Es gibt viele Baustellen, die einfach still gelegt werden, weil Frau Merkel der Mut fehlt, oder - wahrscheinlicher - sie interessieren sie nicht, weil sie sich dem obersten Prinzip, nämlich dem Machterhalt der Union, nicht fügen.
Angefangen in der Bildungspolitik, soweit sie in der Kompetenz des Bundes liegt, nämlich in der Besoldungsstruktur an den Universitäten. Weltweit einzigartig klafft ene riesige Lücke zwischen Lehrstuhlinhabern und dem sogenannten Mittelbau; die Lehre ist völlig unterversorgt. Frau Bulmahn unter Schröder hat die Sache mit der Einführung von Juniorprofessoren und der Abschaffung der Habilitation angepackt; jetzt herrscht wieder der alte Schlendrian. Teilweise wurde zurückgedreht.
Staatsbürgerrecht: Da kommt ein Bürokratiemonster auf uns zu, wenn die Optionskinder sich zwangsweise für eine Staatsbürgerschaft entscheiden müssen; ein ärgerliches Gesetzesungetüm, das uns der Gelegenheitsrechtsradikale Koch im Verein mit der FDP eingebrockt hat.
Steuerrecht: Es ist dringend nötig, die Splittingvorschriften den tatsächlichen gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen, also weg vom Ehegatten- hin zu einem Familiensplitting.
Das waren nur Beispiele; die Dauerreformbedürftigkeit der Sozialkassen zur Sicherung ihrer Finanzierbarkeit dürfte bekannt sein, nötig wären etwa die Erhöhung oder Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze oder der Einbezug aller Einkunftsarten in die Berechnungsgrundlage usw.
Wohl wahr; nur wäre es nie so schlimm gekommen, wenn Merkel von Anfang an gehandelt hätte. Stattdessen hat sie lieber auf Wahlergebnisse in NRW und anderswo geschielt und gar nichts getan, ganz getreu dem Motto: Erst die Partei, dann das Land. Als "Madame No" hat sie ganz Europa blockiert. Ihre Untätigkeit hat sich sozusagen prozyklisch ausgewirkt; das Börsenzocken hat sich gelohnt und die Griechen weiter in die Pleite geritten. Mit der Bankenkrise muss sie jetzt die Suppe auslöffeln, die sie sich (zum Teil) selbst eingebrockt hat.

Antworten / Zitieren

