Es ist das ewig gleiche Drama derer, die lieber zu 100% recht haben, als zu 50% etwas durchzusetzen.....
Der Sinn linker Politik ist Gerechtigkeit. Doch Grabenkämpfe und Abspaltungen gefährden dieses Ziel immer wieder, als gäbe es ein Gesetz des linken Zerfalls. Das sollte die Linkspartei bedenken, wenn sie vor der Wahl steht: radikale Opposition à la Wagenknecht - oder pragmatisches Korrektiv für die SPD?
Augstein-Kolumne zur Linkspartei: Das Trauma der Linken - SPIEGEL ONLINE
Es ist das ewig gleiche Drama derer, die lieber zu 100% recht haben, als zu 50% etwas durchzusetzen.....
Bei aller Herrschaft geht es immer um Gerechtigkeit.
Der Sinn und die raison d´etre linker Politik ist heute aber Aufklärung und Demokratie. Wo Aufklärung und Demokratie stattfindet entsteht Gerechtigkeit.
In der Demokratie ist Gerechtigkeit die Geltung, Befolgung und Einhaltung der demokratischen Regeln.
Die Beurteilung der Gerechtigkeit in demokratischen Verhältnissen geschieht durch die Anwendung der aus der Menschenwürde ableitbaren - und dadurch bereits Gerechtigkeit konstituierenden -
demokratischen Prinzipien "one man, one vote" und Mehrheitsentscheidung
demokratischen Methoden der Argumentation und des Dialoges
demokratischen Kriterien der Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Korrigierbarkeit.
Die neue digitale Kommunikation ermöglicht die Wahrnehmung von Asymmetrien in zeitlich und räumlich beispielloser Weise. Das Verlangen nach letztlich globaler Gerechtigkeit wird alle undemokratischen Verhältnisse, die in dieser Kommunikation beispiellos als Asymmetrien wahrgenommen werden, in einen beispiellosen Anpassungsdruck und einem Kampf um Demokratisierung führen.
Asymmetrien, Gerechtigkeit, Menschenwrde, Demokratie, Digitale Kommunikation - Am besten, Sie dchten auf der Stelle selber nach
Es ist immer wieder drollig, wenn sich bürgerliche Medien Sorgen um den Zustand revolutionärer linker Kräfte machen. Denn über eines sollten Sie sich doch klar sein, Herr Augstein: Es geht um das System.
Der SPON (sie vielleicht nicht ganz so sehr) ist eingebunden in das kapitalistische System über die Meinung der Verleger, der Werbetreibenden und vor allem auch der entsprechend handelnden Redakteure und Journalisten. Deshalb ist auch Ihre Anschauung passgenau eingefügt in das Schema: Links ja, nur nix verändern. Das Schema der SPD, seit sich die kommunistische Linke von ihr separiert hat.
Die Radikalität, die Sie z.B. Frau Wagenknecht negativ auslegen, ist in Wahrheit eine Konsequenz aus dem langsamen und immer schneller beobachtbaren Untergang des Kapitalismus. Noch einmal für alle:
Der Kapitalismus geht unter, und wir haben darüber nachzudenken, was an seine Stelle gesetzt werden muß! Nicht, wie man sein Siechtum möglichst verlängert!
Darüberhinaus - mir ist nicht bange vor einem Scheitern des linken Projektes (ich bin kein Mitglied), weil es, wie Sie richtig sehen, nicht um Personen geht, sondern um Programme und Alternativen! Und die werden in der Wirklichkeit des Systemabsturzes ihre Tragfähigkeit erweisen. Notgedrungen!
.. ist es, die "Richtigkeit" einer politischen Strategie und Taktik in Prozentsätzen zu bemessen, wie etone es tut.
Von Theodor W. Adorno stammt die Erkenntnis "Die halbe Wahrheit ist die ganz Unwahrheit"! Darüber solllten voreilige Schwärmer des Reformismus oder des korrigierenden SPD-Appendix einmal nachdenken!
Übrigens sind die "Grünen" bei ihrem Weg durch bzw. in die Institutionen solchem Unfug auch aufgesessen, um als wohlfeile Koalitionspartner von allen und jedem zu enden.
Recht, gerecht, selbstgerecht...
Klingt ja zumindest ähnlich... irgendwie...
Das große Problem von Idealisten ist, wie Sie bereits treffend schreiben, dass sie sich nicht mit weniger als dem Ideal zufrieden geben (wollen).
Aber wer irgendwo unter "ferner liefen" agiert und nicht bereit ist, Kompromisse zu machen um wenigstens ein wenig zu erreichen, der verschwindet eben irgendwann (idealerweise) von der Bildfläche...
Beim Thema "Wagenknecht" tippe ich mal darauf, dass die bisher aus Rücksicht auf ihren Oscar den Ball flach gehalten hat und nach dessen "Ausscheiden" vermutlich seelenruhig im Hintergrund wartet, bis sich der Rest entweder gegenseitig oder gleich selbst disqualifiziert hat.
Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte...
In Norwegen, Dänemark und Island regieren Partnerparteien der deutschen LINKEN in Bündnissen mit den dortigen Sozialdemokratien.
In Frankreich konnte ein Mélenchon im zweiten Durchgang der Präsidentenwahlen zur Wahl Hollandes aufrufen, und die Wähler des Front de Gauche sind diesem Aufruf gefolgt - Hollande wäre sonst heute nicht Präsident.
Die genannten Länder unterscheiden sich von Deutschland in einem wesentlichen Punkt, und diesen Punkt übersieht Herr Augstein. Es gibt in Deutschland spätestens seit dem vorletzten Bundeskanzler keine Sozialdemokratie mehr. Die Partei, die sich noch so nennt, betreibt Etikettenschwindel. Sie lässt sich als "linke" Partei wählen; sie ist aber tatsächlich in der Tradition der Noske und Zörgiebel eine "fünfte Kolonne" der bürgerlichen Rechten; für sie steht der Feind immer und unter allen denkbaren Umständen links.
Persönlich achtbare Erscheinungen wie Frau Matheis oder Frau Ypsilanti und manche anderen, tatsächlich noch Sozialdemokrat/inn/en in der Tradition eines Willy Brandt, Jochen Steffen und Peter von Oertzen, haben nicht den geringsten Einfluss auf den Kurs der Partei.
Sollte sich daran jemals etwas ändern, wofür derzeit aber nichts spricht, hätte natürlich auch die LINKE ihr Verhältnis zur SPD zu überprüfen. Dieser SPD gegenüber kann es aber nur schärfste Abgrenzung geben.
Ich würde mich selber politisch durchaus als "links" genauer als "linksliberal" bezeichnen, aber seien wir doch ganz ehrlich:
Es mag sein, dass die angelsächsische Variante des Kapitalismus gerade vor die Wand fährt, aber das was Frau Wagenknecht predigt ist vor 22 Jahren bereits vor die Wand gefahren. Die wesentliche Erkenntnis aus den letzten 25 Jahren sollte die gerade die sein, dass die reine Lehre nicht funktioniert. Man muss nüchtern betrachten, was der Staat besser kann, was die Privatwirtschaft besser kann und wo Mischformen die beste Lösung darstellen.
Gerechtigkeit ist nichts was ausschließlich Linke für sich beanspruchen. Jeder Politiker, gleichgültiger wohin er sich zuordnet, vertritt die Gerechtigkeit. Kein Politiker würde je sagen, "Ich bin nicht für einen gerechte Politik".Was ist der Sinn linker Politik? Gerechtigkeit.
Jeder versteht unter Gerechtigkeit halt etwas anderes.