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Glückssuche: "Wettbewerb kann nur ein Teil des Lebens sein"

dapdGeld macht nicht glücklich - oder? Die meisten Menschen suchen Glück noch immer in materiellen Dingen, sagt Daniel Cohen. Im Interview erklärt der französische Wirtschaftsprofessor, warum das nicht funktioniert und wo Glück wirklich zu finden ist.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-873877.html
  1. #60

    glück ist immateriell

    Zitat von tjivi Beitrag anzeigen
    Da ich meine materiellen Bedürfnisse auf ein Minimum beschränkt habe, klappt das sehr gut.
    das ist m.e. der schlüsselsatz !!
    wer auf die mechanismen unseres auf wachstum aufgebauten systems hereinfällt, bleibt unglücklich, egal wie sehr er sich im täglichen hamsterrad abstrampelt. denn tatsächlich wartet hinter jedem erreichten materiellen glück die nächste klippe, die "nur noch" geschafft sein muss, um DANN aber wirklich endgültig glücklich zu sein. unser wirtschaftssystem braucht diese einstellung, daher wird einem auch stets (werbung etc) suggeriert, nun "nur" noch dies oder jenes zum glück brauchen. jeder halbwegs einfühlsame mensch spürt aber früher oder später, dass ihm noch NIE das erreichen eines materiellen standards dauerhaftes glück beschert hat.

    beispiel: jahrelang habe ich mir als jugendlicher ein motorrad gewünscht. als ich es mir endlich leisten konnte, war ich überglücklich. doch schon nach wenigen wochen merkte ich, dass dieses unbeschreibliche glücksgefühl verschwunden war, es war standard geworden - im gegenteil empfand ich nur noch unglück wenn die maschine mal ausfiel..

    deshalb wird andersrum ein schuh draus: nur derjenige, der sich frei machen kann vom ständigen mehr-brauchen, ist dann auch frei - und plötzlich auch glücklich mit dem, was er hat.

    beispiel: seit jahren lebe ich auf einer sonnigen kleinen insel in einer kleinen finca mit eingebautem sonnenuntergang. dort gibt es nicht viel arbeit, ich verdiene kaum geld - aber ich brauch es auch nicht mehr: ich lebe ja so schon besser als jeder millionär, der täglich seinen besitzstand vergrößert und sich meinen lebensstil kaum je im urlaub erlauben kann, weil ihm dann sofort die felle (fälle ?) davonschwimmen.. :)

    kleine kinder sind da noch vollkommen unverdorben: auch in armen ländern spielen sie lachend auf der straße und sind glücklich, solange man sie machen lässt. erst die angelernte konkurrenz in schule und gesellschaft zerstört dieses unschuldige glück dann bald dauerhaft..
  2. #61

    Auf dieses Immer-mehr-wollen können eigentlich nur Leute reinfallen, die entweder nicht in der Lage sind, vernünftig zu kalkulieren oder über soviele Finanzmittel verfügen, dass es sie lange Zeit nicht bedrückt. Kommt dann noch eine Geiz-is-geil-Mentalität und irgendwelche windigen Konsumkredite hinzu, ist die Katastrophe schon fast perfekt. Und dann kommt das grosse Staunen, warum man am Ende womöglich zahlungsunfähig ist und das Produkt längst Schrott ist. Es ist also auch rational völlig idiotisch, sich jeder "Versuchung" hinzugeben. Nebenbei zerstört solch ein Verhalten noch viel mehr als nur die eigene Lebensbasis. Andere Menschen werden davon auch betroffen.
  3. #62

    "Das große Dogma der Reklame: Mit Geld kannst du dir alles kaufen.
    Mit Geld kannst du dir ein schönes Haus kaufen, aber keine Wärme und Geselligkeit.
    Mit Geld kannst du dir ein weiches Bett kaufen, aber keinen Schlaf.
    Mit Geld kannst du dir Beziehungen kaufen, aber keine Freundschaft.
    Mit Geld öffnet sich dir jede Tür, nur nicht die Tür zum Herzen." - Phil Bosmans
  4. #63

    Konkurrenz und Kooperation I

    Zitat von Frieden ist alles Beitrag anzeigen
    Für mich ist es schwwer nachzuvollziehen wie es möglich sein soll,mit jemandem zu konkurrieren und gleichzeitig zu kooperieren.
    Nun, das gesamte Leben ist voll von Beispielen davon.
    - Geschwister, die einander sowohl lieben als auch miteinander konkurrieren
    - Sportler, sogar Boxkämpfer, die einander nach dem Wettkampf umarmen
    - Kollegen, die miteinander sowohl kooperieren und konkurrieren
    - Firmen wie Apple und Samsung, die einander Geräteteile liefern auf Märkten, auf denen sie sogar selbst miteinander konkurrieren - ein durchaus von Schwierigkeiten gekennzeichnetes Beispiel:
    Smartphone-Giganten : Die Hass-Liebe zwischen Apple und Samsung - Nachrichten Wirtschaft - Webwelt & Technik - DIE WELT
    - Politiker, die einander im Parlament fetzen, dass die Schwarte kracht und abends ein Bier miteinander trinken
    - konkurrierende Parteien, die Koalitionen miteinander bilden
    - Unterhaltungskünstler, die miteinander konkurrieren und einander trotzdem Respekt zollen und einander in ihren Sendungen besuchen
    - konkurrierende Unternehmen, die in Wirtschaftsverbänden miteinander kooperieren usw. usf.

    Wenn man diese Beispiele anschaut, merkt man, dass ein Mindestmaß an Kooperation zu den Voraussetzungen von Konkurrenz gehört, wenn sie funktionieren soll. Und Kooperation offenbar auch ein Mindestmaß an Wettbewerb braucht, wenn sie gute Ergebnisse bringen soll.


    Gleichermassen schwierig ist es für mich sich vorzustellen wie es möglich sein soll mit jemadem zu konkurrieren und dabei glücklich zu sein.
    Tja, das genau ist aber die widersprüchliche Grundanforderung unserer marktwirtschaftlich und damit wettbewerbsmäßig verfassten Gesellschaft. Einerseits persönlich im Wettbewerb voranzukommen, in diesem Streben nach Fortkommen aber nicht gezielt Anderen zerstörerisch zu schaden. Das eigene Fortkommen also nicht auf die Zerstörung Anderer, sondern auf eigenes Wachstum zu stellen.

    Für mich ist Konkurrenz vor allem mit Stress Anstrengung und Druck verbunden-und daher auch mit schlechteren Ergebnissen.Unter Stress und Druck steigt meine Angst und sinkt meine Kreativität.Fühle ich mich dagegen sicher und gut aufgehoben in meinem Umfeld und kann darauf vertrauen das alle ein Interesse an guter Zusammenarbeit haben,dann bin ich hochmotiviert und setze all meine Kraft ein um die Arbeit möglichst effizient zu gestalten.
    Konkurrenz bringt perse immer einen gewissen Stress (gutes Beispiel das wohl in sämtlichen Branchen und Bereichen auftretende Lampenfieber) - weil sie Menschen in die Situation bringt mitzuhalten (wenn sie es denn wollen). Übermäßiges und gesundheitsschädigendes Leiden bringt solcher Wettbewerbsstress wohl nur in destruktiven Konkurrenzsituationen (insbesondere Mobbing oder Verbrechen) oder Menschen, die bestimmten Konkurrenzsituationen offenbar nicht gewachsen sind. Die haben dann natürlich im Wettbewerb in gewissem Sinne das Nachsehen, werden ja bei uns aber ökonomisch in einem immer noch vergleichsweise fürstlichen sozialen Netz aufgefangen.
  5. #64

    Konkurrenz und Kooperation II

    Zitat von Frieden ist alles Beitrag anzeigen
    Da wo der andere zum Konkurrenten wird,ist dies aus meiner Sicht kaum möglich.Es geht dann darum zu beweisen das man der bessere ist.
    Oder vor allem darum, dass man eine bessere Lösung hat (wenn man dieser Meinung ist).

    Unter diesen Umständen muss ich damit rechnen das es mein Konkurrent darauf anlegt mir Fehler nachzuweisen
    Was ja sehr gut ist, wenn es sich tatsächlich um Fehler handelt - denn Fehler schaden schließlich dem gemeinsamen Erfolg.

    und die Bereitschaft zum Austausch wichtiger Informationen sinkt.
    Insoweit bestimmte Konkurrenten an gemeinsamen Erfolgen interessiert sind, sicher nicht.

    Meist hat dann jeder ein Interesse daran Fehler zu verbergen.
    In einer produktiven, konstruktiven Atmosphäre nicht unbedingt. Selbstkritik, Selbstprüfung, Selbstdistanz sind schließlich wichtige Voraussetzungen für Erfolg.

    Stress und Angst verschlechtern das Ergebnis. Manipulation dürfte gegenüber von Kompetenz den Vorrang haben.
    In destruktiven Wettbewerbssituationen und bei Wettbewerbsunfähigkeit ja, bei produktiven, starken Wettbewerbern nicht unbedingt.

    Ich glaube das dies in jeder Hinsicht Schaden anrichtet,sowohl was Zufriedenheit,als auch was Effizienz betrifft.
    Wünschenswert aus meiner Sicht,wäre daher ein Abbau von Konkurrenz zugunsten von Kooperation,nicht aus moralischen Gründen,sondern um Glück und Wohlstand zu mehren.
    Ich sehe es wie gesagt genau umgekehrt. Kooperation bringt ohne ein Mindestmaß an echter Konkurrenz wenig gute Ergebnisse, wie die zwangsverordnete sozialistische Himmelhölle auf Erden ca. vier Jahrzehnte lang "bestens" veranschaulichte.
  6. #65

    Zitat von clausde Beitrag anzeigen
    ...man braucht auch Aktien, Gold und Immobilien. ;)
    Es ist immer wieder nett wenn "Glücksforscher" versuchen den Menschen zu erklären wie unwichtig Geld wäre. Das es aber Menschen gibt die vor Geldsorgen und Zukunftsängsten kaum schlafen können, in der Folge gesundheitlich angeschlagen sind und sich dann erst Recht in der Abwärtsspirale befinden, wird geflussentlich ausgeblendet. Mir geht es gut und ich kenne die Werte des Lebens. Aber nur weil diese nicht von den Sorgen die viele Andere haben überblendet werden.
    Gute Ratschläge helfen diesen Menschen nicht.
    Ich glaube, dass hier aber viel Geld und Luxus gemeint ist. Natürlich braucht man eine gewisse Summe Geld, um nicht unglücklich zu sein. Und man darf nicht vergessen, dass viele Leute einfach über Ihre Verhältnisse leben. Das Problem ist nur, dass jeder Luxus anders definiert. Auch ich möchte nicht mehr auf einen PC, Fernseher, ein kleines Auto oder als Hobbymusiker auf qualitativ hochwertige Gitarren verzichten (die kauft man sich aber nur einmal und dann ist gut). Mehr brauche ich aber wirklich nicht. Ich mache keine Urlaubsreisen, gehe nie auswärts essen. Auf teure Marken-Kleidung lege ich auch keinen Wert. Andererseits, auch ein Ferrari schützt nicht vor Depressionen. Nur eine ausgewogene Persönlichkeitsstruktur lässt ein relativ entspanntes Leben zu und es auch genießen. Die kann man sich bis zu einem gewissen Grad aber erarbeiten. (Falls man mal aus der Spur geraten sein sollte, ein guter Psychotherapeut kann so was wieder einrenken). Ich hatte noch nie das Bedürfnis irgendwo mithalten zu müssen.
  7. #66

    Mithalten

    Zitat von mixolydisch Beitrag anzeigen
    Ich hatte noch nie das Bedürfnis irgendwo mithalten zu müssen.
    Wenn Sie sich einen PC, Fernseher, kleines Auto und hochwertige Gitarren leisten, tun Sie aber genau das. Nämlich mithalten mit der allgemeinen Wohlstands-, Kultur- und Technologieentwicklung. Das Geld für diese Anschaffungen zu verdienen, dürfte nicht ohne die Tatsache abgehen, dass sie irgendwo ökonomisch mithalten. Sonst gibt Ihnen nämlich niemand das dafür nötige Geld. Außer Ihre Vorfahren haben irgendwann "mitgehalten" und Ihnen was vererbt. Wenn Sie in einer Band spielen, geht das nicht, ohne dass Sie mit irgendwem musikalisch mithalten. Wenn Sie sich mit Ihrem Auto in den Verkehr begeben oder einen PC nutzen, müssen Sie an den hierfür nötigen Fähigkeiten mithalten. Selbst Ihren hiesigen Beitrag kann man getrost als einen Versuch ansehen, mit dem hiesigen Diskussionsniveau mitzuhalten. So haben wohl sämtliche Beziehungen, selbst die zu von anderen Menschen geschaffenen Geräten, Momente von "Mithalten". Dass Sie keinen Wert auf teure Markenklamotten oder Ferraris legen, hat mitnichten Desinteresse an Wettbewerb zur Ursache, sondern nur, dass das eben keine Schwerpunkte Ihrer Wettbewerbsinteressen sind.
  8. #67

    @polyphemus

    Ja, das hatte ich vergessen. Sicherheit kann man nicht kaufen. Und die meisten, die dem Geld und materiellen Dingen den Vorzug geben, werden erst auf dem Sterbebett bergreifen, dass "leben" nicht "haben" ist. Es gab mal ein gutes Buch: Sein oder Haben. Ich bin. Und warum habe ich mich so entschieden? Ich bin viel durch ganz Afrika gereist und habe unter armen aber satten Menschen viel mehr Glück erlebt, als ich in Deutschland jemals gesehen habe. Die Menschen lachen auch mit den Augen. Wir sind soziale Wesen und ziehen uns immer mehr von anderen zurück.Das verdanken wir den immer wieder neuen elektronischen Medien und dem Konkurrenzkampf und natürlich der Werbung.
    Danke. Ohne mich.
    Schön, dass es so Menschen wie polyphemus auch noch gibt.
  9. #68

    Zitat von tüttel Beitrag anzeigen
    Wenn Sie sich einen PC, Fernseher, kleines Auto und hochwertige Gitarren leisten, tun Sie aber genau das. Nämlich mithalten mit der allgemeinen Wohlstands-, Kultur- und Technologieentwicklung. Das Geld für diese Anschaffungen zu verdienen, dürfte nicht ohne die Tatsache abgehen, dass sie irgendwo ökonomisch mithalten. Sonst gibt Ihnen nämlich niemand das dafür nötige Geld. Außer Ihre Vorfahren haben irgendwann "mitgehalten" und Ihnen was vererbt. Wenn Sie in einer Band spielen, geht das nicht, ohne dass Sie mit irgendwem musikalisch mithalten. Wenn Sie sich mit Ihrem Auto in den Verkehr begeben oder einen PC nutzen, müssen Sie an den hierfür nötigen Fähigkeiten mithalten. Selbst Ihren hiesigen Beitrag kann man getrost als einen Versuch ansehen, mit dem hiesigen Diskussionsniveau mitzuhalten. So haben wohl sämtliche Beziehungen, selbst die zu von anderen Menschen geschaffenen Geräten, Momente von "Mithalten". Dass Sie keinen Wert auf teure Markenklamotten oder Ferraris legen, hat mitnichten Desinteresse an Wettbewerb zur Ursache, sondern nur, dass das eben keine Schwerpunkte Ihrer Wettbewerbsinteressen sind.
    Irgendwie Blödsinn, Sie wollen mich missverstehen. Das Auto ist 16 Jahre alt und immer noch gut in Schuss. Die Gitarren habe ich vor 20 Jahren gekauft. Und jetzt sagen sie mir, wo ich da irgendwo mithalten will!? Wenn, dann müsste ich z.B. alle zwei Jahre das neueste Auto-Modell haben wollen. Will ich aber nicht! Mir irgendwelche Fähigkeiten anzueignen, nur aus Wettbewerbsgründen, ist Unsinn. So etwas sofort als Teilnahme am Wettbewerb zu bezeichnen, ist platte BWL-Denke, mehr nicht. Für Sie bin ich bestimmt auch nur ein Kostenfaktor und Humankapital, oder?
  10. #69

    Sehr, sehr gutes Interview.

    Danke.


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