REUTERSIn einem Monat beginnt die EM in der Ukraine, und Präsident Janukowitsch ist weitgehend isoliert. Joachim Gauck sagt seinen Besuch ab - aus Prostest gegen die Haftbedingungen von Ex-Premierministerin Timoschenko. Müssen andere Spitzenpolitiker das Fußballturnier boykottieren?
http://www.spiegel.de/politik/auslan...829927,00.html
Eine begrüßenswerte Amtshandlung unseres neuen Bundespräsidenten.
Die Olympischen Spiele in Peking hätten zeigen können, welche Macht Sport hat.
Aber man hatte beschlossen feige zu kapitulieren und gehoffte wenn man "dem Drachen die Krallen lackiert" sei er weniger gefährlich-welch ein Irrtum.
Diesen Fehler hatte man 1936 schon einmal begangen und er wurde vom Regime schamlos ausgenutzt.
Deshalb sollte man diesen Fehler nicht erneut begehen.
Solange man Regimegegner mit Gewalt bedroht müssen internationale (Sport)Veranstaltungen solcher "Gastgeberländer" boykottiert werden.
Dies ist ein Gebot von Menschlichkeit und Fairness die besonders beim Sport zählt.
Es gibt viele Gründe, der Ukraine die Ehre der Anwesenheit nicht zu geben - aber ausgrechnet Timoschenko gehört nicht dazu. Die hat sich genug zu Schulden kommen lassen, um viele Jahre im Gefängnis bleiben zu müssen und die Haftbedingungen der feinen Dame sind sicher nicht schlechter, als die anderer Gefangener in diesem Land. Lächerlich ist es darum, wegen Timoschenko der EM fern zu bleiben, bedeutet das doch, dass Gauck ansonsten keine Probleme gehabt hätte, dort zu "repräsentieren".
Sicher, die Behandlung von Frau Timoschenko ist symptomatisch für die politische Unkultur und den Gesamtzustand des Landes, und es ist begrüßenswert, wenn Gauck daraus offiziell Konsequenzen zieht.
Nur leider tut er das aus den falschen Gründen:
Eigentlich müsste die ganze EM für diesen Austragungsort abgesagt bzw. in ein anderes Land verschoben werden, angesichts der skandalösen Umstände, die sich jetzt bereits bezüglich des damit verbundenen Tourismus abzeichnen.
Mehr als ein Dutzend Hotels sind entweder kurzerhand von der Mafia übernommen worden oder haben einseitig die längst ausgehandelten Verträge mit der TUI gekündigt, um mehr Geld herauszuschlagen. Aufgrund einer zutiefst korrupten Justiz hat die TUI Abstand von der Möglichkeit genommen, auf dem Klageweg ihr Recht durchzusetzen.
Stattdessen werden nun tausende Studenten für die Zeit aus ihren Wohnheimzimmern geworfen, nicht ohne noch vorher zur Renovierung auf eigene Rechnung verpflichtet zu werden, und nicht ohne dennoch für die Zeit ihre reguläre Miete weiterzahlen zu müssen, obwohl bereits durch eine einzige EM-Übernachtung dort der Monatspreis mehr als dreifach abgegolten wäre.
FIFA und TUI kapitulieren also vor Mafia, Filz und Korruption, und das ist der Teil des Skandals, für den man hierzulande verantwortlich ist.
Dieser Umstand ist eine Schande für den Sport und den Tourismus gleichermaßen, an Schamlosigkeit und Opportunismus kaum zu überbieten.
Das i-Tüpfelchen markiert dabei der Umstand, daß es niemanden wirklich zu stören scheint, offenbar weil es sich "nur" um die Ukraine handelt, ein Land, daß schon länger als "Räuberhöhle" bezeichnet wird. Handelte es sich um ein EU-Land, wäre die Empörung groß.
Schämen sollte sich ein jeder, der das unterstützt und bereit ist, für sein Vergnügen diese Verhältnisse auch noch zu finanzieren, und keiner soll sagen, er habe es nicht gewusst.
Keine EM darf so etwas wert sein.
Deutschland kommt ins Endspiel, welches in Kiew stattfindet und kein deutscher Politiker ist da zum gratulieren. Das wär peinlich und zudem würde es dem Ansehen Deutschlands schaden. Es gibt nur eine Lösung: Die deutsche Mannschaft MUSS aus Solidarität mit Timoschenko ihre Teilnahme an der Euro 2012 absagen.