Geltungsdrang: Die Angebertitel der Wirtschaftselite

picture-alliance/ dpaDer Skandal um Yahoo-Chef Scott Thompson zeigt ein grundlegendes Problem: Die internationale Wirtschaftselite ist süchtig nach Titeln. In Chefetagen wimmelt es von falschen Abschlüssen, Ehrendoktoren und Honorarkonsuln, manche fälschen gleich ihren Titel. Hereinspaziert ins Panoptikum der Eitelkeit!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,832200,00.html
  1. #10

    Zitat von MiniDragon Beitrag anzeigen
    Warum nicht gleich auch noch Professor?
    Reden kann kann er bestimmt besser als viele hauptamtliche Uniprofessoren.
    Carsten Maschmeyer hat es halt versäumt sich dem richtigen Ministerpräsidenten anzudienen. Im Saarland, oder in Baden-Württemberg kann man sich den Professorentitel direkt beim Landesherren abholen und zu CDU-Zeiten waren die im Südwesten besonders freigiebig damit: Jürgen Schrempp, Bernhard Vogel, Dieter Hundt und Hubert Burda, um nur einige Nutznießer zu erwähnen. Da, wo die Ministerpräsidenten das nicht dürfen, müssen sie ihre Universitäten motivieren, was Wulff in Falle der Uni Hildesheim zumindest für den Dr. h.c. ja gelungen ist.
  2. #11

    Einfache Lösung, wenn man sie denn will...

    Das Problem wäre ganz einfach zu lösen: Die Politik müsste endlich das Namensrecht dahingehend ändern, dass - wie im Übrigen in vielen anderen Staaten üblich - z.B. Doktor-Titel nicht Bestandteil des Namens sind, mithin also auch nicht im Personalausweis enthalten sind.
  3. #12

    Politiker

    die größere Titelsucht haben doch eher unsere Politiker. Und die Ehrenprofessur einer Universität sammeln die doch wie unsereiner früher Briefmarken oder Bierdeckel.
    Wenn Politiker mit gutem Beispiel voran gehen, warum dann nicht auch die Unternehmer?
  4. #13

    Eine halbe Milion ist eigentlich OK

    Wer es in seinem Leben geschafft von quasi Null aus so viel Geld zu erwirtschaften, das er davon eine halbe Million Euro der Wissenschaft spenden kann, der hat der Wissenschaft mehr gedient, als 75% der abgeschlossenen Doktoren.
    Kommen wir doch mal runter auf den Boden der Tatsachen, wer im Berufsleben eher untergehen würde, der hängt noch mal 5 Jahre an der Uni ran, arbeitet sich halb tot bei erbärmlicher Bezahlung und bekommt dann am Ende als Entschädigung den Doktor verpasst. Doktoren sind meistens Arbeitstiere mit Hang zum Anbiedern. Es ist wohl der deutlich kleinere Teil der Doktoren, die wissenschaftlich wirklich außergewöhnliches vollbringen.
    Wo ist dann der Unterschied zu demjenigen, der durch harte Arbeit so viel erwirtschaften konnte, dass er der Wissenschaft problemlos davon soviel abgeben kann, das zwei angehende Wissenschaftler davon bis zu ihrer Promotion bezahlt werden können?
    Garnichts, und wie ein Ehrendoktor einzuschätzen ist, das weiß jeder, der sich auf diesem Parkett bewegt, dass soll nicht heißen, das ein Ehrendoktor keine besondere Auszeichnung ist, im Gegenteil!

    --Schönes Bild von Herrn Wulff, promoviert der auch gerade, oder fällt dem Spiegel nichts anderes ein seine lauwarmen Artikel interessant zu machen???
  5. #14

    Mehr Zeit für Vitamin B

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Skandal um Yahoo-Chef Scott Thompson zeigt ein grundlegendes Problem: Die internationale Wirtschaftselite ist süchtig nach Titeln. In Chefetagen wimmelt es von falschen Abschlüssen, Ehrendoktoren und Honorarkonsuln, manche fälschen gleich ihren Titel. Hereinspaziert ins Panoptikum der Eitelkeit!

    Manager Titel: Scott Thompson, Udo Klein-Bölting, Michael Träm - SPIEGEL ONLINE
    Das zentrale Motiv ist doch nicht die allzu menschliche Eitelkeit!
    In allen öffentlich diskutierten Fällen stehen Menschen im Mittelpunkt, die in Wirtschaft und/oder Politik einen nicht unerheblichen Einfluss ausgeübt haben oder noch ausüben. Damit haben sie Macht über die Geschicke bedeutender Unternehmen, öffentlicher Institutionen, ggf. sogar wesentlicher politischer Schaltzentralen.

    Um in solche Position zu geraten, bedarf es eines gebündelten Maßes an Karrierefähigkeiten - persönlichen Talenten, wissenschaftlichen wie kommunikativen Fähigkeiten und: guter Freunde. Ein falsch erworbener akademischer Titel scheint zunächst nicht mehr als die bloße Eintrittskarte zu sein, doch zeigt sich dahinter immer ein gewisser doppelmoralischer bis skrupelloser Charakter und nüchternes Kalkül: Wer senen akademischem Grad gewissenhaft erworben hat, muss neben besonderen Fähigkeiten auch einige Jahre Zeit investiert haben, Zeit die zum intensiven Pflegen sog. "Vitam B"-Beziehungen fehlen könnte, soll es mit der Karriere steil und schnell bergauf gehen. Die respekteinflößender Überflieger haben ihre Prioritäten anders gesetzt; die Eintrittskarte ist falsch erkauft und lässt weit mehr Raum für Kontaktpflege und glänzende Auftritte in jenen elitären Zirkeln, die später geführt werden wollen.
    Was kümmern solche Menschen wissenschaftliches Ethos, Wahrheit und Wahrhaftigkeit?
  6. #15

    Zitat von Dumme Fragen Beitrag anzeigen
    Ein Doktortitel ist harte Arbeit, oder zumindestens eine Fleißarbeit über mehrere Jahre. In dieser Zeit haben die Mitglieder der Wirtschaftselite ihre Karrieren gemacht. Also sollen sie sich nicht beschweren.
    Richtig.

    Weder sollte jemand, der gleich nach dem Diplom seine Karriere in der Industrie beginnt, sich darüber beschweren, daß er dann nach zehn oder zwanzig Jahren vielleicht ein gutes Einkommen, aber keinen Doktortitel hat. Noch sollte jemand, den sein eigener Doktortitel Jahre harter Arbeit unter Entbehrungen gekostet hat, sich darüber beschweren, daß andere Leute mit ihrem Geld in die Lage kommen, durch Geldspenden nicht nur Doktoranden zu fördern, sondern für diese Förderung auch selbst eine Würdigung zu erhalten, zum Beispiel die Ehrendoktorwürde.
  7. #16

    Gesellschaftliche..

    .. Fehlentwicklungen spielen hier auch eine große Rolle.
    Wir neigen dazu ganz allgemein den Erfolg an sich zu goutieren.
    Erfolg als Wert.
    Niemand hinterfragt dann mehr _WIE_ ein Erfolg zustande kam.
    Das Dr. vor dem Namen strahlt solchen Erfolg aus. Reichtum ebenso. Ob dies nun wirklich durch bemerkenswerte Leistungen oder nur durch Plagiate und Ausbeutermethoden erworben wurde. Geschissen, interessiert keinen.
    Heutzutage kann man ja scheinbar ohne Doktortitel nicht mal mehr Bundestagsabgeordneter werden. Als wenn der Titel (vielleicht erworben in medizinischer Mikrobiologie) irgendetwas über die Qualitäten des Menschen, der bestimmte politische oder wirtschaftliche Positionen anstrebt aussagen würde.
    In Führungspositionen ist eine Eigenschaft gefragt, die mit Titeln nichts zu hat: das eigenständige Vernetzen völlig unterschiedlicher Kausalitäten zu Fachübergreifenden Lösungen.
    Der Doktortitel sagt aber aus, daß jemand sich tief in ein Einzelthema hineinarbeiten konnte.
    Aber solange wir auf einen Doktortitel mit einem "Ah, OH" und der zeitgleichen Kompetenzzugestehung reagieren, werden grade die egomanischen Karrieristen, die wir eigentlich NICHT in Spitzenpositionen benötigen sich mit Fake, Scheinwerfern, Geblende und falschen Doktortiteln dahinarbeiten.
  8. #17

    Nicht alle gieren nach Titeln

    Nicht alle hier angeführten Personen sind auf diese Titel aus "Geltungsdrang" aus.

    Frau Sixt z.B. hat eine Residenz auf Barbados und hält sich dort des öfteren auf. Sie fördert damit die einheimische Wirtschaft des Staates Barbados. Frau Sixt hat daher sehr wohl einen engen Bezug zu diesem Staat.

    Mit ihrem Ehrenamt in Deutschland kompensiert Frau Sixt das Fehler einer Botschaft des Staates Barbados in Deutschland. Eine Insel mit weniger als 300.000 Einwohnern kann sich nicht in jedem europäischen Land eine Botschaft leisten und ist daher auf ehrenamtliches Engagement angewiesen.

    Insider
  9. #18

    Ganz und gar falsch

    Zitat von lezel Beitrag anzeigen
    Richtig.

    Weder sollte jemand, der gleich nach dem Diplom seine Karriere in der Industrie beginnt, sich darüber beschweren, daß er dann nach zehn oder zwanzig Jahren vielleicht ein gutes Einkommen, aber keinen Doktortitel hat. Noch sollte jemand, den sein eigener Doktortitel Jahre harter Arbeit unter Entbehrungen gekostet hat, sich darüber beschweren, daß andere Leute mit ihrem Geld in die Lage kommen, durch Geldspenden nicht nur Doktoranden zu fördern, sondern für diese Förderung auch selbst eine Würdigung zu erhalten, zum Beispiel die Ehrendoktorwürde.

    Ehrendoktor

    Ihre Einstellung dazu ist irgendwie die eines moralisch nicht sehr wertvollen Menschen - eine Doktorwürde hat immer mit besonderen akademischen / wissenschaftlichen Verdiensten zu tun. Auch ein Ehrendoktor.


    Sie sind sicherlich ein KAUFmann.
  10. #19

    Intuitives und bewußtes Machtstreben

    Es gibt keine "Titelsucht", denn sonst würden solche Leute ja Titel wie am Fließband sammeln. Es handelt sich schlicht und einfach um machtgetriebene Menschen, die größer und einflußreicher - eben "mächtiger" werden wollen. Titel sind dabei ein Mittel zum Zweck. Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass ein "Titelerschleicher" in seinem Leben auch schon andere "Machtsünden" begangen hat.

    Interessant ist auch, dass der Autor häufig von "Bewusstsein" spricht. Das Machtstreben des Menschen ist jedoch emotional verankert und bedarf zu seiner Auslebung keines entsprechenden Bewußtseins. Diese Menschen handeln intuitiv machtorientiert. In der Psychologie spricht man deshalb von einem "impliziten Machtmotiv".

    Wenn man Menschen fragt, wie wichtig ihnen Macht in ihrem Leben ist, dann bekommt man Aussagen über Macht als persönlichen "Wert", das man auch als "explizites Machtmotiv" bezeichnet.

    Intuitives und rationales Machtstreben können völlig unabhängig voneinander sein, das heißt, jemand kann zwar emotional sehr machtorientiert handeln, machtorientiertes handeln auf bewußter Ebene aber als persönlich unwichtig beschreiben (unabhängig vom Einfluß sozialer Erwünschtheit). Das sind die traurigen Fälle, die hinterher von sich selbst nichts gewußt haben.