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Heimat: Was ein Schweizer im Ausland vermisst

REUTERSDie Schweizer sehnen sich in einer ungemütlichen Welt nach der heilen Heimat.

http://www.spiegel.de/0,1518,827200,00.html
  1. #40

    merci

    als Schweizer, der seit 5 Jahren in Berlin lebt und auch nicht mehr weg will, empfand ich den Artikel als sehr treffend formuliert.

    Dieses komische Gefühl, das einem überkommt, wenn man in Zürich landet und weiss, das man lange ein Teil des Ganzen war, es jetzt aber durch eine "schwarz-rot-goldene" Brille betrachtet und Dinge auffallen, die man sonst nie sah oder als selbstverständlich annahm.

    Die SVP-Kritik im Artikel ist nachvollziehbar, da die meisten Auswanderer in ein anderes Land gehen, da sie mit dem eigenen nicht zufrieden sind. Auf dieses Unwohlsein hat die stärkste Partei jeweils einen wesentlichen Einfluss.
    Das die Schweiz sich weiterentwickeln muss und an einigen Stellen Abstriche machen muss, ist, denke ich, auch den meisten Schweizern bewusst.
    Ich finde es aber schade, das die Diskussion über den Artikel jetzt in ein Bashing der Schweiz als Steuerparadies abdriftet.
  2. #41

    Erklärungsversuch...

    Zitat von Waldbahner2 Beitrag anzeigen
    Sicher gibt es in jedem Land Ängste vor Ausländern welche einem den Job nehmen könnten. So extrem wie in der Schweiz habe ich es in keinem anderen Land erlebt obwohl ich erkennbar zeitlich befristet dort als Ingenieur tätig war.
    Nur eine kleine Rechnung:
    - Deutschschweiz : 5 Mio Einwohner
    - Deutschland : 80 Mio Einwohner
    - Volksrepublik China : 1.3 Mia Einwohner
    Das Einwohnerverhältnis (ca. Faktor 16) von Deutschschweizern gegenüber Deutschen ist ziemlich exakt das selbe wie zwischen Deutschland und China.
    In anderen Worten: stellen Sie sich vor, Deutschland hätte eine gemeinsame Grenze mit China (1), diese Chinesen würden alle deutsch sprechen (sogar noch etwas eloquenter) (2), wären praktisch alle sehr gut ausgebildet (3) und in Deutschland müsste man weniger Steuer bezahlen als in diesem fiktiven China....wie gut wäre es wohl um das deutsche Selbstbewusstsein in diesem Fall bestellt?

    Abgesehen davon: "friedlich" ist nicht gerade das Adjektiv mit welchem Deutschland im allgemeinen assoziiert wird...
  3. #42

    Welches Land ist wohl besser

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Schweizer sehnen sich in einer ungemütlichen Welt nach der heilen Heimat.

    http://www.spiegel.de/0,1518,827200,00.html
    Ich lebe und arbeite jetzt seit genau zwei Jahren als Deutscher in der Schweiz. Wenn ich entscheiden müsste, welches Land besser ist, dann fällt meine Antwort jedenfalls eindeutig aus, und dieses bessere Land nennt sich

    SCHWEIZ

    Hierzu gibt es viele Gründe, die eindeutig für die Schweiz sprechen:
    - Direkte Demokratie (was auch zu einer besseren Kontrolle der Politiker führt)
    - Sorgsamerer Umgang mit Steuergeldern, d.h. wenig sinnlose Sozialgeschenke wie Betreuungsgeld oder Grosselternzeit (wäre Deutschland wirtschaftlich schwächer, würden in Deutschland auch Griechische Verhältnisse herrschen)
    - Keine EU-Mitgliedschaft und damit auch weniger Bevormundung aus Brüssel und keine Zahlungen für Griechenland und Co.
    - Harte Währung - auch in drei Jahren werde ich mein Gehalt noch in der gleichen Währung wie jetzt erhalten
    - Wenig Sozialneid, Leistung wird anerkannt (während in Deutschland schon in der Schule gute Schüler als Streber angefeindet werden.
    - Man wird weniger von Politikern und Lobbyisten belogen (bestes Beispiel ist das Märchen vom Fachkräftemangel, nachdem ich zuvor als Ingenieur fast ein Jahr in Deutschland arbeitslos war)
    - Höhere Gehälter bei weniger Steuern und Sozialabgaben (überkompensieren die in der Tat höheren Lebenshaltungskosten)

    Ich muss garnicht mal die Schweiz über den Klee loben, aber innerhalb der zwei Jahre, wo ich nun schon dort lebe, wurde mir zum Teil mehrfach pro Woche beim Verfolgen Deutscher Nachrichten dargestellt, wie froh ich sein kein, in der Schweiz und nicht mehr in Deutschland zu leben.
  4. #43

    Welche Zukunft wird wann wo eintreffen?

    Zitat von Suppenhahn Beitrag anzeigen
    In Vielem erinnert mich die Schweiz an die BRD der 80er - vor dem Mauerfall. Alles war irgendwie einfacher gestrickt, alles mehr linear und eindeutig.

    Aber genau so, wie ich Böll nicht mehr lesen kann, weil er mir vorkommt, wie einer, der aus schierer Unwissenheit nichts schreiben konnte, was über die Bonner Republik hinaus gehende Bedeutung hatte, genau so mag ich nicht in der Schweiz leben, die mir kleinbürgerlich vorkommt, zu kleinbürgerlich.

    Die Zukunft wird auch in der Schweiz eintreffen, auch wenn es vielleicht etwas länger dauert...
    Welche Zukunft wird wann wo eintreffen? Das ist doch die eigentliche Frage.
    Die Bonner Republik musste die ökonomischen Folgen der deutschen Wiedervereinigung finanzieren. Die Schweiz nicht, weil sie an keinem der Weltkriege teilnahm.

    Durch die Euroeinführung, ein deutscher Euro ist immer gleich einem anderen Eurolandeuro, entfallen für uns selbst alle Aufwertungsgewinne einer eigenen, unabhängigen und stabilen Währung als volkswirtschaftliche Sozial- und Wohlfahrtsdividende. Die Schweiz verfügt über eine stabile und gefragte Währung.
    Hinzu kommen für uns die erheblichen und nicht kalkulierbaren finanziellen Rettungs- und Stabilisierungsaufwendungen für die Eurorettung. Auch dies entfällt für die Schweiz.

    Die Schweiz ist nicht EU-Vollmitglied und zahlt deshalb auch nicht in den Brüssel Etat ein.

    Direkte Demokratie, Bodenständigkeit, Maßhalten, Pragmatismus und Realismus erhalten und ermöglichen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Prosperität. Dies dürfte der eigentliche Unterschied zwischen der deutschen und der schweizerischen POLITIK (nicht unbedingt der Bevölkerung) sein.
  5. #44

    Titel

    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    .....und den Zusammenhang zwischen Schmarotzereinahmen und der schweizer Wirtschaft nicht verstehen? Die niedrigen Zinsen und Steuern basieren auf billig hereinkommendem Geld. Rechnen sie die schweizer Betriebssituation mal durch auf Basis Deutscher Finanzbedingungen und streichen Sie den günstigen EU Zugang, den wir mit hohen Abgaben an Brüssel finanzieren. Wenn wir für schweizer Waren höhe EU-Importzölle hätten, bräche deren Export ein.
    Begreifen Sie auch, das gegen die Souveränität der Schweiz die Souveränität der EU steht, die das schweizer Geschäftsmodell in kürze beenden könnten - ganz demokratisch.
    Die von der Schweiz aufgebauten Rechtspostionen sind legal aber unfreundschaftlich, weshalb die Schweiz weltweit immer unbeliebter
    wird.
    Auf Basis deutscher Finanzbedingungen?
    Wer will die denn haben?
    Nach 20 Jahren deutscher Finanzbedingungen bin ich auf die andere Seite des Bodensees gewechselt - und kann nur sagen:
    Behalten Sie Ihre Bedingungen, die EU und die neuere deutsche Rechtsauffassung bei sich und machen sich über die Beliebtheit der Eidgenossen keine Gedanken.
  6. #45

    Korrekt

    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    und den Zusammenhang zwischen Schmarotzereinahmen und der schweizer Wirtschaft nicht verstehen? Die niedrigen Zinsen und Steuern basieren auf billig hereinkommendem Geld. Rechnen sie die schweizer Betriebssituation mal durch auf.....
    So ist es. Die Schweiz ist abhängig von der EU und nicht umgekehrt.
  7. #46

    Grosses Problem

    Zitat von Doktor_Seltsam Beitrag anzeigen
    So ist es. Die Schweiz ist abhängig von der EU und nicht umgekehrt.
    Sie beschreiben es genau richtig. Manchmal passiert es leider, dass das Gute sich nicht durchsetzen kann, weil das Schlechte zu dominant ist.
    Dennoch geniesse ich als Deutscher in der Schweiz jeden Tag, den ich nicht in dieser Brüsseler Bevormundungsorganisation leben muss und daher frei atmen kann.
  8. #47

    ...

    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    und den Zusammenhang zwischen Schmarotzereinahmen und der schweizer Wirtschaft nicht verstehen? Die niedrigen Zinsen und Steuern basieren auf billig hereinkommendem Geld. Rechnen sie die schweizer Betriebssituation mal durch auf .....
    Ob sovieler Fehlinformationen bleibt einem fast die Spucke weg.
    Es ist mitnichten so, dass nur die Schweiz von der EU profitiert. Immerhin ist die kleine Schweiz drittwichtigster Handelspartner der EU. Direkt hinter China.

    Zur EU und Demokratie. Wie war das mit Irlands Entscheid bezüglich Lissaboner Vertrag? Da wird dann einfach solange abgestimmt bis es passt. Eine ziemlich krude Auffassung von Demokratie. Im Übrigen bin ich mir nicht sicher, ob die EU überhaupt bestehen könnte, wenn sie dann demokratisch legitimiert werden müsste.
    Und was Ihren unbändigen Zorn auf schweizer Banken angeht: Der Finanzplatz erwirtschaftet keine 10% des Schweizer BIP's. Der Anteil den das Schwarzgeld ausmacht, wird auf 1%-1.5% des BIP's geschätzt.

    Die Schuld für Europas Misere würde ich an Ihrer Stelle erstmal auf der Ausgaben-Seite der einzelnen Staaten suchen. Selbstverständlich können Sie sich aber auch weiter am kleinen Nachbarn abarbeiten.
  9. #48

    genau!

    Zitat von franziskus.2 Beitrag anzeigen
    Sie werden darüber nachdenken, diskutieren und dann wird das Volk entscheiden. Die "Klugheit" der Menge ist jeder anderen "Klugheit" überlegen, denn die berücksichtigt nur die Interessen weniger.
    Genau! Fresst Scheisse, denn Millionen von Fliegen können nicht irren!

    Aber im Ernst, die "Klugheit" der Menge ist jeder anderen "Klugheit" unterlegen! Denn die Masse ist erstmal dumm, so intelligent und glänzend der Einzelne ist.

    Fragen Sie mal (egal in welchem Land) nach einem Verbrechen an einem Kind nach der einführung der Todesstrafe.
  10. #49

    Sie erkennen die Mittel nicht

    Zitat von PK2011 Beitrag anzeigen
    Auf Basis deutscher Finanzbedingungen?
    Wer will die denn haben?
    Nach 20 Jahren deutscher Finanzbedingungen bin ich auf die andere Seite des Bodensees gewechselt - und kann nur sagen:
    Behalten Sie Ihre Bedingungen, die EU und die neuere deutsche Rechtsauffassung bei sich und machen sich über die Beliebtheit der Eidgenossen keine Gedanken.
    die der EU Souverän hat hinsichtlich der schweizer Exporte in die EU.
    Diese immer schnell von Schweizern geforderte harte Linie gegen die EU im Steuerstreit müssen Sie in umgekehrter Richtung vorstellen.
    Haben Sie Phantasie, stellen Sie sich vor, der Rest der Welt läßt sich das schweizer Ausssteuergesetz einfach nicht mehr gefallen.








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