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Gerichtsurteil: Arbeitnehmer dürfen offen über ihr Gehalt reden

Gehalt ist für viele ein Tabuthema - doch aus rechtlicher Sicht gibt es keinen Grund, die Höhe seines Verdienstes zu verheimlichen. Klauseln in Arbeitsverträgen, die zum Stillschweigen verpflichten, sind laut Urteil des Landesarbeitsgerichts Rostock unwirksam.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...711601,00.html
  1. #10

    Stand im Arbeitsvertrag

    Als ich vor längerer Zeit kurz beim Discounter-mit-den-vier-Buchstaben-der-erst-ist-ein-L gearbeitet habe, musste ich unterschreiben, nicht mit meinen Kollegen/innen über mein Gehalt zu reden - ich bekäme nämlich mehr als die und dann würden die sich ungerecht behandelt fühlen.

    Zum Totlachen! Dass man das dann noch unterschreiben muss!

    Als sowieso klar war, dass ich gehe, habe ich mich mit einer Kollegin, die ebenfalls bereits gekündigt hatte, unterhalten: wir haben alle den gleichen Hungerlohn bekommen und mussten alle die gleichen nicht bezahlten Überstunden leisten.

    Die Firma hat also somit versucht uns zu suggerieren, wir hätten mehr als die anderen... Armselig!
  2. #11

    Manche lernens nie!

    Nach fast 20 Jahren in leitenden Positionen, habe gelernt das es absolut keine verlässliche Methode gibt den freien Austausch über die einzelnen Gehälter zu unterbinden. Die Deutschen mögen wohl nicht offen über Gehälter reden, aber sie tuns trotzdem reichlich, wenn auch heimlich oder oft in abstrakte und kodierte Form. Also, man kann niemand einstellen, diese Person im Vergleich zu anderen über- oder unterbezahlen und dann hoffen das es niemand erfahren wird. Habe alles schon erlebt: versprechen von AN die ein höheres Gehalt als ihre Kollegen haben, das sie niemanden was sagen werden, vertragliche Verbote darüber zu reden, Androhung von Strafen, etc. Nichts nützt, früher oder später kommt es doch raus.
    Ich stimme den im Artikel erwähnten grundsätzlichen Erwägungen, wie Vergleichbarkeit oder Tariffreiheit zu und finde das Urteil gut. Zuzätzlich möchte ich noch anführen, das solche vertraglichen Klauseln ein ganz klares Zeichen dafür sind das in einer Firma Mißstände herrschen. Das Verbot über das Gehalt zu reden macht nur dann Sinn wenn die Gehaltsstruktur in einer Firma aus der Balance gekommen ist und mann nicht möchte das dies unter den AN bekannt wird. Diese Balance ist sehr wichtig, sie bedeutet zwar nicht das alle den gleichen Lohn kriegen, aber sie verhindert das Gehälter unteinander zu weit auseinander gehen und das Leute die unterschiedlich bezahlt werden diese Unterschiede als ungerecht empfinden.
    Fehlt diese Balance, sind Probleme vorprogramiert, außerdem sind Probleme in diesem Bereich sehr schwer zu lösen und haben nur eine Ursache: Managementfehler.
    Manager sind da meistens hilflos, so sind diese Verbote, nichts anderes als ein Zeichen dieser Hilflosigkeit.
  3. #12

    ...

    Im öffentlichen Dienst konnte sowieso jeder, der sich im BAT auskannte, und wußte, in welcher Vergütungsgruppe und Lebensalter sich jemand befand, das Gehalt auf den Pfennig genau ausrechnen. Und diese schwer unter der Decke zu haltenden Infos haben manche (Neid-)Diskussion lebhaft befeuert.
  4. #13

    Zitat von baschy Beitrag anzeigen
    Ein gutes Urteil auch wenn ich schon früher immer darüber geredet habe.
    Ich habe viele Menschen getroffen, die soetwas nicht sagen wollen.
    Wenn man den ....
    Das kann ich Ihnen sagen, es ist die Angst vor dem typischen deutschen "Neid".
    Die Nachbarn und Freunde sollen nicht wissen, wieviel man verdient, weil vielleicht verdienen die ja mehr und sehen auf einen herab.
    Die Kollegen sollen es nicht wissen, weil man ja vielleicht mehr verdient und dann die Fragen aufkommen:
    - Na, Kriecher?
    - Wieso kriegst Du mehr, obwohl ich 10 Jahre länger da bin.
    - Soviel besser ist Deine Leistung doch auch nicht...
    - Chef, der xxx hat einen Fehler gemacht
    - ...

    Ich habe es mal, als ich noch angestellt war, in einer "Nachbarabteilung" erlebt.
    Da war jemand (kein Tarifvertrag, keine Gehaltsübersicht o.ä, das Einstigsgehalt war noch reine Verhandlungssache, nur bei Lohnerhöhungen hat der Betriebsrat mitgewurschtelt) zu einem sehr sehr kleinen Gehalt eingekauft worden.

    Er hat natürlich auch mitgekriegt, daß alle anderen mehr verdienen, woraufhin dann zwei Jahre lang fast die gesamte Lohnerhöhungssumme, die der Abteilung zustand, nur an ihn ging, um diese "Ungerechtigkeit" (bzw. seine Unfähigkeit, sich ein anständiges Einstiegsgehalt herauszuhandeln) auszugleichen.
    Für ihn gut, für seine Kollegen wiederum schlecht.
    Er hat es dann auch nicht mehr lange in der Firma ausgehalten (was wiederum für die Firma gut war, da seine Kollegen ja nun zwei Jahre nur Mini-Lohnerhöhungen bekommen haben).

    Danach haben die Kollegen in der Firma nicht mehr über ihre Gehälter gesprochen, nicht einmal, als dann ein Gehaltsstufensystem eingeführt wurde...


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