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Internet: Die kritische Masse

Auf Shopping- und Bewertungsportalen sagen Kunden millionenfach ihre Meinung zu Büchern, Reisen, Ärzten oder Kneipen. Deshalb sind die Seiten mächtig geworden. Doch auf Qype, HolidayCheck, Amazon und Co. tummeln sich nicht nur Idealisten, sondern auch PR-Agenturen.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,722673,00.html
  1. #1

    Kommentar

    Der Schlüssel ist das Aufbrechen der Anonymität. Damit meine ich nicht einmal das Angeben des Klarnamens: Nein, glaubwürdige Rezensenten investieren vielmehr so viel Zeit und Energie in ihre Portale und Berichte, dass sich ein stimmiges Persönlichkeitsbild mit unterschiedlichen Facetten ergibt. Natürlich ist das keine Garantie, wie verschiedene YouTube-Fakes zeigen (z.B. lonelygirl15). Aber sie stellen einen Aufwand dar, den keine simple PR-Agentur auf sich nimmt.

    Gute Rezensionen geben außerdem weniger eine Bewertung ab, auch wenn das paradox klingt. Sie konzentrieren sich eher auf überprüfbare Aussagen; und bei Geschmacksfragen lassen sie den Leser gar selbst entscheiden. Schließlich kann das, was einen selbst stört, für jemand anderen gerade reizvoll sein.

    Wer solche Ansprüche an den Tag legt, fällt mit ziemlicher Sicherheit nicht auf plumpe Einzeiler oder Werbeaktionen herein.
  2. #2

    PR-Durchseuchung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Auf Shopping- und Bewertungsportalen sagen Kunden millionenfach ihre Meinung zu Büchern, Reisen, Ärzten oder Kneipen. Deshalb sind die Seiten mächtig geworden. Doch auf Qype, HolidayCheck, Amazon und Co. tummeln sich nicht nur Idealisten, sondern auch PR-Agenturen.

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,722673,00.html
    Nicht nur bei Holydayckech und Amazon, auch bei Spiegel Online, der Bahn und überall, wo kommuniziert wird. Hier in den Foren fallen doch auch ständig Gestalten mit niedriger Beitragszahl auf, die reines PR-Geschwafel in die Threads blasen. Die Bahn ist schon mehrfach durch massive Manipulationsversuche und die Telekom auch gerade wieder aufgefallen.

    Außerdem funktioniert das Zeugs einfach nicht. Ob gewollt oder ungewollt, das sei dahingestellt. Ich habe mal ganz zu deren Anfang bei Ciao was bewerten wollen. Nach 'ner Stunde hat der Bewertungsvorgang gehangen und alle Infos und die Arbeit waren verloren. Auf die Beschwerde gab's n'nen dummen Spruch. Da war dann der zweite (und letzte) Besuch gleich beim ersten inclusive.

    Oder bei Amazon: Da habe ich mal versucht, einen Schrottartikel negativ zu bewerten. Und beim Versuch blieb es dann auch, denn trotz Berechtigung und wohlfeiler Worte ging der nie durch die Vorzensur. Da manipuliert also schon der Betreiber. Wertlos und damit war auch dort der erste Versuch gleichzeitig der zweite und letzte.

    Mittlerweile beschränke ich Artikel- und Händlerbewertungen auf heise.de/geizhals.at. Da funktioniert das System wenigstens einigermaßen, auch wenn selbst dort jdf. bei den kommentarfreien Bewertungen mit Sicherheit auch die Hersteller/Betreiber "hochklicken". Man muss seine Meinung halt - wie überall - auf Art und Umfang der schlechteren Bewertungen stützen.

    Diese allgegenwärtige PR- und Mietmeinungs-Durchseuchung kann man leider nur mit Bauchgefühl und Erfahrung rausfiltern.

    Die Bewertungsportalen aus den genannten Gründen daher auch eher mit Vorsicht genießende Grüße,

    Stephan
  3. #3

    Hier schreibt Lars Mach

    "Ich finde die Reifen gut. Ich werde sie mir auch kaufen." (so gesehen auf einer Seite namens "Reifentest")

    Solche Einträge mögen noch als dämlich abgetan werden, wenn man vor dem Kauf neuer Reifen nach Erfahrungen anderer Nutzer (aktueller - nicht "zukünftiger"!) sucht.

    Ärgerlich wird die Sache, wenn man konkret ein systemisches Problem einer Reise-Dienstleistungsfirma (in meinem Fall: Vermittler von Mietwagen) anprangert, d.h. konkret den Fall erläutert, von wiederholten Schwierigkeiten berichtet und sogar vorschlägt, wie dies durch den Anbieter zu verhindern sei: Konstruktive Kritik.

    Was wird dann passieren auf einem einschlägigen "Bewertungsportal" mit dem Namen einer italienischen Grußformel?

    Man staunt nicht schlecht: Die Bewertung ...wird bewertet!

    Und eine schlechte Bewertung der Bewertung (als "wenig hilfreich") verschiebt den Eintrag ganz nach hinten, hinter die grotesken (weil völlig bezugslosen) Lobpreisungen zum Teil jener anonymer Forenteilnehmer, die meine Bewertung negativ bewertet haben.

    Sind wir im Bewertungswahnsinn?

    Wenn ich heute Reifen kaufe, lese ich Tests der Stiftung Warentest und vergleiche diese mit Tests einiger Zeitungen. Dabei ist mir bekannt, dass man auch dort manche Tests mit Vorsicht genießen sollte (wer serviert den Champagner und poliert täglich die kostenlos bereit gestellten Testautos, mit denen Journalisten da durch mediterrane Serpentinen düsen und sich fotografieren lassen?).

    Anonymität ist sicherlich ein Schlüssel - hier schließe ich mich meinem Vorredner "Zephira" an und schreibe wie immer höflich, respektvoll und mit vollem Vor- und Zunamen in das Spiegel Online-Forum.
  4. #4

    Unternehmen + Kritiker müssen einen Ruf aufbauen ...

    Jau; der Knieschuss des Herrn Hoffer von Ankershoffen war schon lustig anzusehen ... Leider muss man davon ausgehen, dass die meisten Schön-Schreiber etwas mehr von Technik und Stil verstehen als der "Erfinder" und Lobpreiser des WeTab.

    Ich schreibe selbst eine Menge Rezensionen bei Qype. Dabei halten sich Lobeshymnen und Verrisse in etwa die Waage. Gerade die Verrisse werden aber wohl als hilfreich empfunden (was mir die "Skeptiker"-Medaille eingebracht hat, obwohl Qype die offiziell gar nicht aushängt :).

    Und bei Qype fällt einem nach ein paar Jahren Schreib- und Leseerfahrung auch schnell auf, wenn dort ein Neuankömmling offensichtlich dasd eigene Unternehmen lobpreist.

    Umgekehrt gibt es begabte Autoren, die sich die Seite einer generischen Dönerbude schnappen und dort weitschweifige philosophische Abhandlungen über Esskultur publizieren - so eine Art "Drive By Publishing".

    Schade, dass diese Gewässer von PR-Agenturen, rachsüchtigen Gästen/Käufern und selbstverliebten Unternehmern getrübt werden - denn eigentlich sind konkrete, ehrliche Rezensionen sowohl bei Restaurants als auch komplexen technischen Produkten oft hilfreicher als das Marketinggeschwurbel der eigentlichen Anbieter.

    Aber das "Reputation Building" muss eben nicht nur die kritisierten Unternehmen, sondern auch die Kritiker umfassen. Ich folge zum Beispiel bei Qype mittlerweile einer kleinen Clique von Rezensenten, deren Beiträge sich als wirklichkeitsnah und amüsant herausgestellt haben. Da traut man sich dann auch mal in ein Restaurant, das man ansonsten eher links liegen lassen würde.
  5. #5

    Qype

    Bei QYPE hae ich schon mal angeregt, ein Login via Facebook einzuführen. Dann wäre man weitgehend von Fakes verschont und möglicherweise gäbe es sogar mehr Bewertungen, eben weil der Login einfacher wäre.
    Mein eigenes Geschäft wird auch gelegentlich bewertet, auch weil ich meine Kunden ausdrücklich darum bitte. Wenn ich dann Bewertungen von Kunden haben, die sonst keine Bewertungen schreiben ist das auch schon wieder verdächtig....

    Aber natürlich ist Facebook auch nicht jedermans Sache.

    Artikel des STERN kann man neuerdings auch nur noch via Facebook kommentieren...
  6. #6

    2500 Buchbesprechungen? Unglaubwurdig!

    Wenn wir annehmen, dass ein Buch "von vorne bis hinten" zu lesen 5 Stunden dauert, was wohl fuer Romane etc. richtig knapp bemessen ist, dann dauert das Lesen von 2500 Buechern 12500 Stunden. Bei 4 h/Tag, 230 Arbeitstage/Jahr sind das 13.6 Jahre, und das noch ohne die Zeit, die eigentlichen Besprechungen zu verfassen. Amazon Deutschland besteht seit 1998, also weniger als 10 Jahre.

    Der Mann luegt.
  7. #7

    Ja, logisch...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Auf Shopping- und Bewertungsportalen sagen Kunden millionenfach ihre Meinung zu Büchern, Reisen, Ärzten oder Kneipen. Deshalb sind die Seiten mächtig geworden. Doch auf Qype, HolidayCheck, Amazon und Co. tummeln sich nicht nur Idealisten, sondern auch PR-Agenturen.

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,722673,00.html
    ...das tun sie. Aber wer glaubt denn, was im Internet steht. Da wird gelogen und betrogen. Beispiel: Ich kenne Foren, die sind sehr witzig: Über Nacht sieht man plötzlich verdoppelte Zugriffszahlen - alle paar Tage mal. Sieht ja viel besser aus. Deshalb gilt für mich: Bewertungen im Internet sind nichts wert.
  8. #8

    Kleine Korrektur

    Zitat von wdiwdi Beitrag anzeigen
    Wenn wir annehmen, dass ein Buch "von vorne bis hinten" zu lesen 5 Stunden dauert, was wohl fuer Romane etc. richtig knapp bemessen ist, dann dauert das Lesen von 2500 Buechern 12500 Stunden. Bei 4 h/Tag, 230 Arbeitstage/Jahr sind das 13.6 Jahre, und das noch ohne die Zeit, die eigentlichen Besprechungen zu verfassen. Amazon Deutschland besteht seit 1998, also weniger als 10 Jahre.

    Der Mann luegt.
    Sorry, sollte natuerlich heissen "weniger als 13 Jahre"
  9. #9

    Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

    Zitat von wdiwdi Beitrag anzeigen
    Wenn wir annehmen, dass ein Buch "von vorne bis hinten" zu lesen 5 Stunden dauert, was wohl fuer Romane etc. richtig knapp bemessen ist, dann dauert das Lesen von 2500 Buechern 12500 Stunden. Bei 4 h/Tag, 230 Arbeitstage/Jahr sind das 13.6 Jahre, und das noch ohne die Zeit, die eigentlichen Besprechungen zu verfassen. Amazon Deutschland besteht seit 1998, also weniger als 10 Jahre.

    Der Mann luegt.
    Mich hat das auch skeptisch gemacht. Ich bin Literaturwissenschaftlerin und habe einige Zeit im Buchhandel gearbeitet. Ich habe im Jahr etwa 150 Bücher gelesen, und ich bin eine Schnell-Leserin, die dickeren Harry Potter-Bände habe ich (im Original) jeweils in weniger als viereinhalb Stunden geschafft, allerdings an einem freien Tag.

    Bei Qype fallen mir in der Großstadt, in der ich wohne, zunehmend Dummschwätzer auf, die z.b. laut eigener Biographie freischaffende Künstler sind, aber trotzdem das Geld haben, sich öfter in die teureren Restaurants der Stadt zu begeben, und dann in einem gnadenlosen Verriss der örtlichen Uni-Klinik schreiben, Behandlungsmethoden beurteilen zu können, weil man vom Fach sei..., in einem Alte, wo noch kein Mensch fertiger Facharzt sein kann. Trotzdem stoßen dann solche Einträge auf lauten Applaus der anderen Langzeit- bzw. aktiven Community-Mitglieder.

    Und diese Beurteilungen - toll, werde ich auch kaufen - veranlassen mich dazu, solche Portale genau zweimal zu beehren, das erste und das letzte Mal.








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