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Herausragende TV-Doku "Wadim": Wenn Behörden ein Leben zerstören

Ein freundlicher und fröhlicher Mann tötet sich selbst - mit 23 Jahren. Wie es dazu kam, zeigt die NDR-Doku "Wadim" in allen erschütternden Details. Die gnadenlose Abschiebepraxis deutscher Behörden hat den in Deutschland geborenen Letten in die Verzweiflung getrieben.

Herausragende TV-Doku "Wadim": Wenn Behörden ein Leben zerstören - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
  1. #70

    Ein Russe in Lettland...

    ...hat es schwer. Aber das hängt mit der Geschichte zu tun.

    Das fing schon während des zweiten Weltkriegs an. Die Balten haben an der Seite Deutschlands gegen die russische Besetzung und Unterjochung gekämpft.
    Nachdem die Rote Armee aber das gesamte Baltikum befreit/besetzt hatte brach eine dunkle Zeit für die Letten, Litauer und Esten an. Unzählige von ihnen wurden, wenn nicht gleich erschossen, familienweise nach Sibirien verfrachtet.
    Zur gleichen Zeit sorgte Moskau dafür das die nationale Eigenständigkeit, die Kultur, ja sogar die Sprache bekämpft und in den Hintergrund gedrängt wurde in dem Millionen Moskau treue Russen im Baltikum angesiedelt wurden.
    Russische Kultur, russische Sprache und natürlich Loyalität zu Moskau wurde auf diese Weise dieser ganzen Region für Jahrzehnte gewaltsam aufgezwungen.

    Dieser "Kulturkampf" dauerte bis zum Fall des eisernen Vorhangs und dem Auseinanderbrechen der Sovietunion.

    Natürlich kam jetzt der von vielen ansässigen Russen befürchtete backlash. Natürlich wurden jetzt die einheimischen Sprachen wieder national Sprachen und nicht mehr Russisch. Natürlich kamen jetzt die Reiberein zwischen der hofierten, einflußreichen russischen Elite und der eigentlichen, bis dahin von Moskau unterdrückten, einheimischen Bevölkerung zum Ausbruch.

    Aber soviel ich weiß wurde jeder Russe im Baltikum vor die Wahl gestellt, lerne lettisch/estnisch/litauisch, erkläre deine loyalität zu deinem Land, werde offiziell Bürger dieses Landes, gib deine russische Staatsbürgerschaft auf und du wirst keine Probleme mehr haben.

    Alles durchaus verständlich und sollte kein Problem sein. Oder er zieht halt zurück in's russische Staatsgebiet.

    Das Wadim's Vater ausgerechnet nach Deutschland und nicht zurück nach Russland wollte erscheint mir merkwürdig.
    Außerdem hatte er die Möglichkeit für sich und seine Familie die lettische Staatsbürgerschaft annzunehmen und lettisch zu lernen.
    Alles besser und einfacher als die Flucht in ein völlig anderes Land.

    Wie gesagt...ich glaube hier wird nicht die ganze Geschichte erzählt.
  2. #71

    Erzählen Sie doch keinen Blödsinn,

    Zitat von chris4791 Beitrag anzeigen
    Wer auf Asyl hofft darf nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen - Autofahren ohne Führerschein - solche Leute will keiner haben. Auch die Letten nicht. Hoffnung hat er nur wenn er positiv auffällt und er daher ein Gewinn für die Gesellschaft ist.
    in diesem Land können Sie (allerdings nur als "geborener Blutsdeutscher") sogar Minister werden, wenn Sie zuvor im Suff jemand totgefahren haben.

    JorgeX
  3. #72

    .

    Zitat von spiegel-hai Beitrag anzeigen
    i
    Weil nun aber Wadims Eltern aus dem Staatsgebiet Lettlands nach Deutschland kamen, konnten sie nur dahin und nicht nach Russland abgeschoben werden. Die Bundesrepublik Deutschland kann nun aber nicht solche Leute zwangsweise in Lettland einbürgern, das kann nur Lettland selbst, und daher konnte die Familie von der Mitgliedschaft Lettlands in der EU nicht profitieren. Ob nun die Letten den verbliebenen Russen die lettische Staatsbürgerschaft verleihen oder sie ihrerseits lediglich dulden, läßt der Artikel genau so offen, wie er sich um die Klärung der angesprochenen rechtlichen Hintergründe drückt, so wichtig wie diese für das Verständnis des Handels der Behörden wären.
    Soweit mir bekannt ist, bekommen Russen den lettischen Pass wenn sie lettisch sprechen können (einigermaßen).
  4. #73

    Zustimmung

    Zitat von niemand001 Beitrag anzeigen
    Ich habe keine Lust hier die Kommentare zu zitieren die rassistisch und menschenfeindlich sind. Wer alle gelesen hat, wird feststellen, dass es mindestens die Hälfte sind.
    ...
    Danke lieber Spiegel, dass sie diesen bewegenden Artikel veröffentlicht haben. Diese spezielle Geschichte ist neben tausenden von anderen Geschichten eine Mahnung, wie weit unsere Gesellschaft noch von einer fortschrittlichen, friedlichen und menschlichen Realität entfernt ist. Solange Menschen ein selbstbestimmtes Leben verboten wird, weil sie nicht "deutsch" sind, haben wir noch einen langen Weg vor uns und viel zu tun, um diese Gesellschaft zu einer besseren zu machen.
    Vielleicht könnte man den "gefällt mir- Button" hier einführen, denn mehr wollte ich eigentlich nicht sagen, außer dass Sie mir aus der Seele sprechen.
  5. #74

    alle mal lachen

    Zitat von bluemetal Beitrag anzeigen
    1. Wie ganz beläufig erwähnt scheint der ach so nette Junge Mann, wie leider so viele Aussiedler, erheblich staffällig, sprich schwer kriminell gewesen zu sein. Evtl. sollte man solche "Kleinigkeiten" nicht nicht nur in einem Halbsatz erwähnen, da sie mit Sicherheit auch ursächlich für seine Abschiebung waren.
    Der junge Mann hat erst durch den Druck der drohenden Abschiebung streckenweise den Faden verloren. Steht laut und deutlich im Artikel.

    Zitat von bluemetal Beitrag anzeigen
    2.Es ist nun mal so, dass man sich, zurcht, nicht als völlig Mittelloser überall auf der Welt in Ländern niederlassen kann zu denen man weder kulturellen Bezug hat noch die Sprache spricht, dann noch kriminell wird und dann die große Mitleidstour reitet.
    Aha, völlig mittellos war die Familie auch noch. Lettland liegt bekanntermaßen kurz vor Abseitsistan und dort ist allen natürlich die deutsche Menatalität fremd und ein Rätsel. Lettland liegt in Europa, zu Ihrer wohlgefälligen Information.
    Der Bursche hat fliessend deutsch gesprochen und eine Ausbildung angefangen. Wieviel mehr wollen Sie denn bitte haben?
  6. #75

    Niederlassungsfreiheit gibt es nicht

    Zitat von robr Beitrag anzeigen
    Merkwürdig: ein Lette ist EU Staatsbürger und hat daher Niederlassungsfreiheit. Wie kann man den -außer aus kriminellen Gründen- abschieben?
    in der EU gibt es keine Niederlassungsfreiheit (Rentner ausgenommen). Es gibt eine Arbeitnehmerfreizügigkeit. Dazu ist es erlaubt, sich zum Zweck der Arbeitssuche in ein anderes EU-Land zu begeben und in einigen (3-6) Monaten eine solche zu finden. Die darf man dann dort unbegrenzt lange ausüben. Findet man keine, dann darf man abgeschoben werden. Ist man eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit, dann darf man auch abgeschoben werden.

    Die Freizügigkeit für Letten gilt in D auch erst seit Mai diesen Jahres, da gab es lange Übergangsfristen. Für Bulgaren und Rumänen gilt sie sogar noch bis 2014. Was findige EU-Bürger dieser Länder nicht daran hindert, über das Vehikel der Selbstständigkeit jetzt schon hier zu arbeiten (Dienstleistungsfreiheit).

    Er hätte nach England gehen können, die hatten keine Übergangsfristen für Letten. Da hätte er auch eine Menge Landsleute getroffen, denn dank der Sparpolitik verliert Lettland 1% seiner Bevölkerung pro Jahr wegen Auswanderung.
  7. #76

    Zitat von küss_di_hand Beitrag anzeigen
    Soweit mir bekannt ist, bekommen Russen den lettischen Pass wenn sie lettisch sprechen können (einigermaßen).
    heute vielleicht. Anfangs war das ganz bestimmt nicht der Fall. Die Letten haben die Russen aus nachvollziehbaren Gründen bodenlos gehaßt und in den ersten Jahren "diskriminiert", was die EU-Mitgliedschaft gefährdete. Aus dieser Zeit stammte auch die anfängliche Weigerung der lettischen Behörden, einer Ausweisung der Familie dorthin zuzustimmen.
  8. #77

    Lösung

    Zitat von ekel-alfred Beitrag anzeigen
    Gnadenlose Abschiebepraxis? Wenn wir Gesetze erlassen, dann müssen wir sie auch anwenden. Ansonsten lassen wir lieber die Gesetze weg und führen jedes mal eine Einzelfall Prüfung durch.
    Und wenn es dann zur Abschiebung käme, dann wäre das Geschrei genauso groß.
    Was also ist die Alternative?
    Die Lösung: Gesetze weg, Einzelfallentscheidung, Ausbilden (Beruf oder Studium mit späterer Rückzahlung der Kosten), kostenloser Sprachunterricht, eine echte und faire Chance im Berufsleben geben, Verantwortung und Vertrauen zugestehen und nach 3,5,7 und 10 Jahren alles überprüfen und dann endgültig entscheiden. So simpel wäre das. Fast ALLE Ausländer, die ich kennen gelernt haben, sind fleißig und mindestens ebenso sorgfältig und zuverlässig wie die Deutschen - wenn man sie mit Respekt auf gleicher Augenhöhe behandelt und ihnen eine echte Chance gibt. Versuchen Sie sich doch einfach mal in deren Situation zu versetzen, dann ist das ganz einfach.

    Und wegen des Missbrauchs... meine Güte, den wird es so oder so geben. Bei der jetzigen Regelung ist aber die Wahrscheinlichkeit der Kriminalisierung ungleich höher als im o.a. Beispiel. Es ist und bleibt ein Rätsel, warum gerade die Deutschen so viel Angst vor Fremden haben. Rein geschichtlich gesehen müsste es eher umgekehrt sein....
  9. #78

    Man will es nicht glauben...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein*freundlicher und fröhlicher Mann*tötet sich*selbst - mit 23 Jahren. Wie es dazu kam,*zeigt die NDR-Doku "Wadim" in allen erschütternden Details. Die gnadenlose*Abschiebepraxis deutscher Behörden hat den in Deutschland geborenen Letten in die Verzweiflung getrieben.

    Herausragende TV-Doku "Wadim": Wenn Behörden ein Leben zerstören - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Die deutsche Abschiebepraxis ist einfach nur menschenverachtend, zynisch, faschistoid. Polizeitrupps stürmen Wohnungen um Menschen abzuschieben, deren einziges Vergehen ist, nicht deutsch zu sein. Deutschland hat sich im Grunde nie verändert.
  10. #79

    dem ist nichts hinzuzufügen

    Zitat von Skorpion-4411 Beitrag anzeigen
    Die Tätigkeit in einer "Asylbehörde" ist doch immer noch freiwillig oder?
    Auch Beamte sind nicht verpflichtet eine Aufgabe zu erfüllen die mit ihrem persönlichen "Gewissen" nicht zu vereinbaren ist.

    Das sollte man aus der Geschichte unseres Landes doch lernen.
    dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es geht mal wieder da drum, dass die willfährigen Helfer und Vollstrecker immer in einem bestimmten Umfeld besonders prosperieren. Ein solches Umfeld scheint es hier zu geben, Beispiele wurden genannt. Es gibt genau drei Abstufungen: 1. die, die gerne und aktiv mitmachen, weil sie das Gedankengut in ihrer Position exekutieren dürfen. 2. die, die es machen, weil sie in ihrem bequemen sesselfurzer-job mit möglichst wenig Aufwand und Reibung dahingleiten möchten und sich immer selbst die nächsten sind. Das bestätigt gut die bemerkung eines kommentarschreibers, der daruf hinweis, dass es sehr wohl möglich gemacht wird, einen soclchen jungen Mann gnadenlos abzuschieben und mit aller Härte abzuarbeiten, während man parallel zu feige, faul und ungewillt ist, echte Gewalttäter und Missbrauchende zu behelligen.
    deswegen ist das die Haltung der Leute und ihre Tat zu verabscheuen.
    3. es gibt noch die Kämpfer, die Unbequemen, die sich in den anderen Mensch noch hineinversetzen und ihre Freiheiten nutzen, zu helfen. Die haben es so schwer wie schon immer.








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