Glücksspielsucht: Zocken bis zum Zusammenbruch

REUTERSFast 200.000 Menschen sind in Deutschland spielsüchtig, die meisten zocken an Automaten. Die Geräte besitzen das größte Suchtpotential, trotzdem werden sie vom Staat nicht reguliert. Der Grund: Es geht um Milliarden von Euro.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...814173,00.html
  1. #20

    Vielleicht sollte man auch einen Blick auf das System Gauselmann werfen:Parteispenden von Gauselmann - Clever, sehr clever! Zu clever? - Politik - sueddeutsche.de
  2. #21

    Wirklich nur so wenige?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Fast 200.000 Menschen sind in Deutschland spielsüchtig, die meisten zocken an Automaten. Die Geräte besitzen das größte Suchtpotential, trotzdem werden sie vom Staat nicht reguliert. Der Grund: Es geht um Milliarden von Euro.

    Glücksspiele machen süchtig - vor allem Geldspielautomaten - SPIEGEL ONLINE
    Dabei dachte ich immer, es würde deutlich mehr Investmentbanker geben, die Milliarden im globalen Casino verzocken. Aber mal ehrlich, es hätte auch keinen Sinn, jetzt den Besitz eines PCs mit einem Internet-Zugang als Automaten zu bezeichnen und zu verbieten, nur weil die Investmentbanker den zum Zocker missbrauchen.

    Außerdem versucht der Staat ja immer wieder, gerade das Internet zu regulieren. Das wird aber die Investmentbanker aber nicht vom Zocken abhalten können, denn dafür müssten die Finanzmärkte reguliert werden. Die Regulierungsversuche des Internets sind da reine Placebos, die das Volk ruhig halten sollen, das die von den Investmentbankern verzocken Milliarden bezahlen muss.

    Aber nichtsdetotrotz ist es eine gute Idee vom Spiegel, das globale Casino einmal unter dem Blickwinkel der Gesundheit der Investmentbanker zu sehen und deren ganz offensichtliche Spielsucht öffentlich anzusprechen.
  3. #22

    Die Kosten des Spiels...

    ...bestehen leider nicht nur aus den Verlusten der Spielsüchtigen. Es reicht auch nicht, mögliche Therapiekosten mit einzurechnen - der größte Teil fehlt aus meiner Sicht!

    Spielsüchtige spielen oft jeden Tag sehr viele Stunden, sind danach psychisch im Eimer und bringen auch im Job am nächsten Tag nicht ihre eigentliche Leistung. Ein Bekannter von mir hat zwar etwa 20.000 Euro online verspielt. Viel schlimmer ist aber, dass er dadurch zahlreiche soziale Kontakte verloren und ein Jahr länger studiert hat! In diesem Jahr hätte er locker 30.000 Euro verdient (Netto). Diesen Produktivitätsverlust und auch die sozialen Kosten muss man ebenfalls einbeziehen.

    Für den Staat wird es dann schnell zu einem Minusgeschäft - Gewerbesteuer hin oder her! Leider ist die Glücksspiellobby zu stark.
  4. #23

    Kehl am Rhein - Zockerparadies

    In unserer Stadt - Kehl am Rhein, Grenzstadt zu Frankreich, wo Glückspiel in Automatenbistros und Spielhallen verboten ist - kommt aktuell 1 Spielautomat auf 55 Einwohner. Die Stadtverwaltung heuchelt Entsetzen, kann aber angeblich nichts dagegen tun und genehmigte gerade erneut 72 Spielautomaten. Die Genehmigungspraxis erstreckt sich auch auf Wohngebiete, in unmittelbarer Nachbarschaft von Schulen, Kindergärten und Behinderteneinrichtungen. Auch ist die Stadt selbst Vermieterin an Automatenbistro-Betreiber. Folge ist eine starke Vereinnahmung durch die Glückspielmafia - wobei Glückspielsucht eher eine untergeordnete Rolle spielen dürfte: Die Geldspielautomaten sind Instrumente der Geldwäsche, wo im Akkord das Bargeld aus Drogenhandel und Prostitution wieder in den legalen Kreislauf eingespeist wird. Folge ist ein rapides Downgrading des städtischen Wohnumfeldes, nächtliche Prügeleien, Schießereien selbst in Wohngebieten und 23 Stunden Frequentierung der Spielhallen auch im Wohnumfeld (die Dinger dürfen bis 5 Uhr morgens geöffnet haben, müssen dann 1 Stunde schließen und dürfen um 6 schon wieder öffnen). Es geht hier also nicht nur um individuelle Krankheit, sondern man lässt sich dabei mit der ganz großen organisierten Kriminalität ein.
  5. #24

    Das eigentliche Problem...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Fast 200.000 Menschen sind in Deutschland spielsüchtig, die meisten zocken an Automaten. Die Geräte besitzen das größte Suchtpotential, trotzdem werden sie vom Staat nicht reguliert. Der Grund: Es geht um Milliarden von Euro.

    Glücksspiele machen süchtig - vor allem Geldspielautomaten - SPIEGEL ONLINE
    ...bei den Spielhallen sind nicht die paar Spielsüchtigen sondern die Geldwäsche die dort von organisierter Verbrechensseite betrieben wird. Kein Mensch kann nachprüfen wieviel dort WIRKLICH umgesetzt wird. Eine Spielhalle in der Nachbarschaft in der am Tag mal vielleicht 5-10 Leute reingehen macht immense Umsätze....wie das nur kommt? Aber da will die Politik und Finanzamt ja nicht weiternachfragen...sind ja alles Spezies....gell...
  6. #25

    komplett schliessung

    ich bin für eine komplettschließung solcher sinnlosen krankmachenden etablissments.
    was haben bitte schön junge erwachsene wie in meinem kietz schon am vormittag in solchen öden buden zusuchen?, die wie in berlin eh fast nur von der russenmafia kontrolliert werden, das hat alles nichts mehr mit dem begriff "spiel" zu tun.
    Ich denke die die dort reingehn und ihr geld verzocken eine grundlegende persönlichkeitsstörung haben, aber der staat verdient ähnlich wie beim alk, also auge zudrücken.
  7. #26

    Zitat von cs01 Beitrag anzeigen
    Ausgerechnet mit Automaten Geldwäsche zu betreiben, halte ich für wenig sinnvoll. Dabei werden zu hohe Steuern fällig, das Geld kann man anders besser waschen.
    Nö, Spielotheken werden in der Tat oft für Geldwäsche genutzt. Klar, das kostet etwa 30-50% Steuern, aber wenn man große Geldsummen z.B. mit der Mafia waschen will kostet das ähnlich.

    Nichts desto trotz, Glücksspielsucht ist in der Tat ein riesiges Problem.


    In Relation zu WS besitzen die Geräte eigentlich das höchste Suchtpotenzial
    Das Suchpotential ist in der Tat höher als bei Heroin, und nein, das ist kein Scherz.

    In den USA haben in den letzten 30 Jahren Kommunen Casinos als Einnahmequelle entdeckt. Dort funktioniert es noch eingiermassen (für die Kommunen) weil es kein soziales Netz gibt, dass die Spielsüchtigen dann wieder refinanziert. Bewiesen ist eine grausame Verarmung im Umkreis von 90 km um die Casinos herum. Bei uns fliesst das Geld aus den Automaten dann gleich wieder über die Sozialkasse an die Spieler. Furchtbarer Kreislauf...
    Ja. Ich persönlich bin trotzdem gegen Prohibition (die Probleme daraus sind noch wilder IMHO).
    Aber nur als Beispiel, alleine 4 der 10 gefährlichsten Stadt-Bezirke der USA liegen in Vegas (das ist übler als in Baltimore oder Detroit). Es ist da in der Tat gefährlich auch nur eine Nebenstrasse vom Strip abzukommen.

    Fazit: Es bringt nicht wirklich was, jetzt alle Einrichtungen zu schließen. Aber es müssen nicht komplette Strassen in Kreuzberg oder Dortmund mit Glücksspielautomaten überzogen werden.
  8. #27

    .

    Gerade die Automatenspielsucht ist ein Mysterium. Die Spiele sind langweilig und oftmals überhaupt nicht vom Können des Spielers abhängig. Die Gewinne sind lächerlich gering, falls überhaupt einmal gewonnen wird. Und wie viel Zeit dabei verloren geht, selbst bei Gewinnen kommt man da auf lächerlich geringe Stundenlöhne.

    Jeder Mensch, der rational denken kann, weiss dies bzw. merkt dies nach den ersten verlustreichen Spielsitzungen. Ob da mehr Aufklärung helfen kann? Aufklärung im Sinne von Wissensverbreitung über Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik? Oder über das Durchführen von Tests (ohne Geld), die jedem zeigen, dass man auf Dauer nur verliert?

    Sportwetten sind ähnlich gelagert. Nur dass sich hier die Süchtigen noch einreden können, sie hätten durch ihr "Wissen" auf Dauer eine bessere Chance.

    Das einzige legale Glücksspiel, das gute Chancen bietet, d.h. den auf Dauer geringsten Verlust (!), ist Black Jack. Wenn man es kann. Auch da verliert man, ein wenig Geld und sehr viel Zeit.

    Ich betrachte den Zeitverlust übrigens als viel gravierender bei Glücksspielen. Denn Zeit kann man nie wieder "reinholen".
  9. #28

    Vor 2 Wochen hat mein Partner nach einer langen Spielerkarriere nun endlich in eine Therapie begonnen.
    Jahrelang hat er heimlich seine Zeit in den Casinos verbracht und dort tausende von Euros verzockt. Und dabei wurde es ihm von der Glücksspiel-Industrie leicht gemacht: Casinos gibts mittlerweile an jeder Ecke. Und dort wächst zunehmend eine Freizeit-Kultur, die vor allem junge Menschen reizt. Casinos öffnen schon morgens, Cafe gibts meistens um sonst. Man trifft dort "Freunde", die sich mehr und mehr zum sozialen Umfeld der Spieler entwickeln. Es ist letztendlich dann nicht mehr nur das Spiel, sondern das Casino wird auch mehr und mehr zum Treffpunkt. Was bleibt? Mein Partner hinterlässt eine völlige traumatisierte Mutter, eine in ihrem Vertrauen völlig erschütterte Partnerin, einen enttäuschten und sprachlosen Freundeskreis, einen Schuldenberg ...... Das Spiel hat im Endeffekt nicht nur ihn seelisch und psychisch ruiniert, sondern auch sein soziales Umfeld. Man hat ihm hier und da Geld geliehen, ohne zu ahnen wofür es missbraucht wird, abgesehen davon hat das Spiel ihn kriminalisiert, dadurch das er Freunde zu allerletzt bestohlen hat. Dieses Verhalten als Mechanismus der Sucht als Krankheit zu akzeptieren fällt schwer. Nicht nur er, sondern auch ich als Partnerin muss mich therapeutisch behandeln lassen, um den "Schock", so lange belogen und bestohlen worden zu sein zu verarbeiten.

    Ich hoffe, die Politik versteht irgendwann, dass es hier nicht nur um Geld geht, sondern um die Zerüttung ganzer sozialer Gefüge wie Familie, Beziehung und Freundschaft.
    Hier werden nicht nur finanzielle Probleme geschaffen, sondern die Betroffenen und ihr gesamtes engeres Umfeld werden massiv mit einer kaum aushaltbaren psychischen Belastung konfrontiert, die zu beheben meist langwierig und ebenfalls recht kostspielig ist.
  10. #29

    Spielhölle

    Zitat von frubi Beitrag anzeigen
    Stimmt. Aber glauben Sie bitte nicht, dass das diese Politik-Heinis einsehen würden. Von mir aus kann Glücksspiel weiterhin legal bleiben. Es muss doch jedem Menschen erlaubt sein, sich um sein eigenes Geld zu zocken. Ich würde zu Lebzeiten solch eine Spielhölle nicht betreten.
    Spielhallen wären nicht problematisch, wenn die Süchtigen lediglich das eigene Taschengeld verzocken würden. Nur ist das nach ein oder zwei Tagen aufgebraucht und man bedient sich Eigentum anderer, um der Sucht bzw. dem Streben nach anstrengungslosen Reichtum gerecht zu werden.

    Meiner beruflichen Erfahrung nach liegen über 90 % der in einer Daddelbude anwesenden (fast ausschließlich Männer, oftmals erschreckend jung, überproportional mit Migrationshintergrund) wegen Eigentums- und Raubdelikten im polizeilichen Datensystem ein.

    Spielhallen und Sportwetten-Shops sind Brutstätten für Kriminalität und deren Betreiber in meinen Augen moralisch auf der Stufe eines Drogendealers.