Eine 85-Jährige will den Mount Everest besteigen, Kalifornien entgeht einem Anschlag und ein Philosoph rappt über Achselschweiß: Immer mehr Werbeagenturen verbreiten Lügengeschichten, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/ser...667651,00.html
Hm...
Zitat aus dem Artikel:
»Der Song wurde ein Hit - maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Sender MTV und VIVA das Musikvideo in Deutschland oft gesendet haben. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte MTV, die Videoredaktionen hätten den "werblichen Charakter des Clips" durchaus gekannt. Für die redaktionelle Auswahl sei das jedoch "nicht ausschlaggebend gewesen".
Medienanwalt Schirmbacher sieht darin einen Regelverstoß: "Damit beteiligt sich der Sender eigentlich an Schleichwerbung. Aber es gibt hier leider keine einheitliche Rechtssprechung." «
Was war damals mit Kate Yanai und "Summer dreaming", dem aufgepeppten Werbesong für eine anticubanische Rummarke? Der Titel lief doch auch dauernd im Radio, und alle dachten an den Drink mit der Fledermaus.
Ich kann mich auch daran erinnern, dass ein großer niedersächsischer Autohersteller mal "What a wonderful world" von Louis Armstrong für eine Werbekampagne genutzt hat. Was passierte? Die einschlägigen Radiosender dudelten den Titel prompt rauf und runter, nicht zuletzt aufgrund von Hörerwünschen. Was willste da machen als Medienwächter?
Und was sagt der Medienwächter, wenn Janis Joplin mit ihrem Wunsch nach einer bestimmten Automarke aus Stuttgart gespielt wird, weil ihre Freunde alle die andere Automarke aus Stuttgart fahren?
Machten die Beatles in "Back in the USSR" Schleichwerbung für eine britische Fluglinie?
Wo ist die Grenze?
werbung und journalismus müssen klar voneinander getrennt werden. sonst nimmt die glaubwürdigkeit des journalismus weiter ab und das kann niemand ernsthaft wollen. darüber hinaus finde ich das - spätestens seit internetbestehen- motto: "alles geht irgendwie und der rest ist egal irgendwie" nicht sehr erstrebenswert.
Ich wusste noch nicht, daß Rüsselsheim in Niedersachsen liegt ;-)
Wobei es für mich in diesem Fall kein Problem war. Der Song ist gut und hat überhaupt nix mit dem beworbenen Produkt zu tun. Wenn ich nicht als Mitarbeiter der Autobranche eine "Spezialantenne" für alles dort hätte, wäre für mich nur hängengeblieben, daß der Armstrong gute Musik macht.
Botschaft für mich im Clip: Super Musik, schlechtes Bild...
Imagetransfer: 0 (Glück gehabt, Louis).
Ich wette, dieser Beitrag wird zensiert:
Was SPON geflissentlich unerwähnt lässt, ist dass der Großteil der mainstreampresse nichts anderes als guerillamarketing ist. Sämtliche Umfragen und Erhebungen sind wertlos, wenn man nicht erfährt, wie sie erhoben wurden, denn in aller Regel werden sie so aufgestellt, dass ein bestimmtes gewolltes Ergebnis herauskommt.
Das beste Beispiel ist, dass die Massenmedien anstelle der leicht recherchierbaren tatsächjlichen Arbeitslosenzahlen stets die geschönte offizielle Statistik verwenden.
Der allergrößte Teil dessen, was aus Regierungs- und Wirtschaftskreisen an Information kommt, wird von PR-Leuten gesteuert und landet zumeist unhinterfragt in der Presse.
Medienbeobachtungsagenturen boomen auch in der Krise: Ihre Auftraggeber sind Unternehmen, Behörden, Ministerien. Die Steuerung der Informationen, die zu den Menschen vordringt hat schon fast Perfektion erreicht.
Die Beispiele im Artikel sind die eher banalen. An die wirklichen Manipulatoren traut sich auch der Spiegel nicht heran. Denn das würde er zu spüren bekommen.
Einige wenige Onlinemedien sind die einzigen, die überhaupt noch auf diese Trennung achten. Der Pressekodex gilt offiziell für Onlinemedien nicht, also ignorieren ihn auch die meisten (SPON inbegriffen). Bei Print läuft das nicht viel anders. Da die breite Öffentlichkeit von den Rügen des Presserates ohnehin nichts mitbekommt, wird immer dann verstoßen, wenn's Auflage bringt. DuMont in Köln war so schlau, einen Spross der eigenen Family im Presserat zu platzieren - seitdem wird praktisch garnicht mehr getadelt.
Aber davon abgesehen: Productplacement ist noch nichtmal das Schlimmste. Das Schlimmste sind die Massen an politischer PR, die unhinterfragt beim Leser abgeladen werden. Die Welle an Kriegsheimkehrerfilmen in den ÖR haben wir beispielsweise der PR-Abteilung der Bundeswehr zu verdanken, die seit einigen Jahren zig Millionen (Steuergelder) in Imagekampagnen steckt, um mehr Akzeptanzt für ihre Kriegseinsätze zu erhalten. Dass plötzlich alle "Krieg" sagen und nicht mehr "Friedenseinsatz" ist Teil dieser Kampagne.
Das INSM in Köln, dem wir Sätze wie "Sozial ist, was Arbeit schafft" zu verdanken haben, ist eine PR-Agentur zur Durchsetzung von Arbeitgeberinteressen. Auch deren PR wird in den Medien unkritisch lanciert.
Wenn wir davon ausgehen, daß 100% aller Nachrichten lanciert, beabsichtigt, getürkt, untergeschoben sind, dürften wir auf der sicheren Seite liegen. Es gibt nur Nachrichten von interessierter Seite. Selten von der Gegenseite.
Wenn Pharma und Medizin jede Woche eine neue Sau durchs Dorf treiben, was sie alles entdeckt haben. Nutzloser Kram meist, und nie klar erläutert.
Oder wenn die Parteien einen ihrer Funktionsträger auch Parteivorsitzende abschießen. Diese Indiskretionen sind der Regelfall. Ulla Schmidts Karre etwa.
Ganz schlimm sind die Feuilletons. Was da alles gelobt und gepuscht wird ist kraß. Und genauso bezahlt wie die Autoseiten.
Meinung wird gemacht wie Mode. Und sicher von denen, die es sich leisten können, etwa tausende Schreiberlinge bei der Wikipedia oder irgendwelchen Blogs mitturnen zu lassen.
Wir kranken alle an dem Vorurteil, der Mensch wäre auf die Wahrheit aus, und der Mensch wäre ehrlich. Sobald Macht und Geld ins Spiel kommen, dürfte das Gegenteil der Fall sein.
Hat ein unverdienter Nobelpreisträger erst kürzlich bewiesen. Als Siebzehnjähriger in der SS gewesen zu sein, ist bestenfalls ein Witz. Ein paar hunderttausend absolut nutzlose Bücher verkaufen ist keiner, sondern bringt Kohle.
Man hat mal behauptet, im Kommunismus hätte man zwischen den Zeilen lesen müssen. Ist im Kapitalismus aber nicht anders. Interessant ist das, was nicht gemeldet wird.
Eine Frau, die ihren Mann mit einer Axt erschlägt ist eine Meldung. Oder der Furunkel eines in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten. Millionen Tote im Kongo und die christlichen Waffenlieferanten sind keine Zeile wert. Wozu auch. Oder kann man damit Geld verdienen ?
Unglaubhafte Sensationen sind ein Geschäft. Oder Produktträger, auch bei den öffentlichen Medien.
die sogenannte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.
Eine virale Lobbykampagne der Deutschen Industrieverbände.