Forum


 

"Guggenheim Lab" abgesagt: BMW fährt in Berlin-Kreuzberg gegen die Wand

Getty ImagesWie sieht die ideale Stadt der Zukunft aus? Weil sich die Bewohner von Berlin-Kreuzberg diese Frage nicht von BMW beantworten lassen wollten, liefen sie Sturm gegen ein Denklabor des Autobauers in ihrem Stadtteil. Der zog sich jetzt zurück - weil er um "die Sicherheit der Mitarbeiter" fürchtete.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...822478,00.html
  1. #10

    Zitat von Herr Scherflein Beitrag anzeigen
    Danke mein Hamburgerjung - besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können!
    Tja, so verteidigt halt jeder das, was er hat. Der Hamburger Jung sein bisschen Wohlstand, der Kreuzberger sein bisschen weniger Wohlstand. Mal sehn was der HJ sagt, wenn beispielsweise der Chinese die Sahneschnittchen in HH kauft und selber nutzt.

    "Wer zahlt schafft an" stimmt schon, setzt aber voraus, dass man etwas auch verkaufen will. Und mit ein bisschen Hirn kommt man schnell auf ein ganz paar Sachen, die man besser nicht verkauft.
  2. #11

    titelbefreit

    Wenn es den Berlinern hilft, könnten wir ja ein Atom-Endlager in Kreuzberg schaffen, das drückt die Mieten sicherlich, dann sind da alle glücklich. Wenn sich jemand an der Atom-Industrie stört, kann es natürlich auch irgendwas anderes toxisches sein, überall sonst sind die Leute glücklich, wenn sie es los sind. Hauptsache die Stadt bleibt sexy und arm.

    BMW, geht doch woanders hin, ihr seit sicherlich in vielen deutschen Städten willkommen. Im Ausland sicherlich auch.
  3. #12

    Gelebte Demokratie?

    Zitat von raketenprinz Beitrag anzeigen
    Berlin erlebt momentan eine enorme Mietensteigerung, was nicht ohne soziale Folgen bleibt: günstiger Wohnraum wird knapp, gleichzeitig ist die Kaufkraft in Berlin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, insbesondere in den Innenstadtbezirken, zu denen auch Kreuzberg gehört. Das ist ein Problem.
    Doch wer den Aufruf der Gegner liest, der merkt bald: Hier geht es nicht um Gentrifizierung, hier geht es auch nicht um das (wohlgemerkt temporäre) Projekt, es geht auch nicht um das Guggenheim, sondern es geht um die ganz große antikapitalistische Keule, um BMW: "BMW ist nicht irgend eine Marke, sondern ein besonders konservativer Konzern mit einer besonders üblen Vergangenheit. Ein großer Teil des Grundkapitals stammt aus Arisierungen und der Ausbeutung von Zwangsarbeiter_innen während der Herrschaft der Nationalsozialisten...."
    Entsprechend schreiben die Gegner in ihrem Aufruf auch: "Wir unterstützen alle Versuche, das geplante „Lab“ im Interesse der Anwohnerinnen und Anwohner zu verhindern." In Kreuzberg ist das ein Freibrief - nicht (physisch) gegen Menschen, sehr wohl aber gegen Sachen.
    Wie diskursfähig, wie demokratisch und wie sachlich angemessen ist ein solcher Aufruf? Diese Frage stellen sich die Gegner nicht. In der Eigenwahrnehmung kämpft man/frau für das Gute, und zwar gegen das Böse. Da bedarf es keiner intellektuellen Anstrengungen mehr, ob das eigene Verhalten legitim ist, ob es überhaupt zweckdienlich ist, und ob man selbst überhaupt debattenfähig ist. Hier geht es um ganz spießige, im Kern konservative Besitzstandswahrung: alles soll so bleiben, wie es ist. Mer lasset uns unseren Kiez net kaputtmache...
    Wie gesagt: steigende Mieten bei unterdurchschnittlichen Einkommen sind ein Problem. Aber wäre ein nicht ähnlich dringendes Thema wie die Mietsteigerungen auch die Frage, wie wir die wirtschaftliche Kraft eines jeden einzelnen, gerade in den unteren Einkommensschichten, erhöhen? Arm ist nicht sexy. Arm ist arm. (Reich ist auch nicht sexy, aber zumindest bundesdurchschnittliches Einkommen erhöht nachweislich auch die Chance zur gesellschaftlichen Teilhabe.) Mit dieser Debatte hat das Lab aber allenfalls am Rande was zu tun.
    Was ist denn jetzt eigentlich genau ihr Gegenargument gegen "die ganz große Antikapitalistische Keule"?!?! Und: Hat die "Marktwirtschaft", wie man den Kapitalismus auch nennt, denn nichts mit Gentrifizierung und der Verarmung von Menschen zu tun?
  4. #13

    Wie können dir nur...

    Zitat von xzz Beitrag anzeigen
    Wenn es den Berlinern hilft, könnten wir ja ein Atom-Endlager in Kreuzberg schaffen, das drückt die Mieten sicherlich, dann sind da alle glücklich. Wenn sich jemand an der Atom-Industrie stört, kann es natürlich auch irgendwas anderes toxisches sein, überall sonst sind die Leute glücklich, wenn sie es los sind. Hauptsache die Stadt bleibt sexy und arm.

    BMW, geht doch woanders hin, ihr seit sicherlich in vielen deutschen Städten willkommen. Im Ausland sicherlich auch.
    ...diese Kreuzberger?!? Nachher gehen die Unternehmen noch ins Ausland und wo kommen wir denn da hin?!? Für die Unternehmen machen wir doch den ganzen quatsch und nicht für die Menschen, das weiß doch jeder! Wirklich unverschämt diese Kreuzberger, was die sich einbilden...
  5. #14

    guggenheim lab

    für mich hat bmw sofort einen kommerziellen beigeschmack. es geht hier nicht um die menschen sondern wie kann man diese geschickt zu konsumenten machen. die fragen die gelöst werden können und müssen sind nicht von bmw und deren komparsen zu stellen und zu lösen, dafür gibt es z.b. die lokale agenda und die wäre in stuttgart die richtige lösung gewesen und ist auch in kreuzberg die richtige lösung. bmw ist keine lösung. das ist kommerz und ein alibi!
  6. #15

    Standortrisiko

    Lieber ein "Standortrisiko" sein, als gesponsertes Wissen zu konsumieren! Würde dieses "Lab" öffentlich finanziert, sehe die Situation ganz anders aus. Das versteht aber der Nicht-Berliner anscheinend nicht, dass hier Räume vorhanden waren und immer noch sind, die nicht "gesponsored", "supported" oder "endorsed" werden und man diese auch gerne so behalten möchte. Es regt sich hier niemand darüber auf, dass man wenig Geld hat sondern, dass es Lebensentwürfe gibt, die auf BMW, Mercedes, McDonalds und Co. lieber verzichten möchten. Konsumieren muss jeder, aber das geht auch bewusst und unabhängig und dass diese Lebenskonzepte in die Großstadt gehören und nicht, wie manche hier am liebsten schreien würden, an den Stadtrand oder aufs Land, macht eine gesunde und lebhafte Stadt aus. Da geht es in erster Linie nicht ums Geld, dass man nicht hat, sondern um das Geld, dass das soziale Umfeld negativ verändern.
  7. #16

    Zitat von hamburgerjung1111 Beitrag anzeigen
    ehrlich ??? ich kann diese arschgeigen aus dem wrangelkiez nicht ertragen. wer nicht auszieht dem droht doch auch gar keine mieterhöhung !!! ist das nicht zu verstehen wenn man 200 semester studiert hat ?? ich als hamburger kenne das problem aus der schanze. die ist jetzt immer noch dreckig aber teuer. da will ohnehin keiner mehr wohnen. und eimsbüttel ist saugeil geworden. da ist natürlich teuer... ach??? dann muss ich halt woanders hinziehen wenn ich mir in den angesagtesten ecken der stadt nichts leisten kann. und ihr vollpfosten, das war auch schon vor 50 jahren so.. gentrifizierung... tolles wort. wer die musik zahlt betimmt was gespielt wird. und das war auch schon immer und in jedem system so. mit 1200 brutto wohnt man eben nicht an der alster oder der elbchausse. und wenn der moderne stadtmensch nun einmal nicht mehr gern im grunewald sondern lieber in kreuzberg, friedrichshain oder prentzelberg wohnt dann heisst ihn willkommen und freut euch über neue nachbarn und schmeisst sie nicht raus mit so faschistoiden ansätzen wie "schwaben raus". ich persöhnlich werde meiner freindin aus berlin raten nach hamburg zu mir zu ziehen. wir sind da nicht mehr so aufgeregt und bei uns können arm und reich zusammen. hier wollen wohl alle unter sich bleiben. typisch preussen, typisch berlin. von einer weltstadt ist man hier im kopf lichtjahre entfernt.......
    Dem ist nichts hinzuzufügen!
    Viele Grüße aus Berlin
  8. #17

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie sieht die ideale Stadt der Zukunft aus? Weil sich die Bewohner von Berlin-Kreuzberg diese Frage nicht von BMW beantworten lassen wollten, liefen sie Sturm gegen ein Denklabor des Autobauers in ihrem Stadtteil. Der zog sich jetzt zurück - weil er um "die Sicherheit der Mitarbeiter" fürchtete.

    "Guggenheim Lab" abgesagt: BMW fährt*in Berlin-Kreuzberg gegen die Wand - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    … ich bin mir sicher, dass die welt wieder ein stück gerechter ist und der nunmehr vermiedene imageschaden den “heerscharen“ geknechteter leiharbeiter verdiente genugtuung bietet .... und mit diesem herrn kaufmann (esprit d'escalier) haben sie auch gleich jemanden, dem gegenüber sie den dank tausendfach zum ausdruck bringen können ...
  9. #18

    Zitat von Sleeper_in_Metropolis Beitrag anzeigen
    Das verwundert mich etwas. Kreuzberg soll doch mittlerweile angeblich von diesen ganze Kreativlingen und Jungdynamikern bevölkert sein, von denen wird sich doch kaum jemand gegen das BMW-Dingens wehren oder ?
    Der jungdynamische Kreativling ist Life-Style-links, trinkt Bionade und fährt ÖPNV. Oder Saab. Bestimmt nicht BMW.
  10. #19

    Zitat von dickerulle Beitrag anzeigen
    Lieber ein "Standortrisiko" sein, als gesponsertes Wissen zu konsumieren! Würde dieses "Lab" öffentlich finanziert, sehe die Situation ganz anders aus. Das versteht aber der Nicht-Berliner anscheinend nicht, dass hier Räume vorhanden waren und immer noch sind, die nicht "gesponsored", "supported" oder "endorsed" werden und man diese auch gerne so behalten möchte. Es regt sich hier niemand darüber auf, dass man wenig Geld hat sondern, dass es Lebensentwürfe gibt, die auf BMW, Mercedes, McDonalds und Co. lieber verzichten möchten. Konsumieren muss jeder, aber das geht auch bewusst und unabhängig und dass diese Lebenskonzepte in die Großstadt gehören und nicht, wie manche hier am liebsten schreien würden, an den Stadtrand oder aufs Land, macht eine gesunde und lebhafte Stadt aus. Da geht es in erster Linie nicht ums Geld, dass man nicht hat, sondern um das Geld, dass das soziale Umfeld negativ verändern.
    Solange diese "Lebensentwürfe" und "Lebenskonzepte" nicht durch Transferzahlungen vom Bundesland Bayern u.A., dem Heimatland von BMW, fremdfinanziert werden hat auch niemand etwas dagegen einzuwenden.
    "eine gesunde und lebhafte Stadt" ist Berlin garantiert nicht sondern eher der "kranke Mann an der Spree"
    Gruß aus HH


TOP



TOP