Im falschen Körper: "Ich bin jetzt die Steffi"

Julia KluttigStefanie, 25, kam als Steven zur Welt. Vor drei Jahren hatte sie keine Lust mehr, sich ständig zu verstellen und outete sich. Der Schülerzeitung "Wooling" erzählte sie, was sie sich für die Zukunft wünscht, wie sich plötzlich ihre Freunde verlor und wie ihre Mutter sie sehr verletzte.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...842547,00.html
  1. #1

    Die Stefanie hat da (ganz am Schluss des Artikels) etwas sehr Richtiges gesagt:
    Wenn man merkt, dass mit einem etwas nicht, dann sollte man sich auf keinen Fall verstecken und Angst haben, sich zu öffnen. Man sollte einfach so sein, wie man ist und dazu stehen - mit allen Konsequenzen.
    Nun gehöre ich selber zur "Gemeinde" da ich transsexuell in der Richtung Mann-zu-Frau bin und daher kenne ich recht viele Menschen in gleicher Lage. Teils haben diese jahre- oder sogar jahrzehntelang versucht im für sie falschen Körper zu leben, oft war der Grund eine bestehende Partnerschaft/Ehe und die Rücksicht auf den Partner.

    Irgendwann kommt für viele der Punkt wo es nicht mehr geht, die meisten offenbaren sich dann doch, manche leiden im Stillen weiter oder ziehen finale Konsequenzen, die Suizidrate unter Transsexuellen ist signifikant höher als beim Rest der Bevölkerung.

    Ich bin beeindruckt von dem Mut den Steffi in doch jungen Jahren gezeigt hat indem sie sich gegen so viele Menschen gestellt hat die ihr sicher viel beudeutet haben, inkl. ihrer Familie.
  2. #2

    optional

    viel glück!
  3. #3

    Alles Gute auf dem Weg!

    Leider hat Steffi den ersten großen Fehler begannen. Man hängt dieses Thema nicht an die große Glocke. Wir hatten zu unserer Schulzeit auch laut Geburtsurkunde zwei Mädchen, die aber in fast jeder Beziehung ein Mann waren. Nur so haben wir sie erlebt, so gingen sie durchs Leben und heute, viele Jahrzehnte später, kam das Thema durch Zufall aus einem Abitreffen zur Sprache. Es wußten damals nur ganz wenige Mitschüler.

    Heute will sich jeder öffentlich outen. Wenn ich an Kim Petras denke, war es sicherlich der einzige Weg, um die notwendige Operation schon vor dem 18ten Geburtstag zu bekommen. Aber zu welchem Preis? Die ganze Welt weiß um ihre Vegangenheit und sie lebte heute nicht als Frau in der Gesellschaft, sondern als Transsexuelle. Mit allen Konsequenzen.

    Da sich heute jeder Fetischist transsexuell nennt und dieser Begriff inflationär auf jeden femininen Schwulen angewendet wird, stiftet das mehr Verwirrung, als Akzeptanz. Steffi ist eine Frau, Punkt. Alles andere und die Vergangenheit gehen keinen etwas an. Darum wäre es sinnvoll, die alten Bilder auch von Spiegelonline zu nehmen. Sie bleiben hier über Jahrzehnte erhalten.

    Die Gruppe der wirklichen Transsexuellen ist sehr klein und medizinische Hilfe in Form von Hormonen, Epilation überflüssiger Haare und angleichenden Operationen sind, soweit ich das aus wenigen Gesprächen mit Betroffenen erfahren habe, ein Segen für die Menschen. Dagegen steht die große Gruppe der ihre Sexualität liebenden Fetischten, die gerne ab und zu eine Peücke aufsetzen und meinen, dass macht sie temporär zur Frau. Diese Gruppe heißt glaube ich Transgender.
  4. #4

    Das Leiden

    Zitat von Corinna Beitrag anzeigen
    ...Irgendwann kommt für viele der Punkt wo es nicht mehr geht, die meisten offenbaren sich dann doch, manche leiden im Stillen weiter oder ziehen finale Konsequenzen, die Suizidrate unter Transsexuellen ist signifikant höher als beim Rest der Bevölkerung....
    Wird denn das Leiden geringer, wenn der Horst, Bauarbeiter mit breitem Kreuz, riesigen Händen und voll im Kreise der Handwerker sozialisiert, sich im kurzen Rock als Chantal Jaqueline vorstellt? Oder ist der Zug abgefahren und die zu erwartende Ablehnung und Vereinsamung mit Hartz IV Karierre der schlimmere Kompromiss, als weiter nur als Beobachter durch das Leben des ungewünschten Körpers zu gleiten?

    Es geht um das Dilemma, eine richtige Diagnose zu stellen und möglichst jung, idealerweise vor der Pubertät anzufangen. Denn ist der Bart da, die Stimme tief und die Sozialisation erfolgt, wird es mit dem Wandel schwer. Ich hörte von Betroffenen das böse Wort "Trümmertransen", dass hoffentlich selbstironisch gemeint ist.

    Mein Frau ist Kindergärtnerin und erzählt sehr viel über das Thema, weil es immer wieder Kinder gibt, die sich nicht stereotyp verhalten und trotz biologischer Eindeutigkeit eine völlig gegensätzliches Verhalten zeigen. Aber bei den meisten legt sich das mit der Zeit und sie werden nach der Pubertät z.B. im Männerfussball durchaus glücklich. Ich kenne nur Einzelbeispiele, darum würde ich das niemals generalisieren. Aber ich glaube, die richtige Entscheidung ist sehr individuell.

    Wer nach der Pubertät immer noch eindeutig weiß, dass er oder sie auf der flaschen Seite eingeordnet wird, hat dann zwar eine eindeutige Selstdiagnose, aber leider die eindeutigen körperlichen Veränderungen. Es ist und bleibt ein Teufelskreis und ich drücke den Betroffenen die Daumen. Kein Weg ist einfach und die anderen der Gesellschaft sollten einfach akzeptieren, dass nicht alle Menschen ins gleiche Raster passen.
  5. #5

    Zitat von spiegel_135 Beitrag anzeigen
    Die Gruppe der wirklichen Transsexuellen ist sehr klein und medizinische Hilfe in Form von Hormonen, Epilation überflüssiger Haare und angleichenden Operationen sind, soweit ich das aus wenigen Gesprächen mit Betroffenen erfahren habe, ein Segen für die Menschen. Dagegen steht die große Gruppe der ihre Sexualität liebenden Fetischten, die gerne ab und zu eine Peücke aufsetzen und meinen, dass macht sie temporär zur Frau. Diese Gruppe heißt glaube ich Transgender.
    Transgender ist da ein Überbegriff, die "Teilzeitfrauen" finden sich in der CD (Crossdresser) oder TV (Transvestiten)-Szene. Mit der Perücke ist es bei denen alerdings nicht getan. Wenn sie ernsthaft zu Werk gehen gehen die im täglichen Leben problemlos als Frau durch. Die Stimme mag ein Problem sein, das logopädische Training ist zeitaufwendig.

    Die absoluten Zahlen transsexueller Menschen sind schwer zu ermitteln. Eine ganz gute Peilung für die Untergrenze scheint 0,1% zu sein, das heisst 1:1000. Es gibt da eine ganz interessante Betrachtung zu diesem Thema aus den USA: Wie häufig tritt Transsexualität auf?
  6. #6

    ---

    Zitat von spiegel_135 Beitrag anzeigen
    Leider hat Steffi den ersten großen Fehler begannen. Man hängt dieses Thema nicht an die große Glocke.
    Diese Gruppe heißt glaube ich Transgender.
    Irgendwie hast du ein großes Problem mit dir selbst. Wenn Steffi es besser findet, sich über S.P.O.N zu öffnen, so ist das doch ihre eigene Sache. Ich finde es so besser, als dein Heimlichtuen, diese Zeiten sollten langsam vorbei sein.

    Im Übrigen finde ich es ist immer interessant, dass du der/diejenige bist - die festlegen, wer was ist.

    Du bist also – der/die Einteiler – das musst du veröffentlichen, damit die anderen genau wissen, was sie sind.

    Eine seltendämliche und überaus arrogante Einstellung.
  7. #7

    bitte ein wenig mehr geduld mit den "normalen" menschen

    ich denke, dass "toleranzzentrum" im gehirn ist heutzutage bei den meisten menschen einfach überfordert - über jahrtausende waren alle änderungen sehr lange prozesse, auf die man sich langsam einstellen konnte. heute dagegen fällt es vielen schwer, mit dem tempo mitzuhalten.

    "behinderte" (heute sagt man eher "menschen mit handicap") z.b. standen bis vor wenigen jahrzehnten ganz deutlich am rande der gesellschaft - und niemanden hat das gestört. heute muss man dagegen vorsichtig sein, wenn man ein wenig zu lange über das jeweilige krankheitsbild nachdenkt - man also "glotzt".

    auch bei steffi habe ich ein kleines problem mit der geschwindigkeit: da sagt ein junger mensch ("mann") mit 22 jahren:
    "ich bin jetzt eine frau, nennt mich steffi. übrigens ist das hier meine freundin, denn ich bin lesbisch. außerdem wollen wir kinder haben!"

    gebt den "normalen" ein wenig mehr zeit und seid nachsichtiger, wenn erstmal unverständnis herrscht - die beruhigen sich wieder!

    steffi viel glück!
  8. #8

    Das ist der deutsche Sonderweg

    Zitat von wwwwebman Beitrag anzeigen
    "behinderte" (heute sagt man eher "menschen mit handicap") z.b. standen bis vor wenigen jahrzehnten ganz deutlich am rande der gesellschaft - und niemanden hat das gestört.
    Das ist falsch. Im Mittelalter war der "Krüppel" also z.B. auch Kriegsversehrter im Dorf- und Stadtbild alltäglich. Es sind die Auswirkungen der Eutanasieprogramme, die uns in den fünfziger und sechziger Jahren das Bild von scheinbar behindertenfreier Welt zeigten. Das ist ein schlimmer deutscher Sonderweg. In Frankreich und Spanien gab es diese unerträgliche Zeit nicht und auf den Dörfern gehören allen Menschen darum zum normalen Bild.
  9. #9

    "Normalität"

    Zitat von wwwwebman Beitrag anzeigen
    ich denke, dass "toleranzzentrum" im gehirn ist heutzutage bei den meisten menschen einfach überfordert - über jahrtausende waren alle änderungen sehr lange prozesse, auf die man sich langsam einstellen konnte. heute dagegen fällt es vielen schwer, mit dem tempo mitzuhalten. [...]

    gebt den "normalen" ein wenig mehr zeit und seid nachsichtiger, wenn erstmal unverständnis herrscht - die beruhigen sich wieder!

    steffi viel glück!
    Was ist "normal" und wer bestimmt das? Nur weil die Mehrheit sich ins gängige Rollenmuster begibt und die Rollen nicht hinterfragt, ist das nicht "normal", sondern Konvention. Wer aus diesem Muster rausfällt, muss sich der Allgemeinheit gegenüber erklären und rechtfertigen. Das ist NICHT normal. Es sollte jede/r seine eigene Rolle finden und leben dürfen, so lange er/sie andere damit nicht in der Ausübung der eigenen Rolle behindert.