Es ist schon merkwürdig, dass in einem angesehenen politischen Online-Magazin dazu geraten wird, elektrische Geräte auszuschalten, wenn man sie nicht benötigt. Das Drängt den Verdacht auf, dass hier von technisch völlig unbedarften Lesern ausgegangen wird, die Ein nicht von Aus unterscheiden können. Ein elektrisches Gerät verbraucht erst dann keinen Strom mehr, wenn es vom Stromnetz getrennt ist. Das sollten auch bereits Kindergartenkinder wissen. Im Baumarkt gibt es Schaltersteckdosenleisten für unter 5 Euro, an die man die ganze Computer- oder Heimkinoanlage anschließen kann. Knipst man den Schalter aus, findet kein Verbrauch mehr statt. Dieses Bewußtsein zu vermitteln sollte aber nun wirklich eine Trivialität darstellen. Anders ist es bei dem Bewußtsein für die täglichen Gewohnheiten, aufgrund derer eine weit größere Verschwendung stattfindet: Angefangen bei den Leuten, die meinen, den ganzen Tag den Fernseher laufen lassen zu müssen, auch, wenn sie gar nicht im Zimmer sind, gerade telefonieren oder am PC sitzen und gar nicht fernsehen. Hier darf schon gezweifelt werden, ob ein Sparwille überhaupt vorhanden ist. Zweitens: Ein handelsüblicher PC verbraucht im Leerlauf fast genausoviel Strom wie wenn daran gearbeitet wird. Es lohnt sich also bereits, den Rechner auszuschalten, wenn man genau weiß, daß man ihn eine halbe Stunde nicht benutzen wird. Drittens: In Räumen, in denen man sich niemand aufhält, kann man getrost das Licht ausschalten. Mir fällt immer wieder auf, dass Leute, die gerade mal mit dem Hund gassi gehen, wie selbstverständlich die Wohnung verlassen, auch, wenn in drei Zimmern noch das Licht eingeschaltet ist. Und hinterher klären einen die selben Leute dann auf, daß man ja sparen müsse und sich deshalb Energiesparlampen zugelegt habe. Energiesparen ist, das sieht man am Beispiel US-Amerikanischer gepflogenheiten (ist es in New York im Winter zu warm im Appartment, weil sich die Heizung nicht regulieren lässt, schaltet man eben die Klimaanlage ein), vordergründig eine Frage des dazu vorhandenen Willens. Statt gut gemeinte Tipps sollte Spiegel Online lieber zu einer solchen Willensbildung beitragen.



