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Industriepromotion: Zweigleisig zum Doktortitel

GWT-TUD GmbHHier die Arbeit im Unternehmen, da die Dissertation: Wer neben dem Job promoviert, macht als Diener zweier Herren spät Feierabend. Zu schaffen ist das Doppelpensum nur mit viel Extra-Energie. Professoren sehen externe Doktoranden oft mit Argwohn: schönen Gruß von Guttenberg.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...835799,00.html
  1. #10

    Entwicklungsarbeit

    Zitat von Hans Blafoo Beitrag anzeigen
    Sie waren externer Doktorand, wurden also von einer Firma bezahlt und sollten noch Lehrveranstaltungen an der Uni halten? Also da hätte ich dem Prof den Vogel gezeigt und mir einen anderen gesucht.

    Ich bin auch gerade in einer Industriepromotion und bisher kann ich mich überhaupt nicht beklagen. ...
    Tatsächlich sind nach meiner Erfahrung externe Doktoranden besser gestellt als interne. Ihre (finanzielle) Unabhängigkeit erlaubt es ihnen selbstbewusster gegenüber den Professoren aufzutreten. Das wissen die Profs auch. Sie wollen es sich ja nicht mit der Industrie verscherzen.

    Vom wissenschaftlichen Standpunkt sieht es bei den externen eher mau aus. Sie sind von der wissenschaftlichen Diskussion in den Instituten mehr oder weniger ausgeschlossen. Sie arbeiten unter starkem Zeitdruck und lösen ihre Themen meistens nach einem „best practice“-Ansatz. Da kommt nicht viel wissenschaftliches heraus.
    Externe stehen dafür in aktuellen und relevanten Industrieprojekten und sind somit näher am „Markt“.
    Aber hier liegt oft das Missverständnis externer Promotionen im technischen Bereich: Es wird zwischen Entwicklungsarbeit der Industrie und wissenschaftlicher Arbeit nicht unterschieden.
  2. #11

    Zitat von MiniDragon Beitrag anzeigen
    Warum promovieren Sie, - schon mal darüber nachgedacht- ?
    Ich weiss nicht, worauf Sie jetzt hinaus wollen, aber wissenschaftliches Arbeiten macht auch einfach einen Höllenspass. Das Kratzen an den Kanten des Bekannten; das Verfolgen einer Ahnung bis man auf eine neue Fragestellung trifft; schauen, ob man eine Idee auf ein tragfähiges Fundament gestellt bekommt usw. usw. sind einfach unglaublich spannend. Zugegeben, es ist auch ziemlich viel Fleissarbeit dabei, aber das ist halt Teil des Spiels. Ich für meinen Teil hatte auch mal das Ziel, etwas für die Qualität der Lehre tun und der mit Bologna eingezogenen Tonnen-Ideologie Inhalte entgegen zu setzen. Wie man sieht, bin ich ja nicht allein gescheitert. :-)

    Offenbar hat die Unterteilung in Bachelor und Master nicht die erwünschte industrielle Verwertbarkeit der Absolventen gebracht. Nun wurden endlich die Forderungen der Industrie nach kürzeren Studienzeiten, erhöhter Anwendbarkeit und flächendeckenden Praktika erfüllt und noch immer kommt aus den Unis nicht der perfekt verwertbare Absolvent heraus. Nun werden die fertigen Kräfte als zu wenig kreativ, zu wenig mutig im Erproben von Neuem, zu stromlinienförmig und erfolgsorientiert beurteilt. Tja, kreative und eigenständig denkende und handelnde Menschen sind natürlich immer unbequem und es kann auch nicht sein, dass diese Eigenschaften erst auf dem Weg zur Promotion gefördert werden (falls einem die Industriepromotion denn dazu Zeit lässt), während der Rest auf dem Niveau eines "akademischen Facharbeiters" verwertet wird. Es stellt sich also die Frage, ob wir nicht mit viel Aufwand exakt die Eigenschaften "weggezüchtet" haben, die bisher auch Deutschlands technologischen Fortschritt getaktet haben.
  3. #12

    lustig,

    klar mag ein in der Hochschule gereifter Professor keine externen Doktoranden aus der Industrie. In den meisten praktischen Dingen sieht der Professor nebst seinen normalen Doktoranden ziemlich alt aus mit seinem Lehrbuchwissen. Und vielleicht sollten alle Kommentatoren das schöne Stichwort "Guttenberg" insoweit differenzieren, dass es in den technischen Disziplinen nicht lohnt, Text zu kopieren. Dort muss man nach geschönten Meßergebnissen suchen
  4. #13

    Eine kleine Gegendarstellung

    Ich habe selber in der Industrie promoviert und finde es sehr schade, wie dieses Modell in diesem Artikel in Verruf gebracht wird.

    Eine saubere Industriepromotion hinzulegen bedeutet - wie im Artikel angedeutet - zunächst einmal eine Menge Arbeit, da man zwei Welten miteinander vereinen muss. Gerade wenn der betreuende Professor ernsthaft an wissenschaftlichen Ergebnissen interessiert ist, wird er den Kandidaten nämlich dazu zwingen, wissenschaftlich sauber zu arbeiten. Das ruft auch oftmals Unverständnis beim Industriepartner hervor, so dass auch einiges an Durchsetzungsvermögen gefragt ist.

    Bedingt durch die meist sehr praxisbezogene Fragestellung gibt es in den meisten Fällen auch keine Möglichkeit, in ernsthaftem Umfang "zu schummeln", schon gar nicht "a la Guttenberg". Die Korrektheit einer Dissertation lässt sich an zwei Skalen messen. Zum einen ist dies die inhaltliche Korrektheit. Hier gilt es, Lösungen für in der Literatur bisher nicht bearbeitete Problemstellungen von wissenschaftlicher Relevanz zu finden. Wichtig ist dabei, dass der betreuende Professor die Relevant des Themas richtig einschätzt. Das Verhandeln des Themas kann sich im Falle eines ernsthaft betreuenden Professors gut und gerne über das erste Jahr der Promotion erstrecken. Ob die entwickelte Lösung geeignet ist, um das Problem zu lösen lässt sich in Industriepromotionen oftmals unter realistischeren Konditionen überprüfen als bei einer theoretischen Promotion.
    Der andere Teil der Korrektheit ist die Sorgfalt bei der Ausarbeitung. Hier gilt es, den schriftlichen Teil der Arbeit und somit die Dokumentation der wissenschaftlichen Leistung in Eigenregie anzufertigen. Hier ist aus meiner Sicht die Gefahr des unbemerkten Abschreibens nicht größer oder kleiner als bei einer Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl. Ein guter Professor setzt sich umfangreich mit der Arbeit auseinander, stellt Fragen zu einzelnen Abschnitten, Sätzen und Formulierungen und sollte somit Aufgrund seiner profunden Literaturkenntnis ein Plagiat leicht erkennen können.
    Die mir bekannten Plagiatsfälle, überwiegend durch Politiker begangen, die neben etlichen Ämtern und ohne jeglichen Bezug zur eigenen Arbeit eine Promotion "angefertigt" haben, sind übrigens überwiegend geisteswissenschaftliche Arbeiten. Von einer geisteswissenschaftlichen Industriepromotion habe ich noch nichts gehört.
    Die vom Autor missbrauchte Quelle (Thema korrektes zitieren) spricht sich übrigens nicht gegen Praxispromotionen aus - sondern gegen Karrierepromotionen. Zitat: "Hobby-Doktoranden ohne wirkliches wissenschaftliches Interesse sollten einfach gar nicht mehr promovieren.". Es ging in dem Artikel übrigens mal wieder um einen einem Politiker aberkannten Doktortitel...
  5. #14

    Selber schuld

    Zitat von joey55 Beitrag anzeigen
    Tja, einem Freund von mir ist es anders ergangen. Er hat bei einem großen deutschen Unternehmen für seine Promotion geforscht, durfte aber anschließend die Ergebnisse nicht veröffentlichen, weil sie für die Konkurrenz zu interessant wären. Keine Veröffentlichung - kein Doktor. Geschadet hat es ihm zwar nicht, geärgert aber riesig.
    Wer eine Industriepromotion anstrebt, der klärt – so er denn mitdenkt- im Vorfeld ab, ob/was er veröffentlichen darf und teilt seine Experimente entsprechend in vertraulich und Diss auf, so dass genau der beschriebene Fall nicht passieren kann. Und wenn sich der Arbeitgeber sperrt, dann bittet man eben um eine Themenänderung bzw. nimmt eben einen Teil mit rein der nicht zu besagtem Problem führt. So viel sollte man schon selber mitdenken.
  6. #15

    Plagiatsvorwurf

    Zitat von tim2s Beitrag anzeigen
    Zitat: "Hobby-Doktoranden ohne wirkliches wissenschaftliches Interesse sollten einfach gar nicht mehr promovieren.". Es ging in dem Artikel übrigens mal wieder um einen einem Politiker aberkannten Doktortitel...


    Geschummelte natur- bzw. ingenieurswissenschaftliche Promotionen stell ich mir nicht wirklich einfach vor, da müsste man sich schon sehr weit aus dem Fenster lehnen und Experimentergebnisse fälschen und Dinge erfinden, die es gar nicht gibt.

    Und bei Industriepromotionen stell ich mir das besonders schwer vor, denn da werden auf jeden Fall Ergebnisse erwartet.

    Plagiatsdissertationen wird man bevorzugt im geisteswissenschaftlichen Bereich finden, schätze ich, weil –wie man an unseren Politikern sieht- viel einfacher zu fälschen.
  7. #16

    Doktortitel zum Karrieremachen ist eigentlich unsinnig

    Um es gleich vorwegzunehmen - ich weiss wovon ich spreche und habe selber genug akademische Würden und Praxiserfahrung um mitreden zu können. Einfach gesprochen soll ein Doktorand wissenschaftlich arbeiten und einen eigenständigen Beitrag dazu leisten, die Grenzen des Wissens zu erweitern.
    Von diesem Gedanken her führt es nur zu Auswüchsen a la Guttenberg, wenn mit der Promotion die Erwartung nach Karrieresprüngen verbunden ist. Wissenschaft um der Wissenschaft willen. "Praxisorientierte Wissenschaft" ist das Unwort per se. Es gibt den Forschungs- und Entwicklungbereich und die notwendige Grundlagenforschung eines ergebnisorientierten Unternehmens aber dies sollte vom akademisch orientierten Universitätsbereich differenziert werden.
    Utilaristische Ziele sind hier fehl am Platz und sollten weder gefordert noch gefördert werden. Doktorväter, die ihre Doktoranden nur als Zuträger ausnutzen um sich selbst zu profilieren bzw. Drittmittel einzuheimsen und primär karriereorientierte Doktoranden sind der ideale Nährboden um Universitäten und eine akademische Ausbildung zu diskreditieren.
  8. #17

    Zitat von gut-mensch Beitrag anzeigen
    Um es gleich vorwegzunehmen - ich weiss wovon ich spreche und habe selber genug akademische Würden und Praxiserfahrung um mitreden zu können.
    Ich auch, ich auch... (-:

    Zitat von gut-mensch Beitrag anzeigen
    Von diesem Gedanken her führt es nur zu Auswüchsen a la Guttenberg, wenn mit der Promotion die Erwartung nach Karrieresprüngen verbunden ist. Wissenschaft um der Wissenschaft willen.
    Da die Promotion für praktisch jede ernsthafte Betätigung in der Wissenschaft, erst recht an den Unis, Grundvoraussetzung ist und damit Basis für jegliche Karriere, scheint mir dieser Differenzierungsversuch doch etwas abstrakt.

    Zitat von gut-mensch Beitrag anzeigen
    "Praxisorientierte Wissenschaft" ist das Unwort per se. Es gibt den Forschungs- und Entwicklungbereich und die notwendige Grundlagenforschung eines ergebnisorientierten Unternehmens aber dies sollte vom akademisch orientierten Universitätsbereich differenziert werden.
    Das klingt mir doch sehr nach Abgrenzungsversuchen: Wir an der Uni und die anderen... Der Zwecke von Wissenschaft muss nicht lange herbeiphilosophiert werden. Er ist immer praxisorinetiert. Wissenschaft wird eben nicht um der Wissenschaft wegen betrieben sondern um des Wissens wegen. Und dieses Wissen dient immer (!) den Menschen - sei es in Form neuer Technologien, neuer Behandlunsgmethoden oder neuer Tehorien gesellschaftlichen Zusammenlebens.

    Von diesem Standpunkt betrachtet macht es überhaupt keinen Sinn, diejenigen zu "sortieren", die Wissenschaft betreiben. Ob ich das an der Uni oder in einer Firma mache, hauptberuflich oder als externer Doktorand ist vollkommen egal. Jegliche Schubladen, die hier definiert werden, jeglicher Uni-ist-besser-als-Firma-Chauvinismus ist nichts anderes als Ausdruck kleingeistigen menschlichen Abgrenzungsbestrebens. Das scheint mir so gar nicht wissenschaftlich.

    Wissenschaft muss sich nur einem Maßstab unterwerfen: Dem Ideal der Objektivität. Es gibt genügend Kriterien, das zu prüfen. Die wissenschaftlichen Gütekriterien z. B. gelten überall und würden - bei konsequenter Anwednung und Prüfung - auch Guttenberg und Co. zu Fall bringen.
  9. #18

    .

    Zitat von joey55 Beitrag anzeigen
    Tja, einem Freund von mir ist es anders ergangen. Er hat bei einem großen deutschen Unternehmen für seine Promotion geforscht, durfte aber anschließend die Ergebnisse nicht veröffentlichen, weil sie für die Konkurrenz zu interessant wären. Keine Veröffentlichung - kein Doktor. Geschadet hat es ihm zwar nicht, geärgert aber riesig.
    Diese Geschichte kann ich nicht glauben. Man schützt seine Verfahren durch Patente. Danach spricht nichts gegen eine Veröffentlichung.

    Nicht umsonst wird heutzutage praktisch alles patentiert. Und ist es auch noch so belanglos.
  10. #19

    Mängel beider Seiten vereinen?

    Ich habe noch nie (!) von einer Industriepromotion gehört, bei der der Doktorand auch noch die Aufgaben in der Lehre an der Uni übernehmen musste, zumal dies vermutlich schlicht illegal, da kein Lehrauftrag von der Hochschule da.

    Aber in der dt. Hochschullandschaft ist tatsächlich - leider Gottes - so viel professorale Willkür und Standesdünkel möglich und legal, dass einein nur noch wenig erschüttern kann.


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