Historischer Liveticker : West-Berlin ist abgeriegelt!

Es*war ein gespenstischer Tag*in der Berliner Geschichte: Erst gehen die Lichter aus, dann rücken Sicherheitskräfte mit*Stacheldraht an - die innerdeutsche Grenze wird dichtgemacht. Was geschah in den ersten 24 Stunden des Mauerbaus? Verfolgen Sie die Ereignisse im historischen Live-Protokoll.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...779715,00.html
  1. #230

    Endlich vorbei ! Teil 2

    Daß diese ganze Anglegenheit auf die Wirtschaft der DDR einen negativen Einfluß hatte, läßt sich wohl denken, zumal die DDR von der Sowjetunion keine "Marshalplanhilfe" bekommen hatte und auch nicht bekommen konnte. Dieses Land, was am meisten unter dem II. WK gelitten hatte, war gerade dabei sich langsam zu erholen.
    Und die Politik der BRD war damals ganz stark und unverblümt darauf gerichtet, die Ostzone und die an Polen verloren gegangenen Gebiete sich wieder einzuverleiben. Dazu wurde eine riesige Verleumdungskampagne gegen den Warschauer Pakt vom Leder gezogen. Um die angeblichen Kriegsvorbereitungen gegen den Westen zu untermauern, wurden doch in die Straßen längs des Rheins Sprengkammern eingebaut, um den angeblichen Angriff der Russen am Rhein zum Stehen zu bringen.
    Wer kann sich noch erinnern? Wer von den Jüngeren hat je davon gehört? Das gehört alles in diese Zeit.
    Um dieser Hysterie und dem Ausverkauf der DDR und dem beständigen Abwerben von Fachkräften und der Ausspionierung des Landes Einhalt zu gebieten, deshalb wurde die Mauer gebaut.
    Aber darüber schreibt heutzutage keine bundesdeutsche Zeitung und spricht kein Politiker. Das paßt nicht ins Konzept der Verleumdung.
  2. #231

    Neutral wären wir das Armenhaus Europas

    Zitat von Dietrich Müller Beitrag anzeigen
    Bei jeder Krankheit ist nicht die Wirkung sondern die Ursache das Ausschlaggebende. Und so auch bei der Mauer. Was ist schuld? Adenauers Politik! Die Sowjetunion bot die Einheit Deutschlands an, also auch die der Wirtschaft. Preis: Neutralität Deutschlands. Adenauer lehnte ab. Daraus resultiert alles Folgende. Uns wäre es als neutrales und wirtschaftlich starkes Land mehr als gut gegangen, besser als der Schweiz! Das ist die Wahrheit! Dürfen wir sie in der Demokratie überhaupt beim Namen nennen?
    Das glaube ich kaum. Die Westalliierten haben mit der Bildung von Bizone und Trizone und der Währungsreform von Anfang an auf die Teilung Deutschlands gesetzt. Was Adenauer wollte, spielte überhaupt keine Rolle. Und was die wirtschaftliche Stärke anbelangt: die hätte es wohl nie gegeben, denn auf die massive amerikanische Unterstützung hätten wir nicht bauen können, und Reparationsleistungen hätten uns über Jahrzehnte hinweg ausbluten lassen. Die wirtschaftliche Stärke Westdeutschlands war ein strategisches Ziel der Westalliierten - ein Segen für uns im Westen, aber auch tragisch, weil es die Teilung unvermeidbar machte.
  3. #232

    Realitätsfern

    Zitat von Putinfreund Beitrag anzeigen
    Endlich vorbei war vor 20 Jahren die Mauer. Aber nicht vorbei ist aber die seit 20 Jahren verlogene und einseitige Betrachtung und Berichterstattung durch die bundesdeutsche Politik und deren getreue Medien.
    Ich habe in den letzten Wochen wirklich aufgepaßt, ob sich wirklich mal jemand dazu durchringen würde, in welcher Weise auch immer, auf die wahren Hintergründe für den Bau dieser Grenze einzugehen. Das ist natürlich nicht geschehen. Als einzigen Grund nannten alle die Flucht aus der Ostzone, wie die DDR im bundesdeutschen Sprachgebrauch genannt wurde. Wer Konrad Adenauer besonders nahe stand, nannte sie auch die "Soffjetzone".
    Und nun mal vorausgesetzt, die meisten Westdeutschen hatten zur Zeit vor dem 13.08.1961 gar keine oder wenig Ahnung, was in der DDR so passierte. Denen lief blos immer wieder ein kalter Schauder über den Rücken, wenn von Rias und Sender Freies Berlin Horrormeldungen verbreitet oder den Regionalsendern übernommen wurden.
    Also die die wirklich sich daran persönlich erinnern können, sind heute zumindest 65 Jahre alt oder haben als Informanten Personen, die dieses Alter haben.
    Wer weiß denn noch, wie der Umtauschsatz in den Westberliner Wechselstuben war? Zwischen 1 . 4 bis 1 : 6. Und was passierte mit den angehäuften DDR - Mark? Die Westberliner, die die DDR- oder Ostmark billiger einkauften, kamen in den Osten und kauften massenhaft Lebensmittel, Bettwäsche, Kinderbekleidung und einiges mehr, so daß zum Teil Engpässe entstanden. Dazu gab es aber auch Leute aus dem Osten, die diese Sachen in den Westen verschoben. Wer kann sich noch an die Grenzgänger erinnern, die im Osten wohnten und im Westen arbeiteten? Billig wohnen, zum Arzt gehen, aber im Westen arbeiten und dort die Steuern zahlen.
    Der Bundesrepublik waren die Übersiedler aus dem Osten sehr recht. Billige Arbeitskräfte, die nicht ausgebildet werden mußten und deutsch sprachen. Wie oft ist es vorgekommen, daß sich diese "Republikflüchtlinge" dazu hergaben, zu Hause im Osten bei Verwandten und Bekannten anzurufen und diese in Angst und Schrecken zu versetzen, daß sie aus ganz sicherer Quelle wüßten, daß in 3 oder 4 Tagen diese Leute verhaftet werden würden. Woraufhin etliche schleunigst ihre Koffer packten und nach Westberlin verschwanden. Daß dann bei Bekanntwerden in deren Wohnung oder Arbeitsplatz Polizei und Stasi auftauchten, wurde natürlich als Bestätigung der "Wahrheit" der Meldung verbreitet. Und bei allem waren Presse und Rundfunk immer mit von der Partie. Ich könnte noch einige weitere Beispiele anführen. Wer kennt noch die KGU, das Ostbüro der SPD und wie diese ganzen Vereine hießen, die sich die Schädigung der DDR auf die Fahnen geschrieben hatten.
    Brr, da läuft es mir eiskalt den Rücken runter, dass es Leute gibt, die diesen Unsinn auch noch glauben. Ich habe einige 100%ige kennengelernt, aber selbst deren Ansichten waren noch realitätsnäher.
  4. #233

    Die Entscheidungen sind entscheidend

    Zitat von JoschSche Beitrag anzeigen
    Der Artikel ist mal von einer journalistischen Qualität, die man heute leider sehr vermisst... und er streift oft das, was das Leben von Soldaten berührt.

    Gleichwohl - die taktischen Rückschlüsse des Autors sind natürlich unausgegoren. Nachsehbar - er ist Journalist und kein Militär... :).

    Falls es je zum Ärgsten gekommen wäre...
    Auch ich halte den Artikel des Herrn Schneider für bemerkenswert für die Mühe, die er sich gegeben hat.
    Aber er hat entscheidende Lücken offen gelassen.
    Obwohl es ihm nun bekannt geworden war, daß die NVA eine hoch gerüstete, gut ausgebildete und sehr disziplinierte Armee und seiner Meinung nach dem Überraschungspotential der BuWe weit überlegen war, kommt er nicht auf die schlichte Schlußfolgerung, daß beide Armeen nicht auf selbständiger Basis hätten operieren können. Beide Armeen waren in Militärbündnisse eingebettet und die Befehlsgewalt lag letztendlich entweder Washington bzw. in Moskau.
    Sind Sie nicht auch der Meinung, daß die Bündnispartner der Bundeswehr, US - Army, englische und französische Armee die Bundeswehr als solche für einen Erstschlag gar nicht vorgesehen hatte? Was sollten sie mit solchen Soldaten, die freitags nach eins jeder seins machen, anfangen. Einzelne Verbände wären, den Alliierten unterstellt, mit eingesetzt worden. Der restliche Bestand hätte als Besatzungsarmee auf eroberten Gebieten fungieren sollen.
    Die Aussagen bezüglich der Übungen der Bundeswehr für ein Ende an der Grenze zur DDR ist doch eine Lachnummer. Der DDR - Führung, und demzufolge der Führung des Warschauer Vertrages lagen doch auf der Grundlage der Erkenntnisse der Aufklärer (Spione) der HA I des MfS entschieden andere Hinweise vor. Zum Anderen gehen Sie bitte davon aus, daß sich die Amis auch von der Nato hat nicht in alle Karten schauen lassen.
    Die entscheidende Schlußfolgerung hat der Herr Schneider als Journalist, der vorgibt, sein Handwerk zu verstehen, doch nicht erhoben.
    Wenn dem allem so gewesen sei, warum hat der Warschauer Vertrag den Westen nicht überfallen? Erstens, weil es nicht im Sinne des Friedensprogramms der sogenannten sozialistischen Staaten lag.
    Und zweitens, weil dann wahrscheinlich unsere Erde durch einen Atomkrieg aus der Bahn geworfen nicht mehr lebensfähig gewesen wäre.
    Dabei wäre es vollkommen unerheblich gewesen, wessen Atomraketen die größte Zerstörung angerichtet hätten. Wer es gewagt hätte, einen solchen Befehl zu geben, hätte die Erde als Lebensraum insgesamt für Menschen und Tiere, also auch als Lebensraum für die obersten Befehlshaber unbrauchbar gemacht.
    Aber so komplex konnte offensichtlich ein Herr Schneider nicht denken, der sich lieber mit kleinen Animositäten dieses großen Themas aufhielt.
    Wer ein Herr Eppelmann, letzter DDR - Minister für Verteidigung und Abrüstung in der CDU - Regierung Lothar de Meziere wirklich war und in wessen Auftrag er bereits vor dem Fall der Mauer handelte, werden wir beide wohl nicht mehr erfahren. Das wird wohl frühestens in fünfzig Jahren frei gegeben.
    Einem vollkommen unbeschriebenen Blatt übergibt man nicht ein so sensibles Ministerium wie das für Verteidigung. Das dürfte auch Ihnen als ehemaligen Offz. einleuchten.
  5. #234

    Zitat von Putinfreund Beitrag anzeigen
    Sind Sie nicht auch der Meinung, daß die Bündnispartner der Bundeswehr, US - Army, englische und französische Armee die Bundeswehr als solche für einen Erstschlag gar nicht vorgesehen hatte? Was sollten sie mit solchen Soldaten, die freitags nach eins jeder seins machen, anfangen. Einzelne Verbände wären, den Alliierten unterstellt, mit eingesetzt worden. Der restliche Bestand hätte als Besatzungsarmee auf eroberten Gebieten fungieren sollen.
    Sie glauben, Amerikaner, Briten und Franzosen hätten an einem Tag X+1 in Bonn angerufen - "Ach ja, wir haben gestern Thüringen zurückerobert und bräuchten nun Hilfe bei der Verkehrsregelung."

    Ein solches Vorgehen ist für mich unglaubwürdig, da - ich zitiere aus:"Kriegspläne der NATO für Zentraleuropa", Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, 1989, S.25 - "Eine besondere Rolle in der NATO-Gruppierung spielen die BRD-Streitkräfte. ... Die Bundeswehr ist die stärkste und am modernsten ausgerüstete konventionelle Streitkraft Westeuropas. Sie stellt in Zentraleuropa und im Raum der Ostseeausgänge mit48 Prozent des Personals ... die Hauptstreitkräfte der NATO-Gruppierung."

    Wie Sie selbst schreiben, war die Bundeswehr in die NATO integriert. Wie wollen Sie einen "Geheimangriffsplan" mit nur einem Teil der NATO durchführen, während sich der Rest fragt, was denn da gerade passiert. Es ist meines Wissens auch unstreitig, dass die damalige Sowjetunion - Ihnen gerne zugestanden unter dem Gesichtspunkt einer Provokation oder Bedrohung durch den Westen - nun einmal das Konzept entwickelt hatte, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Dies ist ja gerade eine der Lehren der Sowjetunion aus dem 2. Weltkrieg gewesen, sich nicht wieder überfallen zu lassen, sondern den Kampf im Sinne der "Vorwärtsverteidigung" zum Gegner zu bringen.

    Genau dies ist ja auch militärisch sinnvoll gewesen, da man in einem längeren Konflikt fürchten musste, dass mehr und mehr Ressourcen und Männer aus den USA in Mitteleuropa eintreffen. Genau umgekehrt hat die NATO mit Reforger-Übungen trainiert, schnell Truppen aus den USA heranzubringen. Dementsprechend gab es bei uns in der Bundeswehr damals natürlich die Sprüche:"Die Aufgabe der Bundeswehr ist es, den Feind an der Grenze solange aufzuhalten, bis die Armee eintrifft." bzw. besonders bei den Panzergrenadieren: "Wenn es losgeht, fahren wir soweit wie möglich nach Osten. Die Russen werden schon keine Bomben auf ihre eigenen Leute schmeissen."
  6. #235

    Was interessiert mich ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es*war ein gespenstischer Tag*in der Berliner Geschichte: Erst gehen die Lichter aus, dann rücken Sicherheitskräfte mit*Stacheldraht an - die innerdeutsche Grenze wird dichtgemacht. Was geschah in den ersten 24 Stunden des Mauerbaus? Verfolgen Sie die Ereignisse im historischen Live-Protokoll.

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...779715,00.html
    der Mauerbau vor 60 Jahren, wenn derzeit unsere ganze Zivilisation in ihren Fundamenten erzittert?!

    Der Mauerbau war dagegen eine Episode.
  7. #236

    ..zumindest

    Zitat von Kognitive_Dissonanz Beitrag anzeigen
    der Mauerbau vor 60 Jahren, wenn derzeit unsere ganze Zivilisation in ihren Fundamenten erzittert?!

    Der Mauerbau war dagegen eine Episode.
    ...Sie müßten ein ganz normaler "zivilisierter Mensch" sein, der weder rechnen noch logisch oder gar selbstkritisch denken kann oder will und trotzdem ein Weisheitskorn gefunden hat:
    In 50 Jahren redet keiner mehr von kognitiver_dissonanz, wohl auch nicht von der Mauer, weil im Kern tatsächlich ja in diesem Universum alles nur Episode ist, zumindest, wenn man nächtens mal wieder nicht nur in den Computer, sondern live zu den Sternen schaut...
    P.S.:...im übrigen hatte Ihr Problem auch schon die praktische Xanthippe, wenn sie ihre auf dem Athener Marktplatz wie angewurzelt stehen gebliebene und philosophierende bessere Ehehälfte Sokrates mit dem Kochlöffel nach Hause winkte, denke ich...