Oder bei Peter Radtke.
Der Schauspieler Peter Radtke, der an der Glasknochenkrankheit leidet, spricht im Interview über Präimplantationsdiagnostik und planbare Menschen.
Frage:
"Nach der Logik der Präimplantationsdiagnostik wären Sie eine genetische Fehlentwicklung, die man erkennen und ausschließen könnte. Ist das noch erträglich?"
Radtke:
"Selbstverständlich ist es in diesen Diskussionen manchmal schwer, objektiv zu urteilen. Ich kann meine Biografie nicht verleugnen. Ich bin 1943 geboren worden, also in einer Zeit, in der schon einmal ein Leben mit Behinderungen als etwas galt, das ausgemerzt gehört. Über diesen biografischen Ansatz hinaus macht es mich aber auch betroffen, dass zu wenig darüber nachgedacht wird, welche Auswirkungen ein solcher Paradigmenwechsel nach sich ziehen wird, welche gesellschaftliche Wirkung eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik hätte. Es geht ja nicht um mich. Es geht darum, ob wir Menschen planbar machen, ob wir sie instrumentalisieren wollen. Und mich deprimiert, wie kurzsichtig Überlegungen sind, die angestellt werden, um einer kleinen Anzahl von betroffenen Paaren zu helfen."
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Frage:
"Diskriminiert die PID behinderte Menschen?"
Radtke:
"Mehr noch als die behinderten Menschen diskriminiert die PID Eltern, die ein behindertes Kind haben. Sie geraten unter einen enormen gesellschaftlichen Druck. Man suggeriert ihnen, das wäre nicht nötig gewesen, und fragt sie, was mutet ihr der Gesellschaft zu? Viele Betroffene haben nicht die Kraft, sich dagegen zu behaupten."
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Frage:
"Die Befürworter der PID argumentieren, sie werde streng reglementiert und nur angewendet, wenn der Embryo ohnehin keine Lebensperspektive hätte. Kann diese Eingrenzung gelingen?"
Radtke:
"Man hat mir keine Überlebenschance jenseits von drei Monaten gegeben. Die Eingrenzung ist sehr problematisch, auch die auf bestimmte Behinderungsarten. Würde beispielsweise das Downsyndrom als schwere Behinderungsart deklariert, dann frage ich mich, warum? Weil wir kognitive Fähigkeiten als so wichtig ansehen? Man muss sich bewusst sein, dass die betroffenen Menschen ihre Situation oft ganz anders einschätzen, als das jemand tut, der sie von außen betrachtet."
Das ganze Interview auf:
Interview mit Peter Radtke:

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