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Industriepromotion: Zweigleisig zum Doktortitel

GWT-TUD GmbHHier die Arbeit im Unternehmen, da die Dissertation: Wer neben dem Job promoviert, macht als Diener zweier Herren spät Feierabend. Zu schaffen ist das Doppelpensum nur mit viel Extra-Energie. Professoren sehen externe Doktoranden oft mit Argwohn: schönen Gruß von Guttenberg.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...835799,00.html
  1. #1

    Ein grauenvoller Zustand: Doktorvater wie Unternehmen erwarten 150% Einsatz. Im Unternehmen soll man sich auf eine Karriere im Management vorbereiten und entsprechenden Einsatz zeigen. Und bitte gleich bei den KollegInnen klar machen, dass man den Anspruch auf Höheres vertritt. An der Uni soll man selbstverständlich nebenher kostenlos Lehrveranstaltungen halten, regelmässig veröffentlichen und dem Lehrstuhl Kontakte in die Wirtschaft ebnen. Und dies in einem Lebensabschnitt nach dem Abschluss, wo man eigentlich auch langsam mal eine Familie gründen möchte, damit man am Ende nicht das biologische Fenster verpasst hat.

    Nach zwei Jahren des Wahnsinns zwischen den Ansprüchen von Uni und Unternehmen habe ich die Segel gestrichen und mich für eine Option entschieden. Schade zwar, aber man kann sich nur bedingt zerreissen und hat (voraussichtlich) auch nur ein Leben. Irgendwie ist die Welt auch nicht untergegangen, obwohl ich zugeben muss, ich hätte lieber weiter wissenschaftlich gearbeitet.
  2. #2

    müdes Lächeln

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Täglich rund zehn Stunden, dazu noch viele Abende und Wochenendschichten - so sah ihr Promotionsalltag in den letzten drei Jahren aus.
    Und was ist daran anders als bei einer Promotion ohne Industrie?

    Neben ihrer Dissertation als Forschungsprojekt in der Firma betreute Dorota Sich parallel auch Studenten an der Hochschule Aalen.
    Das gehört selbstverständlich dazu. Wer Wissenschaft machen möchte, muß auch den Nachwuchs lehren.
    Das Wort "Doktor" bedeutet "Lehrer"!

    Wenn es dort Firma viel zu tun gibt, kommt sie manchmal erst um Mitternacht nach Hause.
    Wenn es im Labor viel zu tun gibt, kommt man eben manchmal erst nach Mitternacht nach Hause, und das auch am Wochenende.
    Die Differenz liegt i.A. in der oft besseren Bezahlung und in den meistens schärferen Termin-Bedingungen.
    Betonung auf "meistens"! Man kann auch in der Nicht-Industrie-Promotion am Gründonnerstagabend eine Aufgabe gestellt bekommen, die über Ostern erledigt werden muß.

    In der Tat birgt eine Industriepromotion genau die Gefahr, daß die Wissenschaft in noch stärkerem Maße den inhaltlichen und terminlichen Interessen eine Firma zum Opfer fällt.
    Die im ursprünglichen Sinne vorgesehene wissenschaftliche Freiheit ist dort noch stärker gefährdet als bei einem normalen Projekt mit Industrie-Förderung.
  3. #3

    Kein Titel

    Zitat von nordschaf Beitrag anzeigen
    Ein grauenvoller Zustand: Doktorvater wie Unternehmen erwarten 150% Einsatz. Im Unternehmen soll man sich auf eine Karriere im Management vorbereiten und entsprechenden Einsatz zeigen. Und bitte gleich bei den KollegInnen klar machen, dass man den Anspruch auf Höheres vertritt. An der Uni soll man selbstverständlich nebenher kostenlos Lehrveranstaltungen halten, regelmässig veröffentlichen und dem Lehrstuhl Kontakte in die Wirtschaft ebnen. Und dies.....
    Sie waren externer Doktorand, wurden also von einer Firma bezahlt und sollten noch Lehrveranstaltungen an der Uni halten? Also da hätte ich dem Prof den Vogel gezeigt und mir einen anderen gesucht.

    Ich bin auch gerade in einer Industriepromotion und bisher kann ich mich überhaupt nicht beklagen. Was nämlich der Artikel leider nicht so deutlich herausgestellt hat, ist, dass man in der Industrie ganz andere Vorteile genießt als an der Uni. Zwar kann man vielleicht nicht sooo wissenschaftlich wie an einem Institut arbeiten, aber dafür bietet ein Unternehmen Möglichkeiten, die nur ganz wenige Institute haben. Das fängt schon damit an, dass man im Unternehmen in der Regel allerlei Experten für nahezu jeden Teilbereich hat. Was da an Wissen und Erfahrung herumläuft wird man in einer Arbeitsgruppe an einem Institut nur eingeschränkt finden. Zum anderen wäre da noch der finanzielle Aspekt. Wenn es der Arbeit dienlich ist, können Firmen Mittel und Resourcen bereitstellen, was einer Uni einfach nicht möglich ist.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hier die Arbeit im Unternehmen, da die Dissertation: Wer neben dem Job promoviert, macht als Diener zweier Herren spät Feierabend. Zu schaffen ist das Doppelpensum nur mit viel Extra-Energie.

    Per Industriepromotion zweigleisig zum Doktortitel - SPIEGEL ONLINE
    Ich vermute, in den meisten Fällen ist eine Industriepromotion anspruchsvoller, bietet dann aber auch bessere Einstiegs- und Übernahmechancen.

    In seltenen Fällen (z.B. neue Energien) existiert jedoch auch ein 'Sumpf' zwischen Industrie und Universität, der es ermöglicht, auf Kosten der Industrie Promotionen durchzuführen – diese dann überwiegend im universitären Bereich und ohne Berücksichtigung der eigentlichen Interessen der Geldgeber- und dabei auch noch ein schönes Leben zu führen.
    Für einen potentiellen Arbeitgeber wird es so schwierig, zu unterscheiden, wer hat sich da wirklich reingehangen und wer hat im Grunde genommen nur ne 0815-Dissertation abgegeben.
  5. #5

    Mann könnt sich aufregen,

    wenn man liest, wie sich manche aufgeblasene Akademikerschnösel vulgo Professoren damit brüsten, keine "externen" Doktoranden zu nehmen. Die machen ja nur unnötig Arbeit! Da ist ein gutbezahlter Hochschulpräsidentenjob doch mehr wert!
  6. #6

    Extrinsische und intrinsische Motivation

    Zitat von Hans Blafoo Beitrag anzeigen
    Sie waren externer Doktorand, wurden also von einer Firma bezahlt und sollten noch Lehrveranstaltungen an der Uni halten? Also da hätte ich dem Prof den Vogel gezeigt und mir einen anderen gesucht.

    Ich bin auch gerade in einer Industriepromotion und bisher kann ich mich überhaupt nicht beklagen. Was nämlich der Artikel leider nicht so deutlich herausgestellt hat, ist, dass man in der Industrie ganz andere Vorteile genießt als an der Uni. ..........
    Warum promovieren Sie, - schon mal darüber nachgedacht- ?

    Als Anregung zum Selberdenken:
    >>Die Psyche des Menschen funktioniert nicht nach absoluten Zahlen. Ein erheblicher Teil der Kulturleistungen Menschheit bemisst sich auch nicht nach dem Schema von finanziellem Gewinn Kosten und Nutzen.
    Wenn die intrinsische Motivation stimmt, ist die extrinsische nicht mehr allzu wichtig.

    Hervorragende Wissenschaftler, die als Privatdozenten ohne festes Professorengehalt an deutschen Universitäten arbeiten, tun das für zum Teil weniger als 1500 Euro brutto im Monat, obwohl diese Entlohnung zum Himmel stinkt! <<
    (Richard David Pracht: >>Die Kunst, kein Egoist zu sein<< )
  7. #7

    Kein Titel

    Zitat von MiniDragon Beitrag anzeigen
    Warum promovieren Sie, - schon mal darüber nachgedacht- ?

    Als Anregung zum Selberdenken:
    >>Die Psyche des Menschen funktioniert nicht nach absoluten Zahlen. Ein erheblicher Teil der Kulturleistungen Menschheit bemisst sich auch nicht nach dem Schema von finanziellem Gewinn Kosten und Nutzen.
    Wenn die intrinsische Motivation stimmt, ist die extrinsische nicht mehr allzu wichtig.

    Hervorragende Wissenschaftler, die als Privatdozenten ohne festes Professorengehalt an deutschen Universitäten arbeiten, tun das für zum Teil weniger als 1500 Euro brutto im Monat, obwohl diese Entlohnung zum Himmel stinkt! <<
    (Richard David Pracht: >>Die Kunst, kein Egoist zu sein<< )
    Natürlich habe ich schon selber darüber nachgedacht, ansonsten würde ich das nicht machen. Was mir aber der Rest, in diesem Kontext, sagen soll erschließt sich mir nicht. Ich bin in meinem Beitrag überhaupt nicht auf die Bezahlung eingegangen. Wo Sie das jetzt hinein interpretieren ist mir schleierhaft.
  8. #8

    Zitat von Hans Blafoo Beitrag anzeigen
    Sie waren externer Doktorand, wurden also von einer Firma bezahlt und sollten noch Lehrveranstaltungen an der Uni halten? Also da hätte ich dem Prof den Vogel gezeigt und mir einen anderen gesucht.
    Mitte der 90er war das noch ziemlich exotisch und unerprobt. Organisiert war es als Teilzeitstelle (zeitlich befristete Reduktion der Arbeitszeit) in der Wirtschaft im 6-Wochen-Wechsel mit Uni-Phasen zur Promotion. Insofern fanden sich wohl beide Seiten eher generös, dass sie mir überhaupt Zeit für den jeweils anderen Aufgabenbereich ermöglichten und wollten wohl jeweils das Maximum aus der Sache rausholen.

    Es ist zu wünschen, dass das mittlerweile besser organisiert ist und man eine Chance hat, das auch zu schaffen. Der Schlafanteil sollte nicht dauerhaft unter 5 Stunden liegen, wenn man intelligente Ergebnisse liefern soll. ;-)
  9. #9

    Titel!

    Tja, einem Freund von mir ist es anders ergangen. Er hat bei einem großen deutschen Unternehmen für seine Promotion geforscht, durfte aber anschließend die Ergebnisse nicht veröffentlichen, weil sie für die Konkurrenz zu interessant wären. Keine Veröffentlichung - kein Doktor. Geschadet hat es ihm zwar nicht, geärgert aber riesig.


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