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Indien in der Kritik: Die empfindlichste Demokratie der Welt

AP"Tragische Figur", "Versager": Indiens Premier Singh gilt als führungsschwach - und das schrieb ein US-Journalist auch. Nun gerät der Reporter unter Druck. Im Land, das sich als "weltgrößte Demokratie" bezeichnet, sind Widerworte unerwünscht.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...855107,00.html
  1. #1

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    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Tragische Figur", "Versager": Indiens Premier Singh gilt als führungsschwach - und das schrieb ein US-Journalist auch. Nun gerät der Reporter unter Druck. Im Land, das sich als "weltgrößte Demokratie" bezeichnet, sind Widerworte unerwünscht.

    Korruption: In Indien ist Kritik gegen Manmohan Singh unerwünscht - SPIEGEL ONLINE
    Es ist schon bemerkenswert, wie Indien in den letzten Wochen zunehmend, meistens von amerik. Journalisten, kritisiert und teilweise verunglimpft wird.

    Hierfuer kann es nur eine Erklaerung geben - Aerger und Enttaeuschung ueber Indiens unbeugsamen Willen, sich nicht amerikanischem Diktat, politisch und wirtschaftlich, unterzuordnen.

    Hut ab vor MM Singh, der die Unabhaengigkeit und Buendnisfreiheit Indiens hoeher schaetzt als eine "Allianz", die Indien nur schaedlich sein wuerde.
  2. #2

    Wie vor 250 Jahren in Wuerttemberg

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Tragische Figur", "Versager": Indiens Premier Singh gilt als führungsschwach - und das schrieb ein US-Journalist auch. Nun gerät der Reporter unter Druck. Im Land, das sich als "weltgrößte Demokratie" bezeichnet, sind Widerworte unerwünscht.

    Korruption: In Indien ist Kritik gegen Manmohan Singh unerwünscht - SPIEGEL ONLINE
    Schiller musste seine Heimat fleuchtend verlassen weil er Freiheitsliterartur schrieb.

    Indien 250 Jahre zurueck, 300 Millionen Analphabeeten 100 Millionen Superreiche, Millionen Untouchables. Wie vor 250 Jahren in Wuerttemberg, nur riesig und mit Atombombe.

    Der Cartoon war toll. und absolut zutreffend.
  3. #3

    Dein Motiv: USA Hass?

    Zitat von reply Beitrag anzeigen
    Es ist schon bemerkenswert, wie Indien in den letzten Wochen zunehmend, meistens von amerik. Journalisten, kritisiert und teilweise verunglimpft wird.

    Hierfuer kann es nur eine Erklaerung geben - Aerger und Enttaeuschung ueber Indiens unbeugsamen Willen, sich nicht amerikanischem Diktat, politisch und wirtschaftlich, unterzuordnen.

    Hut ab vor MM Singh, der die Unabhaengigkeit und Buendnisfreiheit Indiens hoeher schaetzt als eine "Allianz", die Indien nur schaedlich sein wuerde.
    Du willst doch nicht etwa behaupten, du hättest da ein Auge drauf? Schied doch mal eine Reihe Links rüber und als Vergleich die "wohlwollende" Berichterstattung von früher.

    Wenn du das nicht kannst, dass ist es wohl doch nur typisches USA gebashe...
  4. #4

    The Underachiever

    Ja, aber Manmohan Singh ist ein Versager - da hat die "Washington Post" völlig recht, zumindest wenn es um seine Amtszeit als Premierminister geht - als Finanzminister in den neunziger Jahren hat er sich ernsthafte Verdiente um die Modernisierung der indischen Volkswirtschaft erworben, das ist unstrittig.

    Als Premierminister hingegen ist unter ihm ein erheblicher Reformstau entstanden. Keine Modernisierung der Verwaltung, stattdessen Politisierung der Beamtenschaft Inkompetenz und Bestechlichkeit. Für die Armen macht die Regierung Singh herzlich wenig - und bei vielen Initiativen scheint es, als ob sie der Mittelschicht mit ihrer dirigistischen Politik den Krieg erklärt hat.


    In den letzten acht Jahren ist Indien erheblich hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben: Die Anzahl der Korruptionsskandale hat unter Singh zugenommen, ebenso wie Terroranschläge (die Anschläge in Bombay 2008 waren nur das krasseste Beispiel). Die Inflation steigt und die Produktivität Indiens sinkt.

    Anders als mein Vorredner vermag ich nur wenig Positives an der Aussenpolitik von Herrn Singh zu erkennen: Schwäche gegenüber Pakistan, geringe diplomatische Kompetenz und ein Festhalten an der überkommenen Idee der Blockfreiheit (die spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges nun wirklich passé ist) sind nur stellvertretend für die aussenpolitische Naivität dieser Administration. Indien kann man nur wünschen, dass es mit der Kongresspartei nächstes Jahr endlich ein Ende mit Schrecken gibt.

    Apropos Spiegel: Wieso berichtet ihr aus Islamabad über Indien? Mal im Ernst, New Delhi ist wohl viel sicherer und da Herr Kazim ja schwerpunktmässig Berichterstattung zu Indien leistet, wäre es ja nur logisch, dass er sein Quartier in Indien bezieht...just my two cents!
  5. #5

    Nicht nur in Indien!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Tragische Figur", "Versager": Indiens Premier Singh gilt als führungsschwach - und das schrieb ein US-Journalist auch. Nun gerät der Reporter unter Druck. Im Land, das sich als "weltgrößte Demokratie" bezeichnet, sind Widerworte unerwünscht.

    Korruption: In Indien ist Kritik gegen Manmohan Singh unerwünscht - SPIEGEL ONLINE
    Indien und seine Bürger sind Weltmeister in echter oder unechter Empörung, weil sie sich selbst ihrer Fehler bestens bewusst sind. Am Ende des 2. Weltkriegs standen andere Nationen in Asien noch viel mieser da, aber fast alle (Japan, Korea, Taiwan, China, Malaysia, Thailand) haben sich hochgearbeitet und liegen, was die Wirtschaftskraft und die Einkommensverteilung angeht, vor Indien.

    Das wird vom offiziellen Indien immer mit dem Hinweis auf die langsamen Mühlen der Demokratie begründet, was jedoch nur die halbe Wahrheit ist. Tatsache ist, dass die zwei Begriffe "Organisation" und "Indien" nie im positiven Sinne zusammen ausgeprochen werden können.

    Allerdings gibt es in vielen ehemaligen Kolonien (ausser z.B. Australien oder Neuseeland) einen reflexartigen Minderwertigkeitskomplex. Am ausgeprägtesten ist er in Singapur, wo die Regierung sogar ein "Wahrheitsministerium" betreibt, welches die heimische Presse praktisch besitzt und ausländische Berichterstattungen (z.B. zur Kleptokratie der Familie Lee) mit Klagen eindeckt (die allerdings nur in Singapur, dank einer gesteuerten Justiz, erfolgreich sind).

    Ausländischen Medien, die einen Stützpunkt in Singapur betreiben (wie z.B. die BBC) dürfen gar nicht erst über politische Themen in Singapur berichten.

    Indien scheint hier mehr und mehr von Singapur abzukupfern. Besser wäre es, wenn Indien von Singapur die Wirtschaftspolitik kopieren würde - nicht die unfreie Presse.
  6. #6

    Zitat von Kudi Beitrag anzeigen
    Indien und seine Bürger sind Weltmeister in echter oder unechter Empörung, weil sie sich selbst ihrer Fehler bestens bewusst sind. Am Ende des 2. Weltkriegs standen andere Nationen in Asien noch viel mieser da, aber fast alle (Japan, Korea, Taiwan, China, Malaysia, Thailand) haben sich hochgearbeitet...

    Tatsache ist, dass die zwei Begriffe "Organisation" und "Indien" nie im positiven Sinne zusammen ausgeprochen werden können.
    Ich gebe Ihnen nur teilweise Recht: Sie unterschlagen, dass weder Südkorea, Japan, Taiwan und Malaysia mit einer Bevölkerungszahl von 1 Milliarde(+) fertig werden mussten. In Anbetracht dessen schneiden die Inder gar nicht mal so schlecht ab. Ich würde gerne sehen, wie Deutschland sich mit einer entsprechenden Bevölkerungsstärke behaupten würde. Sie unterschlagen auch, dass China bis Anfang der achtziger Jahre eben keine dynamische Wirtschaft war, sondern sich erst unter Deng Xiaoping stetig öffnete. Indiens Deng in den neunziger Jahren war Manmohan Singh.

    Die Demokratie ist aber durchaus ein Hindernis - vor allem vis-à-vis China. Die anderen asiatischen Staaten, die Sie als Beispiele anführen haben zu grossen Teilen (ausser China) eben keine heterogene Bevölkerung, sondern ethnisch einheitliche Staatsvölker (selbst in China sind die Han-Chinesen deutlich in der Mehrheit). In Indien gibt es 2 offizielle (Englisch und Hindi) und 17 assoziierte Amtssprachen, hunderte Dialekte, 28 Bundesstaaten (und 7 Bundesterritorien).

    Dass in einer Region in der Gewalt, Autoritarismus und zivilisatorische Rückständigkeit an der Tagesordnung ist, die Inder ihre demokratischen Wurzeln trotz Entwicklungsdrucks bewahren konnten, ist bemerkenswert. Sicherlich sind diese Errungenschaften nicht vollkommen - und ja, das Land muss dynamischer werden und stärker auf Infrastruktur und allgemeinen Wohlstand achten...aber unter den Bedingungen schneidet es nicht schlecht ab. Sie sind noch nicht gut genug, aber ich rechne damit, dass die Inder schon den Weg finden werden, sich gegenüber ihrer politischen Klasse Gehör zu verschaffen - anders als wir Deutsche...
  7. #7

    Zitat von prqc Beitrag anzeigen
    Die Demokratie ist aber durchaus ein Hindernis - vor allem vis-à-vis China. Die anderen asiatischen Staaten, die Sie als Beispiele anführen haben zu grossen Teilen (ausser China) eben keine heterogene Bevölkerung, sondern ethnisch einheitliche Staatsvölker (selbst in China sind die Han-Chinesen deutlich in der Mehrheit). In Indien gibt es 2 offizielle (Englisch und Hindi) und 17 assoziierte Amtssprachen, hunderte Dialekte, 28 Bundesstaaten (und 7 Bundesterritorien).
    Insofern ist Indien bereits ein Vorbild, wie wir uns in Zukunft ein (formal) geeintes Europa vorstellen. ;-)
  8. #8

    ...

    Zitat von Kudi Beitrag anzeigen
    Indien und seine Bürger sind Weltmeister in echter oder unechter Empörung, weil sie sich selbst ihrer Fehler bestens bewusst sind. Am Ende des 2. Weltkriegs standen andere Nationen in Asien noch viel mieser da, aber fast alle (Japan, Korea, Taiwan, China, Malaysia, Thailand) haben sich hochgearbeitet...
    Am Ende des 2. WK war weder Indien noch Malaysia eine Nation. Dies wurden beide erst 1947 bzw. 1957. China war in weiten Teilen entweder vollkommen zerstört oder rückständig im Mittelalter. Japan war wie Deutschland ein weitgehend zerstörtes und besiegtes Land. Taiwan existierte in dieser Form nicht einmal und wurde, nachdem es zu "National-China" wurde, von den USA massiv hochgepuscht. Thailand war unabhängig... wie seine Wirtschaft aussah weiß ich nicht, es ist auch kaum nachforschbar. Wahrscheinlich war es ein reines Agrarland. Heute ist es ein Land dessen offizielle und rechtmäßige Wirtschaft weitgehend auf Tourismus beruht.

    Zitat von Kudi Beitrag anzeigen
    Das wird vom offiziellen Indien immer mit dem Hinweis auf die langsamen Mühlen der Demokratie begründet, was jedoch nur die halbe Wahrheit ist...
    Hier gebe ich Ihnen Recht. Allerdings sind auch Taiwan, Malaysia und Singapore von Ihrer Verfassung her demokratische Staaten. Sie sind nur erheblich kleiner als Indien. Und kämpfen nicht mit einem rückständigen mittelalterlichen Kastensystem. Wie Indien "organisiert" ist mag ich nicht wirklich beurteilen. Vom offensichtlichen anschein her sind "Organisation" und "Indien" wohl grundsätzliche Gegensätze ;-)

    Zitat von Kudi Beitrag anzeigen
    Allerdings gibt es in vielen ehemaligen Kolonien einen reflexartigen Minderwertigkeitskomplex. Am ausgeprägtesten ist er in Singapur, wo die Regierung sogar ein "Wahrheitsministerium" betreibt, welches die heimische Presse praktisch besitzt und ausländische Berichterstattungen (z.B. zur Kleptokratie der Familie Lee) mit Klagen eindeckt.
    Singapore ist sicher ein extrem reaktionärer Staat. Ein klein wenig der Disziplin mit der dort agiert wird, würde Indien aber sicher nicht schaden. Allerdings kann man Singapore eher mit Luxembourg vergleichen als mit der Milliardennation Indien...

    Zitat von Kudi Beitrag anzeigen
    Indien scheint hier mehr und mehr von Singapur abzukupfern. Besser wäre es, wenn Indien von Singapur die Wirtschaftspolitik kopieren würde - nicht die unfreie Presse.
    Ich glaube nicht das in Indien eins von beidem wirklich zum erfolg führen würde. Dafür ist das Land zwischen Himalaya und Kap Komorin viel zu uneinig, different und lokalpatriotisch. Im Grunde geht es Indien wie Deutschland vor 1871: Ein übermächtiges Preussen das selbstherrlich führt, ein zickendes Bayern und schmollendes Österreich und 500 selbstherrliche und egomane Provinzpossenfürsten.Nur hatte Deutschland damals einen riesen Vorteil gegenüber Indien heute: Die Religionskonflikte waren längst dahin verbannt wo sie hingehören: An Stammtische und in Schützenvereine. Mann kann allerdings nur hoffen dass Indien keine 2 Weltkriege brauch um einen funktionierenden Nationalstaat zu erschaffen... ;-)

    P.S.: Ich musste die zitierte Stellen teilweise kürzen. Entschuldigung hierfür.
  9. #9

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    Die Inder sind so stolz auf ihr Land und scheren sich überhaupt nicht um ihre arme Bevölkerung.


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