DPAEuropa verliert die Geduld mit Athen - und griechische Politiker reagieren immer empfindlicher. Nun hat Staatspräsident Papoulias seinem Frust öffentlich Luft gemacht. Ziel seiner Attacke: der deutsche Finanzminister.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...815582,00.html
Auch wenn ich es nicht schaffe, 48 Seiten Kommentare durchzulesen, so überrascht mich der "die faulen Griechen" Tenor im Forum doch ein wenig.
Sicher, Griechenland hat keine funktionierende Verwaltung, offensichtlich unfähige Politiker usw. Deshalb werden die Schuldner auf ihre Forderungen verzichten müssen, deshalb werden wir Transferzahlungen (Steuergeld) nach GR vornehmen müssen, usw.
Trotzdem zwei Punkte zum Bedenken, bevor man sich über die Griechen ereifert:
1.) Deutschland profitiert massiv von der Währungsunion, schlichtweg durch die Unterbewertung des Euro. Der Benefit ist eine florierende Exportwirtschaft, Arbeitsplätze usw. I.a.W.: Gerade weil es den Griechen so schlecht geht, geht es uns so gut (zugegeben, vereinfachte Sichtweise). Mich würde einmal interessieren, welche der Griechenland-Basher denn die DM wiederhaben wollen, mit 40% Aufwertung.
2.) Ein jeder kehre vor der eigenen Tür. Wir haben selbst genug Griechenlands bei uns. Berlin, Bremen, NRW, aber auch der Bund. Die Griechen müssen erhebliche Einkommenverluste hinnehmen. Ich möchte mal sehen, was bei uns los wäre, wenn die Stadt Berlin ihre Gehälter um 20% kürzt und den Einwohnern eine Sondersteuer auf die Stromrechnung packt.
Diese Liste könnte ich um mind. 10 Punkte weiterführen, aber was soll's. Wichtig ist doch, WIE wir den Griechen (und zwar dem einfachen Volk) helfen können, wieder ordentlich leben zu können, und WIE dieses Land wieder ein wirklich funktionierendes Staatswesen aufbauen kann... DARÜBER fände ich eine Diskussion hilfreich .... denn dazu habe ich leider keine Antwort!
Doch es aendert sich was, es kommt schlimmer. Nehmen wir doch mal an, Merkels Austeritaetspolitik waere erfolgreich und GR, PT, ES und IT waeren ploetzlich konkurrenzfaehig, ja dann ist Schluss mit unseren schoenen Leistungsbilanzueberschuessen gegenueber diesen Staaten und die Exportwirtschaft in DE wird jaemmerlich kraehen, dass die Loehne in DE zu hoch und der Arbeitsmarkt zu inflexibel sei. Ja und dann wird man auf die genesenen PIIGS Staaten verweisen und schon hat man eine Steilvorlage das man in dieser Situation alternativlos nur mit Lohnkuerzungen und noch mehr Leiharbeit eine Besserung erreicht. Mal sehen was die Anhaenger des totalen Sparwahnsinns hier dann wohl sagen? Aber noch trifft es ja nur Griechen.
Nun ja die Millionen Aufstocker werden natürlich nicht erwähnt. Die hundertausende Leiharbeiter in der Automotive Industrie kann man ja mal schlabern....Sorry ihre Welt ist leider mit Scheuklappen versehen. 80 % Deutschen verdienen weniger als 50000 euro / Jahr Brutto..sehen sie sich die Lohnstatistik mal an..sie werden staunen wie ungleich es verteilt ist,...erst recht wenn sie die Vermögen berücksichtigen... oder reden sie einfach mal mit den Gewerkschaften oder den Leuten die sich mit mehreren Jobs über Wasser halten...ist schon wirklich absolut realitätsfern was sie hier erzählen
zu denen gehöre ich. Ich kann das nur im vollen Umfang bestätigen. Manchmal waren die Lobeshymnen auf unser Land schon fast zu viel, selbst von Angehörigen von Nationen von denen man das nie erwartet hätte. Also lass euch nichts einreden von wegen Buhmann Image im Ausland, alles Quatsch.
Sorry, aber es ist naiv, von der griechischen Regierung einen "ehrenhaften Schlussstrich" und den Verzicht auf den Euro zu erwarten: Die Gehälter und Pensionen der Politiker und des riesigen Beamtenapparats würden gewaltig schrumpfen, wenn sie in Drachmen ausbezahlt würden. Womöglich gäbe es eine Zeitlang gar keine Leistungen und sie müssten von ihren Vermögen leben. Das wäre zum Beispiel für Finanzminister Venicelos eine emorme Härte: Er besitzt nur 27 Wohnungen bzw. Häuser und ein Barvermögen von 2,4 Millionen Euro.
Die Strategie der griechischen Oberklasse ist knallhart: Der Verbleib im Euro schadet zwar dem einfachen Volk wegen der harten Sparauflagen massiv, aber er dient den Interessen der Reichen und Mächtigen. Um ihrem Willen Nachdruck zu verleihen, wird u.a. gezielt die Nazikeule eingesetzt, jetzt auch vom griechischen Präsident. Die Frage ist, wie lange sich Merkozy und Troika noch erpressen lassen wollen, wenn die Sparmassnahmen beim teuren griechischen Staatsapparat wie voraussehbar nicht oder völlig unzureichend umgesetzt werden. Es steht zu befürchten, dass nur bei den schwächsten der Gesellschaft: Den Geringverdienern, Retnern und Arbeitslosen, gespart wird, weil Korruption und egoistische Besitzstandswahrung in den oberen Schichten sehr ausgeprägt sind, weshalb auch die Reichen weitgehend verschont werden bzw. keinerlei freiwillige Solidarität mit ihrer gebeutelten einfachen Bevölkerung aufbringen!
Merkozy und Troika müssten diese Solidarität im Namen von Gerechtigkeit, sozialer Stabilität und vor allem der grundsätzlichen Einnahmeverbesserung erzwingen und im Gegenzug die ökonomisch contraproduktiven, unsozialen Sparauflagen bei den einfachen Griechen aufheben!
Griechenland hat leider die Erneuerung des Tourismus total verschlafen.
Es war immer vor dem Euro ein Billigurlaubsland für Rucksacktouristen und Leute, die für wenig Geld aber auch wenig Qualität erwarteten (z.B. ein absolut veraltetes Abwassersystem, kennt Ihr noch die Abfalleimer fürs Toilettenpapier neben den Toiletten, da man nichts in die Toiletten schmeissen durfte)
MIt dem EURO kam die Teuerung, auf für den Urlaub in GR aber leider hat sich an der Qualität der Hotels sehr wenig geändert. Anders die Türkei, z.B. die richtig viel Geld in schöne und moderne Hotels und die Infrastrutktur gesteckt haben.
Dieses fehlt alles in GR und daher ist der Tourismus auf Jahre hinaus nicht Wettbewerbsfähig.
aber offensichtlich haben die dummen Germanen kapiert, dass die Zeiten sich ändern müssen und haben angefangen, zu arbeiten, während unsere "Olympioniken" sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben und das jetzt auch noch für eine Selbstverständlichkeit halten. Die Welt dreht sich weiter und wer in seiner Entwicklung stehenbleibt, fliegt eben irgendwann raus...
Weil die Retter einen neoliberalen wirtschaftlichen Kahlschlag in den Schuldenländern wollen, damit Banken, die ohne Rettungsmaßnahmen pleite gingen, gerettet werden. Dafür wird das Leben des griechischen Volks zerstört: für Spekulanten, die sich verrechnet haben. Kapiert es doch endlich: Es geht nicht um die Griechen, sondern um Privatinvestoren bzw. private Finanzinstitute.