Zitat von
Hermes8
Die meisten Leser und taz-Redakteure dürften Schwierigkeiten haben, Herrn Gauck intellektuell zu folgen, aber seine Aussage entsprach etwa der Sichtweise von Hannah Arendt hinsichtlich der von ihr geprägten "Banalität des Bösen".
Zusammengefasst: Wenn wir dem Holocaust einen quasireligiösen Anstrich verpassen, indem wir ihn als Ausbruch des unpersönlichen Bösen betrachten, das wie eine Naturkatastrophe über Deutschland hereingebrochen ist, dann vermeiden wir es, die wichtigste Lektion zu lernen, die wir daraus lernen sollten: Menschen tun einander fürchterliche Dinge an, und das geschieht auch heute noch. Das Gedenken ist gerade deswegen wichtig, weil es uns wach halten soll, um künftiges Unrecht zu verhindern. Wir haben es aber zu einem Selbstzweck gemacht, um genau diese Verantwortung zu ignorieren und uns stattdessen ausschließlich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Oder wie Johannes Gross gesagt hat: "Der Widerstand gegen Hitler und die Seinen nimmt um so mehr zu, je länger das Dritte Reich zurückliegt."