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Gentrifizierung in Berlin Mitte: Arm und sexy? Teuer und öde!

Der Immobilienmarkt macht dem Mythos Berlin Mitte den Garaus. Immer mehr Kulturinstitutionen schließen oder wandern ab. Jetzt muss auch die renommierte Fotogalerie "c/o Berlin" weichen - für einen schicken Hotelkomplex.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...706506,00.html
  1. #80

    Kein Untergang

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Immobilienmarkt macht dem Mythos Berlin Mitte den Garaus. Immer mehr Kulturinstitutionen schließen oder wandern ab. Jetzt muss auch die renommierte Fotogalerie "c/o Berlin" weichen - für einen schicken Hotelkomplex.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...706506,00.html
    Ich bin wieder einmal fasziniert, wie diese angeblich "Kulturschaffenden" ihre "Schnorrerleidensstory" in die Medien wie den "Spiegel" unterbringen können. Mir kommen gleich die Tränen. Wieder einmal ein völlig überhöhtes Thema:

    Das Postfuhramt und die darin enthaltene Foto-Gallerie machen dicht, weil das ganze Areal umgebaut werden soll (wenn es tatsächlich umgebaut und nicht nur für Spekulationszwecken unverändert vorgehalten wird). Jedes Provisorium endet einmal. Deswegen stirbt die Oranienburger Strasse oder die Stadt Berlin nicht. Die müssen sich halt eine neue Location suchen, die vermutlich teurer ist. Die billige Nachwendezeit dürfte auch in Berlin vorbei sein.

    Noch weniger gilt dies m.E. für das Tacheles, das von bestenfalls kunstgewerblich schaffenden Schnorrern okkupiert ist. Man hat 20 Jahre nahezu 0 Miete in Berlin Mitte bezahlt und ist seinen kleinen profitablen Geschäften nachgegangen. Das will man natürlich nicht aufgeben. Aber auch hier ist jetzt Schluss. Niemand kann ein millionenschweres Grundstück in zentraler Lage über Jahre liegen lassen, nur damit einige unbedeutende "Kunst-"Freaks ihren Geschäften nachgehen können. Die zahlen ja nicht mal ihre Wasserrechnung. Der Förderverein des Tacheles ist pleite. Die meisten der früheren "Künstler" sind nicht mehr da. Vor 20 Jahren hatte das Tacheles noch eine gewisse folkloristische Bedeutung aber heute ist es nur noch ein Schandfleck, der beseitigt gehört.
  2. #81

    ?

    Zitat von suai Beitrag anzeigen
    Ein bisschen mehr Freundlichkeit und weniger Vulgaritaet sind auch ganz cool. Ich bin Berlinerin aber staune oft ueber den Provinzialitaet der Szene, viellicht doch ein Indiz dass man immer noch ein Problem mit Erfolg hat, und loser als sexy ansieht?
    Ach was?
    Gebürtig?
    Oder warste kurz auf Durchreise (keine Umlaute auf der Tastatur) hier, und meinst, uns die Stadt und ihre Geschichte nebst Zukunft erklären zu können?
  3. #82

    .

    Zitat von berlinjibe Beitrag anzeigen
    Und: Hätten die zahlreichen Spiegelleser nicht mittlerweile über 3.000 Euro/qm und mehr für Ihre Eigentumswohnungen in Mitte ausgegeben, würde alles so bleiben wie es ist....
    Wir sollten entspannt bleiben. Berlin ist groß genug. Die Herde zieht weiter, in andere Bezirke, die sich dann wieder im Sog der Kunst entwickeln. So geht wird die Herde nach PrenzBerg, Mitte und Friedrichshain nun nach Neukölln, Treptow oder Wedding ziehen. Das ist kein Verlust, lediglich ein normaler Prozess, der wieder neue und ungeahnte Entwicklungen hervorbringt.
    Also, liebe Bonner, Münchner, etc., Berlin bleibt weiter spannend...
    So weit, so gut & schön.

    NUR: wo bleiben dann - Ihrer Meinung nach - die expatriierten Neuköllner, P-Berger, Mitte-Kinder, F-Hainer, X-Berger?
  4. #83

    .

    Zitat von al-berlin Beitrag anzeigen
    Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass die missliche Lage der Hauptstadt ein Erbe von Lewandowski und Diepgen ist.
    Bin zu hundert Prozent der gleichen Meinung...nur der "Lewandowski" wird ins gruebeln kommen.
  5. #84

    flickr =/ c/o

    Zitat von HerrDerSchatten Beitrag anzeigen
    Ganz ehrlich, FOtokunst kann man besser in einer Webgalarie zeigen.
    Insgesamt wird moderne Kunst, oder eher Wunst (Kunst stammt von können, Wunst von viel wollen, aber wenig können.), massiv überbewertet und leben tut davon keine Stadt.
    Oh, da haben Sie aber weit am Ziel vorbeigeschossen.

    Ich bin ein echter, hauptberuflicher Webhead, und dies seit 1995. Aber großartige Fotografie online "besser" präsentieren/genießen? Besser in Szene gesetzt als in einer Location wie dem c/o?

    Wohl kaum.

    Kommen Sie damit im Jahr 2020 wieder, wenn wir alle ab Werk 100"-Monitore mit 600 dpi haben.

    Ich habe im c/o wundervolle Fotos gesehen; gut ausgeleuchtet, in bemerkenswertem Kontext. Das war - und ich bin sonst eigentlich kein Hochkultur-Fahnenträger - unersetzlich wundervoll. Das geben flickr und Co. bis auf weiteres nicht her.

    YMMV.
  6. #85

    Zitat von Rollvieh Beitrag anzeigen
    Grundsätzlich hat der Gentrifizierungsprozess auch seine guten Seiten: Ein Stadtviertel wird alt und baufällig, die Mieten sinken, die Künstler und die Szene kommen, es wird wieder attraktiv, es wird investiert und modernisiert, die Mieten steigen, die Szene und die Künstler entdecken ein anderes heruntergekommenes Stadtviertel, wo die Mieten billig sind, und nach 10, 15 Jahren ist das dann auch wieder saniert.
    So wird sukzessive jeder heruntergekommene Stadtteil wieder aufgewertet.
    Schade, dass nur wenige Menschen auf beiden Seiten der Diskussion auf dieses Thema so intelligent reagieren wie Soe, sondern lieber dem Beissreflex freien Lauf lassen. Denn natürlich haben Sie Recht: Junge, mutige, nicht viel zu verlieren habende Menschen bevölkern Leerräume, werten sie auf, wecken Neugier und Fantasie - und das natürlich auch bei Investoren, Touristen, Schwaben. Das ist zu begrüßen, aber daraus erwächst den Akteuren kein Bleiberecht auf immer. Die, denen es ernst ist mit dem Leben zwischen den Stühlen, würden es auch gar nicht wollen.
  7. #86

    Ost-Berlin ändert sich ...

    Zitat von Revisionist Beitrag anzeigen
    Der Zustrom von "jungen" Künstlern aus dem Rest der Welt ist längst vorbei. .... Die beiden Opernhäuser in Mitte sind gerade für Jahre dicht gemacht worden.
    Da würde ich doch mal wieder unter Leute gehen, der Ansturm ist nämlich ungebremst. Vielleicht begegnen Sie diesen neuen Leuten aber einfach nicht mehr, weil diese sich nicht mehr in den Kulturorten der bisherigen künstlerischen Generationen treffen.
    Und welche zwei Opernhäuser in Mitte wurden denn gerade auf Jahre geschlossen? Die Komische Oper spielt noch bis zum 1. August und macht dann Sommerpause bis zum 12. September (machen Sie keinen Urlaub?) und die Staatsoper hat bereits Sommerpause und wird ab Oktober den Spielbetrieb im Schiller Theater, unweit der Deutschen Oper, aufnehmen, so lange (42 Monate?) das Gebäude Unter den Linden aufwändig saniert wird.

    Die Mitte verliert nicht, sie gewinnt. Mit erstklassigen Institutionen, zB auf der Museumsinsel. Man verliert einige und man gewinnt einige. Ehrlich gesagt möchte ich keinen der Orte zurück haben, die ich Anfang der 90er in Mitte frequentiert habe und damals so toll fand. Natürlich ist es schade, wenn jemand zu machen muss und dies als Verdrängung begreift, aber es braucht auch Veränderung, denn viele, die sich vor 20 Jahren etabliert haben, haben sich einfach nicht weiterentwickelt, und das ist sicher auch eines der Probleme des Tacheles.
    Tragisch ist, dass der Palast abgerissen wurde. Dass da nun auf Jahre eine Brache den Mittelpunkt der Stadt bildet ist jedoch sicher besser als jeder Schlossnachbau. Vielleicht kommt da ja einmal die Zeit für eine neue Architektur.
    Die Kultur und die Künstler werden Ihren Platz behaupten, ansonsten wären New York und London schon die langweiligsten Stadte der Welt ...
  8. #87

    Ich wohne seit über 10 Jahren im Prenzlauer Berg, komme aber ursprünglich aus München-Schwabing. Dort ist in den 80er und 90er Jahren Ähnliches passiert wie jetzt in Teilen Berlins. Genau deswegen bin ich damals weggezogen, sobald es mir möglich war. Jetzt stehe ich hier wieder vor der gleichen Situation, die gesamte Gegend wird bis zum Erbrechen aufgehübscht und von nach aussen hin ach-so-sozialen Supereltern überrannt. Die sind auch nur sozial, solange es ihnen zum Vorteil gereicht, aber von gegenseitiger Rücksichtnahme oder Respekt gegenüber den Mitbewohnern im Kiez, haben sie scheinbar noch nie was gehört. Da wird geklagt, was das Zeug hält, sobald z.B. die Kneipen (wegen derer sie ursprünglich hergezogen sind) zu laut werden und Finn-Jakob nicht schlafen kann. Wie kann es sein, dass Kulturinstitutionen, die seit 30 Jahren bestehen, Leuten weichen müssen, die noch nicht mal seit 3 Jahren in der Stadt sind. (So geschehen mit dem Knaack und beinahe auch mit dem SO36.)
    Überdies werde ich mir als Selbstständiger irgendwann meine Miete nicht mehr leisten können, doch was tun? Einen eigentlich wunderschönen Bezirk kampflos aufgeben? Wieterziehen... und dann irgendwann wieder? Oder hoffen, dass wieder Ruhe einkehrt und der Bezirk wieder herrlich un-hipp wird?
  9. #88

    Landwoski

    Zitat von het Beitrag anzeigen
    Bin zu hundert Prozent der gleichen Meinung...nur der "Lewandowski" wird ins gruebeln kommen.
    Verzeihung, das kommt wenn man nebenbei fernsieht:
    Landowski muss der Herr natürlich heissen.
  10. #89

    yep!

    Zitat von e-ding Beitrag anzeigen
    Na hoffentlich bleibt se da auch!
    allerdings!


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