humbug. Bedenklich ist aber, dass innnerhalb der durch die Geschwindkeit der schnellen Kommunikation und der schnellen Abrufbarkeit an Informationen sehr verengten Zeitfenster das Reagieren den kreativen sich dem jeweiligen Gegenstand zeitlich auch in Länge anzupassenden Prozess nur zu oft verunmöglicht. Nicht umsonst sind gute Gamer beim Militär gern gesehen, denn sie verfügen über jene unbeirrbar feuernde reaktive Potenz, die im Ernstfall vonnöten ist und entbehren das durch längeres Nachdenken sich offenbaren könnende Anzweifeln des Auftrags und Befehls.

    Das macht Menschen mitunter zu Maschinen, womit klar sein dürfte, dass Maschinen in gewissem Sinne als deren erziehende Eltern anzusehen sind. Vorhersagbar sind aber selbst die Reaktionen aufgrund ihrer Vielfältigkeit dann kaum.

    - Der Große Gedanke reift in der Stille.... vielleicht werden sie immer seltener zu finden sein.....
  8. #8

    Schirrmachers Problem: Er hat keine Ahnung und hat nicht recherchiert

    Ein Journalist, und das ist Schirrmacher nun einmal, noch dazu wenn er bei einem Qualitätsblatt arbeitet, muss natürlich nicht von jeder Thematik tiefgreifend Ahnung haben.

    Aber er _muss_ sauber recherchieren. Und genau das hat Schirrmacher nicht getan.

    Er dichtet Computern teilweise magische Fähigkeiten an. Jede Menge Funktionen die sie definitiv nicht haben. Einige könnten sie noch bekommen, einige sind extrem unwahrscheinlich, aber viele sind völlig unmöglich. Das hält Schirrmacher aber nicht davon ab sowas zu postulieren.
    Computer werden in absehbarer Zeit nicht denken können. Kein einziger Computer weltweit ist intelligent, und ob sie es je sein werden ist unwahrscheinlich. Auch tun Computer nichts von allein, in letzter Konsequenz ist immer ein Mensch hinter ihrem Handeln.
    Aber Schirrmacher hält an seinem (Zitat von SPON) Terminator-meets-Matrix-Weltbild fest.

    Blöd nur wenn Schirrmacher auf Skynet wartet wie andere auf Godot oder den schon mehrfach fest vorhergesagten Weltuntergang...
  9. #9

    Der Spiegel-Autor und der Spiegel ...

    ... halten sich wohl gerne gegenseitig den Spiegel vor. Ich bitte um Entschuldigung für dieses unheimlich witzige Wortspiel. Aber von Polemiken, die dort erscheinen, wo sie bereits vorher sachlich widerlegt wurden, werde ich immer unheimich inspiriert.
    "Auch Google kann das Verhalten Einzelner nicht vorhersagen, trotz aller Rechenleistung dieser Welt."

    Google berechnet Kündigungsabsichten seiner Mitarbeiter:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,626000,00.html