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Inklusion : "Es gibt kein Kind, das nicht integriert werden könnte"

DPADeutschland ist Europas Schlusslicht in Sachen Inklusion. Auch an der St.-Konrad-Schule in Neuss weiß man, dass die Integration behinderter Schüler an Regelschulen Arbeit macht und Geld kostet. Aber auch, wie sie funktioniert - und alle davon profitieren.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...814458,00.html
  1. #1

    "Es gibt kein Kind, das nicht integriert werden könnte"

    Doch, diese Kinder gibt es. Auch wenn es in der Öffentlichkeit nicht gerne wahrgenommen wird, muss man einfach einmal zu diesen pädagogischen Träumereien klar Stellung beziehen.
    Die zu inkludierenden (und nicht zu integrierenden) SchülerInnen sind nun mal nicht nur der Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, der nette Schüler mit Down Syndrom oder die Schülerin im Rollstuhl, an der die ganze Klasse ihr Verhalten gegenüber Menschen mit Handicap erfahren kann. Es sind eben auch die Kinder mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung, die teilweise nicht nur ihren Mitschülern gegenüber hochaggressiv und destruktiv auftreten, sondern auch gegenüber dem Lehrpersonal.
    Ich würde gerne einmal den Experten wie Klemm und Preuss-Lausitz die Gelegenheit bieten, eine Woche an unserer Schule (ESE) den Unterricht mitzuerleben. Leider sitzen diese Herren aber im Elfenbeinturm ihrer Fakultäten und haben den Bezug zur Schulwirklichkeit schon lange verloren.
  2. #2

    Das Sparmodell schadet den Kindern!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutschland ist Europas Schlusslicht in Sachen Inklusion. Auch an der St.-Konrad-Schule in Neuss weiß man, dass die Integration behinderter Schüler an Regelschulen Arbeit macht und Geld kostet. Aber auch, wie sie funktioniert - und alle davon profitieren.

    Inklusion: "Es gibt kein Kind, das nicht integriert werden könnte" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Um es vorweg klarzustellen:
    Ich bin froh, dass behinderte Kinder endlich das Recht haben, in Regelschulen unterrichtet zu werden.
    Ich kenne die gesetzlichen Vorgaben in NRW.
    Ich kenne die Umsetzung in die Praxis aus eigener längjähriger Erfahrung (sonderpäd. Förderung von Kindern mit Lern- und Entwicklungsstörungen in 8 Regelschulen).


    Man sollte die Fakten sprechen lassen:

    In NRW sah und sieht es im gesetzlich geregelten "Gemeinsamen Unterricht" seit 1995 bisher so aus:

    Pro Kind im so genannten "GU" werden der Regelschule wöchentlich 2 Stunden (in Ausnahmefällen 3 Stunden) durch einen Sonderpädagogen zugewiesen.

    Es ist nicht vorgesehen, dass sich daran unter der neuen Bezeichnung "Inklusion" künftig etwas ändern wird, denn es dürfen keine Mehrkosten entstehen.

    In der Praxis bedeutet das:
    Von 20-24 Wochenstunden in der Grundschule bzw. 28-30 Wo.-Std. in der Sekundarstufe sind die behinderten Kinder fast die ganze Zeit OHNE sonderpädagogische Betreuung, es sei denn, mehrere Inklusionskinder sind in einer Klasse, dann addieren sich die Förderstunden pro Kind. Oft ist aber nur ein GU-Kind in einer Klasse.

    Im Krankheitsfall ist keine Vertretung für die Sonderpädagogen vorgesehen.
    Zum Vertretungsunterricht für ausgefallene Regelschullehrer werden Sonderpädagogen ebenfalls herangezogen. Das ist zwar inoffiziell, wird aber in der Praxis oft so gehandhabt.
    Dies bedeutet für ein behindertes Kind zeitweilig einen Totalausfall der sonderpädagogischen Förderung.

    Die Regelschullehrer stehen in den meisten Fällen völlig unvorbereitet dem Umgang und dem Unterricht mit behinderten Kindern gegenüber, da ihr Studium keine verpflichtende, umfassende Vorbereitung dafür vorsieht.

    Ein nicht dafür ausgebildeter Lehrer kann daher nicht wissen, welche behindertenspezifischen Anforderungen er an ein Kind richten kann, ohne es zu über- oder zu unterfordern.
    Er kann auch nicht ständig neben dem Kind sitzen und ihm Hilfestellung leisten, wenn der Sonderpädagoge nicht da ist, denn die Mehrzahl von Kindern mit Lern- und Entwicklungsstörungen und erst recht Kinder mit geistiger Behinderung sind oft laut und unruhig und können nur selten selbständig und konzentriert arbeiten.

    Die Eltern der behinderten Kinder sollten sich von den Politikern keinen Sand in die Augen streuen lassen, denn eine intensive Förderung für ihr Kind werden sie bei diesem Sparmodell derzeit nur in seltenen Fällen in einer Regelschule finden.
  3. #3

    Zitat von krk62 Beitrag anzeigen
    Doch, diese Kinder gibt es. Auch wenn es in der Öffentlichkeit nicht gerne wahrgenommen wird, muss man einfach einmal zu diesen pädagogischen Träumereien klar Stellung beziehen.
    Die zu inkludierenden (und nicht zu integrierenden) SchülerInnen sind nun mal nicht nur der Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, der nette Schüler mit Down Syndrom oder die Schülerin im Rollstuhl, an der die ganze Klasse ihr Verhalten gegenüber Menschen mit Handicap erfahren kann. Es sind eben auch die Kinder mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung, die teilweise nicht nur ihren Mitschülern gegenüber hochaggressiv und destruktiv auftreten, sondern auch gegenüber dem Lehrpersonal.
    Ich würde gerne einmal den Experten wie Klemm und Preuss-Lausitz die Gelegenheit bieten, eine Woche an unserer Schule (ESE) den Unterricht mitzuerleben. Leider sitzen diese Herren aber im Elfenbeinturm ihrer Fakultäten und haben den Bezug zur Schulwirklichkeit schon lange verloren.

    Und was würden Sie Ihrer Meinung nach mit den hochaggressiv, destruktiv und nicht integriebaren Schülern machen wollen? Weiterhin aus der Gesellschaft ausgrenzen? Vielleicht in Sonderschulen stecken?


    Das ist doch überhaupt erst der Grund für Ihr Verhalten. Vielen Schüler mit Problemen fühlen sich ausgegrenzt. Chancenlos. Das führt oft zu destruktivem Verhalten.

    Dann hoffe ich nur, dass Sie diese Kinder nicht unterrichten. Sonst haben Sie wirklich nie eine richtige Chance gehabt.
  4. #4

    Probleme

    Zitat von Peace123 Beitrag anzeigen
    Und was würden Sie Ihrer Meinung nach mit den hochaggressiv, destruktiv und nicht integriebaren Schülern machen wollen? Weiterhin aus der Gesellschaft ausgrenzen? Vielleicht in Sonderschulen stecken?


    Das ist doch überhaupt erst der Grund für Ihr Verhalten. Vielen Schüler mit Problemen fühlen sich ausgegrenzt. Chancenlos. Das führt oft zu destruktivem Verhalten.

    Dann hoffe ich nur, dass Sie diese Kinder nicht unterrichten. Sonst haben Sie wirklich nie eine richtige Chance gehabt.
    Kinder mit geistigen Behinderungen und Kinder mit Verhaltensproblemen werden nicht von der Gesellschaft ausgegrenzt, wenn ihnen ein besonderer Förderbedarf attestiert wird und sie für viel Geld sonderpädagogisch gefördert werden.
    Oben genannte Kinder werden vernachlässigt, wenn sie einfach so in normale Schulklassen gesteckt werden und dort, spätestens ab der Pubertät immer wieder ihre Defizite im Vergleich zu den anderen spüren müssen.

    Dann fangen sie noch mehr an zu stören. Sie können nicht mithalten, bei dem was in Englisch, Deutsch, Mathematik, Physik usw. gefordert wird. Also fangen sie an, sich einen anderen Weg der Anerkennung zu suchen. Sie stören und behindern die Mitschüler.

    Die Inklusion ist ein Sparmodell auf Kosten der Kinder mit Förderbedarf und auf Kosten der Kinder, die Lernen möchten.
  5. #5

    Zitat von Schulleiter Godde
    Inklusion : "Es gibt kein Kind, das nicht integriert werden könnte, aber man muss den Schulen schon die Voraussetzungen geben."
    "Es gibt keinen Menschen, den man nicht auf den Mond befördern kann, aber man muß dafür schon ein wenig Geld in die Hand nehmen."
    ist von ähnlicher Aussagekraft, wenn es um Bildungspolitik geht. Das weder das Interesse noch der Wille besteht, Schulen angemessen personell und finanziell auszustatten, sieht man doch am Thema Schulsozialarbeiter/-psychologe.
  6. #6

    Wie gesagt...

    in der UN-Konvention steht nur, dass die Kinder Zugang zu einer staatlich festgelegten und kostenfreien Bildung haben sollen. Es steht nicht geschrieben, dass dies innerhalb einer Klasse und Schule geschehen muss.
    Hier geht es um massive Sparmassnahmen zu Lasten der behinderten und nichtbehinderten Kinder und dem Bürger wird Sand in die Augen gestreut und alles als Friede-Freude-Eierkuchen-Rezept für ein besseres Miteinander verkauft.
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutschland ist Europas Schlusslicht in Sachen Inklusion. Auch an der St.-Konrad-Schule in Neuss weiß man, dass die Integration behinderter Schüler an Regelschulen Arbeit macht und Geld kostet. Aber auch, wie sie funktioniert - und alle davon profitieren.

    Inklusion: "Es gibt kein Kind, das nicht integriert werden könnte" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Das Hauptproblem ist und bleibt doch einfach, dass für die hehren Ziele der Inklusion schlicht kein Geld bereit gestellt wird.

    Ja, in der Theorie könnten die meisten behinderten Schüler in eine Regelschule integriert werden, dafür müssten aber einige Bedingungen erfüllt sein:

    1) Klassengrößen von 10-15 Schülern
    2) Konsequente Doppelbesetzung mit Sonderpädagogischer Unterstützung bei Integrationsklassen
    3) behindertengerechter Umbau der Regelschulen
    4) Eine Abstimmung mit den weiterführenden Schulen

    All das kostet aber Geld und das will keiner dafür ausgeben. Was aktuell passiert ist, einzelne Sonderpädagogen mehrere Schulen (!) gleichzeitig betreuen müssen, behinderte Kinder in Klassen mit mehr als 25 Schüler gesteckt werden und die Klassenlehrer, Mitschüler und Eltern an den Regelschulen alleine gelassen werden.

    Übrigens: Das Deutschland Schlusslicht in Sachen Inklusion ist, dass ist zwar auf dem Papier richtig. Wer aber schonmal gesehen hat wie behinderte Schüler in Ländern wie z.B. dem angeblichen Musterland Italien in der Praxis behandelt werden, der sieht das vielleicht mit anderen Augen.
  8. #8

    Zitat von Forumkommentatorin Beitrag anzeigen
    Die Inklusion ist ein Sparmodell auf Kosten der Kinder mit Förderbedarf und auf Kosten der Kinder, die Lernen möchten.
    Dem kann ich nur beipflichten.

    Wenn ich dann im Bericht noch so Parolen lese wie '"Sie erwerben zusätzlich soziale Kompetenzen," sagt der Schulleiter.' geht mir die Hutschnur hoch. Diese Sozialkompetenz ist bei den meisten Stellen im richtigen Berufsleben so gefragt wie ... okay, ganz sozial inkompatibel sollte der Mensch nicht sein, aber das "mehr" was diese Schüler durch eine Inklusionsklasse erhalten bringt ihnen nichts, aber auch gar nichts ein.

    Hier werden Experimente auf Kosten vieler Kinder durchgeführt, die Absicht dahinter ist gut, am mangelnden Kapital für die Umsetzung wird es scheitern.
  9. #9

    wenn schon immer der Unterricht mit Inclusion erfolgt wäre ...

    Wenn schon immer der Unterricht mit allen Schülern, behinderten und nichtbehinderten geimeinsam stattfände, dann würden sicherlich Bildungsforscher heute auf die Idee kommen, dass das nicht gut ist für beide Gruppen ist sondern:

    - dass auf die besondere Behinderung, Sehstörungen, Hörgeschädigte, Kognitiv Behinderte gezielt eingegangen werden muss durch spezielle Klassen,

    - durch spezialisierte Lehrer die maximal 5-8 Kinder in homogenen Gruppen (gleicher Behinderung) unterrichten,

    - in Instituten die maximal ausgestattet sind um die Defizite auszugleichen,

    - die den Kindern wenigstens während des Unterrichts die dauerhafte Erfahrungen ihrer Behinderung ersparen würden,

    - und ausreichend Erfolgserlebnisse bieten,

    und deshalb Spezialschulen für Gehörlose, Blinde, .... hermüssten.

    Da es aber umgekehrt ist, und man als Bildungsforscher keinen Blumentopf gewinnt wenn man für das bestehende plädiert, wenn man nicht alte Methoden verurteilt und neue "erfindet", ist der Zeitgeist halt für Inclusionsunterricht.

    In 15 Jahren werden wir sehen was die Folgen sind.


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