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Günter Wallraff: Undercover als Bärendienstleister
RTLGünter Wallraff soll ein schlechter Arbeitgeber sein. Ob das stimmt oder nicht? Spielt überhaupt keine Rolle. Selbst wenn er seine Mitarbeiter knechten sollte, schmälert seine Leistung als Enthüller nicht. Doch sollte Wallraff journalistisch unsauber gearbeitet haben, wäre seine Glaubwürdigkeit dahin.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...849763,00.html
- #1 14.08.2012 11:45 von
Das ist sein Geschäft, ...
... nicht seine Einstellung. Sein Gewinn besteht darin, möglichst aufsehenerregende, skandalöse Geschichten mit authentischem Image zu vermarkten. Bei so einem Geschäft muß man eiskalt sein und das perfekt durchziehen. Das ist alles! Bei einem Kriminalautor ist es ähnlich, wobei der nicht unbedingt noch die Show abzieht, allen Glauben zu machen, er hätte das alles selbst erlebt. Eine der vielen Lügengeschichten der Gegenwart als Marketinggag.
- #2 14.08.2012 11:46 von
optional
Wenn Wallraff selbst seine Angestellten schlecht behandelt haben sollte, dann würde dies seine Leistungen als Enthüllungsjournalist doch schmälern, denn Wallraff beschränkte sich nie auf das reine Liefern von Fakten, sondern hat - wie Kommentator Kuzmany schreibt - seine Enthüllungen immer mit Moralpredigten versehen. Und letzteres kann man sich nur erlauben, wenn man entweder selber ein besseres Verhalten an den Tag legt oder sich selbst im gleichen Atemzug mit kritisiert.
- #3 14.08.2012 11:54 von
- #4 14.08.2012 11:54 von
Wer mit Arbeitern spricht...
...weiß, dass Wallraff nicht übertrieben hat, die Arbeitswirklichkeit in Deutschland ist - wir reden hier nicht von den festangestellten Mitarbeitern großer Konzerne mit Betriebsrat und allem Piepapo - ziemlich mies. Das haben auch andere Journalisten schon recherchiert. Sollte das jedoch stimmen mit den Blankounterschriften, wäre das verheerend. Ich wüßte nicht, dass Blankounterschriften im Journalismus üblich sind, ganz im Gegenteil würde ich meinen.
Allerdings gibt es solche Dinge: Nach einer Übernahme in der Elektroindustrie hat der neue Arbeitgeber Blankoverträge auf den Tisch gepackt - ohne Daten, ohne Gehalt- und Arbeitszeitangaben - mit den Worten: Vertrauen Sie mir, ich trage schon das richtige ein. Selbst erlebt!
Sie sollten die Bücher aus den Siebzigern mal lesen. Das jetzt als Lügengeschichten abzutun ist Unsinn. Das sagen ja selbst seine wirklichen Gegner nicht. Aber jeder baut sich die Welt, wie sie ihm gefällt und in Ihre Welt, "skeptiker97" passen prekäre Beschäftigungsverhältnisse nicht rein, oder? - #5 14.08.2012 11:54 von
Wallraff ist ein Getriebener. Aber das schmälert nicht seine Leistung über Jahrzehnte hinweg den Finger in die Wunde zu legen. Wobei ich ehrlich sagen muss, echt neues war nie dabei. Irgendwie weiß man das ja alles. Es geht ja nicht mehr darum über die Probleme zu REDEN sondern ins HANDELN zu kommen. Also Problemlösung statt Problemaufdeckung.
- #6 14.08.2012 11:56 von
schwer zu glauben
dass Wallraff " getrickst " . . . . . das ist doch völlig unnötig, bei diesen Schweinereien, welche in manchen Firmen auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden. Es scheint vielmehr so, dass man versucht, Wallraff aus dem Verkehr zu ziehen . . . . und dazu ist wohl jedes Mittel recht. Infolge seines Bekanntheitsgrades und seines fortgeschrittenen Alters wird er zukünftig wohl kaum mehr irgendwelche Skandale aufdecken können. Ein Nachfolger ist - leider - nicht in Sicht. Sicher muss sich Wallraffs Methode für ihn auch auszahlen und gefährlich lebt er schon lange.
- #7 14.08.2012 12:00 von
- #8 14.08.2012 12:07 von
Wahrheit
Immer wieder betont der Autor, wie wenig Wallraffs persönliches Verhalten oder gar ein (möglicherweise mieses) Ego mit den Inhalten der Reportagen selbst zu hat. Die schlimmen und bösen Vorgänge in der deutschen Industrie, im Springerverlag und Wallraffs Aufklärungen in den "untersten" Bereichen der deutschen Gesellschaft, so meint der Autor, würden mit Berichten über den Mann in keiner Weise infrage gestellt - nur um am Ende seines Artikels doch die Richtigkeit von Wallraffs Berichten insgesamt zu bestreiten - wenn denn...
Aber wenn denn was? Wenn tatsächlich in einem Fall Blankounterschriften zu einem rechtlichen Vorgang missbräuchlich genutzt worden sind, so hebt das doch die Leistung eines Günter Wallraff in höchstens dieser einen Angelegenheit auf. Wären die Recherchen allesamt nur auf Lügen und Betrug aufgebaut, so hätten schon vor langen Jahren vor allem die Springerjournalisten solche Geschichten aufgedeckt - und das mit wahrer Wollust. - #9 14.08.2012 12:07 von
Das sehe ich aber ganz anders. Sollte W. tatsächlich Mitarbeiter schwarz beschäftigt haben, dann ist er nicht nur ein mieser Arbeitgeber, nein er könnte sogar ein Straftäter sein. Da diese Straftat dann genau in den Bereich fallen würde, in dem er aufklärerisch tätig ist, wäre seine Glaubwürdigkeit sehr wohl dahin und nicht erst dann, wenn er journalistisch unsauber gearbeitet hätte.
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