Grass-Gedicht über Israel: Lyrischer Erstschlag

dapdIsraelis als Kriegstreiber, "Antisemitismus" als Totschlagargument: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist ein prominenter Intellektueller so klischeehaft gegen Israel zu Felde gezogen wie Günter Grass.

Kritik an Israel-Gedicht "Was gesagt werden muss" von Günter Grass - SPIEGEL ONLINE
  1. #60

    nicht Israel ist das Problem, sondern die Heuchlerei des Westens

    und obwohl ich Grass gar nicht mag - Respekt, denn er führt nicht den Erstschlag gegen Israel, sondern den Erstschlag gegen sich und sein Land. Wir sitzen hier, schweigen und liefern und verdienen wie am Leid der anderen - dies ist nicht neu und der Markt geht am besten, wenn man die Nachfrage am Laufen hält.
    Weder die Regierung in Israel, die derzeit offensichtlich nach Krieg schreit, noch die im Iran, sprechen für ihr Volk. Das Volk will Frieden, ob in Israel, im Iran oder in Deutschland.
    Wir müssen unsere nuklearen Waffen aufgeben, wenn wir meinen andere an der Herstellung hindern zu können. Denn nicht nur andere Länder werden mit dem nuklearen Potenzial unterdrückt; die Unterdrückung betrifft zuerst das eigene Volk. Wir müssen diese ureigene Problematik zu Hause lösen und nicht als ewige Heuchler beschweigen. Wir müssen reden, so wie Grass es fordert, denn weder die Regierung noch die Presse in Deutschland ist frei von Kriegstreiberei.
    Jeder der Massenvernichtungsmittel in der Hand hat, wird damit leben müssen, dass sich sein "Gegner" sich auf die gleiche Stufe stellen will.
  2. #61

    Ohne Grass zu verteidigen ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Israelis als Kriegstreiber, "Antisemitismus" als Totschlagargument: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist ein prominenter Intellektueller so klischeehaft gegen Israel zu Felde gezogen wie Günter Grass.

    Grass-Gedicht über Israel: Lyrischer Erstschlag - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    ... denn eine Verteidigung hat dieser Mann wohl wahrlich nicht verdient. Unter den "Intellektuellen" Deutschlands ist Grass auch nicht unbedingt ein Spitzenmann, und die geistige Elite dieses Landes ist schon arg ausgedünnt.

    Was aber definitiv in den Raum gestellt werden muss ist die Frage: darf man ordentliche Kritik an Israel bzw der israelischen Regierung üben oder nicht? Herrscht hier Zensur des politischen Zeitgeistes?

    Nur zur Erinnerung: das grausame Kapitel Deutschlands ist seit beinahe 67 Jahren abgeschlossen. Die meisten Täter aus jener Zeit sind heute tot oder wurden veurteilt, die heute 80-Jährigen sind eigentlich schon zu jung, um noch aktiv am Völkermord an den Juden teilgenommen zu haben.
    Diejenige, die also heute "mitten im Leben" stehen, sind eher Enkel der "Tätergeneration", müssten also mehrheitlich ohne Schuld am Holocaust sein.

    Offenbar greift hier wieder die Erbschuld. Weil der Urgroßvater im Reich Soldat war und möglicherweise auch direkt oder indirekt an den Morden teilgenommen hat, ist der Urenkel auch schuldig und darf auf gar keinen Fall Kritik an der israelischen Regierung üben. Wegen Erbschuld.

    Mit Verlaub ... das ist mal ein so richtig dämlicher Auswuchs "politischer Korrektheit".
  3. #62

    Bitte von der Brücke zurücktreten...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    1.) [...] "Die Juden", das hat zumindest Günter Grass noch immer nicht begriffen, sind nicht "die Israelis". [...]

    2.) [...] Es ist geschmacklos, wenn ausgerechnet Deutsche den Israelis erklären, was sie zu tun haben. [...]
    Grass-Gedicht über Israel: Lyrischer Erstschlag - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Grass' Text ist mir erstmal Wurst, deswegen nur zu den oben zitierten Stellen von Ihnen, sehr geehrter Sebastian Hammelehle:

    1.) Ihr Argument ist trollisch, klassischer FAIL.
    Grass äußert sich nicht zu Juden, sondern zum Staat Israel. Und dennoch nennt der unsägliche Broder ihn Antisemiten, der Botschafter wirft ihm Handeln in alter antisemitischer Tradition vor. Und genau darauf hebt Grass ab. Man erkennt es sowohl mit literatrischer Vorbildung als auch ohne, am Stammtisch wie am Katheder. Man könnte das auch auf der Hinterbank oder in der Online-Redaktion erkennen. Verkauft sich die Erkenntnis vielleicht schlecht?

    2.) WTF, bzw.: Wie bitte? Erklärt Grass den Israelis irgendwas?
    Er fordert internationale Atomwaffenkontrollen. Man kann das als Kritik lesen, doch Kontrollen zuzulassen. Ist es geschmacklos, seine Freunde zu kritisieren?

    Ich sag's ja. FAIL.
  4. #63

    serr gutt, Kamerradd Grasss!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Israelis als Kriegstreiber, "Antisemitismus" als Totschlagargument: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist ein prominenter Intellektueller so klischeehaft gegen Israel zu Felde gezogen wie Günter Grass.

    Grass-Gedicht über Israel: Lyrischer Erstschlag - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    unter uns Kammerradden muss dass einmal deutlich gesgt werrden!
  5. #64

    Genau meine Meinung!

    Zitat von dark_pinguin Beitrag anzeigen
    Also Ihre Logik erschließt sich mir nicht.
    "Wie können diese ganzen Pro-Israel-Stammtischkommentatoren nur so laut schreien, wenn sie noch nicht einmal im Gazastreifen oder im Libanon waren. Wie muss es sich anfühlen, von seinen hochgerüsteten Nachbarn politisch unterdrückt zu werden......"
    Sie sehen, ihre Argumentation lässt sich beliebig herumdrehen.

    "Es ist geschmacklos, wenn ausgerechnet Deutsche den Israelis erklären, was sie zu tun haben..."
    Was soll daran geschmacklos sein?

    Wirft der Autor damit nicht gleichsam Juden und Israelis in einen Topf?

    Und mein Gott, wieso muss ich als Deutscher im 21, Jahrhundert immer als Nazi behandelt werden?
    Man regt sich in Deutschland über Klischees und Vorurteile auf, bürgt sich selbst und seinen Mitbürgern aber immer das Ververurteilende Stigma des Antisemitismus auf.

    Also mal ehrlich, nur weil ein Israel ein jüdischer Staat ist, ist jede Kritik an ihm aus Deutschland geschmacklos? Weil die Israelis immer die Guten sind oder weil wir Deutschen immer die Bösen sind?
    Ich verstehe das nicht, nein, ich halte so eine Argumentation für stinkenden Mist.
    Mir reichts, ich bin kein Nazi, kein Judenhasser, nicht Pro-Palästina, nicht Anti-Israel.
    Ich kann es nur nicht leiden, wenn Menschen sich hinter irgendwelchen abstrusen historischen oder rhetorischen oder noch besser religiösen Argumenten verstecken, um anderen auf die Fresse zu geben.
    Und das gilt im Nahost-Konflikt wohl für alle Seiten.

    "Und warum die meisten Israelis dies nicht bloß als erratisches Säbelrasseln ihrer Nachbarn abtun? Ich denke, diese Frage beantwortet sich schnell mit nur wenig historischem Hintergrundwissen des zwanzigsten Jahrhunderts."
    Da stimme ich Ihnen zu, ich möchte allerdings anmerken, dass Israel während seines Bestehens auch nicht besonders viele Anstalten gemacht hat, zu einer Deeskalation des Konflikts beizutragen.

    Jetzt habe ich mich ganz schön ausgelassen...
    Zur Zusammenfassung:
    Warum setzen wir uns nicht mal mit dem auseinander, was Grass in seinem Gedicht anspricht, anstatt damit, dass er es überhaupt getan hat?
    Vielen Dank für diesen Beitrag. Der bringts genau auf den Punkt!
  6. #65

    Zitat von Sebastian Hammelehle
    Es ist geschmacklos, wenn ausgerechnet Deutsche den Israelis erklären, was sie zu tun haben.
    Es ist geschmacklos, wenn ein Herr Hammelehe rassistische Sippenhaft betreibt und Menschen eine Meinung abspricht, nur weil diese Menschen deutsch sind.

    Es mag jeder Person anstehen, sich selber zu flagellieren und mit einem unterwürfigem "Mea culpa! Mea maxima culpa! Ich bin Deutscher, ich bin unwürdig." durch sein Leben zu kriechen. Wenn man allerdings andere auch dazu zwingen will -und zwar aufgrund angeborener Merkmale bzw. der gleichen Gruppenzugehörigkeit- dann ist einfach nur abstoßend.
  7. #66

    Bedenkenswert

    Die Diskussion über das Grassche Gedicht verläuft auf der Stufe von UNterstellungen gegen Grass. Das ist schade.

    Bliebe man bei den Fakten

    - das I. ohne eine einzige IAEO-Kontrolle Kernwaffen herstellt und besitzt
    - dass I. ganz offen zum Angriff eines anderen Landes aufruft

    dann würde man besser über Sanktionen gegen I. als über Verleumdungen debattieren.

    Man höre doch bitte auf, sich für das gesagte zu entschuldigen oder sich von einem irrelevanten Standpunkt zu distanzieren. Das ist alles nur Zuarbeit für die Hetzer mit der Keule.
  8. #67

    ++

    Zitat von Acerb Beitrag anzeigen
    Ich mag Günther Grass nicht. Er war mir nur ein einziges Mal sympatisch, als er Lafontaine empfahl, "ein Glas Rotwein zu trinken und das Maul zu halten".
    Ich hielt Grass allerdings für clever. Un-clever ist es aber, sich nicht an den einzigen "winning move" bei Diskussionen über Israel im Allgemeinen und Juden im Besonderen zu halten: nicht mitzudiskutieren.
    Grass ist ein mittelmäßiger Schriftsteller und seine Anhängerschaft schwindet ja auch seit einigen Jahren. Natürlich trifft seine in Teilen provozierende Lyrik auch zu. Doch sollte man aus dieser Angelegenheit wirklich so einen Hype machen? Das Ganze gehört tiefer gehängt!
  9. #68

    Hochmut, der uns vernichtet.

    Zitat von Apologet Beitrag anzeigen
    Mutig ist er gewiss nicht.

    Mutig wäre es, wenn er seine geheuchelte Solidarität mit Israel in Tehran zur Schau stellen würde.
    Apologet,
    wie wäre es mit einem Epithaf anstaat eines Gedichts.
    Eine Grabinschrift mit den Worten:
    "Hier ruht den Versuch eines Friedens."

    Den Mut, den Sie meinen, wird es hier nicht gebraucht.
    Auch nicht den Hochmut.
    Was wir brauchen ist konsequente Atomareabrüstung.
    Und zwar, gleich !!!
  10. #69

    Lyrischer Erstschlag??

    Lyrischer Erstschlag??

    Ich denke, diese Formulierung ist angesichts der Auswirkungen und Folgen des klanglich ähnlichen atomaren Erstschlags der größte und ekelhafteste rhetorische Griff ins Klo diesen Jahres.

    Junger Mann, in meinem Unternhemen würde Sie ganz unten auf der Hierarchieleiter neu anfangen dürfen. Boden wischen.
    Und ich würde nicht davor zurückschrecken, den ein oder anderen stinkenden, braunen Haufen in die Ecke zu setzten, die Sie gerade frisch geschrubbt haben.

    Schämen Sie sich!!