Die US-Serien sind so eine Art Streitthema in meinem Umfeld – manche sagen, ich würde da etwas verpassen, ich sei nicht auf der Höhe der Zeit und so weiter. Dann habe ich mal bei Dr. House, bei Scrubs und bei Breaking Bad reingeguckt... ich kann mir soetwas einfach nicht ansehen, ich halte das nicht aus. Damit will ich aber nicht sagen, dass die Serien durchgehend schlecht sind, sie sind für mich einfach nicht konsumierbar. Vielleicht liegt es an den synchronisierten Dialogen, die mir irgendwie abgehackt flapsig erscheinen, so als ob Todernstes lustig wäre und Lustiges zum Heulen. Es gibt da einen typisch amerikanischen Zynismus, zu dem ich keinen Zugang finde, die kurzen Gespräche wirken oft übertrieben intensiv geführt, bleiben aber flach, alles ist joky, everything sucks, ein bisschen Verarschung muss sein, und viele Schauspieler glotzen dabei als ob sie bekifft wären – ich muss zugeben, dass ich gerade auch gegenüber US-Schauspielerinnen Vorbehalte entwickelt habe, sie sehen für mich tendenziell alle gleich aus, wie aus der Retorte, viele haben eine nervenaufreibend quakige Stimme, wenn man sie im Original hört.
Es gibt einen Begriff, den ich mit typisch amerikanisch verbinde: hemdsärmelig. Die Amis sind so hemdsärmelig wie ihre Fernseh-Serien und umgekehrt, ihr Normalverhalten entspricht einer Mischung aus cool und locker – wenn sie einer Beerdigung bewohnen, dann spucken sie ihr Kaugummi nur widerwillig aus, in ihrer Wahrnehmung ist ein Reduktionsmechanismus eingebaut, sie pflegen ihren knurrigen Fatalismus, die größte Katastrophe ist für sie auch nur eine Top-Story, die das Leben schreibt, ein Candlelight-Dinner ist für sie Food mit schwacher Beleuchtung. Kurz nachdem die Köhlbrand-Brücke fertiggestellt worden war, kam ein amerikanischer Verwandter zu Besuch, ich zeigte ihm die Brücke, nicht ohne einen Anflug von Stolz, er sagte: „Nice bridge“ und schaute mich verständnislos an.
Die deutschen Fernsehserien können nie so locker sein wie die amerikanischen, weil sich in ihnen die deutsche Lebensart wiederspiegelt – und die ist eben nicht locker, sondern gleicht einem grauen Verhaltens- und Gefühlsstandard in bedenklicher Nähe zum Todernsten. Sich selbst auf die Schippe zu nehmen, empfindet der Deutsche mehr als einen Anschlag auf seine Würde denn als lustig, und wenn der Deutsche etwas lustig findet, dann ist es meistens albern – siehe diese schon fast tragisch dämlichen Nonnengeschichten mit Fritz Wepper, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Die amerikanischen Fernseh-Serien sind ungenießbar, die deutschen unerträglich.

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