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Gentrifizierung auf St. Pauli: Kampf ums Hamburger Kiez-Biotop

Die berühmteste Tankstelle Deutschlands, die Esso-Station an der Hamburger Reeperbahn, steht vor dem Abriss - und mit ihr die zugehörigen Wohnblocks aus den Sechzigern. Im Rotlichtviertel regt sich Protest.*Es geht auch um die Frage: Wie kann man*sozialen Neubau*und Milieu-Schutz verbinden?

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...768699,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die berühmteste Tankstelle Deutschlands, die Esso-Station an der Hamburger Reeperbahn, steht vor dem Abriss - und mit ihr die zugehörigen Wohnblocks aus den Sechzigern.
    Das ich nicht lache. Es gibt kaum einen Ort über 1.000 Einwohnern in D, den ich in meinem bisherigen Leben noch nicht bereist hätte. Von einer berühmten Tankstelle auf der Reeperbahn habe ich allerdings noch nie gehört, nirgends, niemals. Hanseatisches Eigengebauchpinsel?

    Im Rotlichtviertel regt sich Protest.*Es geht auch um die Frage: Wie kann man*sozialen Neubau*und Milieu-Schutz verbinden?
    Um ehrlich zu sein, es ist schon ein gutes Jahrzehnt her, daß ich das letzte Mal in Hamburg gewesen bin; wenn allerdings die Fotostrecke auch nur halbwegs repräsentativ ist, dann kann ich nur folgendes empfehlen: Abriss -- sofort -- möglichst rückstandslos.

    Gibt wenig, was mir dazu spontan in den Sinn schiesst, Offenbach am Main etwa, Hanau, Wuppertal, große Teile Kaiserslauterns, Bremerhaven... Wegsprengen, den Müll, vorher noch Photographieren und allen Architekturstudenten als 'So-verliert-man-seine-Berufslizenz' verbindlich zeigen, so in etwa wie Alexander DeLarge (Malcolm McDowell) die Gewaltszenen während seiner Therapie wie in Uhrwerk Orange.
  2. #2

    Mieter Buy-out?

    die Mieter könnten dem Investor das Objekt abkaufen.

    allerdings wird man das Geld schwerlich zusammenbekommen, wenn man nächtens immer in den Bars "abfeiert" und tagsüber schlafen muss.
  3. #3

    Gentry gegen Gentry

    So, so, ein Musiker und eine Studentin sprechen sich aber mal mit aller Macht dagegen aus, dass auf dem Kiez ausser Seeleuten, Fischhändlern, leichten Mädchen und schweren Jungs keiner wohnen darf. In welche Kategorie fallen die beiden denn?

    Es wäre ja ganz schön, wenn man sich einfach mal darauf einlassen könnte, dass sich Dinge eben verändern - zum Guten wie zum Schlechten und ich würde mich auch freuen, wenn jemand einfach mal sagen würden: "Ich möchte ganz eigennützig hier wohnen bleiben, weils mir hier gut geht. Es gibt kein höheres Ziel im Sinne einer positiveren Gesellschaftsordnung. Mir gehts gut, und das soll so bleiben." Auf dem Kiez gibt es etliche Wohnungen, die kaum mehr bewohnbar sind. Und irgendwie fühlt sich da keiner von den Studenten und Musikern aufgerufen, der greisen Nachbarin mal freundlich den Schimmel von der Wand zu kratzen - weil man eben zusammengehört auf dem Kietz. Sicher.
  4. #4

    Abriss,

    und zwar sofort. Wer will, kann sich im Osten anschauen, wie man so etwas macht. Was bitteschön ist daran denn Kultur oder auch nur erhaltenswert. Es werden allerorts bessere, das Stadtbild prägende Gebäude abgerissen.
  5. #5

    ...

    Zitat von Schah.Wenzel Beitrag anzeigen
    Von einer berühmten Tankstelle auf der Reeperbahn habe ich allerdings noch nie gehört, nirgends, niemals. Hanseatisches Eigengebauchpinsel?
    Nö, Spiegel-TV. Da kommt das doch immer. Also weniger rumreisen und lieber die wichtigen Sendungen gucken. ;-)
  6. #6

    Warum immer wieder St. Pauli ?

    Es war schon schlimm mit den Beiträgen um diesen schwachen Fußball Club von dort und jetzt wo sie abgestiegen sind kommt SPON mit sowas.
    Um es ein für allemal zu sagen: St. Pauli ist nichts besonderes nur unschön. Und die Reeperbahn ist der architektonische Amoklauf (bei Tag betrachtet).

    Was kommt als nächstes ?
    Immobilienhai kauft Grundstück und will Haus bauen, Alteingesessene St.Paulianer fürchten um Ausblick ?
  7. #7

    Jahrzehnte der Architekturverbrechen

    Das waren die 50er und 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Was man da an klobigen Betonklötzen in die Landschaft "geschandelt" hat, ist kaum noch nachvollziehbar. Heute sind die damaligen Konzepte zum Glück weitgehend erledigt.

    Insofern kann ich jeden verstehen, der einen Altbau aus der Jugendstilzeit erhalten möchte, und sei er noch so marode. Die Schandflecken der beiden genannten Jahrzehnte, die das Gefühl von Hässlichkeit und Kälte transportieren, gehören hingegen beseitigt. Insofern hat der zitierte SPD-Anwalt doch recht: Wenn soziale Belange gewahrt sind, wird es Zeit, die Architekturverbrechen verschwinden zu lassen. Je schneller, desto besser!
  8. #8

    Esso ist Kult

    Zitat von metaller16 Beitrag anzeigen
    Es war schon schlimm mit den Beiträgen um diesen schwachen Fußball Club von dort und jetzt wo sie abgestiegen sind kommt SPON mit sowas.
    Um es.....
    Wem das Feeling für St. Pauli fehlt wie die Butter zum Butterkuchen, der sollte sich besser enthalten und keine oberschlauen Sprüche klopfen. Mir ist die diese Esso-Tankstelle von früher sehr wohl bekannt – man traf sich bei Esso, es war DER Meeting-Point vor und nach einem Kiez-Trip, es war auch der Notnagel, wo man fast alles Entscheidende bekam, unter anderem fürs aktive Liebesleben, der Kaffee schmeckte fast toxisch abgestanden, aber wenigstens nicht nach Plörre, man saß zusammen auf der niedrigen Außenmauer mit einem warmen Astra-Urtyp in der Hand, alle wussten, dass die Kippen nicht in Richtung Tanksäulen geschmissen werden durften, man laberte einen aus – dort bei Esso, auf dem heimlichen Haupt-Marktplatz von St. Pauli, neben dem der Hans-Albers-Platz um Längen abfiel.

    Völlig schnuppe wie die Esso-Tankstelle aussieht – die Hamburger Pfeffersäcke haben genügend Spielplätze, wo sie ihren städtebaulichen Größen- und Erneuerungswahn austoben können. Esso ist Kult, Esso steht für die Reste an Authentizität auf dem Kiez, die St. Paulianer lieben ihre Tankstelle, weil sie dort ihr Lebensgefühl tanken können. Warum mit Gewalt alles kaputtmachen? Geld, natürlich Geld, immer das Geld.
  9. #9

    Der Tor zur Welt

    Zitat von Ylex Beitrag anzeigen
    Wem das Feeling für St. Pauli fehlt wie die Butter zum Butterkuchen, der sollte sich besser enthalten und keine oberschlauen Sprüche klopfen. Mir ist die diese Esso-Tankstelle von früher sehr wohl bekannt – man traf sich bei Esso, es war DER Meeting-Point.
    Ich glaube eben das wollte der Forist sagen, auf den Sie antworten. Dass eine Tanke für den Ort, an dem sie aufgestellt ist vielleicht die Welt ist, dass ihre Entfernung direkt auf der ersten Seite des lokalen Käseblatts als Skandal angeprngert gehört, dass SPON aber durchaus eher ein nationales Ereignis ist und es ihn der Gedanke beunruhigt, dass künftig Artikel über den Abriss nachbarschaftsrelevanter Trinkhallen in Recklinghausen oder das Einschläfern von landschaftsprägenden Milchkühen auf oberbayrischen Einödhöfen folgen.

    Wenn ich da mal Herrn Lagerfeld zitieren darf: "Hamburg ist das Tor zur Welt. Aber nicht vergessen: Die Welt liegt noch dahinter."


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