Vor längerer Zeit wählten die Unzufriedenen die Grünen. Vor Kurzem schien es, als würde die FDP zu einer ernstzunehmenden Konkurenz der beiden großen Parteien werden.
Jetzt sind als neue Gruppe die Piraten dran.
Ich halte das für ein Zeichen der Stabilität unserer Demokratie: Die Unzufriedenheit führt nicht (wie ich lange Zeit befürchtete) zu einem Abwandern in die extremen Randzonen nach rechts und links, sondern schafft sich neuen Raum, um sich auszudrücken.
Wenn diejenigen, die dadurch die Chance bekommen, den etablierten Klüngel aufzumischen, diese Chance nutzen (wie zB lange Zeit die Grünen), werden sie zu einem ernstzunehmenden Gestaltungselement unserer Gesellschaft. Wird die Chance verspielt (wie durch die FPD nach der letzten Wahl), so geht ebenso schnell wieder in den Keller.
Die Grünen haben sich leider in den letzten Jahren schon so stark den Verfahrensweisen von SPD und CDU angepaßt (soweit gehend, dass man schon lange vor der Wahl ein Bündnis mit der SPD fest anstrebt und garnicht mehr wissen will, ob die Währlker dies gut finden), daß ihnen ein ähnliches Schicksal, wie derzeit der FDP drohen könnte.
Die Piraten bekommen derzeit dagegen von den Wählern einen Auftrag. Es gilt für sie, diesen Auftrag zu erkennen, anzunehmen und umzusetzen.
Wenn ihnen dies gelinget und sie das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen, so werden sie überleben. Die derzeitige offene Diskussion bei den Piraten, die von vielen als Chaos gedeutet wird, spricht für dafür, dass die Piraten einen ersthaften Versuch unternehmen.
Und die Tatsache, dass die vielen Unzufriedenen und Nichtwähler nicht etwa nach links oder rechts abwandern, sondern einen eigenen Weg "wählen" macht mich sehr sehr optimistisch, dass unserer Demokratie stärker und wandlungsfähiger ist, als viele gedacht haben.

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