Internet-Regeln: Wer gute Manieren hat, braucht keine Verbote

Anonymität, Vorratsdatenspeicherung, "Killerspiele" - die Debatte über das Internet wird viel zu stark vom Ruf nach Gesetzen bestimmt. Dabei braucht das Netz nicht mehr Verbote als eine zivilisierte Gesellschaft. Schließlich werden Tischsitten und Höflichkeit auch nicht staatlich verordnet.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...783458,00.html
  1. #60

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    Hallo Herr Lobo,

    ich bin fest davon überzeugt, dass Sie ein ehrenhaftes Bewusstsein für Gerechtigkeit haben. Sie übersehen aber etwas.

    [Quote; Artikel]Schließlich werden Tischsitten und Höflichkeit auch nicht staatlich verordnet.[/Quote]

    Es gibt keinen Paragraphen im StGB, der mangelhafte Tischsitten unter Strafe stellt. Es gibt aber sehr wohl solche, die Falsche Verdächtigung (§164), Straftaten gegen Religionen(§166 und folgende), Üble Nachrede(§185), Beleidigung(§186) und Verleumdung(§187 + §192 bis ...), Verletzung des Persönlichkeits- und Geheimbereichs (§201 und folgende) unter Strafe stellt. Natürlich nicht ohne Grund. Versuchen Sie bitte nicht, zu argumentieren, dass weil die "Täter" keine Ahnung von Gesetzen haben, diese straffrei ausgehen sollten, weil es eben Internet ist.

    Ich möchte Ihnen ein Beispiel aus dem traurigen Leben liefern:

    60% aller Psychopharmaka, so war es in "Die Zeit" (glaube ich) zu lesen, die in Altersheimen verabreicht werden, werden ohne medizinische Indikation verabreicht. Lassen Sie mich über eine andere andere Grauzone spekulieren: Großzügigerweise behaupte ich 15 % der Vormunde und Patienten werden korrekt darüber aufgeklärt, obwohl es einer gesetzlich vorgeschriebenen Einwilligung und intensiven Aufklärung der Vormunde bzw. Patienten bedarf. Hochumstrittene Medikamente mit üblicherweise übelsten Nebenwirkungen, bestimmten Studien nach eine Wirksamkeit im Bereich von Placebos, die verabreicht werden, um das Personal zu entlasten. Die Angehörigen wissen oft nichts, ihnen wird irgendwann mitgeteilt, dass die zu pflegende Person nun so bettlegerisch ist, dass die nächste Pflegestufe greift.

    Wissen Sie, was die Pfleger/Innen, ob voll ausgebildet oder nicht Angehörigen auf Nachfrage sagen?

    'Die Medikamente sind harmlos, das wäre ganz normal, da kann nix passieren, das bekommen alle hier, die Person war schon immer so ausfallend, man hätte es nur nicht mitbekommen, das Klagen über Herzrasen und Zuckungen hätte andere Gründe, die würde den ganzen Tag im Bett liegen, weil sie die ganze Nacht wach war ...'

    Irgendwo haben die das wohl gelernt, zu lügen. Abgesehen davon, dass die beschriebenen Nebenwirkungen an exakt dem Medikament fast immer bekannt ist, insbesondere bei rüstigen jungen Menschen (15 Jahre alt aufwärts) und die Nebenwirkung (Schläfrigkeit in fast allen Fällen der Behandelten) das Behandlungsziel ist, z.B. Aggression in Kauf genommen wird, ist es offensichtlich, dass das offizielle Behandlungsziel der "Stimmungsaufhellung" oder "Angstbeseitigung" so gut wie nie erreicht wird. Das Medikament ist definitiv nutzlos und bei direkter Konfrontation mit diesem Fakt, fehlen eben auch die Argumente der Pfleger/Innen. Höhere Dosis?

    Finden Sie, Herr Lobo, dass solche Pfleger, die sicherlich einen schweren Beruf haben, das Recht haben, Ihnen Schrott zu erzählen, über Medikamente, die Ihr eigener Vater bekommt, obwohl Sie nie trotz Aufklärungspflicht (-> StGB) aufgeklärt wurden, Sie nicht mal wissen, warum er nur noch Matsch in der Birne hat und aggressiv ist? Nach Absetzen auf einmal wieder weiß, wie die eigene Adresse ist?

    Für die Pfleger/Innen ist das Patienten-Gespräch genauso ein "BLABLABLA", wie für Sie die falsche Behauptung im Internet. "Ich habe das ja nicht so gemeint". Ihr herzkranker Vater überlebt das Schrott-Medikament aber evtl. nicht, nicht zuletzt, weil die Pfleger/Innen null Ahnung davon haben, wie das Medikament selbst bei jungen Menschen wirkt.
  2. #61

    Für mich ist dieser Mann ein weiterer Spinner,

    der nur auf sich aufmerksam machen will. Keiner würde ihn kennen und auch im Fernsehen wäre er nicht gefragt, hätte er nicht den Hahnenkamm. Vielleicht noch Teeren und Federn und dann geht er wirklich als Hahn durch. Dann würde sich auch noch der Zirkus für ihn interessieren
  3. #62

    Der gute alte Kant .....

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Kants kategorischer Imperativ, in Kurzform: "Handle verallgemeinerungsfähig!" ist zwar grundsätzlich nobel und sinnvoll, aber er gründet auf Erkenntnis durch Vernunft, und genau diese geht so manchenm Zeitgenossen ab! Viele Menschen handeln schlichtweg egoistisch, der Kapitalismus ist darauf aufgebaut. Damit verletzen sie nicht nur Kants Lebensformel, sondern ganz komkret andere Menschen in ihren Rechten und ihrer Würde.
    Ein klares Jaein zu Ihren Ausführungen - Vernunft sollte die erste Instanz sein, und wo die fehlt, gibt es Konsequenzen des eigenen Handelns - und die sind eben manchmal auch unangenehm bis disaströs.
    Das Problem entsteht, wenn Konsequenzen vermieden werden.
    Wie schon in meinem ersten Beitrag ausgeführt:
    Für viele Handlungen werden im heutigen Alltag die Konsequenzen aufgehoben - weil die Person eine schwere Kindheit hatte, volltrunken war, die Bank 'systemrelevant' sei ....
    Man stelle sich nur mal für einen Moment vor:
    - Volltrunkenheit wäre kein mildernder Umstand
    - der spekulierende Broker würde von seinem Arbeitgeber für entstehende Verluste haftbar gemacht
    - der straffällige Ausländer würde ohne Ansehen, was ihm in seinem Heimatland geschehen könnte ausgewiesen
    - .........

    Es ist ja nicht so, daß die Kant'sche Formel nur auf Einsicht setzt - es gibt Werte und Regeln, deren Missachtung Konsequenzen hat. Der 'Sündenfall' ist die Vermeidung der Konsequenzen.
  4. #63

    .

    Zitat von verstehnix Beitrag anzeigen
    der nur auf sich aufmerksam machen will. Keiner würde ihn kennen und auch im Fernsehen wäre er nicht gefragt, hätte er nicht den Hahnenkamm. Vielleicht noch Teeren und Federn und dann geht er wirklich als Hahn durch. Dann würde sich auch noch der Zirkus für ihn interessieren
    Danke für dieses Beispiel, wie man im Internet einfach mal die Zivilisation fallen lässt, Herr Troll.
  5. #64

    Ruhig, Brauner...

    Zitat von verstehnix
    der nur auf sich aufmerksam machen will. Keiner würde ihn kennen und auch im Fernsehen wäre er nicht gefragt, hätte er nicht den Hahnenkamm. Vielleicht noch Teeren und Federn und dann geht er wirklich als Hahn durch. Dann würde sich auch noch der Zirkus für ihn interessieren
    warum so giftig? Ich bin nicht immer einer Meinung mit Herrn Lobo, aber muss man deshalb gleich ausfallend werden?
    In diesem Fall hat er sogar recht, und der Grundgedanke des Beitrags lässt sich auf praktisch alle Felder menschlichen Miteinanders übertragen. Ohne Respekt und Rücksichtnahme bleibt nichts als eine im eigentlichen Wortsinn asoziale Gesellschaft; mit Verboten allein ist daran wenig zu ändern.

    Man kann jetzt natürlich eine prächtige Diskussion darüber anzetteln, inwiefern Personen des öffentlichen Lebens (z.B. Politiker) hier ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht werden, aber das würde jeden Rahmen sprengen...
  6. #65

    Es ist doch eigentlich ganz einfach - Herr Lobo!

    Arthur Schopenhauer hat das - was die Menschheit ausmacht - auf den Punkt gebracht:
    "Der natürliche Verstand ersetzt fast jede Bildung, doch keine Bildung ersetzt den natürlichen Verstand"!
    Ein Schulfach Internet scheitert ebenso wie alles andere am "Narrensyndrom", das die Welt prägt! Den MEISTEN fehlt es eben am "natürlichen Verstand" - quer durch alle Völker. Das ist der Menschheit immanent!
  7. #66

    ....

    Es mangelt vielen am natürlichen Verständnis, Man maßt sich an man sei Anonühm und könnte sich deshalb wie die Axt im Walde verhalten.

    Da gibt es ein MMO namens Eve online wo sich viele der Meinung sind sich wie ein Arschloch verhalten zu können, da man ja Anonym ist. Goonswarm ist eine Klientel aber da sind noch viele andere.

    Pervers ist dabei eben solche Trickster behaupten im waren Leben integere Menschen zu sein. Ich dagegen behaupte einmal ein Dreckschwein immer ein Dreckschwein.
  8. #67

    Der Ausleseprozess

    Zitat von hannespiefke Beitrag anzeigen
    Pervers ist dabei eben solche Trickster behaupten im waren Leben integere Menschen zu sein. Ich dagegen behaupte einmal ein Dreckschwein immer ein Dreckschwein.
    Das Dreckschwein hat allerdings einen Selektionsvorteil: es lebt frei von Manieren, weil es nie über den Sinn seines Lebens nachdenkt.
  9. #68

    Beispiel

    Aus meinem Bekantenkreis habe ich von einem Lehrer gehört, der die erste Stunde einer Einheit zur Internet-Nutzung damit bagann, dass er sich ausgedruckte Auszüge von den Facebook-Seiten der Schüler mitgebracht hatte und aus denen vorlas.
    Das fanden die Schüler dann überhaupt nicht akzeptabel, dass er da einfach in ihren persönlichen Sachen rumschnüffelt und das öffentlich macht.
    Dabei hat er lediglich das gemacht wofür solche Seiten gedacht sind.

    Das ist gleich viel anschaulicher als irgendwelche Vorträge über Gefahren im Internet oder die richtige Verwendung von persönlichen Daten.
  10. #69

    Eine Antwort:

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Und ich hoffe inständig, dass Sie eine bessere Antwort für mich haben, als mich auf die aktuelle Rechtslage hinzuweisen. ;-)
    Habe ich: Eine konsequente Verschärfung der Gesetze.
    Dank der FDP hat ja ein Teil der Diebe relativ wenig zu befürchten. Wenn jeder digitale Diebstahl unweigerlich aufgeklärt werden würde, dann wäre das die beste Abschreckung.

    Um es mit Herrn Lobos Worten zu sagen: Dinge zu stehlen, zeugt nicht von guten Manieren.

    Im Übrigen geht es nicht nur um Hartz4, um das mal klarzustellen. Genügend andere klauen auch, Leute, die es sich sehr gut leisten könnten.
    Wenn ich nicht genügend Geld habe, um mir etwas zu leisten, dann kann ich es mir nicht leisten. So einfach ist das.
    Ich kann mich doch nicht hinstellen und sagen, ich möchte am Leben teilnehmen brauche dazu aber Markenkleidung, also klaue ich mir die, weil ich nicht genügend Geld habe.

    Für mich führt kein Weg an einer staatlichen Regelung vorbei. Mag die FDP mit Ihrer Freiheit kommen. Ich hätte auch gern die Freiheit mit 180 durch die Innenstadt zu fahren. Aus gutem Grund darf ich das nicht. Und da es Leute gibt, die es trotzdem versuchen, stehen hier und da Radaranlagen. Wer dabei erwischt wird, der bekommt eine Strafe. Nach der Lobo Theorie dürfte es ja auch nur an mangelden Manieren liegen, dass Leute sich im Straßenverkehr schlecht benehmen. Dann appellieren wir mal an die Manieren und bauen alle Schilder ab. Es wird bestimmt gut funktionieren.