Forum: Blogs
Hygienemängel in deutschen Kliniken: Krieg um die Keime
REUTERS225.000 Wundinfektionen nach Operationen, bis zu 15.000 Tote pro Jahr: Der Mangel an Hygiene gehört in deutschen Krankenhäusern zu den größten Gefahren. Eine bessere Qualitätssicherung soll Abhilfe schaffen - doch zwischen Vertretern von Kliniken und Patienten kam es jetzt zum Eklat.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...831239,00.html
- #90 05.05.2012 10:12 von
- #91 05.05.2012 10:28 von
Vor allem werden, AFAIK, alle Patienten erstmal isoliert, bis der MRSA-Verdacht ausgeräumt wurde. Nicht nur die deutschen.
Interessanterweise haben die Niederlande, wie sie geschrieben haben, ja sogar mehr Todesfälle durch MRE.
Auch ist die Isolierung von Patienten, wie von einem anderen Teilnehmer geschrieben wurde, nachteilig für dessen Überlebenschancen auf ITS.
Geld ist genug im System, aber es wird falsch verteilt. Da werden künstliche Gelenke en masse eingebaut, weil sich kein Arzt traut den Patienten zu sagen, dass abnehmen+Schmerzmittel genauso gut wirkt. Die Patienten wollen die High-Tech-Medizin, die wollen die OPs wo es nur möglich ist. Wenn man den Patienten sagt: "sie bekommen kein neues Gelenk, nehmen sie bitte ab", gehen sie ins nächste Krankenhaus um es sich einbauen zu lassen.
Genau das gleiche für Herzkreislauf-Erkrankungen, würde man da eine Selbstbeteiligung einführen, die man nur zurückbekommt, wenn man Sport nachweist, würde der größte Kostenblock stark schrumpfen.
Von den gesparten Geldern könnte man dann z.B. mal ausreichend Pflegepersonal auf Intensivstationen stecken (bzw. die Gehälter soweit erhöhen, dass sich überhaupt genügend Interessenten für die offenen Stellen finden).
Ich muss mir bis zu 100-150mal in der Schicht die Hände desinfizieren, das macht bei 30sek Zeitaufwand rund eine Stunde Arbeitszeit die ich nur damit verbringen müsste. Mit mehr Personal kein Problem, mach ich das gerne.
Man verzichtet nicht auf Hygiene weil einem alles am Arsch vorbeigeht, sondern weil in manchen Situationen, unter Zeitdruck, andere Dinge wichtiger sind, und eine Einhaltung der Hygieneregeln für den Patienten gefährlicher wäre.
Gebt mir Pflegehilfskräfte die die Grundpflege bei meinen Patienten machen, gebt mir einen medizinischen Dokumentationsassistenten der mir den Schreibkram abnimmt, (gebt mir Ärzte die kapieren dass ich nur 2 Hände habe), dann könnte man richtig professionell pflegen, dann würdet ihr Erleben, was Pflege alles kann, wenn sie Ressourcen hat.
Aber hier in Deutschland geben wir lieber Geld für Zivilisationskrankheiten und Apparate aus, als für Personal.
Da haben die Patienten genauso einen großen Anteil, die ihre eigene Gesundheit nicht genügend wertschätzen. Herz-Kreislauferkrankungen (mit 15-20min zügigen-sportlichen Gehen pro Tag oft schon vermeidbar) machen hier ca. 3/4 aller Kosten aus. Vermeidbare Krankheiten fressen hier alle Ressourcen auf.
Und dann schimpft diese übergewichtige, bewegungsarme Bevölkerung auf das Gesundheitssystem, das find ich reichlich skuril.
Die eigene Gesundheit ist einem selbst gar nichts wert, im Privatleben fürchtet man nichtmal den Herzinfarkt und bleibt inaktiv, aber die Keime sind das Übel der Welt. Und wenns von anderen kommt, wird auf jedes kleine Gesundheitsrisiko geschimpft, was man selbst bei sich mit einem Lächeln eingeht ("Sport ist Mord"), und auf der Couch sitzen bleibt.
Wenn man auf andere mit dem Finger zeigt, zeigen vier Finger immer auf einen selbst, liebe Patienten. - #92 05.05.2012 11:10 von
Perfekter Beitrag
von Ingmar E,
nochmal sei auch darauf hingewiesen: Ursprung des Übels ist der exzessive Einsatz von Antibiotika, resultierend MRE und die Notwendigkeit einer entprechenden Hygiene - Isolation, Kittelpflege usw usf.
(MRE: multiresistente Erreger, also MRSA / VRE / ESBL sensu latu und weitere, v.a. Pseudomonas aeruginosa) - #93 05.05.2012 11:13 von
Wen es interessiert, dem empfehle ich folgende Artikelsammlung:
Keime im Krankenhaus - eventuell mit Todesfolge
Und zur Behandlung von MRSA-Patienten am Universitätsklinikum Münster mit verbundenen Kosteneinsparungen empfehle ich diesen Artikel: UKM bekmpft die unsichtbare Gefahr MRSA
Zur Vergabe von Antibiotika in Holland empfehle ich diesen Artikel: "Deutschland hat ein Hygieneproblem": 600.000 Erkrankungen jährlich - n-tv.de - #94 05.05.2012 12:20 von
Sich hier die Reinigungskräfte vorzunehmen ist unfair und falsch.
Die Servicegesellschaften fallen nicht unter "Gesundheit", das sind Industriebetriebe.
Das der ganze schäbige trick daran, man macht eine Tochter auf und nimmt sich die Standards der Industrie (Hotelreinigung zb.) wo eben nicht diese Hygienemaßnahmen gelten.
Die Reinigungskräfte erhalten demnach garnicht erst die nötigen Schulungen(weil braucht man nicht in der Industrie...), einige vorgaben werden auch aus Zeitdruck nicht umgesetzt da man dann unentgeltlich arbeiten müsste - die sind schlicht nicht zu schaffen in der vorgegebenen Zeit.
Die selben Möppe/Lappen zu benutzen könnte daran liegen das die abgezählt sind, wenn man mehr benutzt(falls man das organisieren zeitlich schafft) wird man des Diebstahls bezichtigt, zudem sind diese immer äusserst kanpp berechnet, Möppe und Lappen kosten Geld.
Die unkosten dafür müssen für die Kliniken/Krankenhäuser überwältigend sein..... *hust*
Die falschheit der Angaben beim eintritt als Reinigungskraft in solchen Gebäuden tut ihr übriges, für den Industrie-Tarif reinigt man nicht neben sterbenden, Blut, hygienisch usw. usf. da gehen dann viele leiber sofort in´s Hotel, gibt den gleichen Lohn für weniger psychische Belastungen.
Daher die hohe fluktuation, Deutsche lassen sich diese bedingungen schonmal garnicht gefallen.
Die Reinigungskräfte können da am wenisgten für und brauchen sie unter den bedingungen auch nicht. - #95 05.05.2012 12:51 von
Man könnte das kalte Grausen kriegen.
Da liegt leider sehr viel im Argen.
Das Ganze ist aber nicht, wie man meinen sollte, ein Problem der kleinen Kreiskrankenhäuser, sondern ist viel eher in den großen Kliniken anzutreffen. In der ersten wirklich großen Klinik, in der ich arbeitete löste der Wunsch mir in der Abulanz die Hände zu desinfizieren Verlegenheit aus:- es gab dort nämlich gar keine Desinfktionsmittel-Spender, wie ich das vom Kreiskrankenhaus gewohnt war (Kommentar eines Pflegers: die sand doch alle ambulant und kemma wahrscheinlich nimma). Der Chef dem ich das sagte fand das ganz in Ordnung. Händewaschen tuts schließlich und ist billiger.
Da wurschtelt oft billigst- Perosonal aus dem Balkan, oder noch weiter weg vor sich hin, ohne zB die Gebrauchsanleitung von Desifektionsmittel überhaupt lesen, geschweige denn verstehen zu können.
Dann wird hald auf gut Glück so ein Schuß pro Eimer genommen wo es eigentlich ein Liter sein müsste! (Wir haben immer sorgfältig desinfiziert! - - mit gefärbtem Wasser). Da wird, weil es ja immer pressiert, das Instrumentarium oft "eingelegt" und dann sterilisiert aber nicht gewaschen! Der Chirurg steht dann vor dem Instrumentenkasten in dem noch das blutgesprenklete Instrumentarium von der Voroperation liegt! (habe ich selbst erlebt) Einwegartikel sind teuer,- so mancher Krankenhausverwalter kommt dann auf die Idee, einfach Mehrwegartikle draus zu machen! (man kann doch die guten Sachen nicht einfach Wegwerfen!)
Kurz das ganze ist ein Gemengelage aus Geldgier Unfähigkeit, Zeitmangel, Gleichgültigkeit und Denkverweigerung (des ham mir scho immer so gmacht- punktum). Abläufe im Detail durchzudenken ist eben nicht Jedermanns Sache. Aber in der Medizin ist eben pigelig und Korintenkackerei eine Basisnotwendigkeit, die gerade beim Pfegeperonal oft Widerstände erzeugt. Nichts desto weniger sollte man rigoros alle Hygienschlamper in Verwaltung, Ätzeschaft und Pflege- und Hilfspersonal zu Verantwortung und gnadenlos und Haftung heranziehen, denn hier ist Schlamperei eiskalter Mord aus Bequemlichkeit, Geldgier oder Unkenntnis.
Nur durch brutales reinschlagen lässt sich der spezifisch deutsche Saustall ausmisten! - #96 05.05.2012 13:01 von
Das ist so nicht ganz richtig: Bei dem einen Prozent, das immer wieder genannt wird handelt es sich um die Prävalenzrate beim Staphylococcus aureus – d. h. um den Anteil der sehr gefährlichen antibiotikaresistenten Variante dieses normaler Weise nicht ganz so gefährlichen Keims.
Diese Rate lag in Deutschland in 2010 bei ca. 13 %, wenn der Keim ambulant gefunden wiurde und bei 24 % (auf Intensivstationen noch höher), wenn er stationär gefunden wurde. Jedenfalls bei den Staph. a., die auf Resistenzen untersucht wurden – im ambulanten Bereich wurden ca. 38 % und in Krankenhäusern sogar 60 % der Keime gar nicht erst auf Resistenzen getestet und wenn, dann auf gut Glück behandelt. Zur Förderung der Resistenzentwicklung.
Quelle: Die MRSA-Vertuschung
Außerdem: Bei den hier angegeben Toten handelt es sich ja „nur“ um die Toten durch Wundinfektionen nach einer OP. Bei einer Untersuchung des RKI in 2010 wurde festgestellt, dass das z. B. ca. 38 % der MRSA – Infektionen ausmacht. Und das wird bei den anderen Krankenhauskeimen eher noch weniger sein.
Also kann man von mindestens 39.500 Toten durch Krankenhausinfektionen ausgehen. - #97 05.05.2012 13:25 von
Eine interessante Unterhaltung zum Thema in einem Krankenschwesterforum:
Bettdecken und Kissen: nach jedem Patient in die Wäsche? - #98 05.05.2012 15:15 von
- #99 05.05.2012 17:13 von
vor kurzem verbrachte ich ein paar Wochen als Patient im Krankenhaus in einem 2 Bettenzimmer, mit getrennten Toiletten. Gottseidank kann ich nur sagen, denn der andere Patient bekam, so im Durchschnitt am Tag etwa 20 bis 30 Besucher, von denen sehr viele seine Toilette benuzten, und davon einige sich nicht die Haende gewaschen haben. Dieser Zustand ist nicht Akzeptabel, ist auch nicht vom Krankenhaus erlaubt, aber es passiert taeglich immer wieder. Als frisch operierter fragte ich mich, warum gibt es eigentlich Besuchertoiletten? Anfuegen moechte ich noch, ich habe den Aufenthalt Heil ueberstanden, und mir gehts Gut.
Die aktuellen Top-Themen

Antworten / Zitieren

