Im Sadomaso-Wahn: Darunter trugen sie Leder

Was genau fasziniert die Leserinnen und Leser eigentlich an "Shades of Grey", diesem Bestseller über eine Sadomaso-Beziehung? Vielleicht gibt ja ein Selbstversuch die Antwort. Daher folgt jetzt eine Weltpremiere: Frau S.B. hat ein exklusives Stück Erotikliteratur verfasst.

Sibylle Berg über 50 Shades of Grey - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    optional

    BDSM goes mainstream - so what?
  2. #2

    anne rice

    ist bdsm nicht seit ewigkeiten mainstream? dachte bisher, alle tuen nur so, als wäre das tabubelastet, weil es sonst -im rahmen des legalen- nichts mehr zu brechen gibt? (bin zu faul, um aus "brechen" noch ein wortspiel zu basteln, aber für vorschläge immer offen)

    vlg
  3. #3

    optional

    Merkwürdiger Artikel....
    ....die ihre Haare zu schwarz färbte....
    Gibt es noch schwärzer als schwarz?
  4. #4

    Hurra!

    Endlich mal ein cooler Beitrag zum Thema! Unabhängig ob jemand BDSM mag oder nicht, hat Mann das Gefühl,nach einem Blick in die Bestsellerliste, es steht schlecht um die Verfasstheit vieler Frauen. Da wird Mann leicht zum Meta-Chauvie. Leider versiegt aber auch gleichzeitig das Verlangen. Ich dachte letztens, wenn ich eine Kontatanzeige schreiben würde käm da jetzt als Grundvoraussetzung die Abneigung gegen "Shades of Grey" rein. Als Idotinnen-Test sozusagen.

    Super Premiere von S.Berg! Alle Peinlichkeiten werden in eleganter Beiläufigkeit angeschnitten. Tatsächlich kann ich an mir selber eine Tendenz zur Asexualität bemerken, seit Prostitution und Performance sich mehr und mehr als Leitbild manifestieren wirds irgendwie fade.
    Sie kamen als Freund und wurden zu Wurst oder vielleicht,
    es kam als Freude und Wurde zu Wurst.
  5. #5

    unerklärlich

    Warum wird dieses Buch eigentlich seit Wochen durch alle Medien gezogen? Wer was über BDSM lesen wollte, konnte das doch vorher schon tun. Zudem ist es nicht mal gut. Gibt es sowas wie die goldene Himbeere für Bücher?
  6. #6

    Ich gähne mit...

    ...Frau Berg. Wer nicht einmal de Sades 120 Tage von Sodom, "das Auge" von Georges Batailles und natürlich Felix Saltens Meisterwerk, die "Mutzenbacher" gelesen hat, kann diesen post-spießigen "Grautönen" wohl was abgewinnen.
  7. #7

    Die Faszination des Sexuellen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was genau fasziniert die Leserinnen und Leser eigentlich an "Shades of Grey", diesem Bestseller über eine Sadomaso-Beziehung? Vielleicht gibt ja ein Selbstversuch die Antwort. Daher folgt jetzt eine Weltpremiere: Frau S.B. hat ein exklusives Stück Erotikliteratur verfasst.

    Sibylle Berg über 50 Shades of Grey - SPIEGEL ONLINE
    Ich kenne dieses "Shades of Grey" nicht und werde es wohl auch nicht lesen, um meinen feinen Sinn für gute Literatur nicht zu malträtieren.
    Der Selbstversuch von Frau Berg hat mich nicht vom Hocker gehauen, es handelt sich zweifelsohne nicht um eine Auslassung von weltliterarischem Rang.

    Dass sich Sex sellt, wusste übrigens schon Johannes Mario Simmel, er baute in seine Romane regelmässige Sexszenen ein. Aber das wusste auch schon ein Marquis de Sade, nur dass dieser aufgrund seiner diabolischen Neigung gar nicht anders konnte. Ach ja, auch ein Miller oder Bukowski ritten auf dieser Welle, fremder Sex ist nun mal ein Faszinosum, vielleicht deswegen, weil der eigene ziemlich unspektakulär, um nicht zu sagen belanglos ist. Männer kommen zu früh, Frauen oft gar nicht. Schaut man sich dann zusammen einen Porno an, wird einem die eigene Unzulänglichkeit schmerzhaft und laut vor Augen geführt.

    Unsere Leistungsgesellschaft, die permanent alles vergleicht, spart auch den Sex nicht aus - Fitnesstudio und blaue Pillen sind nicht von ungefähr so beliebt. Mann und Frau möchten eben mithalten können.

    Bei SM kommt noch das Verruchte, das Abartige hinzu, das einen ganz besonderen Reiz ausstrahlt. Man bewegt sich vorübergehend ausserhalb der gesellschaftlichen Normen und Regeln, versucht die engen Bande zu durchbrechen. Sex egal in welcher Form hat etwas Archaisches, Subversives, was einen Teil seiner Faszination ausmacht.
    Der ansonsten perfekt funkltionierende und eingepasste Bürger taucht damit kurze Zeit in eine andere, unregulierte, spontane Welt ab - oder er versucht es zumindest. Ohne Konflikte geht es bei diesem Aufeinanderprallen von Geistigem und Triebhaftem, vom Apollinischen und Dionysischem, oft nicht ab. Der Mensch ist und bleibt im Unterschied zum Tier ein Zwitterwesen und muss immer wieder nach Ausgleich suchen!
  8. #8

    Zitat von Spiegelkritikus Beitrag anzeigen
    Ich kenne dieses "Shades of Grey" nicht und werde es wohl auch nicht lesen, um meinen feinen Sinn für gute Literatur nicht zu malträtieren.
    Der Selbstversuch von Frau Berg hat mich nicht vom Hocker gehauen, es handelt sich zweifelsohne nicht um eine Auslassung von weltliterarischem Rang.

    Dass sich Sex sellt, wusste übrigens schon Johannes Mario Simmel, er baute in seine Romane regelmässige Sexszenen ein. Aber das wusste auch schon ein Marquis de Sade, nur dass dieser aufgrund seiner diabolischen Neigung gar nicht anders konnte. Ach ja, auch ein Miller oder Bukowski ritten auf dieser Welle, fremder Sex ist nun mal ein Faszinosum, vielleicht deswegen, weil der eigene ziemlich unspektakulär, um nicht zu sagen belanglos ist. Männer kommen zu früh, Frauen oft gar nicht. Schaut man sich dann zusammen einen Porno an, wird einem die eigene Unzulänglichkeit schmerzhaft und laut vor Augen geführt.

    Unsere Leistungsgesellschaft, die permanent alles vergleicht, spart auch den Sex nicht aus - Fitnesstudio und blaue Pillen sind nicht von ungefähr so beliebt. Mann und Frau möchten eben mithalten können.

    Bei SM kommt noch das Verruchte, das Abartige hinzu, das einen ganz besonderen Reiz ausstrahlt. Man bewegt sich vorübergehend ausserhalb der gesellschaftlichen Normen und Regeln, versucht die engen Bande zu durchbrechen. Sex egal in welcher Form hat etwas Archaisches, Subversives, was einen Teil seiner Faszination ausmacht.
    Der ansonsten perfekt funkltionierende und eingepasste Bürger taucht damit kurze Zeit in eine andere, unregulierte, spontane Welt ab - oder er versucht es zumindest. Ohne Konflikte geht es bei diesem Aufeinanderprallen von Geistigem und Triebhaftem, vom Apollinischen und Dionysischem, oft nicht ab. Der Mensch ist und bleibt im Unterschied zum Tier ein Zwitterwesen und muss immer wieder nach Ausgleich suchen!
    Schöne Antwort, ich stimme Ihnen zu.
    Aber bei Bukowski lege ich ein Veto ein! Auch Sie machen den Fehler, Bukowski auf Sex&Drugs zu reduzieren. Das stimmt aber so gar nicht. Buk ist gesellschaftskritisch, sozialkritisch, er beobachtet die Menschen und reflektiert seine Beobachtungen. Buk sieht das Leben von unten, Buk ist nicht mal Mittelmaß auch nicht als Autor. Sein Stil ist hölzern und gebrochen, aber er schreibt so, wie er die Welt sieht. Von unten und gebrochen. Die Sexszenen spiegeln dies auch wieder: Sex als Sache, meist unbefriedigend, meist zur Befriedigung eigener Lüste, rücksichtslos. Selten spielt die Lust der Frau eine Rolle, Sex ist auch bei Buk nur eine Form des Aufbegehrens gegen die herrschende Klasse, bzw eine imaginäre Flucht in die Rolle des Herrschenden. Was Buk beschreibt, ist nicht Sex, sondern das alltägliche Auf und Ab des Lebens, voller Gewalt und Enttäuschungen, voller Selbstbetrug und Trauer.
    Bei Bukowski ist Sex nichts anderes als die Dose Bier aus dem nicht funktionierenden Kühlschrank.

    MfG
    np
  9. #9

    ....

    Zitat von smelmoth Beitrag anzeigen
    ist bdsm nicht seit ewigkeiten mainstream? dachte bisher, alle tuen nur so, als wäre das tabubelastet, weil es sonst -im rahmen des legalen- nichts mehr zu brechen gibt? (bin zu faul, um aus "brechen" noch ein wortspiel zu basteln, aber für vorschläge immer offen)
    vlg
    BDSM ist sicher weiter verbreitet als früher aber Mainstream ist noch das Spiessertum, den Fans des verklemmten Blümchensex, die tagtäglich in den Medien ihre Bestätigung brauchen, dass was was sie tun gut und gesund und natürlich ist....

    Wenn ich es richtig verstehe so ist der Grund für die Abneigung gegen dieses Buch, dass es sogar BDSM spiessig aussehen lässt, und die Verklemmten haben jetzt das Problem, dass es sie in ein weniger gutes Licht stellt, und zwar vor sich selber...

    Wer will das schon, sich selber sehen.