Anonymität, Vorratsdatenspeicherung, "Killerspiele" - die Debatte über das Internet wird viel zu stark vom Ruf nach Gesetzen bestimmt. Dabei braucht das Netz nicht mehr Verbote als eine zivilisierte Gesellschaft. Schließlich werden Tischsitten und Höflichkeit auch nicht staatlich verordnet.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...783458,00.html
Natürlich ist Kant auch für das Netz das Maß aller Dinge!
Das zeichnet diesen Denker gerade aus, daß sein kategorischer Imperativ nicht mehr und nicht weniger ist als: UNIVERSELL!!
Oder um mit dem Volksmund zu sprechen:
"Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg auch keinem and'ren zu!"
Und da kommen schlicht auch Manieren is Spiel. Danke Sascha Lobo!
Thor
Kants kategorischer Imperativ, in Kurzform: "Handle verallgemeinerungsfähig!" ist zwar grundsätzlich nobel und sinnvoll, aber er gründet auf Erkenntnis durch Vernunft, und genau diese geht so manchenm Zeitgenossen ab! Viele Menschen handeln schlichtweg egoistisch, der Kapitalismus ist darauf aufgebaut. Damit verletzen sie nicht nur Kants Lebensformel, sondern ganz komkret andere Menschen in ihren Rechten und ihrer Würde.
Das geht natürlich gar nicht, da haben Sie völlig Recht. Unserem Vorredner scheinen wohl die von Herrn Lobo angemahnten Manieren abzugehen, fürchte ich.
Nun, Sie reden da von "geistigem Eigentum" und davon, dass Medienschaffende von Ihrer Arbeit leben wollen und sollen. Kein Problem, gerne. Die Frage ist aber, wie wir das dann regeln wollen. Immerhin befinden wir uns gerade mitten im Übergang zur Informations- und Wissensgesellschaft, und aus verschiedensten Erwägungen heraus kann ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass sozial Benachteiligte daran aus finanziellen Gründen nicht teilhaben und ausgeschlossen werden sollen.
Wenn ein HartzIV-Empfänger Ihr Produkt nicht kauft, sondern kopiert, dann erleiden Sie doch keinen Verlust. Schließlich hätte er es aus wirtschaftlichen Gründen auch nicht kaufen können, so dass Ihnen gar nichts entgeht. Das ist nämlich die Besonderheit, die das "geistige", also immaterielle Eigentum von materiellen unterscheidet: wenn ich Ihnen Ihr Fahrrad klaue, können Sie nicht mehr radfahren, aber wenn ich eine Ihrer Dateien kopiere, können Sie Ihre Version dieser Datei immer noch lesen, anhören, verkaufen oder was auch immer Sie damit machen wollen.
Verstehen Sie mein Dilemma? Einerseits bin ich selbst als Softwareentwickler und Schöpfer geistigen Eigentums sehr daran interessiert, von meiner Arbeit leben zu können. Auf der anderen Seite habe ich ein Problem damit, arme Bürger von der Informationsgesellschaft auszuschliessen. Also ist die Frage, wie beides zusammen gewährleistet werden kann: dass einerseits die Schöpfer von ihrer Arbeit leben, und andererseits die sozial Schwachen an unserer Gesellschaft teilhaben können. Und ich hoffe inständig, dass Sie eine bessere Antwort für mich haben, als mich auf die aktuelle Rechtslage hinzuweisen. ;-)
Hobbes und Kant zu zitieren ist verführerisch, aber verfehlt. Eine Konvention setzt eine Kontrolle voraus, diese gesellschaftliche Kontrolle, Lob oder Tadel, funktioniert in einem anonymen Netzwerk nur begrenzt und es fehlen viele Zwischenschritte in der gesellschaftlichen Kontrolle. Anonym kann man das Gesicht nicht verlieren, real unter Kollegen und in einem Dorf schon. Es gibt Strafsysteme außerhalb der staatlichen Sanktionen, die im Internet fehlen. Man kann in der Regel einfach einen neuen Account anlegen und weitermachen. Einen real verlorenen Ruf kann man nicht so einfach wiederherstellen. Da gehen Freundschaften, Arbeitsplätze oder anderes verloren. Was nicht erwünscht ist. Da ist die Bremse des Gewissens strenger. Wenn man hingegen nichts verlieren kann ist es egal. In diesem Forum liest man vieles was man einem realen Gegenüber nicht sagen täte. Auch aus Angst. Auch dieses fehlt im Internet. Eine Selbstkontrolle des Internets funktioniert nicht. Wenn Admins eingreifen ist das Geschrei über Zensur und Meinungsfreiheit groß. Wenn jemand gesperrt wird, kommt der wieder...
Eine befreundete Einzelhändlerin erzählte, dass die Stadt Aachen eines Tages neue Blumen in die Kübel und Beete vor ihrem Geschäft pflanzen ließ. Nach zwei Tagen waren die Blumen dann wieder verschwunden -- und zwar nicht von irgendwelchen Arschlöchern niedergetrampelt, sondern fein säuberlich ausgebuddelt und geklaut. Und das mitten in der Stadt, in der Tag und Nacht belebten Kleinmarschierstraße. Einfach Wahnsinn, auf was manche Leute kommen!
einführen?
Es ging um Manieren und nicht um Wissen in dem Artikel.
Und da denke ich, müssten sie mal Ihren Kommentar überdenken.
Es gehört sich im Netz genauso wenig wie in der Realität andere Menschen mit Hohn zu überschütten, nur weil sie vlt. ich betone vlt. nicht einen gewissen geistigen Horizont haben.
Wenn mir ein Kommentar, warum auch immer, nicht passt, reagiere ich nicht mit Verachtung oder ätzendem Hohn, nein ich versuche zu argumentieren oder ignoriere.
Gute Manieren sind ein Produkt der Erziehung, leider vergessen viele Netzbenutzer ihre, oder hatten sie keine ?
Dass ein "roterschwadron", der wohl zu gerne die kapitale Kettensäge an unsere Verfassung legen würde, es nicht sehr lustig findet, dass die Bürger sich dagegen wehren dürfen, ist doch recht durchschaubar. Und, verzeihen Sie meinen Mangel an Ernsthaftigkeit, auch sehr lustig.
Dabei kommt dann wenigstens ausnahmsweise mal eine professionelle Arbeit heraus, hm?
Die überwiegende Mehrzahl dieser Verlierer hat sich selbst ins Gesicht geschlagen, aber nicht die Größe, das auch zu erkennen oder gar zuzugeben. Bitte hören Sie auf, Menschen als bemitleidenswerte Opfer darzustellen, die ihr Schicksal nicht beeinflussen und keinerlei Verantwortung für sich und ihr eigenes Handeln tragen können.
...und wenn Gebote und Verbote, dann nur die eigenen, alles klar...
wissen Sie, Lobo, auch Hochstapler haben gute Manieren, ja sie glänzen wahrlich mit dem Erlernten mit ihrer Erziehung - als Vorwand, andere in ihrer Gutgläubigkeit zu schädigen!
Überall, wo sich Menschen auf neuem Terrain bewegen, und das Internet, die virtuelle Welt ist immer noch neu, müssen Gesetze zum Schutze derer her, die das Internet nur als Kommunikationsfeld, wie eben das Telefon nutzen (ja, auch die gibt es, die eben nicht tagein tagaus in social networks sind), und sonst ihresgleichen real treffen.
Dort, wo auch "legal" mit Pseudonymen Versteck geboten wird, muss eben aus dem VERSTECK herausgeholt werden, wenn er anderen schadet, so einfach isses, oder nicht?
Ist ja nicht jeder so "lauter" im Umgang mit dem Internet wie sascha lobo...