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Hetze gegen Nazi-Widerstandskämpfer: Staatsanwalt ermittelt gegen Burschenschafter
SPIEGEL ONLINEDer Eklat in der Deutschen Burschenschaft beschäftigt die Strafverfolger: Weil ein hoher Funktionär den Nazi-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer öffentlich als "Landesverräter" bezeichnet hat, ermittelt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE die Staatsanwaltschaft Bonn.
Hetze gegen Widerstandskämpfer - SPIEGEL ONLINE
- #1 19.04.2012 20:51 von
- #2 20.04.2012 00:21 von
Für Leute, die das Naziregime während seiner Herrschaft mit Deutschland gleich sezten, mag der Vorwurf "Landesverrat" zutreffen.
Diese Leute und deren Argumentation kann man sehr wohl automatisch beurteilen.
Gegenüber einem verbrecherischen und diktatorischen Regime gibt es keine Loyalitätspflicht des Bürgers. Wenn Sie mal im Grundgesetz Art. 20 Abs. 4 nachschauen, können Sie sehen, dass diese Sicht dort klar verankert ist ("Widerstandsrecht").
Nur Heuchler, Rechtsextreme und ewig Gestrige können Widerstandskämpfern im 3. Reich entgegen halten, dass formaljuristisch die Lage zwischen 1933 und 1945 eine andere war.
Das Land verraten haben diejenigen, die das demokratische System abgeschafft haben und für den Holcaust und die vielen anderen Verbrechen verantwortlich waren.
Die Widerstandskämpfer haben leider vergeblich versucht einen Rest der Reputation Deutschlands zu retten und die spätere im Grundgesetz geltende Regelung vorweg genommen. Sie sind dabei einem Rechtsempfinden gefolgt, das auch gar nicht geltende Paragraphen beachten musste. Wer deren Andenken verunglimpft, verdient nur Abscheu. - #3 20.04.2012 00:24 von
Aus meiner sicht haben alle, die sich auf die Seite der Nazis stellten und deren Handeln entweder aktiv unterstützten oder passiv duldeten, Landesverrat begangen.
Der Schaden, den Deutschland an Menschen, materiellen und kulturellen Werten erlitten hat, war eindeutig ein Verrat an Deutschland - #4 20.04.2012 08:05 von
Immer noch kein normales Land
Was mich an dieser ganzen Burschenschafter-Brut ja immer noch am meisten verblüfft, ist, dass diese Leute ja trotz ihrer offensichtlichen intellektuellen Zurückgebliebenheit an Universitäten eingeschrieben sind und es dort auch zu irgend einer Art von Abschluss bringen. Im Grunde, so mag man schlussfolgern, dienen diese Burschenschaften eh nur dazu, geistig Minderbemittelten aus gutem Hause durch entsprechende Drähte auch ohne akademische Befähigung den Weg in eine Karriere zu vermitteln.
Aber so unerträglich das Gesagte, dieses Schnösels auch ist, so sehr nervt, dass wir hierzulande derartige Fragen meinen in erster Linie über das Strafrecht klären zu können. Wir sind immer noch kein normales Land, wenn wir meinen abseitige Meinungen kriminalisieren zu müssen. Kann man nicht einfach mal darauf vertrauen, dass diese Gesellschaft gefestigt genug ist, um selbst das Gebrabbel von Burschenschaftern zu ertragen? Seine Bemerkung verdient profunde Verachtung; eine strafrechtliche Verurteilung braucht es nicht. - #5 20.04.2012 08:20 von
- #6 20.04.2012 08:59 von
- #7 20.04.2012 09:38 von
mit ihrem gedächtnis ...
... scheint irgendwas nicht zu stimmen - oder war das etwa bewusst gelogen (nein würden sie bestimmt nie tun:-):
manfred kanther kann einen solchen satz nie gesagt haben, weil er kein burschenschafter ist - sondern mitglied eines corps :-)
... die sind basisdemokratisch organisiert und schon von den statuten her an das toleranzprinzip und das grundgesetz gebunden. auch ausländische studierende können dort ganz selbstverständlich mitglied werden und werden es auch. - #8 20.04.2012 09:44 von
Naja das wird heutzutag sowieso vollkommen überbewertet. In der Regel schafft man es sich nur hölchsten ein Praktikum oder eine Werkstudentenstelle über einen Alten Herren des jeweiligen Bundes zu verschaffen, aber so wirklich viel Einfluss haben die meisten nicht bzw. geben die wenigsten vor dem Arbeitgeber oder den Kollegen öffentlich zu, dass sie Teil enier Verbindung sind. - #9 20.04.2012 10:39 von
@Maynemeinung: Das Spannende an "Bruten" (egal ob links oder rechts gebrütet wird) ist doch, dass Intelligenz und Vernunft nicht zwingend einher gehen. Viele Systeme sind für sich genommen "intelligent", funktionieren aber nicht, weil sie nicht "vernünftig" sind. Ich persönlich z.B. empfinde die Ideen von Max und Engels als höchst intelligent, aber eben auch als "nicht vernünftig".
Was Norbert Weidner z.B. schreibt, ist durchaus - naja, sagen wir mal - "nicht unintelligent", denn wenn man das ganze komplexe Thema mal nur isoliert aus einer rein rechtlichen Sicht sieht (mit Rechtsstand 1944), kommt man sehr schnell zu der von ihm gemachten Ansicht. "Vernünftig" ist das aber eben noch lange nicht, weil man dieses Thema eben NICHT allein und ausschließlich aus dieser isolierten Position, sondern "komplex", "ganzheitlich" sehen muss.
Zu Ihrer Frage, ob man nicht "darauf vertrauen [kann], dass diese Gesellschaft gefestigt genug ist". Grundsätzlich wird man von "der Gesellschaft" schon verlangen dürfen, dass sie einiges Gebrabbel aushält. Auf der anderen Seite haben wir den Artikel 1 im GG, der im 1. Satz sagt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Und hier geht es u.a. um Bonhoeffers Würde. Auch wenn er "als Person" nicht mehr lebt, so bleibt er doch "als Mensch" bestehen und muss in sofern auch "vom Staat" zumindest einen grundlegenden Schutz erhalten. Würde der Staat das nicht machen, steht immer zu befürchten, dass Menschen dann den Schutz in die eigenen Hände nehmen. Und das ist etwas, was ich eher nicht möchte.
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