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Gewalt gegen Rettungskräfte: Angepöbelt, angespuckt, attackiert

picture alliance / dpaSie sind gekommen, um zu helfen. Und brauchen mitunter selbst Hilfe. Wie häufig Rettungskräfte Tritte oder Schläge kassieren, zeigt eine Studie: Jeder Vierte wurde schon Opfer von Gewalt. Die Täter sind meist betrunkene Männer - beileibe nicht nur in sozialen Brennpunkten.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...828393,00.html
  1. #1

    Erfreulich, dass dieses Thema nun auch in den "Mainstream-Medien" ankommt. Und das sage ich ganz ohne Ironie. In Deutschland wird der gewaltsame Widerstand gegen "den Staat" zelebriert - da ist es höchst ungewöhnlich, wenn Angriffe gegen Vollstreckungsbeamte und gegen Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichstehen, mal kritisch betrachtet werden.
  2. #2

    Ich war selber als Rettungssanitäter beschäftigt und natürlich gab es regelmäßig "Stress". Meist Verbalattacken, öfter auch mal Tritte und Schläge.

    Ich habe allerdings nie erlebt, dass ein Kollege dabei ernsthaft verletzt wurde. Meistens sind die renitenten Patienten oder deren Angehörige ja ziemlich fertige Typen, die weder sonderlich clever noch sonderlich stark sind - mit denen wird man gut fertig.
    Außerdem gibt es dann auch den Punkt, an dem man sagt "na gut, wenn du keine Hilfe willst..." und sich dünne macht.

    Gewalt durch Angehörige oder Freunde habe ich übrigens nicht erlebt. Auch Drohungen im Sinne von "wenn mein Bruder nicht überlebt..." habe ich nie gehört. Wenn's tatsächlich so schlecht um den Bruder steht, dann ist wohl selbst dem Dümmsten klar, dass dem jetzt entweder der Rettungsdienst hilft oder niemand mehr.
    Wenn, dann waren es die Patienten selber. Stark blutende Kopfplatzwunde und der Patient in seinem Suff sagt "das geht schon, lasst mich in Ruhe". Da muss man dann schauen; den kann man ja nicht liegen lassen. Aber eben auch nicht zwingen; ist ja ein freier Mensch.

    Anders sieht es aus bei Zwangseinweisungen, die hat niemand gerne gemacht. Insbesondere, wenn Drogen im Spiel sind. Da haben manche Patienten schon eine enorme Aggressivität an den Tag gelegt und gewaltige Kräfte entwickelt, so dass man teilweise mit 4 Mann Mühe hatte, die zu bändigen.
    Aber das dürfte jetzt auch kein Neuzeitliches Problem sein.
  3. #3

    Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei, aber auch unsere Pflegedienste und das Personal in Krankenhäusern. Sie alle arbeiten am Ende des machbaren. Seit Jahren wird an Personal, Ausrüstung und Ausbildung gespart, während die Belastungen zunehmen.

    In Brüssel gab es erst zu Ostern Streiks im Nahverkehr, nachdem ein Busfahrer während der Arbeit tötlich verletzt wurde.

    Überall wo man hinsieht muss man erleben, wie gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme verschwinden. Die Gesellschaft löst isch langsam auf und diejenigen, die sich für sie engagieren, unmittelbar den Menschen helfen, sind die ersten, die darunter zu leiden haben.
  4. #4

    Das Problem ist nun bei weitem kein neues, es verschlimmert sich nur stetig, ohne dass Vater Staat hinreichend dagegen tut. Verschärfung der Gesetze ist das Eine, konsequente Strafverfolgung und Aburteilung etwas Anderes. Aber das kennt man ja auch aus anderen Bereichen. Täter werden hier im Land leider immer wieder zu lasch bestraft.
    Es gibt Bereiche, wo die Retter ohne Polizeiunterstützung erst gar nicht mit dem Retten beginnen, weil es einfach zu gefährlich ist. Das ist bedauerlich für die Betroffenen, aber notwendig im Sinne einer Eigensicherung.
    Im Artikel wird auch Verdienstausfall erwähnt. Dies impliziert, dass der betroffene RDler m.E. ehrenamtlich tätig war. Schlussendlich wird so etwas dazu führen, dass bei weiterer Zunahme dieser Gewalt immer weniger Menschen diese Risiken eingehen werden und damit der RD als solches ein Personalproblem bekommen wird. Dabei ist es heute schon ungeheuer schwierig, als Ehernamtlicher überhaupt noch den Zeitaufwand leisten zu können, um im RD tätig sein bzw. bleiben zu können.
    Diejenigen, die das alles auf sich nehmen, sind zweifelsfrei Helden des Alltags.
  5. #5

    .

    Zitat von jos4711 Beitrag anzeigen
    Ich war selber als Rettungssanitäter beschäftigt und natürlich gab es regelmäßig "Stress". Meist Verbalattacken, öfter auch mal Tritte und Schläge.

    Ich habe allerdings nie erlebt, dass ein Kollege dabei ernsthaft verletzt wurde. Meistens sind die renitenten Patienten oder deren Angehörige ja ziemlich fertige Typen, die weder sonderlich clever noch sonderlich stark sind - mit denen wird man gut fertig.
    Außerdem gibt es dann auch den Punkt, an dem .....
    Netter Beitrag. Mich freut es immer, wenn Leute ihre eigenen Erfahrungen präsentieren. Eine Frage hätte ich noch. Sie sprechen pauschal von "Drogen" und deren negativen Einfluss auf den möglichen Patienten. Von welcher Art Droge sprechen wir hier? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass reine Cannabis-Konsumenten (Mischkonsumenten lassen wir mal außen vor) derartig agressiv werden. Oder wie sieht ihre Erfahrung aus?
  6. #6

    Danke!

    Ich möchte mich an dieser Stelle (und die überwältigende Mehrheit stimmt sicher zu) ausdrücklich und herzlich bei der meist hervorragenden Arbeit der Rettungsdienste bedanken.
  7. #7

    wie kann man nur medizinische Hilfe mit staatlicher Gewalt in einen Topf werfen?

    Zitat von Zephira Beitrag anzeigen
    Erfreulich, dass dieses Thema nun auch in den "Mainstream-Medien" ankommt. Und das sage ich ganz ohne Ironie. In Deutschland wird der gewaltsame Widerstand gegen "den Staat" zelebriert - da ist es höchst ungewöhnlich, wenn Angriffe gegen Vollstreckungsbeamte und gegen Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichstehen, mal kritisch betrachtet werden.
    Das sind zwei höchst unterschiedliche Personenkreise. Rettungskräfte und Vollstreckungsbeamte in einen Topf zu werfen ist genauso wenig nachvollziehbar wie körperliche Angriffe auf Rettungskräfte, denn diese setzen doch nicht gewaltsam ihren oder des Staates Willen durch, sondern versuchen Menschen medizinische Hilfe zu leisten.
  8. #8

    Zitat von jos4711 Beitrag anzeigen
    Auch Drohungen im Sinne von "wenn mein Bruder nicht überlebt..." habe ich nie gehört. Wenn's tatsächlich so schlecht um den Bruder steht, dann ist wohl selbst dem Dümmsten klar, dass dem jetzt entweder der Rettungsdienst hilft oder niemand mehr.
    Vor vielen Jahrzehnten habe ich mir einmal von einem Feuerwehrmann erzählen lassen, dass es in aussichtslosen Fällen, auch wenn der Tod längst eingetreten ist, wichtig sei, deutlich und für jedermann gut sichtbar Wiederbelebungsmaßnahmen zu veranstalten, um sich als Feherwehrmann oder eben Sanitäter vor Vorwürfen zu schützen, man habe den Tod verschuldet. Damals dürfte es sich eher um strafrechtliche Folgen oder Presse-Echo gehandelt haben, vor denen man sich schützen müsste - dass heute Besoffene wie die Tiere auf Rettungskräfte losgehen finde ich schon erschütternd.
  9. #9

    Och Joh!

    Zitat von jos4711 Beitrag anzeigen
    Ich war selber als Rettungssanitäter beschäftigt und natürlich gab es regelmäßig "Stress". Meist Verbalattacken, öfter auch mal Tritte und Schläge.

    Ich habe allerdings nie erlebt, dass ein Kollege dabei ernsthaft verletzt wurde. Meistens sind die renitenten Patienten oder deren Angehörige ja ziemlich fertige Typen, die weder sonderlich clever noch sonderlich stark sind - mit denen wird man gut fertig.
    Außerdem gibt es dann auch den .....
    Dies deckt sich exakt mit meinen Erfahrungen, die ich während meiner 1,5 Jahre Zivildienst als Sanitäter gemacht habe.

    Es mag soziale Brennpunkte geben, wo es härter zur Sache geht. Das gilt dann aber für alle dort Arbeitenden gleichartig.








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