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Gauck-Debatte bei Illner: Wie steht der Kandidat zum Holocaust?

ZDFNach zähem Beginn kam die Gauck-Debatte bei Illner doch noch in Schwung, es fielen Vokabeln wie "Sauerei" und "Schweinejournalismus". Plötzliches Streitthema war eine Rede des Bellevue-Kandidaten: Was meinte der künftige Bundespräsident, als er über den deutschen Judenmord sprach?

Gauck-Debatte bei Illner: Wie steht*der*Kandidat zum Holocaust? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
  1. #40

    Zitat von cato-der-ältere Beitrag anzeigen
    Es gibt derzeit auch die aktuellere Situation dass Leute aus dem konservativen Lager gesagt haben "linker Terrorismus = rechter Terrorismus". Das zeigt schlicht eine Fixierung auf ein ideologisches Thema das im besten Falle völlig unfruchtbar ist. Aber davon ist er nun mal geradezu besessen. Trittin weiss sicherlich welche Fehlbesetzung Gauck ist und deshalb er ist so wenig souverän. Seine Souveränität war aber doch bisher sein beste Eigenschaft...
    Trittin ist für mich zu einem der größten Heuchler mutiert. Er hat all die Grundsätze aufgegeben, die er jedenfalls nach meiner Einschätzung vormals besaß. Ich frage mich, welche machtpolitischen Umtriebe ihn bewegen, welche Ziele er hierbei verfolgt, aber der Mann ist für mich inzwischen genau so indiskutabel wie der Rest der Grünen. In der EURO-Diskussion hört er sich an wie Kohl; sein Beitrag zur gestrigen Debatte: fade, langweilig, angepasst. Trittin schwimmt voll auf der gleichen Linie wie die CDU/CSU/SPD. Eine herbe Enttäuschung.
  2. #41

    ....

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nach zähem Beginn kam die Gauck-Debatte bei Illner doch noch in Schwung, es fielen Vokabeln wie "Sauerei" und "Schweinejournalismus". Plötzliches Streitthema war eine Rede des Bellevue-Kandidaten: Was meinte der künftige Bundespräsident, als er über den deutschen Judenmord sprach?

    Gauck-Debatte bei Illner: Wie steht*der*Kandidat zum Holocaust? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    ...ich finde sowas ja total toll und aufschlussreich.

    Endlich erzählen einem die üblichen Talkshow-Verdächtigen mal, was Joachim Gauck wirklich denkt und wie sein politisches Werken und Wirken in den nächsten Jahren weitergehen wird. Was wären wir ohne so unterhaltsame - weil durchaus mit heißer Nadel gestricken - Sendungen wie diese Talkshows?

    Ob Herr Gauck nun schlauer ist? Ich hoffe, dass er noch absagt und dann das Amt des Bundespräsidenten abgeschafft wird.

    Dann könnte Frau Merkel als Regierungs-Chefin endlich auch nach Lust und Laune Bundesverdienstkreuze verleihen. Sollte Frau Merkel eines Tages aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund fortgeschrittenen Alters den Posten der Regierungs-Chefin abgeben (eine Abwahl wird es nicht geben...), könnte man das Amt des Bundespräsidenten und die Regeln über das PR-Desaster wieder aufleben lassen
  3. #42

    Richtig!

    Zitat von Hermes8 Beitrag anzeigen
    Die meisten Leser und taz-Redakteure dürften Schwierigkeiten haben, Herrn Gauck intellektuell zu folgen, aber seine Aussage entsprach etwa der Sichtweise von Hannah Arendt hinsichtlich der von ihr geprägten "Banalität des Bösen".

    Zusammengefasst: Wenn wir dem Holocaust einen quasireligiösen Anstrich verpassen, indem wir ihn als Ausbruch des unpersönlichen Bösen betrachten, das wie eine Naturkatastrophe über Deutschland hereingebrochen ist, dann vermeiden wir es, die wichtigste Lektion zu lernen, die wir daraus lernen sollten: Menschen tun einander fürchterliche Dinge an, und das geschieht auch heute noch. Das Gedenken ist gerade deswegen wichtig, weil es uns wach halten soll, um künftiges Unrecht zu verhindern. Wir haben es aber zu einem Selbstzweck gemacht, um genau diese Verantwortung zu ignorieren und uns stattdessen ausschließlich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Oder wie Johannes Gross gesagt hat: "Der Widerstand gegen Hitler und die Seinen nimmt um so mehr zu, je länger das Dritte Reich zurückliegt."
    Völlig richtig!
    Genau dies ist der schwer zu vermittelnde Aspekt bei der "Überhöhung" des Holocaust zu einer Naturgewalt;
    er macht blind vor den Gefahren einer Wiederholung von Unrecht und Unmenschlichkeit; lässt das Immunsystem der Zivilgesellschaft erst dann anschlagen, wenn es zu spät ist.

    Umgekehrt bedeutet diese Sichtweise NICHT, dass die Singularität des Holocausts verneint wird; niemals zuvor war der Fall einer Kulturnation so tief, wie der der Deutschen in die Nazi-Barbarei; nie zuvor war das Ausmaß der Opfer, der Unmenschlichkeit, der Verachtung für das Leben so groß.
    Der Holocaust war einzigartig und damit nicht-relativierbar in seinem Ausmaß; nicht aber in den Voraussetzungen für seine Entstehung.
  4. #43

    Zitat von schnitti23 Beitrag anzeigen
    Persönlich schämen muß sich keiner für Dinge, die er nicht zu verantworten hat oder an denen er nicht beteiligt war.

    Andernfalls müßten sich schon Babys schämen. weil sie zufällig Deutsche sind, für .....
    Vielleicht sollten Sie sich nicht als "schuldig" sondern eher als "Erbe" dieser deutschen Vergangenheit sehen. Die eine Seite der Medaille Ihrer Geburt in Deutschland ist, dass Sie nicht im Kindesalter verhungern müssen wie Andererorts oder sich als griechischer Loser beschimpfen lassen - Alles ohne Ihr persönliches Dazutun, sondern das Werk Ihrer Vorväter.

    Das Kehrseite der Medaille ist, ist dass Sie eine Verantwortung dafür tragen einen angemessenen Umgang mit Ländern und Religionsgemeinschaften zu finden, denen unsere Vorväter unsägliches Leid angetan haben. Vor Allem solange, solange es noch Überlebende gibt, denen diese traumatische Vergangenheit ihr ganzes Leben überschattet, und die in Folge dessen unbewusst auch Ihren Kindern ihre schlimmen Ängst vererbt haben. Denen zu demonstrieren, dass wir den fatalen Fehler unserer Großväter,die Hitler gewählt haben und ihn zu seiner Übermacht verholfen haben, verstanden haben und Mitleid mit den Opfern empfinden - Was ist daran so schwer?
    Ein bisschen weniger Selbstmitleid würde Deutschland gut zu Gesicht stehen!
  5. #44

    ...

    Zitat von schnitti23 Beitrag anzeigen
    Persönlich schämen muß sich keiner für Dinge, die er nicht zu verantworten hat oder an denen er nicht beteiligt war.
    Sie haben den von Ihnen Zitierten wohl absichtlich falsch verstanden. Er schrieb: "Ich würde mich schämen, diese tatsache direkt oder indirekt zu leugnen." Und das ist ja wohl richtig, dass man die Tatsachen der Naziherrschaft nicht leugnen oder relativieren sollte, wenn man ihre Wiederholung vermeiden möchte. Insofern ist es richtig, dass sich jemand schämen sollte, der das versucht.

    Die Frage ist, ob Gauck so einer ist. Ich glaube eher nicht. Aber seine Versuche der Gleichsetzung von DDR- und Nazidiktatur stören mich extrem.
  6. #45

    Quod licet iovi...

    Zitat von spiegelistwiebild Beitrag anzeigen
    der holocaust wird von einigen teilen der öffentlichkeit wie eine dunkeldeutsche reliquie hochgehalten und instrumentalisiert.

    ... das verlogene daran: es dient fast nur noch der instrumentalisierung, um.....
    Genau das ist es doch, was uns in dauernder Penetranz vorgeführt wird. Erinnerung an Verbrechen, die nicht wieder geschehen dürfen, ist völlig berechtigt und nachvollziehbar. Doch "pseudoreligiöses Eiferertum" und Rückwärtsgewandtheit gibt es eben nicht nur auf der Seite derer, die die unsäglichen Nazi-Verbrechen instrumentalisieren, sondern auch bei der Gauck-Fraktion, die Kapitalismuskritik durch Verweis auf die Monströsität der Stalin-und Vasallen-Diktaturen diskreditieren. Den Schuh muss sich Gauck auch selbst anziehen und auch seine Apologeten der gestrigen Diskussion.

    Alleine die Provokationen in Richtung Frau Lötzsch durch Herrn Brüderle und Herrn Söder waren da ja nicht zu überhören. Alleine der doppelte Vorschlag, Margot Honecker zu nominieren oder das, in Hinsicht auf Herrn Gauck kritisierte "Entstellen" von Äußerungen durch "unbedachtes Zitieren" bei gleichzeitigem Erwähnen der Lötzschen "Wege zum Kommunismus"-Zitate zeigt eine seltsame Doppelmoral. Polemik gehört zwar zum politischen Geschäft, Weinerlichkeit beim Einstecken sollte nicht dazugehören.
  7. #46

    Ist der Holocaust einzigartig?

    Ist der Holocaust einzigartig? Das ist die Frage. Und das erschreckende ist, das er es nicht ist. Weder in der Dimension, noch in Methodig, noch in der Ideologie.
    Der Holocaust ist ein Völkermord, wie viele andere. Das relativiert den Holocaust nicht, sondern macht deutlich das es in der Geschichte der Menschheit viele solcher Verbrechen gegeben hat und immer noch gibt. Damit wird der Holocaust nicht klein geredet, sondern deutlich gmeacht das es für Völkermord keine Messlatten geben kann auf der steht das der Holocaust besonders schlimm war und andere Völkermorde nicht so tragisch.
  8. #47

    ....

    Zitat von anomie Beitrag anzeigen
    Seufz.. ich dachte immer, ihr lernt das in der schule.. von wegen..
    Die industrielle vernichtung einer volksgruppe in einem entwickelten land IST ein einmaliger vorgang und ein rein deutsches problem.
    Zitat von gruenerfg Beitrag anzeigen
    Vielleicht mal Zeitungen lesen, im TV mal Dokus anschauen, vielleicht mal kurz überlegen und dann erst Kommentare schrreiben?
    Die Welt geht nach unseren Nachbarländern noch weiter!
    Welche Doku hat er denn verpasst, die zeigt, dass ein anderes entwickeltes Land, eine Völkergruppe industriell vernichtet hat ? Die Betonung liegt hier nämlich auf den zwei kleinen Wörtern "entwickeltes" Land und "industrielle" Vernichtung. Ich denke da waren die Deutschen beim Völkermord tatsächlich einzigartig.

    Und man muss die Verbrechen von Stalin nicht mit denen von Hitler(Deutschland) gleichsetzten, um ihnen eine angemessene Bedeutung zu geben.
    Aber es hat ja den schönen Nebeneffekt, dass dann der Holocaust ja schon gar nicht mehr so schlimm klingt, und da sollte man vor allem einmal schauen, warum ausgerechnet die Länder im Osten dieser Theorie so anhängen. Sollte es vielleicht damit zusammenhängen, dass sie bei der Judenvernichtung auch keine so rühmliche Rolle gespielt haben.
  9. #48

    Zitat von mäeutik Beitrag anzeigen
    Inwiefern soll die gedankliche Nähe zu Ideen Arendts -die Sie, wie ich finde, gut herausgestellt haben- Gauck denn entlasten? Wie Sie sicherlich wissen gaben (und geben) Arendts Thesen zur "Banalität des Bösen" ebenso großen Anlass zu Kritik und Diskussion..
    Das finde ich so nervig in diesem Land.

    Gauck hat ein paar interessante, streitbare Gedanken geäußert und wird das sicherlich auch weiterhin tun. Darüber kann man diskutieren, man kann anderer Meinung sein und das kundtun oder ihm zustimmen, je nachdem. Aber wieso sollte Gauck "Entlastung" bedürfen? Er hat nichts Falsches oder Schlechtes gesagt.

    Es muss doch möglich sein, seine Meinung zu sagen, auch wenn diese nicht dem Mainstream entspricht, ohne sofort wieder eine über den Deckel zu bekommen a la "Das darf man aber doch nicht sagen".

    Gauck ist ein kluger Mann. Er kann differenziert argumentieren und er leistet sich, so di Lorenzo, eine eigene Meinung. Sowas braucht unser Land dringend.
  10. #49

    Zitat von Mistermambo Beitrag anzeigen
    ...Ob Herr Gauck nun schlauer ist? Ich hoffe, dass er noch absagt und dann das Amt des Bundespräsidenten abgeschafft wird.
    Ich vermute, diese Hoffnung haben Sie mit vielen, vielen Foristen gemein;-)


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