Forum


 

Genom-Check bei Embryos: Bluttest darf auf den Markt

CorbisSchwangere sollen künftig per Bluttest feststellen können, ob ihr Kind ein Down-Syndrom hat, das Risiko einer Fehlgeburt durch eine Fruchtwasseruntersuchung entfällt. Behindertenbeauftragte fürchten Diskriminierung.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...843651,00.html
  1. #10

    Fahndungsauftrag

    Die Gesellschaft ist es, die "fahndet" - durch Ausführende, z.B. die beteiligten Ärzte. Aber die können kaum anders, die sind in so einer Art "Befehlsnotstand".
    Und nein - man muß kein katholischer Politiker sein, um das zu sehen. Andererseits kann man auch jetzt schon sehen, daß sich derzeit alle die Augen und Ohren zuhalten, um nicht Nägel mit Köpfen machen zu müssen. Auf Dauer wird es ja doch dazu kommen, daß Behinderte zur Verhinderung von Leid bei sich und andern sozialverträglich abgelebt werden. Oder kann man irgendwem zumuten,
    - einen Behinderten zu pflegen,
    - für die Pflege eines Behinderten Zeit aufzuwenden,
    - und für die Pflege eines Behinderten Geld anderer auszugeben, etwa in Form von Krankenkassenleistungen?

    Kranke sind eben unsozial - dafür gehören sie vermutlich auf Dauer einfach abgeschafft. Da müssen so Lappalien wie persönliche Befindlichkeiten und Gewissensprobleme schon auch mal hintenangestellt werden... Wenn noch nicht morgen oder übermorgen, dann halt in ein paar Jahren. Bis dahin sieht man eben im Kleinen zu: Bessere Tests, genauere Fallstudien dazu, wer in keine Krankenkasse mehr kommt, weil er das Budget zu sehr belastet, so wie z.B. Leute mit bestimmten Vorerkrankungen...

    Es sind halt leider doch "Rasterfahndung" und "Selektion", die längst Usus sind. Man nennt sie nur lieber nicht so - ob nun als Politiker oder als Spiegel-Schreiberling.

    OGv S.S.
  2. #11

    Da wird die Fehlgeburtrate bei der riskanten Fruchtwasseruntersuchungen also von 1% auf knapp 0% reduziert, was jedes Jahr nun hunderten ungeboreren Kindern ihr Leben schenkt - und schon schreit der Nächste über potentiell zunehmende Abtreibungen ? Dabei vermeidet man ja sogar die ethisch deutlich problematischeren Spätabtreibungen.

    Oder wollte sich irgendein Abtreibungsgegner wieder über die Köpfe der werdenden Eltern hinwegsetzen ?
  3. #12

    Moderne Medizin

    Eine Frage an die Damen und Herren Behindertenbeauftragten: Wer den medizinischen Fortschritt bei der Frühdiagnostik verteufelt, sollte von den Segnungen der modernen Medizin auch weiterhin Abstand halten, wenn das (ggf. behinderte) Kind dann auf der Welt ist?
    Wo endet konsequentes Handeln?
  4. #13

    Hubert Hüppe (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, findet den Test nicht nur in hohem Maße diskriminierend, sondern hält ihn auch für illegal.
    Wann ist ein Mensch ein Mensch? Kann man schon von einem Menschen reden wenn er sich noch in einem embryonalen Zustand befindet? Sind die Ungeborenen nun auch im Machtbereich von Herrn Hüppe?

    In der vergangenen Woche präsentierte er in Berlin ein entsprechendes Gutachten: Der vorgeburtliche Test auf Down-Syndrom sei demnach kein zulässiges Diagnosemittel nach dem Gendiagnostikgesetz, auch handele es sich nicht um ein verkehrsfähiges Medizinprodukt.
    Und ich bin mir sicher, dass er ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Pharmazie und Gendiagnostik ist... "sei" beinhaltet schon mal eine persönliche Bewertung, welche auf Vermutungen basiert. Wir reden hier aber von Wissenschaft, welche auf Fakten und Erkenntnissen basiert. Und wenn es in den Verkauf geht, dann wird es schon verkehrsfähig sein. Es wird Blut entnommen, in den Körper der Frau kommt anscheinend nichts rein.

    Bei dem Test gehe es fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom. Mit einem neuen, vermeintlich "einfacheren" Test stehe zu befürchten, dass die Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt wird, sagte Hüppe.
    Nein, es geht um die pränatale Untersuchung von Ungeborenen nach Merkmalen von Trisomie-21. Vorher hat man das auch gemacht, es war nur aufwändiger. Und wie bereits erwähnt: Wann ist ein Mensch ein Mensch? Außerdem "fahndet" man nicht, man will nur auf Nummer sichergehen. Wenn ich eine Auto kaufen will, dann untersuche ich es auch gründlich vor dem Kauf. Wer auf Risiko spielt "Wird schon gutgehen!" ist einfach Naiv.

    Zuletzt hatte auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) ihre Ablehnung erklärt. "Den Einstieg in solche Testverfahren betrachte ich mit großer Sorge", sagte Özkan. "Wohin soll das führen? Ich warne davor, ungeborene Kinder nur defizitorientiert zu betrachten."
    Was aus einem Menschen nach der Geburt wird weiß keiner, dafür sind die Faktoren zu unberechenbar. Berechenbar ist allerdings die Erkenntnis, dass das Kind behindert auf die Welt kommen wird. Dieses Defizit ist bekannt. Was ist die Alternative? Kind kriegen und hoffen, dass es zum nächsten Einstein/Mozart/Picasso wird, trotz Trisomie 21, damit das Defizit ausgeglichen wird? Ein normales Leben wird es vermutlich nie führen können.

    So sei ja auch die Fruchtwasseruntersuchung zulässig: "Schwangere mit der risikobehafteten Fruchtwasseruntersuchung zu belasten, wenn ein Bluttest als bessere medizinische Versorgung zur Verfügung steht, ist ethisch schwer zu vermitteln", sagt Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD).
    Es ist also, nach der Ansicht von Herrn Hüppe, ethischer eine potenziell risikoreiche Untersuchung zu erlauben, ein einfacheres und harmloses Verfahren zu verbieten?

    Wenn eine Frau ihr ungeborenes Kind auf Trisomie-21 untersuchen lassen will, dann ist das ihr Recht und die Möglichkeit diese Untersuchung risikofreier durchzuführen ist ein Fortschritt. Eine Untersuchung führt nicht automatisch zur Abtreibung, genau wie das konsumieren eines Hamburgers nicht automatisch zu Übergewicht führt.
  5. #14

    Hypocriten!!!!

    Es gibt so viele Spätgebärende wie nie zuvor, die Risiko auf Down Syndrom steigt mit Alter der Mutter, Viele Frauen gehen schon durch verschiedene sehr stressige Untersuchungen, inklusive der sehr riskante Fruchtwasseruntersuchung. Zu denken, das dies zur mehr Abtreibungen führt ist unsinnig!! laut zu sagen "Wir sind die Ethiker wir dürfen für die Frauen entscheiden was Sie dürfen und was nicht, wir wissen besser!" erinnert mich leider sehr an die Katholische Kirche, den Sie glauben, Frauen haben kein Verstand, keine Gnade...keine Seele? Sie sollten sich schämen. Stoppt diese Nazizeit Obsession! Tatsache ist das alle Schwangere über 35 (und wir sind VIELE) haben das recht zu erfahren, ohne Risiko, was auf uns zukommt.
  6. #15

    Bigot

    Man soll den Test verbieten, weil er kein 1%iges Todesrisiko für das Ungeborene hat wie die Fruchtwasseruntersuchung und deswegen Frauen mit erhöhtem Risiko unter Druck setzen könnte? Wie krank ist das denn??
    Im Übrigen ist man selbst schuld, wenn man erst mit 40 anfängt mit der Familienplanung und sich dadurch das Risiko einer Behinderung verzehn- bis -hundertfacht. Wenn man so lange wartet, braucht man sich dann auch nicht mehr über solche Verfahren beschweren. Diese Tests sind einfach notwendig in einer Gesellschaft, die immer später Kinder bekommen will.
  7. #16

    Trisomie- na und ?!

    Der gute Mann hier hat Trisomie und einen Universitätsabschluss....
    Hoffentlich bringt das den einen oder anderen hier zu angemessenem Nachdenken !
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pablo_Pineda

    Um Himmels Willen geht mal in euch !!!!!
  8. #17

    Richtig!

    Zitat von tobo5824 Beitrag anzeigen
    Die Begriffe "Selektion" und "Rasterfahndung", die offenbar auf Herrn Hüppe zurückgehen (indirektes Zitat), finde ich in diesem Zusammenhang aufgrund der Konnotationen mehr als unangebracht.

    Schwangere Frauen unterziehen sich einem solchen Test völlig freiwillig; niemand zwingt sie dazu, und nichts geschieht von außen gesteuert wie bei einer über mich ergehenden "Rasterfahndung".

    Und wenn sie das aus freien Stücken tun und sich ggf. für einen Abbruch entscheiden, dann ist das zu akzeptieren und zu achten und sollte nicht mit Anspielungen auf Naziverbrechen bedacht werden.

    Und natürlich gehört allen Müttern und Vätern ebensolche Akzeptanz und Achtung, die sich für die Geburt eines behinderten Kindes entscheiden oder es vorab gar nicht wissen wollen.
    Und egal aus welcher Sicht diese Worte gemeint waren/sind es ist total egal. Diese Worte sind mehr als vorbelastet. Es ist für mich absolut kein Verbrechen wenn sich eine Mutter dagegen entscheidet Kinder zu bekommen, weil sie befürchtet mit der evtl. Krankheit des Kindes überfordert zu sein. Frauen werden ja auch nicht bestraft wenn sie generell keine Kinder bekommen wollen...
  9. #18

    ...

    Sicher ist es gut, wenn ein Bluttest die gefährliche Fruchtwasseruntersuchung ersetzt. Das eigentlich Schlimme an der Sache ist, dass soviele Kinder auch nach dem dritten Monat abgetrieben werden dürfen und dass Eltern, die sich für ein Kind mit Down-Syndrom entscheiden zu wenig Unterstützung bekommen. Ich habe seit Jahrzehnten mit Down-Syndrom Menschen zu tun, ich weiß, dass es oft sehr schwer für die Eltern ist. Aber: Down-Syndrom ist keine Krankheit. Diese Menschen können glücklich und zufrieden leben, mit mehr oder weniger Hilfen, entweder selbständig, im betreuten Wohnen oder auch in Heimen, die übrigens nicht, wie jemand oben geschrieben hat teuer für die Eltern sind, sondern vom Sozialhilfeträger bezahlt werden.
    Spätabtreibungen gibt es auch bei anderen vorgeburtlich diagnostizierbaren Erbkrankheiten wie Chorea Huntington. So hätte der famose Country-Sänger Woody Guthrie also gar nicht leben dürfen, hätte es die Methode schon früher gegeben. Oder die Schauspieler Pascal Duquenne und Rolf Brederlow hätten noch im 7. Monat abgetrieben werden können. Lest mal den "Ohrenkuss", eine Zeitschrift von Menschen mit Down-Syndrom.
    Die Gefahr bei den Tests ist tatsächlich, dass alles darauf hinausläuft, dass Eltern die zu ihrem Down-Kind stehen unter Druck geraten, weil sie nicht verhindert haben, dass ihr Kind auf öffentlich Hilfe angewiesen ist.
    Kann unsere Gesellschaft nicht ertragen, dass es so vielfältige Formen von menschlichem Leben gibt?
  10. #19

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Schon heute - also bei der Fruchtwasseruntersuchung - entscheiden sich neun von zehn Frauen für einen Abbruch, wenn sie von einer Chromosomenauffälligkeit erfahren."
    Diese Zahlen kann man aber auch ganz anders interpretieren!

    Selbst von den Frauen, die einer Fruchtwasseruntersuchung zustimmen, dessen Risiko eines Aborts - also dass das werdende Kind diese nicht überlebt, egal ob behindert oder nicht - höher liegt, als die Wahrscheinlichkeit einer Trisomie...

    selbst von diesen Frauen, die aus welchen Gründen auch immer, bereit sind, sich und ihr Kind diesem hohen Risiko auszusetzen...

    ...selbst unter diesen Frauen gibt es solche, die sich trotzdem bewusst für ihr chromosomenauffälliges Kind entscheiden!

    Ich empfände es als absolut zynisch, Frauen und Kinder weiterhin diesem hohen Risiko einer FU auszusetzen wenn es eine ungefährliche Alternative gibt!








TOP



TOP