Alle angesprochene Punkte sind Teil des sich derzeit rasend schnell entwickelnden Forschungskomplexes der Koevolution von menschlicher Kultur und Genom. Die durch kulturelle Nischenbildung bewirkte Bevorzugung mancher Genvarianten und die dadurch hervorgerufene enorme Beschleunigung der menschliche Evolution ist eines der interessantesten Felder der derzeitigen Wissenschaft.
Der Einfluß der Viehhaltung auf die Laktosetoleranz im Erwachsenenalter (eigentlich eine Verirrung der Natur) ist das bekannteste Beispiel. Auch der Hang zur Arteriosklerose wird durch die Nahrungsgrundlage beeinflußt - Ötzi stammt aus einer Zeit, bevor die entsprechenden Gene zurückgedrängt wurden.
Die Farbe von Augen, Haaren und Haut wird dagegen ehr mit Vorlieben bei der sexuellen Partnerwahl zusammengebracht - auch das stark durch die Kultur beeinflußt.
Der Autor des Spiegel-Artikels hat das nicht wirklich begriffen. Das kann man ihm aber nicht wirklich zum Vorwurf machen; das Thema wird schließlich hierzulande nur mit spitzen Fingern angefaßt. Denn ein Zusammenhang zwischen Genom und Kultur ist wortwörtlich rassistisch. Vor allem, wenn es nicht mehr nur um Milch und braune Augen geht. Sondern um Gene, welche Einfluß haben auf das Sprachvermögen, auf gruppeninterne Kooperation oder das Zahlenverhältnis von Jungen und Mädchen bei der Geburt.
Zum Weiterlesen empfehle ich "The 10.000 year explosion", "Molecular Nutrition and Genomics: Nutrition and the Ascent of Humankind" oder "How culture shaped the human genome: bringing genetics and the human sciences together".
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