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Große Bildungsumfrage: Bürger fordern neue deutsche Einheit

In einer großen Umfrage*geben Deutschlands Bürger dem Bildungssystem schlechte Noten.*Sie fordern von Politikern Reformen: Schüler sollen länger gemeinsam lernen,*Abschlussprüfungen sollen einheitlich sein*- dafür würden sie sogar mehr Steuern zahlen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...756938,00.html
  1. #50

    _-* /2

    Zitat von mouve Beitrag anzeigen
    Ausserdem: Faktoren wie der Wohnort (Stichwort Arbeitersiedlung) spielen eine sehr grosse Rolle. Und Bildung fängt im Elternhaus an, das ist nicht von der Hand zu weisen. Kinder sollten lieber schon recht früh mit Gleichaltrigen Sport treiben oder musizieren, das bringt sehr viel bei der Sozialkompetenz. Dann klappt's auch mit der Sozialkompetenz. Dazu braucht's allerdings sehr viel Engagement seitens der Eltern.
    Wohnort ist klar entscheidend. Es ist auch verständlich und nachvollziehbar, dass Eltern in wohlhabene Stadtteilen ihre Kinder prozentual eher auf das Gymnasium schicken. Das Elternhaus sollte auch den wesentlichsten Beitrag zur Gestaltung der Laufbahn des Kindes beitragen. Dies wäre natürlich alles der idyllische Optimalfall. Wie auch das Engagement, die Kinder für Vereine anzumelden, die Geld kosten. Vorwiegend trifft man dann eher auf Kinder von Gymnasien, und es besteht wieder nur die 'unter sich' Situation. Ebenfalls wie herkömliche Hauptschüler draußen nur unter sich rumhängen und Scheiße bauen(soll jetzt natürlich nicht heißen dass Gymnasiasten sich dazu gesellen sollen um gemeinsam Blödsinn zu machen ;-) ). Mit der Gesamtschule lässt sich vielleicht nicht unbedingt diese eine solche Probleme lösen, aber es öffnet noch mal einen ganz anderen Horizont eines Kindes.
  2. #51

    Intoleranz der Gesamtschulbefürworter (I)

    Zitat von santoa Beitrag anzeigen
    Ok was Sie möchten ist eine klare Trennung, Teilung, Abschottung. So dass Kinder nie andere Kinder kennenlernen die nicht so sind wie sie selbst und folgedessen mit der entsprechenden Intolleranz leben.
    Blödsinn. Nur weil, Kinder nicht dieselbe Schule besuchen, heißt das doch nicht, dass man sich gegen die anderen komplett abschottet. Ich hatte Freunde und Bekannte, die nicht auf dem Gymnasium waren, bei unserem Kind ist es genauso. Und ich habe auch heute in meinem Bekanntenkreis viele Leute, die "nur" einen Haupt- oder Realschulabschluss haben. Ich finde Leute viel intoleranter, die anscheinend Menschen für wertlos halten, die kein Abitur haben und deshalb auf Biegen und Brechen das Abitur für alle möglich machen wollen, indem sie das Niveau absenken.

    [QUOTE=santoa;7640177
    Was meinen Sie denn genau mit individueller Förderung? Dass sich ein Lehrer auf einen Schüler explizit konzentrieren soll? Und dabei andere Schüler ignoriert werden?
    [/QUOTE]
    Individuelle Förderung, die ja auch von den Grünen immer wieder gefordert wird, heißt, dass man JEDES Kind nach seinen Möglichkeiten fördert. Konkret heißt das, dass wenn irgendein Thema in der Schule in der Klasse behandelt wird, dann bekommt der, der es schon gut beherrscht, schwierigere Zusatzaufgaben, der, der es nicht gut versteht, noch mehr Aufgaben zum Vertiefen oder mehr Erklärungen. Solch individuelle Förderung geht aus Sicht eieniger Leute ja sogar, wenn man geistig Behinderte auf's Gymnasien schickt. Meine Meinung ist, dass eine inviduelle Förderung in Klassen mit bis zu 34 Kindern überhaupt nur ansatzweise klappen kann, wenn die Unterschiede zwischen den Kindern klein sind. Sie können nicht Kinder gleichzeitig mit der Konvergenz von Folgen beschäftigen, wenn die anderen nicht einmal die 4 Grundrechenarten begreifen können. Deshalb bin ich für eine Trennung nach Begabung.

    Zitat von santoa Beitrag anzeigen
    Auf einer Gesamtschule existiert ja auch die Unterteilung in A und B Kurse sowie das Fach Wahlpflicht. Eine gewisses individuelles lernen ist dort auch möglich.
    Leider geht das nicht. Die Grundkurse der NRW-Gesamtschulen zumindest laufen auf Hauptschulniveau, die Erweiterungskurse unterhalb des Realschulniveaus. Gymnasialtaugliche Kinder gehen komplett unter: "Auf Ihr Kind können wir keine Rücksicht nehmen, die anderen verstehen eben nicht so schnell". Deshalb werden auch überwiegend Kinder mit Hauptschulempfehlung auf den Gesamtschulen angemeldet. Die Hauptschule ist also nicht abgeschafft, sie heißt nur jetzt: "Gesamtschul-G-Kurs".
  3. #52

    Intoleranz der Gesamtschulbefürworter (II)

    Zitat von santoa Beitrag anzeigen
    Zu erkennen welche Stärken ein Kind hat, grob, sehe ich die Orientierungsstufe auch eher angebracht, als dass man die Zeit in der Grundschule als Maß nehmen kann.
    In NRW gibt es die Erprobungsstufe in Klasse 5 und 6. Obwohl die Kinder schon auf verschiedenen Schulenformen nach dem Wunsch der Eltern "vorsortiert" sind, können sie leicht zwischen den Schulformen wechseln. Danach wird ein Wechsel nach oben zunächst einmal schwieriger, insbesondere wegen der häufig fehlenden 2. Fremdsprache. Eine Auswahl nach der 6. Klasse ist übrigens zumindest für Mädchen ungünstiger als nach der 4. Klasse, da in der Pubertät die Leistungsfähikeit nachgewiesener Maßen beeinflusst wird. Dazu gibt es wissenschfatliche Belege, für die Vorteile von längerem Zusammenlernen dagegen nicht.

    Zitat von santoa Beitrag anzeigen
    Davon unabhängig, gibt es auch Schüler die erst in den letzten Jahren (9-10 Klasse) aufblühen, ebenso wie welche die in den letzten Jahren verwelcken, obwohl man vorher
    dies oder jenes gedacht und angenommen hatte.
    In der Tat gibt es solche spätentwickelten Schüler, genauso wie es Kinder gibt, die ganz eindeutig immer gymnasialtauglich sind. Aber auch im dreigliedrigen Schulsystem haben die Spätentwickler ihre Chance, sie können Realschulabschluss und Abitur nachholen.
    Es ist aber nicht einzusehen, dass solche Kinder in früheren Jahren, wo sie nicht so leistungsstark sind, die ausbremsen, die mehr können.

    Wichtig ist aus meiner Sicht auch nicht, dass am Ende einer Schullaufbahn möglichst immer das Abitur steht. Viel wichtiger ist, dass jeder Schulabschluss incl. des Hauptschulabschlusses nicht in eine Sackgasse führen darf. Auf guten Hauptschulen in ländlichen Gegenden ist das auch noch der Fall. Die Schüler, die solche Hauptschulen verlassen sind in der Regel ausbildungstauglich.
  4. #53

    Intoleranz der Gesamtschulbefürworter (III)

    Zitat von santoa Beitrag anzeigen
    Genauso, warum tun Ihnen die Gesamtschüler leid, die es probieren? Weil Sie etwas besseres sind und Andere Ihren Schulabschluß nicht besitzen dürfen - oder was soll sich aus Ihrem 'Unterton' deuten lassen?
    Die Gesamtschüler sind etwas Besseres? Schmunzel. Was viele Eltern, die Kinder nicht nur Hauptschule, sondern zur Gesamtschule schicken, nicht wissen, ist, dass unter allen, die sich mit dem Bildungssystem auskennen, die Gesamtschule ebenfalls das Stigma hat "eine unbenannte Hauptschule mit Tendenz zur Realschule zu sein". Nachen Sie sich nichts vor, ein Gesamtschulabschluss (welcher auch immer) ist nichts, mit dem man irgendwo Eindruck schinden kann.

    Am Rande bemerkt, wissen Sie übrigens, dass die Gesamtschule bei der Pisa-Studie von allen weiterführenden die höchste Abhängigkeit der Testleistung von der sozialen Herkunft aufweist? Gleichzeitig bestätigen Lernstanderhebungen jedes Jahr wieder (ebenso wie die Langzeitstudie der Max-Planck-Gesellschaft) das extrem niedrige Bildugnsniveau der GS selbst in den E-Kursen. Und die Gesamtschüler brechen bei dem Zentralabitur, das niedriger angesiedelt ist als das Abitur, was früher auf den Gymnasien herrschte, ein. Das alles zeigt, dass auf den Gesamtschulen nicht die wirkliche Bildung im Vordergrund steht, sondern dass es nur darumgeht, Abschlüsse billig zu verschenken. In der Lehre und im Studium rächt sich das.
  5. #54

    Bildungsumfrage

    Zitat von lupus@fabula Beitrag anzeigen
    Dies setze aber voraus, dass alle auch etwas mit dem Mindeststandard anfangen können. Und hier haperts doch schon.
    Kinder, die zum Zeitpunkt der Einschulung kein richtiges deutsch sprechen (und das sind nicht nur Einwanderer), deren häusliches Bildungsangebot aus dem Konsum von Super RTL besteht, etc.
    Wenn wir wollen, dass auch diejenigen, die denkbar schlechte Startbedingungen haben auch Chancen bekommen, dann müssen wir dort ansetzen und das kostet Geld.
    Dass unser heutiges Schulsystem die sozial Schwachen benachteiligt, ist wohl erwiesen.
    In den Schulen wird die Zukunft Deutschlands gebraut. Prävention ist immer billiger als Korrektur zu einem späteren Zeitpunkt. Ein Jahr Gefängnis kostet ein Mehrfaches von einer Schulreform.
    Es wird geklagt über mangelnde Fachkräfte; wie ist der Mangel wohl entstanden ?
  6. #55

    Grosse Bildungsumfrage

    Zitat von Luigi Beitrag anzeigen
    Santoa schreibt, dass Gesamtschulen 'das Beste' sind. Stimmt. Endlich gleiche Chancen für alle! Sieht man wirklich gut am Beispiel englischer Comprehensive Schools und amerikanischer High Schools. Katastrophale Leistungen! Alle haben endlich gleich gute Chancen auf miserable Berufsaussichten. Und das Beste: Endlich sind die Wohlhabenden wieder unter sich, denn die schicken ihre Kinder jetzt auf nichtstaatliche Privatschulen, dann auf Privatuniversitäten und dann in die sichere berufliche Karriere.
    Das müssen wir den Amis unbedingt nachmachen, weil es so unglaublich sozial ist! Gut gemeint, katastrophale Auswirkungen. Wird aber passieren, weil man mit billigen staatlichen Gesamtschulen Geld sparen kann und nebenbei alle Gutmenschen glücklich macht, die für alle Menschen den glücklichmachenden Einheitsbrei wollen. Abitur verfassungsrechtlich garantiert für alle! Damit werden wir uns auch im globalen Wettbewerb souverän durchsetzen.
    Schade um unsere Kinder!
    Unser Bildungssystem, das gerade in Bayern vor Stoiber/Hohlmeier wirklich gut war, wird dramatisch absacken. Wir werden uns wohl republikweit auf ein billiges, relativ niedriges Niveau einigen.
    Kleinere Klassen, mehr Lehrer, mehr Geld für wirklich engagierte Lehrer würde helfen, wird es aber nicht geben, weil Schulpolitik nach Kassenlage gemacht wird. Und die faulsten Lehrer werden weiterhin die Lehrer mit dem höchsten Stundenlohn sein.
    Haben Sie jemals Ihre Kinder in einer amerikanischen Schule gehabt ? Es scheint nicht so. Dort gibt es von Förderklassen bis Vor-Unikursen alles. Eine meiner Töchter macht nächstes Frühjahr ihren Doktor in Mikrobiologie, dank dem "absackenden Schulsystem" in den USA.
    Die meisten Lehrer sind keine Beamten und doch mangelt es ihnen nicht an Einsatzbereitschaft.
    Nein, Sie vereinfachen die Lage; es gibt schlechte öffentliche Schulen, aber auch ganz erstaunlich viele, die hervorragend sind. Viele der Studenten an den Eliteuniversitäten kommen aus solchen Schulen.
  7. #56

    Grosse Bildungsumfrage

    Zitat von Peter Sonntag Beitrag anzeigen
    Warum sind die Leute nicht zufrieden ? Wir haben doch diese hervorragende Bildungsministerin.
    In der Umfrage fehlten wichtige Punkte: Was wird gelehrt ? Mit welchen Methoden wird gelehrt ?

    Dass ständiges Reformieren und Umstrukturieren nichts mehr bringt, haben die letzten Jahrzehnte gezeigt.
    Stimmt. Je mehr psycho-soziale Ideologie und Politik gelehrt wird, desto weniger Zeit bleibt für Fakten und wahre Bildung .
  8. #57

    Grosse Bildungsumfrage

    Zitat von Volker Gretz Beitrag anzeigen
    1. Um die deutschen "public schools" und "public Universities" zu entwerten (die gymnasiale Ausbildung wurde ja auch um ein Jahr verschlechtert)
    2. Um mehr Geld zur Finanzierung von Wirtschaftsverbrechen zu haben.
    Das System ist klar. Die "richtigen" Abschlüssse sollen nur noch auf privaten Gymnasien und Universitäten gemacht werden können. Es zählt nicht mehr der Abschluss, sondern der Name der kostenpflichtigen Ausbildungsstätte.

    Für den "public Rest" bleiben die Vertreter- und Sachbearbeiterjobs.
    Verstehe ich nicht. Wer sollte den versuchen, die öffentlichen Bildungsanstalten zu verschlechtern und warum ?
    Punkt 2. ist noch skurriler.
    Ich habe mir mal ein Rangsystem für Deutschland angesehen.
    An der Spitze waren nicht nur - sondern sogar wenige- Privatschulen.
  9. #58

    Gesamtschulabitur

    Zitat von santoa Beitrag anzeigen
    Ich verstehe nicht ganz was unter ein Gesamtschul-Abitur verstanden wird. Meine Meinung ist nicht dass auf einer Gesamtschule Abitur gemacht werden kann oder sollte, mir geht es um die 5-10 Klasse. Nach der zehnten Klasse befindet sich der kleine Teil der Abitur machen möchte auf einer 'ganz normalen' Schule, Gymnasium für Abitur.
    An Ihrem Kommentar sieht man, dass der Begriff "Gesamtschule" sehr unterschiedlich aufgefasst werden kann, je nach Bundesland in dem man lebt. In NRW gibt es die Integrierten Gesamtschulen, die standardmäßig auch zum Abitur führen. Obwohl der Lernstand des Gesamtschüler immer zeigt, dass die Kinder in der Mittelstufe nicht mal Realschulniveau erreichen, machen viele AN den Gesamtschulen das Abitur. Sie wechseln also nicht zu Gymnasien und stellen sich der Realtität. Das Problem dabei ist, dass viele dieser Kinder auf echten Gymnasien es nie schaffen würden, da auch das Oberstufenniveau auf den Gesamtschulen viel niedriger ist als auf den Gymnasien. Das Gesamtschulabitur gilt in NRW daher auch als Billigabitur.

    Bevor in NRW das Zentralabitur eingeführt wurde, konnten die Lehrer die Abituraufgaben selbst vorgeben und dem Leistungsstand der Schülerschaft anpassen. Seit es in NRW das Zentralabiitur gibt, brechen die Gesamtschüler total ein, während sich die Gymnasiasten deutlich verbessern. Das Problem ist nur, dass der Abischnitt mehr durch die Vornoten als durch die eigentliche Abiturprüfung bestimmt wird. Bei der Studienplatzvergabe nach NC, wo nicht die Schulform, an der das Abi erworben wurde, berücksichtigt wird, sind die Gesamtschüler mit Billigabitur daher im Vorteil. Im Studium selbst sind sie im Nachteil, weil ihnen häufig grundlegende Fähigkeiten fehlen. Früher konnte man das manchmal kompensieren, indem man z.B. für eine Matheprüfung zigmal angetreten ist und es dann irgendwann vielleicht doch schaffte. Mit der Einführung der Bachelor-Studiengänge ist das nicht mehr möglich. Vielleicht ist das doch etwas nachgelagerte Gerechtigkeit, aber ich bin mir auch sicher, dass SPD und Grüne noch Wege finden werden, die Unis zu zwingen, dass jeder, der an einer Uni aufgenommen wird, auch zu einem guten Abschluss geführt werden muss.
    Und noch ein Schmankerl am Schluss: In NRW schicken die Politiker, die sich vehement für die Gesamt- und neu Gemeinschaftsschulen einsetzen, die eigenen Kinder NICHT dort hin. Das sagt eigentlich schon alles.


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