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Hirnforschung: Zweisprachigkeit trainiert das Gehör

DPAMehrsprachig aufzuwachsen schult anscheinend auch die Fähigkeit, Sprache von Störgeräuschen zu unterscheiden. Bei einem entsprechenden Tests hängten bilinguale Jugendliche ihre einsprachig erzogenen Altersgenossen locker ab.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...830654,00.html
  1. #10

    x

    Zitat von joachim84 Beitrag anzeigen
    Ich vermute der Vorposter meinte, man solle besser keine selbstantrainierte Sprache dem Kind beibringen (wie z.B. Schulenglisch). Das ist wohl offensichtlich....
    Das habe ich durchaus verstanden.
    Der vorherige Teil der Aussage liest sich für mich aber wie eine Angelegenheit unter Vorbehalt. Schädlich ist Mehrsprachigkeit nämlich nicht.
  2. #11

    Zitat von christian.stuermer Beitrag anzeigen
    Ich halte es trotzdem besser, sich zuerst auf die eigene Sprache und die eigene Kultur zu konzentrieren und erst später sich mit anderen Sprachen zu beschäftigen. Das liegt der Natur des Menschen näher.
    Das Gehör kann man genau so gut mit guter Musik, die nicht zu laut ist, trainieren.
    Welche Kultur ist die Bessere bei Eltern verschiedener Herkunft?
    Zb.: Vater deutsch / franzoesisch, Mutter englisch / spanisch - leben in Italien
    Muesste man hier vielleicht auf eine europaeische Kultur zurueckgreifen die keine eigene bzw. viele Sprachen hat?
    Ist es nicht einschraenkend einem Kind den multy-kulty Vorteil zu entziehen?
  3. #12

    So, wie ich das Forschungsergebnis hier sehe, ist erst mal nur die Tatsache festgestellt worden, dass mehrsprachige Menschen ein leistungsfähigeres Gehör besitzen. Der Berichterstatter folgert hier – m.E. vorschnell – "Wer als Kind zwei Sprachen lernt, ... verbessert auch sein Gehör".

    Aus anderen Berichten weiß man nun, dass musikalische Kinder es leichter haben, fremde Sprachen zu erlernen und zu sprechen.

    Was ist Ursache, was Wirkung? Das Ei-Henne-Problem ist für mich nicht gelöst. (Jedenfalls müsste dieser Bericht hier mehr dazu sagen, als er es tut.)
  4. #13

    Zitat von Chris Steam Beitrag anzeigen
    So weit ich weiß, wird Eltern empfohlen mit den Kindern in der eigenen Muttersprache zu reden, sonst übernehmen die Kinder die Sprachfehler und bekommen Probleme in der Schule.
    Wenn die Eltern also nicht dieselbe Muttersprache sprechen, kann man das Kind ruhig zweisprachig erziehen. Falls man aber nur z.B. Schulenglisch spricht, kann man nur davon abraten dem Kind das bei zu bringen.
    (Alle Angaben ohne Gewähr: Das hat mir eine befreundete Pädagogin erzählt, die sich speziell mit Spracherziehung beschäftigt.)
    Stimmt genau, das ist seit ca. zwei Jahrzehnten herrschende Meinung in der Linguistik. Wenn Kinder unter den von Ihnen beschriebenen Bedingungen zweisprachig aufwachsen, entwickeln Sie mehr Sprachgefühl, haben einen höheren IQ und können auch später noch einfacher neue Sprachen lernen als monolingual aufgewachsene Kinder. Weitere Voraussetzung ist jedoch, dass die Eltern ihre jeweilige Muttersprache auch tatsächlich gut beherrschen und konsequent sind.

    Diese Prämissen sind nicht zu unterschätzen. Jeder kann sich ausmalen, was passiert, wenn keine einzige Sprache richtig gelernt wird. Das ist leider der weitaus häufigere Fall. Von Dreisprachigkeit ist abzuraten. Kinder brauchen entweder eine Vertrauensperson, die ihnen eine Sprache beibringt, oder leicht nachvollziehbare Regeln, nach denen sich die Wahl der Sprache richtet (etwa: im Haus deutsch, draußen englisch). In beiden Fällen scheint mir eine dritte Sprache eher Verwirrung zu stiften.

    Übrigens ist der im Artikel beschriebene Effekt linguistisch sehr relevant. Es handelt sich um die "kategoriale Wahrnehmung". Der Effekt ist natürlich essentiell für das Verstehen von Sprache: Um Sprache verstehen zu können, muss man sie erst einmal hören. Und je mehr man hört, desto besser die Voraussetzungen, das Gehörte auch verstehen zu können.
    Dass zweisprachig aufgewachsene Kinder eine bessere kategoriale Wahrnehmung haben, deutet darauf hin, dass sich die kategoriale Wahrnehmung trainieren lässt und nicht von Geburt an fixiert ist. Eine frohe Botschaft für viele Menschen, die Schwierigkeiten beim Spracherwerb haben.
  5. #14

    Die Chance nutzen!

    Zitat von christian.stuermer Beitrag anzeigen
    Ich halte es trotzdem besser, sich zuerst auf die eigene Sprache und die eigene Kultur zu konzentrieren und erst später sich mit anderen Sprachen zu beschäftigen. Das liegt der Natur des Menschen näher.
    Das Gehör kann man genau so gut mit guter Musik, die nicht zu laut ist, trainieren.
    Musik ist sicher auch gut geeignet, das Gehör zu trainieren, aber in einer sich globalisierenden Welt sollten Eltern mit unterschiedlichen Erstsprachen die Chance nutzen, die Kinder zwei- oder mehrsprachig aufzuziehen. Leider zögern viele Eltern damit, weil sie glauben, die kinder würden dann keine Sprache "richtig" beherrschen. Das stimmt nicht.
    Was Sie hier mit "Natur des Menschen" meinen, verstehe ich nicht. Und was die Kultur angeht, so wird diese oft erst dann geschätzt, wenn man sie mit einer anderen vergleichen kann, die man ebenfalls gut kennt. Vor Menschen, die nur die eigene Kultur kennen und diese deshalb über alles andere stellen, habe ich Angst. Es ist gut, wenn Kinder von Anfang an wissen, dass es auch anders (gut) funktioniert.
  6. #15

    Zitat von jensens123 Beitrag anzeigen
    Wenn Kinder unter den von Ihnen beschriebenen Bedingungen zweisprachig aufwachsen, entwickeln sie mehr Sprachgefühl, haben einen höheren IQ und können auch später noch einfacher neue Sprachen lernen als monolingual aufgewachsene Kinder. Weitere Voraussetzung ist jedoch, dass die Eltern ihre jeweilige Muttersprache auch tatsächlich gut beherrschen und konsequent sind.
    Das gilt nur, wenn die Eltern die einzigen Bezugspersonen beim Sprachwerb sind. Wichtig ist daher der Kontakt zu weiteren Kommunikationspartnern; größeren Einfluss haben dabei gleichaltrige Sprecher (z.B. fremdsprachige Schule, Kindergarten), die ein Korrektiv bilden und vor allem auch die Motivation schaffen, eine zusätzliche (vielleicht sonst nur vom Vater gesprochene) Sprache zu lernen.

    Solche Kinder korrigieren oft auch Fehler eines fremdsprachigen Elternteils.
  7. #16

    Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, wie Zweisprachigkeit definiert wird - im Artikel Englisch / Spanisch - da gibt es selbstverständlich keine Diskussionen -. aber sagen wir mal Plattdeutsch und Hochdeutsch? Bayerischer Dialekt - Hochdeutsch, Rheinländischer Dialekt - Hochdeutsch? Sächsischer Dialekt - Hochdeutsch? Schwytzer Dütsch - Hochdeutsch? Wachsen wir im deutschen Sprachraum nicht alle irgendwie zweisprachig auf? Sollten Dialekte deshalb nicht bewusst am "Leben" gehalten werden? Weil es eben Vorteile bringt? Mich würde eine fachliche Meinung dazu sehr interessieren! Vielen Dank!
  8. #17

    aha

    Zitat von christian.stuermer Beitrag anzeigen
    Ich halte es trotzdem besser, sich zuerst auf die eigene Sprache und die eigene Kultur zu konzentrieren und erst später sich mit anderen Sprachen zu beschäftigen. Das liegt der Natur des Menschen näher.
    Das Gehör kann man genau so gut mit guter Musik, die nicht zu laut ist, trainieren.
    Schon wieder so eine Schreckhaftigkeit.
    Zweisprachig aufwachsende Kinder produzieren anfangs einen munteren Wortsalat, den sie mit der Zeit problemlos auseinandersortieren. Kinder haben kein Problem damit, haufenweise Erwachsene aber schon.
    Man lernt niemals wieder so leicht Sprachen wie im Alter des sprechen Lernens. Lieber bemühen Sie die Schulen, die auch in 10 Jahren Fremdsprache selten was von Wert hinbasteln.
  9. #18

    Zitat von Vohaul Beitrag anzeigen
    Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, wie Zweisprachigkeit definiert wird - im Artikel Englisch / Spanisch - da gibt es selbstverständlich keine Diskussionen -. aber sagen wir mal Plattdeutsch und Hochdeutsch? Bayerischer Dialekt - Hochdeutsch, Rheinländischer Dialekt - Hochdeutsch? Sächsischer Dialekt - Hochdeutsch? Schwytzer Dütsch - Hochdeutsch? Wachsen wir im deutschen Sprachraum nicht alle irgendwie zweisprachig auf? Sollten Dialekte deshalb nicht bewusst am "Leben" gehalten werden? Weil es eben Vorteile bringt? Mich würde eine fachliche Meinung dazu sehr interessieren! Vielen Dank!
    Früher war man der Meinung, dass nur Hochdeutsch ein Gewinn ist, aber inzwischen hat man festgestellt, dass jeder Dialekt auch eine entsprechende Grammatik verlangt, was jeder Sprache zugute kommt.

    Wer ein wenig darauf achtet, merkt sofort, dass jemand einen Dialekt falsch spricht. Mehrsprachigkeit findet man häufig in so genannten 3 Länder Ecken. Da können auch ruhig Sprachen zusammentreffen, die nicht miteinander verwandt sind. Ich bin immer fasziniert, wenn die Kinder sich völlig gleichberechtigt in zwei, oder drei Sprachen unterhalten.

    MfG. Rainer
  10. #19

    LaL

    Zitat von Scheidungskind Beitrag anzeigen
    Ist Wasser auf die Mühlen derer, die frühkindliche Förderung forcieren.

    Ein Tip an die Wissenschaftler: Erfasst zusätzlich zur Hörfähigkeit die Trinkgewohnheiten der Probanden. Könnte aufschlussreich sein von wegen der Persönlichkeitsentwicklung.
    Guten Tag,
    bin ich als gebuertiger Multilinguist automatisch gut hoerender Alkoholiker?
    HochachtungsVoll,
    H. Icks

    "Könnte aufschlussreich sein von wegen der Persönlichkeitsentwicklung."?


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