In was für einer Welt lebt eigentlich der Autor?
Als Diktatorgattin ohne eigene Macht seinem Mann entgegenzutreten, ist ein ziemlich sicherer Weg als "seine erste Frau - Gott hab sie selig" in die Geschichtsbücher einzugehen. Vielleicht wird sie auch bloß verbannt. Dann ist sie bloß eine arbeitslose Frau ohne besondere Talente und mit schlechtem Ruf, die dann irgendwelche Verwandte anbetteln kann. In Syrien ist sie eine Königin. Vielleicht keine geliebte, aber immerhin. "Besser in der Hölle herrschen, als im Himmel zu dienen."
Und warum sollte sie überhaupt die Seiten wechseln? Assad gewinnt den Kampf vielleicht nicht, verlieren tut er ihn aber auch nicht. Und ich denke, im Zweifelsfall hat er den längeren Atem.
Allgemein greift da eine ziemliche Naivität um sich, wenn es um Ex-Diktatoren geht. In Deutschland ist Politik Teil einer Karriere. Wenn man je damit fertig ist, gibt es ein Leben danach: Buchverträge und gutbezahlte Beraterjobs und Ehrensolde. Einem Diktator bleibt oft nur eine Flucht in die Schweiz mit einer Ruhestandskasse, so groß wie das, was er eben während der Amtszeit beiseite geschafft hat. Wenn der sein Amt niederlegt, dann ist sein Leben so wie es war vorbei. Ist es da noch ein Wunder, dass sie im Sessel kleben? Dass sie sagen "Ich hab nicht all diese Wahlen manipuliert und Oppositionelle an die Wand gestellt, nur damit das dumme Volk mich in 5 Jahren wieder abwählen darf!" (ebenso wie die libyschen Rebellen: "Wenn ich schon mein Leben im Kampf gegen Gadaffi riskiere, wieso sollte mich das feige Pazifistenpack oder die Kamelficker aus den anderen Stämmen dann abwählen können?")? Ein bisschen mehr Realismus bitte. Wer sich große Gedanken um Fairness, Gerechtigkeit oder Menschenrechte macht, wird selten Diktator.
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