DPADeutschland ist Europas Schlusslicht in Sachen Inklusion. Auch an der St.-Konrad-Schule in Neuss weiß man, dass die Integration behinderter Schüler an Regelschulen Arbeit macht und Geld kostet. Aber auch, wie sie funktioniert - und alle davon profitieren.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...814458,00.html
Es geht doch wie immer in unserer absoluten perversen Bildungspolitik doch nur ums Geld und nicht um Ergebnisse und Ziele.
Solange Bildungspolitik nur dem Etat des Finanzministers untergeordnet ist, ist diese Diskussion auch nur eine Randerscheinung der deutschen Bildungskatastrophe.
aus meiner erfahrung als lehrer an einer berufsschule:
- die schüler, die von einer Sonderschule kommen, sind oft sehr anstrengend, weil sie durch die dortige intensivbetreuung dies auch von uns verlangen
- leider werden diese Schüler auch immer "bekloppter", da die rahmenbedingungen in den familien und unserer gesellschaft auch "bekloppter" werden. die politik hat darauf mit Kürzungen an den sonderschulen reagiert, sonderpädagogik wird für Berufsschullehrer nicht mehr als Ausbildung angeboten.
- die soziale kompetenz der Sonderschüler, die nicht bei ihren Familien wohnen, ist deutlich höher.
- das problem wird oft verdrängt, weil die meisten Politiker, Bildungsbürger und Journalisten keine Kinder in Sonderschulen haben.
- für behinderte gibt es inzwischen keine Jobs mehr in der freien Wirtschaft, die haben wir abgeschafft. wer braucht noch ernte- oder bauhelfer??
eine lösung weiß ich auch nicht, und solange 16 Bundesländer ihr eigenes süppchen kochen, wird das auch nichts werden.
Ich kenne viele hochgradig Schwerhörige, die lautsprachlich aufgewachsen sind, haben immer noch starke Kommunikationsprobleme, weil sie den Erzähler nicht verstehen (denn es kommen nicht alles ins Ohr des Schwerhörige rein, und in Gruppen sind auch noch die Nebengeräusche zu laut). Da ist die lautsprachbegleitende Gebärdensprache für sie schon eine Kommunikationserleichterung oder Förderschule ist immer noch die beste/sinnvollste Lösung.
Und das Thema ist hier für mich gar nichts neu. Wer mein damaligen Kommentar nachlesen will, bitte schön: Behinderte Schüler: Na bitte, es geht doch
Die individuelle Förderung ist ein Hauptschwerpunkt einer inklusiven Schule. Hier geschieht sie allerdings ohne Aussortierung an einen Sonderort (der an sich schon Stigmatisierung mit sich bringt), sondern als Förderung im gemeinsamen Klassenraum / Schulraum. Warum müssen wir Behinderte aussortieren?
An kein bestimmtes. Das ist ja der Punkt der Inklusion. Und erst recht nicht an eines nach Behinderten-Kategorien, wie sie sie so schön aufgezählt haben. Schüler nach Behinderungen zu kategorisieren finde ich ohnehin das Letzte. Und die Methoden sind so gewählt, dass für jedes Kind etwas passendes dabei ist. Das wird nicht immer zu 100% gelingen, aber das gelingt ja auch in keiner anderen Schule. Nicht in der Förderschule, nicht in der Regelschule, nicht in der inklusiven Schule.
Meine Erfahrungen mit inklusivem Unterricht gingen genau ein Schuljahr. Ich habe eine Klasse in all ihren Unterrichtsfächern begleitet und unterstützt.
Hinzu kommen zudem mehrjährige Erfahrungen an Förderschulen für geistig- und körperbehinderte (inkl. schwerstmehrfachbehinderter) Kinder. Und hier musste ich z.B. die Erfahrung machen, dass dadurch, dass hier ALLE Kinder eine bzw. meist mehrere Beeinträchtigungen hatten, es schon schwierig war, genug Zeit für alle aufzubringen. In einer gemischten Klasse - mit behinderten und nicht-behinderten - Kindern, sehe ich da wesentlich mehr Potential, wirklich individueller fördern zu können. Und es wäre einfach fair.
Und deshalb BIN ich gegen einheitliche Prüfungen wie insbesondere das Zentralabitur und halten Sie sich jetzt gut fest: ich BIN sogar für die Abschaffung von Noten (zumindest bis zum letzten oder vorletzten Schuljahr vor einem Schulabschluss). Weil Noten NIE eine gute, qualitative Aussage sind. Manchmal sind sie es nicht mal tendenziell. Ausführliche Berichte in der Mitte und am Ende eines Schuljahres bewirken mehr und sagen vor allem mehr aus als irgend ein Zahlenwert - und Schüler können damit wirklich was anfangen. Aber diese Diskussion führt uns nun zu weit.
Sie sind, glaube ich, viel zu sehr an eigenen Erfahrungen der Regelschule verhaftet und haben sicherlich noch nie eine einzige Stunde inklusiven Unterrichts miterlebt, sehe ich das richtig? Es ist gar nicht so kompliziert, wie Sie sich das hier ausmalen. Es wir mehr Kreativität und Flexibilität gefordert, ja, aber das kann doch in erster Linie nur positiv sein.
Und hinsichtlich der 30-Schüler-starken Klassen... Das ist sowieso zu viel, schon für "nicht-behinderte" Schüler bzw. deren Lehrer sind diese Klassenstärken einfach zu groß. Aber das ist eben ein Aspekt der System-Veränderungen, die Inklusion mit sich bringen muss. Zur Erinnerung: es geht nicht darum (ich weiß, die Realitätsbedingungen sehen leider (noch) weitaus anders aus), dass behinderte Kinder in ein bestehendes System integriert werden, sondern um ein zu änderndes System. :) Und ja, Veränderung mögen viele nicht und Veränderung macht Angst, aber in diesem Falle geht es um einen faireren Umgang mit behinderten Menschen.
Ich habe nicht nach Politisch gut klingenden Schlagwörtern gefragt sondern danach wie es umgesetzt wird.
Sie reden hier gekonnt um den heißen Brei herum. Jede Frage nach Konkretisierung wird mit netten Floskeln umschifft.
Wenn sie selber keinen einzigen realistischen Vorschlag haben dann lassen sie doch bitte diese Werbung, die in der Realität nur zu einer Verschlechterung des Unterrichts führen kann.
Mit ein klein wenig Mathematik kann man feststellen, das eine individuelle Förderung weder bei einem Lehrauftrag von 27 Stunden noch bei einer Klassenstärke von 25+ leistbar ist.
Ja es wäre schön wenn wir Klassen mit 16 Schülern hätten und wenn Lehrer nur noch 16 Stunden in der Woche unterrichten müssten. Aber das wird nicht passieren.
Das kann nicht nur nicht zu 100% gelingen es KANN nicht gelingen. Weil sich die Methoden widersprechen.
Ein Kind benötigt möglichst große Ruhe, dem anderen müssen die Texte vorgelesen werden, ein Kind benötigt Medien die verschiedene Sinne ansprechen bei einem anderen sollte immer nur genau ein Sinn angesprochen werden.
Und warum sind sie nicht in der Lage davon zu berichten?
Haben sie Angst das man merkt das man diese Klasse nicht mit normalen Klassen in der Realität vergleichen kann. Oder müssten sie dann zugeben das zu viele Kinder deswegen zurück stecken mussten?
Und warum genau? Weil diejenigen die keinen Schein haben „hat eine Behinderung“ ja keine individuelle Förderung benötigen? Und weil man die „normalen“ Kinder ja so schön als Hilfspersonal ausnutzen kann?
Das finde ich genau das witzige an den Bildungsdiskussionen.
Haben wir kein Zentralabitur wird geheult und gejammert das die bösen bösen Lehrer machen können was sie wollen und die Schüler nur von den Launen der Pädagogen abhängig sind und die Schulen nicht vergleichbar sind.
Haben wir ein Zentralabitur kommen die jamerer aus der anderen Ecke und jaulen weil dadurch ja keine individuelle Notengebung da ist.
Sie können in ihrem System auch im letzten Schuljahr keine Noten verteilen. Weil sonst Schüler von guten Beschreibungen plötzlich auf 5en absinken müssten.
Da muss ich ihnen leider widersprechen. Das geschönte geschwurpsel das da fabriziert wird ist alles andere als Aussagekräftig für die Kinder. Und für Eltern die schwach sind in Deutsch genauso.
Da darf ja nicht direkt die Wahrheit drinstehen wenn ein Schüler eine Schwäche hat.
Ich war nicht angesprochen aber ich habe schon mehrere erlebt.
Meine Erlebnisse sind die das die Kinder ihr volles Potential nicht ausschöpfen können und sich immer deutlich mehr anstrengen müssen wie die anderen Kinder um die gleiche Leistung zu erhalten.
Kleiner Hinweis auf die Realität: An den Zahlen wird sich auch nicht viel ändern.
also, die "normalen" Schüler als statistische und arbeitserleichternde "Verdünner" der Hunderpro-Behindertenquote. Klar: bei einem geringeren Prozentsatz Behinderter in einer Klasse bleibt mehr Zeit für den Einzelnen.
Gegenüber wem? Ganz bestimmt nicht gegenüber den "normalen" Schülern. Die fallen dabei zwangsläufig hinten runter. Ich finde Ihre Haltung ganz hübsch zynisch.Und es wäre einfach fair.
Wir leben hier doch nicht im Wolkenkuckucksheim und träumen uns die perfekte Inklusion, sondern müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen!
Sie selber beschreiben die Friede-Freude-Eierkuchen-Welt, die man aber leider nur in gut ausgestatteten Schulversuchen oder in Privatschulen mit ständiger Doppelbesetzung vorfindet. Wie waren denn Ihre Rahmenbedingungen?
Ich versuche mal die so und ähnlich mehrfach erlebte Realität zu beschreiben, und zwar die mit "nur" lern- und entwicklungsgestörten Kindern.
Nehmen wir den durchaus häufig verbreiteten Fall, dass in einer Grundschulklasse 1 lernbehindertes, 1 verhaltensauffälliges und ein sprachbehindertes Kind sitzen.
Gehen wir auch davon aus, dass die sehr gutwillige, kreative, flexible Klassenlehrerin selbstverständlich (behinderten-)spezifische Lernangebote für diese Klasse vorbereitet hat.
Jetzt passiert folgendes:
Das verhaltensauffällige Kind hat sich in der Pause gestritten. Der "Gegner" sitzt auch in der Klasse. Das Kind ist so aufgebracht, dass es in der Klasse weiterhin tobt, den anderen anschreit und auch den Rest der Klasse anpöbelt. Die Lehrerin nimmt sich Zeit, widmet sich diesem Kind, will es beruhigen ....
Sie muss für Ruhe sorgen, damit die anderen Kinder arbeiten können. Das Kind ist auch ihr gegenüber aggressiv, verweigert sich, stört die Mitschüler. Es ist in dieser Stunde nicht mehr zum Lernen in der Lage, weil es sich gedanklich immer wieder mit dem Streit beschäftigt, laut schreit und weint.
Das lernbehinderte Kind beobachtet den Vorfall interessiert, mischt sich aber nicht ein. Die Lehrerin hat ihm Muggelsteine hingelegt, damit sollte es eigentlich Zahlenmengen abzählen. Die Auseinandersetzung langweilt das Kind, es kann sich aber nicht auf seine Arbeit konzentrieren und schnipst nach und nach die Steine in Richtung seiner Mitschüler, steckt einen in den Mund und verschluckt ihn beinahe. Am Ende der Stunde befindet sich immerhin ein sehr schönes Muster aus Muggelsteinen am Rand seines Rechenblattes.
Das sprachbehinderte Kind soll seine akustische Aufmerksamkeit und sein Sprachverständnis verbessern. Dazu hat ihm die Lehrerin Rechenaufgaben auf Cassette gesprochen, die soll es abhören, aufschreiben und ausrechnen. Der Umgebungslärm verhindert jeglichen Versuch, diese Aufgabe durchzuführen.
Tatsächlich versuchen einige gut gewillte Kinder trotz des Lärms ihre Arbeitsblätter zu bearbeiten, die meisten können sich jedoch nicht konzentrieren und beobachten den Schlichtungsversuch der Lehrerin und feixen herum.
An diesem Tag ist kein Sonderpädagoge im Haus, der sich des verhaltensauffälligen oder der anderen Kindern annehmen könnte. Er ist gerade an seiner Zweit- oder Drittschule. Er kommt nämlich nur an 2 Tagen in der Woche, um die Klassenlehrerin zu beraten, wie sie in den restlichen Zeiten mit den drei Inklusionskindern arbeiten soll.
Der beschriebene Tag ist kein besonderer Tag, sondern beschreibt typische Situationen und typische Rahmenbedingungen.
Verbesserungen sind amtlicherseits nicht vorgesehen.
ach nein? "Schüler XY konnte auch im 3. Schuljahr nicht davon überzeugt werden, sich mit dem Lesen und Schreiben zu befassen. Er ist einfach noch nicht reif dafür. Kleine Rechenaufgaben im Bereich der Zahlen zwischen 1 und 10 bemüht er sich aber, zu lösen. Dafür beweist er handwerkliches Geschick im Auseinanderschrauben der Schulmöbel und animiert die Mitschüler durch werfen des Balles sogar außerhalb des Schulsports in anderen Unterrichtsstunden zum Mitspielen und beweist damit hohe soziale Kompetenz..." - so in der Art?
mir gruselt es ehrlich, wenn ich das lese. Selbstverständlich ist es kompliziert, den Unterricht so zu gestalten, daß er allen Schülern gerecht wird. Die "flexible" Lösung KANN nur darauf hinauslaufen, das allgemeine Unterrichtsniveau so zu senken, daß der geistige Spagat eben nicht mehr auffällt. Mir tun dabei nur die potentiell leistungsstarken Schüler leid, denn die kommen intellektuell garantiert nicht auf ihre Kosten.Sie sind, glaube ich, viel zu sehr an eigenen Erfahrungen der Regelschule verhaftet und haben sicherlich noch nie eine einzige Stunde inklusiven Unterrichts miterlebt, sehe ich das richtig? Es ist gar nicht so kompliziert, ... Es wir mehr Kreativität und Flexibilität gefordert, ja, aber das kann doch in erster Linie nur positiv sein.
ich nehme an, Sie glauben, was Sie schreiben? Hübsche Floskel: "fairer Umgang mit behinderten Menschen". Was bitte ist denn "fair"? Und was "unfair"? Daß es für die behinderten Kinder "unfair" sei, "nicht" auf die Regelschule zu kommen, konnte mir noch niemand schlüssig erklären. Überdies gerät bei Ihrer Art der Betrachtung vollkommen außer Acht, daß behinderte Menschen zwar Teil unserer Gesellschaft sind, aber nicht das Zentrum, oder das Gros, sondern nur ein besonders schutzwürdiger Teil. Ich für meinen Teil finde es "unfair", die normalen Schüler in ihrer geistigen und schulischen Entwicklung zu beschränken, was die zwangsläufige Nebenfolge des erzwungenden Miteinanders ist. Und, mit Verlaub: Sie klingen samt Ihres Inklusions-Schwärmertums nicht wie jemand, der/die in der Lage ist, den Anforderungen eines hoch-leistungsfähigen Kindes im gleichen Maße gerecht zu werden wie denen der Behinderten, die anscheinend Ihre Welt sind, und um die sich alles dreht. Nutzen und einziger Daseinszweck der "normalen" Schüler besteht für Sie anscheinend in der Verminderung der Anforderungen, die eine komplette Klasse behinderter Kinder zweifelsohne darstellt.Aber das ist eben ein Aspekt der System-Veränderungen, die Inklusion mit sich bringen muss. Zur Erinnerung: es geht nicht darum (ich weiß, die Realitätsbedingungen sehen leider (noch) weitaus anders aus), dass behinderte Kinder in ein bestehendes System integriert werden, sondern um ein zu änderndes System. :) Und ja, Veränderung mögen viele nicht und Veränderung macht Angst, aber in diesem Falle geht es um einen faireren Umgang mit behinderten Menschen.