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Gerichtspsychiater zum Prozess in Oslo: "Es ist besser, man lässt Breivik ausreden"

DPAIm Verfahren gegen Anders Breivik werden die Richter vor allem die Frage klären müssen, ob er wahnkrank oder schuldfähig ist. Der Gerichtspsychiater Reinhard Haller erklärt im Interview, warum die Unterscheidung so schwierig ist und wo die Gefahren des öffentlichen Prozesses liegen.

http://www.spiegel.de/panorama/justi...828140,00.html
  1. #1

    Abgrenzung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ...wo die Gefahren des öffentlichen Prozesses liegen.
    Abgrenzung Wahn und Fanatismus:
    Beim Fanatismus tragen die Ideen noch eine Spur von Realität in sich: Es könnte irgendwie noch zutreffend sein, was der Fanatiker denkt und sagt.
    Tja...
    Ein weites Feld.
  2. #2

    Offenbar wurde das Interview per Telefon geführt und es handelt sich um einen akustisches Missverständnis: Haller meinte sicher nicht 'Infernal' (das existiert meiner Kenntnis nach als Substantiv nicht; als Adjektiv bedeutet es 'höllisch' oder 'teuflisch' - ok, in diesem Fall nicht ganz abwegig...), sondern 'Fanal'!
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Im Verfahren gegen Anders Breivik werden die Richter vor allem die Frage klären müssen, ob er wahnkrank oder schuldfähig ist. Der Gerichtspsychiater Reinhard Haller erklärt im Interview, warum die Unterscheidung so schwierig ist und wo die Gefahren des öffentlichen Prozesses liegen.

    Gerichtspsychiater zum Prozess in Oslo: "Es ist besser, man lässt Breivik ausreden" - SPIEGEL ONLINE
    So leid es mir tut - ich finde man macht es sich zu leicht den Mann als Wahnsinnig und Geisteskrank zu betiteln.
    So schockierend seine Aussagen auch sind, sie haben eine gewisse Kohärenz und sind zum beträchtlichen Teil auch wohlüberlegt - was auch immer Breivik damit erreichen will. Ich hatte bei keiner übersetzten Passage den Eindruck er wäre sich nicht vollkommen bewusst was er da sagt (und selbst die "König von Norwegen" Passage ist für mich nicht eindeutig und könnte durchaus ein doch etwas gestörter Anfall von Zynismus oder sogar "Humor" sein - er ist ja auch sichtlich stolz auf seine Leistung)
    Ich will den Mann gar nicht in Schutz nehmen aber ich habe immer mehr den Eindruck dass viele Breivik aus einer Art "Bequemlichkeit" in die Geisteskranken-Ecke zu schieben versuchen da dies den Umgang mit ihm vereinfachen würde.
  4. #4

    Die meisten Schwerverbrecher sind krank

    Die Gesellschaft will einfach nicht wahrhaben, dass hinter schweren Straftaten meistens psychische Probleme stecken. Breivik ist offensichtlich völlig verrückt. Ob er "methodisch vorgehen" kann, ist dafür bedeutungslos. Zum verrückt sein muss man nicht sabbernd in der Ecke liegen.
    Eigentlich müsste man die allermeisten Straftäter therapieren statt wegsperren, aber das ist zu teuer und widerspricht dem unterschwellig immer vorhandenen Rachegedanken!
  5. #5

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Im Verfahren gegen Anders Breivik werden die Richter vor allem die Frage klären müssen, ob er wahnkrank oder schuldfähig ist. Der Gerichtspsychiater Reinhard Haller erklärt im Interview, warum die Unterscheidung so schwierig ist und wo die Gefahren des öffentlichen Prozesses liegen.

    Gerichtspsychiater zum Prozess in Oslo: "Es ist besser, man lässt Breivik ausreden" - SPIEGEL ONLINE
    Ich finde dem Fall wird zuviel Aufmerksamkeit gewidmet.
    Fakt ist, das der Angeklagte Breivik erklärt hat, er würde es nochmals so machen. Ich halte ihn nicht für Wahnsinnig.
    Ich Denke das Beste was man in Norwegen machen könnte, wäre ein Urteil das auf mehrfach Lebenslänglich und anschliessende Sicherheitsverwahrung lautet. Wobei ich zugebe, die Gesetzeslage in Norwegen nicht zu kennen.
    Ich bin davon Überzeugt, das man dadurch, das man einen Massenmörder lebenslänglich -im wahrsten Sinne des Wortes- auch Lebenslänglich inhaftiert keine Nachahmer produziert.

    Helden sitzen nicht bis zum Grabe im Gefängnis. Helden und richten sich zum Finale selbst und sterben mithin für ihre Ideale. Genau das hat er nicht getan.
    Feiglinge sind selten dazu angetan Nachahmern als Vorbild zu dienen.
    Er hat noch ein paar Wochen oder gar Monate die Möglichkeit sich vor der Öffentlichkeit zu präsentieren, aber das war es dann im Normalfall für ihn auch bis zum Ende seiner Tage.
  6. #6

    "Er wird auf jeden Fall für den Rest seines Lebens irgendwo untergebracht"

    Zitat von otmars1 Beitrag anzeigen
    Ich Denke das Beste was man in Norwegen machen könnte, wäre ein Urteil das auf mehrfach Lebenslänglich und anschliessende Sicherheitsverwahrung lautet.
    Beides gibt es im norwegischen Recht nicht.

    Worauf es ankommt, sagt der Psychiater Haller im SPON-Interview:

    url=http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,828140,00.html]Was ist eine adäquate Reaktion, wenn etwas passiert? Ein weises Urteil ist eine adäquate Reaktion. In Breiviks Fall wäre dies, ihn für den Rest seines Lebens von der Gesellschaft fernzuhalten, weil er so lange gefährlich bleiben wird.
    Diese Prognose steht, unabhängig ob man ihn nun als wahnkrank versteht oder als Fanatiker. Seine Ideen werden ihn ein Leben lang beherrschen. Er wird auf jeden Fall für den Rest seines Lebens irgendwo untergebracht. Eigentlich geht es nur um die Frage, ob er in einer psychiatrischen Einrichtung oder in einem Gefängnis gesichert wird.[/url]
  7. #7

    Sie sollten

    Zitat von a.weishaupt Beitrag anzeigen
    Die Gesellschaft will einfach nicht wahrhaben, dass hinter schweren Straftaten meistens psychische Probleme stecken.
    den Gedanken zulassen, dass die "Gesellschaft" genau das von jeher wusste, den Verbrecher aber grundsätzlich trotzdem bestrafen wollte. In der Regel mit dem Tod.

    Noch nie dran gedacht?
  8. #8

    Zitat von a.weishaupt Beitrag anzeigen
    Die Gesellschaft will einfach nicht wahrhaben, dass hinter schweren Straftaten meistens psychische Probleme stecken.
    Selbstverständlich sind Gewalttaten eines Menschen immer auf eine gespaltene Persönlichkeit zurückzuführen, egal ob derjenige Menschen aus eigenen Motiv heraus tötet, verletzt, foltert, nötigt, vergewaltigt, erpresst etc. oder aus den Motiven von anderen Menschen heraus handelt.
  9. #9

    "Beim Fanatismus tragen die Ideen noch eine Spur von Realität in sich: Es könnte irgendwie noch zutreffend sein, was der Fanatiker denkt und sagt. Wenn aber einer sagt, er sei König Norwegens und Befreier der Menschheit, liegt das nicht vor."

    Wieso sollte die Bezeichnung als Befreier der Menschheit keine Spur von Realität in sich haben? Das ist doch einzig eine Frage der Definition. Und wenn Jesus nicht über zwei Milliarden Anhänger hätte, würde ihn doch auch jeder für verrückt halten (von wegen "Erlöser der Menschheit"). So, wie die Geschichte verlaufen ist, ist er halt nicht verrückt.

    "Zudem zeichnet die Unbeirrbarkeit den Wahn aus. Selbst wenn das Gegenteil beweisbar ist, lässt sich der Wahnkranke nicht überzeugen."

    Auch hier empfinde ich das Unterscheidungskriterium als sehr schwammig. Wann ist etwas denn "bewiesen"? Was genau beweist David Copperfield mit seinen Shows? Was ist ein "Beweisfoto" in der Zeitung wert? Was nützen mir als Laie irgendwelche quantenmechanischen Beweise, die im Widerspruch stehen zu meiner Lebenserfahrung?

    "Das entscheidende ist aber, dass jemand sein ganzes Leben und Handeln nach einer Idee ausrichtet. Dann sagen wir Psychiater, dass der Mensch im Zustand wahnhafter Wehrlosigkeit ist. Dann lebt er in seiner Welt, ist dort auch nicht mehr rauszuholen, wohingegen die Wahrnehmung des Fanatikers ein Stück weit korrigierbar ist."

    Also, wenn ich besonders starrsinnig bin, bin ich wahnhaft. Wenn ich umgekehrt leicht beeinflussbar bin, bin ich "normal". Oder so ähnlich.

    Ich lese diese Unterscheidung mit großen Bauchschmerzen: Nur wenn ich am Ende dem Arzt zustimme, bin ich also richtig im Kopf. Oh, sh**t, ich hoffe, ich gerade nie in die Fänge eines Psychiaters.

    Das Konzept von Wahn, welcher zu Unzurechnungsfähigkeit führt, überzeugt mich nicht so richtig.

    Ansonsten ist das Interview m.E. recht gut gelungen.








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