REUTERSEs ist das Ende einer Ära: Trainer-Genie Josep Guardiola verlässt den FC Barcelona. Innerhalb von vier Jahren hatte er die beste Vereinsmannschaft der Welt geformt, führte die Katalanen zu 13 Titeln. Doch seine Entscheidung ist konsequent, denn mit seinem Rücktritt bleibt sich der Coach treu.
http://www.spiegel.de/sport/fussball...830162,00.html
Auf dem Höhepunkt des Erfolges selber abzutreten und nicht zu warten, bis man vom Arbeitgeber gefeuert wird, ist in jedem Fall nicht (mehr) alltäglich. Mir fällt da spontan aus der jüngeren Zeit nichts ähnliches ein!
Was mich in Zukunft wirklich neugiergig macht, ist der sportliche Erfolg von Guardiola mit einer anderen Mannschaft und von Barca mit einem anderen Trainer.
Ich glaube, erst in 1-2 Jahren kann man dann sagen, wieviel von den ungewöhlichen Erfolgen der letzten Jahre auf dem Trainer oder auf der Mannschaft beruhte, oder ob die Verbindung Pep und Barca eine nicht wiederholbare Symbiose war...
Da stellt sich wieder die klassische Frage, was war zuerst da? Fast jedes Barca Spiel sieht aus wie ein Handballspiel, das ist aber auch Teil der Spielanlage. Wenn der Gegner - ja, aufgrund des One-Touchs - keinen Zugriff auf den Ball bekommt, muss er sich ja im Raum postieren. Da haben sich dann 2 Viererketten in Strafraumnähe wohl bewährt.
Wie ich in meinem letzten Posting erwähnt habe könnte Barca das Spiel offener gestalten, indem sie nicht auf den besten, tödlichsten Pass warten, sondern vielleicht auch mal mit ein bisschen mehr Risiko nach vorne spielen! Die meisten der langen Ballstafetten laufen ja nicht nach vorne, sondern: quer, nach hinten, wieder zurück, quer, kurz, zurück, nach vorne, wieder quer, doppelpass, wieder zurück, quer, nach vorne, zur Seite, wieder zurück......und so weiter und so fort (GÄÄÄHN).
Hin und wieder: Pass in die Schnittstelle (meist aus 35 m Torentfernung von halblinks oder halbrechts in die schnittstelle zwischen Innen- und Aussenverteidiger): abgefangen oder Tor.
Dann gibt es hin- und wieder noch eine geniale Einzelleitung (meist Messi).
Das das nicht automatisch reicht, hat ja diese Saison gezeigt. Die Gegner haben sich inzwischen halt darauf eingestellt.
Auf spielverlagerung.de ist eine gute Analyse des Spiels. Die in vielen Punkten meiner obigen Verunglimpfung des Barca Spiels widerspricht. Aber z.B. doch deutlich macht, das Barca mit Ihrer Vernachlässigung der Aussenbahnen das Spielfeld selber verengt hat, was einer Mannschaft in Unterzahl natürlich entgegen kommt!
Ballbesitz ist nunmal nicht alles!
Die Aussage über die Trikotwerbung stimmt nicht mehr. Vor noch ein paar Jahren hatte Barca wirklich keine Trikotwerbung, von UNICEF (denen Barca jährlich noch Geld überwiesen hat!) mal abgesehen. Da Barca aber in arge Finanzprobleme geschliddert war, haben sie sich entschlossen, doch einen Trikotsponsor zu nehmen: die Qatar Foundation. Schauen Sie sich mal die aktuellen Trikots an, dann werden Sie das bestätigen können.
Hitzfeld hat diese Erfolge mit zwei Mannschaften, unter zwei Vereinsführungen, erreicht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Für mich ist ER der größere Trainer.
Pech für ihn, das es sich um deutsche Mannschaften handelte und er für einen "Wunderkindhype" zu alt war...
"Drei Jahre, hatte Guardiola bereits im Winter 2009 dem SPIEGEL gesagt, sei der Job durchzuhalten - länger nicht."
Was Sir Alex wohl dazu sagt...
Hitzfeld ist ein ganz großer. Jetzt den Trainer zu finden, der der größte ist, das ist doch unsinnig. Dafür kann man es einfach zu wenig vergleichen, da jeder Trainer mit anderem "Material" zu Recht kommen muss und zum anderen es auch ganz andere Zeiten waren.
Nichtsdestotrotz hat Guardiola mit sechs Titeln in seiner ersten (!) Saison einen Meilenstein gesetzt, der aus meiner Sicht zeigt, dass der Hype schon gerechtfertigt ist. Er hat ja schließlich Leistung abgeliefert und das nicht zu knapp.
Ich finde zum Beispiel auch das unser Jogi Löw ein ganz großer Trainer ist. Titel hat er noch gar nicht gewonnen, aber unter ihm ist Deutschland wieder zu einer der besten Nationalmannschaften geworden und das vor allem auch durch Merkmale (Spielfreude, Technik...), die man vorher nicht unbedingt mit einer deutschen Nationalmannschaft in Verbindung bringen konnte.