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Hilfskräfte auf dem Campus: Uni-Karriere, ich komme

DPA/ Daniel KarmannMit einem Nebenjob nur Geld verdienen? Langweilig! Wer während des Studiums als Hilfswissenschaftler arbeitet, erlebt mehr - und poliert gleichzeitig den Lebenslauf auf. Vor allem für künftige Forscher ist eine Hiwi-Stelle fast unerlässlich. Auch wenn der Lohn mickrig ist.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...851777,00.html
  1. #1

    Sicher richtig aber tückisch!

    Ich habe selbst 4 Jahre als HiWi gearbeitet und mir so das Studium finanziert.
    Ich habe wohl mehr als 50% meiner späteren Qualifikation über den Hiwi Job bekommen. Ok, das war sicher nicht typisch, wer baut in einem Hiwi Job schon ein ganzes Labor auf und kann Großgeräte fast exklusiv nutzen, um so früh bereits eigene Forschung zu machen.

    Und ich selbst stelle heute Doktoranden direkt nach dem Examen und ohne Hiwi Erfahrung nur mit verlängerter Probezeit ein. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die im Labor eher unselbständig und betreuungsintensiv sind, ist sehr hoch.

    Trotzdem kann man allen Studenten nur eine klare Warnung aussprechen:
    bleibt in Deutschland mit dem Hiwi Job immer unter der HRG Schwelle von 41,8h im Monat!
    Sonst wird dies als befristetes Beschäftigungsverhältnis gezäht und man darf davon nur 6 Jahre bis zur Promotion ansammeln.
    Die Dotorarbeit ist meist aber auch ein solches Arbeitsverhältnis.

    Wer also 3 Jahre als Hiwi gearbeitet hat, hat nur noch 3 Jahre für die Diss auf der Uhr. Bei 4 Jahren Hiwi kann man die Diss gleich vergessen.

    Auch kann mann bei ausgeschöpften z.B. 3+3 Jahren bis zur Diss kein zusätzliches Zeitpolster in die Postdoc Zeit (auch 6 Jahre) übertragen.

    Und dann läuft die Uhr! 6 Jahre bis zur Professur oder die Arbeitslosigkeit.
    Wenn man sich in einem exotischen Bereich spezialisiert hat und die offenen Stellen rar sind, kann die Hiwi Zeit die Karriere kaputt machen.

    Ich musste vor Jahren ins Ausland weil ich die 12 Jahres-Klausel des HRG gerissen habe.
    Sehr lukrativ hier, bestes Wetter und beste Forschungsbedingungen. Warum Deutschland mich nicht mehr haben wollte ist meinem neuen Arbeitgeber völlig schleierhaft.
    Ich wäre aber sehr gerne da geblieben wo ich war und in meinem Fall hätten 2 Jahre gereicht, um auch in Deutschland den Fuß auf den Boden zu kriegen.

    Also, vorsicht!
  2. #2

    Zitat von dr.klugscheisser Beitrag anzeigen
    ...
    Wer also 3 Jahre als Hiwi gearbeitet hat, hat nur noch 3 Jahre für die Diss auf der Uhr. Bei 4 Jahren Hiwi kann man die Diss gleich vergessen.

    Auch kann mann bei ausgeschöpften z.B. 3+3 Jahren bis zur Diss kein zusätzliches Zeitpolster in die Postdoc Zeit (auch 6 Jahre) übertragen.

    Und dann läuft die Uhr! 6 Jahre bis zur Professur oder die Arbeitslosigkeit.
    Wenn man sich in einem exotischen Bereich spezialisiert hat und die offenen Stellen rar sind, kann die Hiwi Zeit die Karriere kaputt machen.
    Danke, wichtige Ergänzung!

    Übrigens war zu meiner Zeit der Begriff "HiWi" völlig verpönt! Ein "Hilfswissenschaftler" ist immerhin ein Oxymoron ohne Sinn.
    Der Begriff geht auf die Figur der Hilfswilligen zurück.

    Ein Prof. oder eine Verwaltung, die mich mit Nazi-Terminologie benennt, käme für mich sowieso nicht in Frage. Ähnliches gilt auch für journalistische Erzeugnisse.
  3. #3

    Zitat von dr.klugscheisser Beitrag anzeigen
    Ich musste vor Jahren ins Ausland weil ich die 12 Jahres-Klausel des HRG gerissen habe.
    die 12-Jahres-Klausel des Hochschulrahmengesetzes gibt es zwar immer noch, ist aber wie folgt erweitert worden: im Gegensatz zur Wirtschaft dürfen Universitäten Mitarbeiter weiterhin befristet einstellen, wenn sie dafür einen Grund angeben können. Wie ein befristetes Projekt, d.h. in der Regel einen Forschungsantrag.

    Waren zu Ihrer Zeit unter 40% der wissenschaftlichen Mitarbeiter befristet angestellt, so sind es heutzutage über 80%, Tendenz weiter steigend, da es heute unterhalb der Professur an den Universitäten, staatlichen Forschungseinrichtungen (Max-Planck-Instituten u.a.) und Universitätskliniken keine festen Stellen mehr gibt. Die restlichen 20% stellen "akademische Räte" und "Akademische Oberräte", sowie Mitarbeiter im akademischen Mittelbau, die es geschafft haben, sich einzuklagen, weil die Uni ihnen den x-ten, befristeten Vertrag angeboten hat.

    Mein Rat an den wissenschaftlichen Nachwuchs ist: wer nicht nachweislich überragend gut (Forschungspreise, selbst verfasste Forschungsanträge, hochkarätige Publikationen) ist und über reichlich Vitamin B verfügt, um auf eine Professur zu kommen, der sollte spätestens nach der Promotion entweder in die Wirtschaft wechseln oder ins Ausland gehen. In Deutschland wird auch der beste Kandidat nichts mehr, wenn er oder sie es mit 40 noch nicht auf eine Professur geschafft hat. Und nach dem x-ten befristeten Vertrag droht die Arbeitslosigkeit und der soziale Absturz.
  4. #4

    Eine gute Entscheidung

    Ich kann jedem Studenten eine Ttigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft nur ans Herz legen. Ich bin über meine Hiwi-Tätigkeiten an eine Doktorandenstelle gelangt und bin damit noch immer sehr glücklich. Man ist schon als Student mit den Abläufen im Labor etc. vertraut, kennt Messmethoden und Arbeitsschritte. Diese Kenntnisse sind dann beim Anfertigen von BA- oder MA-Arbeiten sowie das spätere Berufsleben extrem wichtig. Auch die Bezahlung ist nicht zu unterschätzen. In Kiel erhält jeder Hiwi ohne Hochschulsabschluss 9,00€/h, mit BA-Abschluss 10,03 €/h bei 30-40 h Arbeitszeit im Monat. Davon kann man gut leben.
    Darüber hinaus lassen sich im Rahmen der Hiwi-Tätigkeit auch hervorragend Kontakte knüpfen, wenn es um weiterführende Praktika, Abschlussarbeiten oder Jobs geht.
  5. #5

    Wirklich das Vernünftigste

    Nichts bereitet besser auf eine spätere wissenschaftliche Berufstätigkeit (und führt zu einer wirklich guten Vernetzung mit anderen Jungwissenschaftlern) als eine Hilfskrafttätigkeit, wobei es auch Stellen und Stundenumfänge gibt, von denen man ein Studium gut finanzieren kann (800 Euro pro Monat).
    Problematisch ist allerdings, dass aufgrund der verkürzten Bachelor- und Masterstudiengänge die "Halbwertzeit" von Hilfskräften relativ gering ist, so dass es immer wieder schwierig ist, Kandidaten früh zu identifizieren. An meinem Arbeitsbereits dienen daher die Veranstaltungen im 1. oder 2. Semester dem aktiven Recruitement von guten Kandidaten, die dann auch aktiv vom Lehrstuhl auf eine solche Tätigkeit angesprochen werden. Hier - wie auch in der Industrie - ist eine gute Personalauswahl ein Erfolgsfaktor für beide Seiten, wobei es nicht unüblich ist, dass studentische oder wissenschaftliche Hilfskräfte im Rahmen ihrer Tätigkeit erste Erfahrungen als Mitautor von Publikationen, Postern oder Vorträgen erlangen können. Und noch etwas ist zu bedenken: Auch für postgraduierte Tätigkeiten werden "Ehemalige" gerne auch an Kollegen weiterempfohlen oder stringent weiterbeschäftigt.
    Und schöner Nebeneffekt: Man erlangt sehr früh Einblick in die Strukturen des (Nicht-)Funktionierens von Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen ;-)
  6. #6

    Zitat von dr.klugscheisser Beitrag anzeigen
    Warum Deutschland mich nicht mehr haben wollte ist meinem neuen Arbeitgeber völlig schleierhaft.
    Vielleicht liegt's an Ihrer bescheidenen Art? Wie auch immer, Deutschland scheint Ihre Abwanderung ja überlebt zu haben, insofern ist ja alles gut...
  7. #7

    Zitat von dr.klugscheisser Beitrag anzeigen
    Trotzdem kann man allen Studenten nur eine klare Warnung aussprechen:
    bleibt in Deutschland mit dem Hiwi Job immer unter der HRG Schwelle von 41,8h im Monat!
    Was ist die HRG Schwelle und wie kommt man auf die magischen(?) 41,8h/Monat?
  8. #8

    Dass ein "Hiwi-Job" eine gute Ergänzung sowohl zum Studium als auch für die spätere "Unikarriere" ist, ist m.E. keine neue Erkenntnis. Allerdings würde ich es auch sehr begrüßen wenn mehr Wissenschaftler, Dozenten, Professoren einen Teil ihres Werdegangs auch in der "Welt da draußen" verbracht hätten...

    Ich habe selbst studiert, u.a. auch im Ausland (bin heute in der Industrie tätig, früher auch mal im ÖD) und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich am Meisten von jenen Dozenten gelernt habe die in ihrem Leben beide Seiten der Medaille kennen gelernt hatten.

    Auch heute lese ich beruflich bedingt viel Fachliteratur und der Unterschied zwischen Autoren mit reiner Uni-Karriere liest sich in der Regel schnell heraus, der Inhalt ist häufig wenig bis gar nicht praxistauglich - selbst wenn das Werk verspricht, ein "Praxisratgeber" oder Ähnliches zu sein!

    Weder scheinen diese Autoren zu wissen, wie die Realität der Arbeitswelt in einem Großkonzern (mit einem durchaus guten Arbeitgeberruf) aussieht, noch z.B. wie Auszubildende heutzutage ticken und man an die Arbeit mit ihnen herangehen muss. Um beim letzten Beispiel zu bleiben, wenn ich die arbeitspädagogischen Empfehlungen, die teilweise auch in Publikationen jüngeren Datums angeführt werden, befolgen würde, würde keiner meiner Azubis die Ausbildung schaffen. Und nein, die Schuld wäre hier nicht bei den jungen Menschen zu suchen, ihrer schulischen Vorbildung o.ä....!!!

    Ein Industriebetrieb, der sich (bisher erfolgreich) gegen die internationale Konkurrenz behauptet, ist eben keine von der Außenwelt abgeschlossene Insel, auf der alle störenden Einflüsse ausgeschaltet werden können und wo unter bestimmten (theoretisch wünschenswerten) Arbeitsbedingungen gearbeitet werden kann.
  9. #9

    .

    Die Stelle als HiWi kann interessant sein (der Job als Tutor hat mir Spass gemacht). Für eine Karriere als erfolgreicher Forscher ist sie keine Voraussetzung, selbst den Nutzen bezweifle ich. Wenn man eine richtig gute Diplomarbeit geschrieben und bereits wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht hat, dann fragt keiner mehr danach, ob man auch HiWi gewesen ist. Als HiWi kann man sicherlich erste Kontakte knüpfen und lernt den Forschungsbetrieb eines Lehrstuhls kennen. Aber das reicht nicht, um an eine begehrte Doktorandenstelle zu gelangen. Zumindest dann nicht, wenn diese für mehrere Jahre als volle Stelle ausgeschrieben und für Spitzenleute vorgesehen ist. Es ist sowieso ratsam, nach dem Diplom die Uni zu wechseln, ausser, man hat vorher bereits an einem Spitzeninstitut geforscht.

    An eine Uni-Karriere würde ich als angehender Doktorand noch nicht denken. So etwas ist selten planbar. Und in den meisten Fällen gibt es bessere Alternativen.


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