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Gastkommentar: Grundeinkommen - ein gefährlicher Traum

Wäre es nicht wunderbar, wenn jeder Bürger vom Staat ein Grundeinkommen von 1000 Euro erhielte - egal, ob er arbeitet oder nicht? Die Idee wird bei PDS, Grünen und CDU ernsthaft diskutiert. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider erklärt, warum dies zutiefst unsozial ist.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,478741,00.html
  1. #110

    wieder mal schlecht argumentiert

    Zitat von Reinhold Nawratil Beitrag anzeigen
    Eine steuerfinanziete Grundversorgung ist alle mal billiger als alle Versuche von Sozialhilfe, Familienhilfe, Arbeitslosenhilfe, Eingliederungsbeihilfe und Gesetz für einen Mindestlohn.
    Diese Grundversorgung müßte ebenfalls die Krankenversicherung beinhalten.
    Das wird mal wieder völlig unbelegt behauptet. Schön.. die Familienhilfe abschaffen und mit einer Pauschalsozialleistung zukleistern. Ich spare mir Sozialarbeiter, weil um die kaputten zerstörten Familien braucht sich der Staat nicht mehr kümmern. Die Universitäten brauchen auch keine Sozialpädagogen mehr ausbilden, denn soziale Brennpunkte werden einfach wegrationalisiert und wegdefiniert. Dumm und nicht zuende gedacht.

    Wir bräuchten keine Absicherung der Kinder und der nicht erwerbstätigen Mütter in der KV. Das Ehegattensplitting könnte ersatzlos gestrichen werden. Dieses käme der BRD weit aus billiger, wie es andere Staaten es beweisen.
    Stimmt, das Splitting brauchen wir wirklich nicht, um das zu tun, muß ich aber auch kein Bürgergeld wollen. Abschaffung des Splittings würde unserem Haushalt gutes tun und Mittel freisetzen für Investitionen in die Zukunft (weil es genau daran mangelt, an nichts anderem).

    Die einzigen Leidtragenden wären die arbeitsscheuen Ehefrauen von Großverdienern, die dann nicht mehr von der Gemeinschaft alimentiert würden.
    Hmm, so wie ich jetzt alle Befürworter verstanden hat bekommt auch die "arbeitsscheue Ehefrau" das Grundeinkommen, auch die des Deutsche Bank Managers mit Millionengehalt... also liegt sie doch auf der Tasche der Allgemeinheit.

    Zu dem noch eine Förderung aller Kinder zwischen zwei und fünf Jahren in zwischenmenschlichen Verhalten und dem Gebrauch der Sprache zum Ausdrücken seiner Gefühle und Wünsche sowie dem Austragen der Probleme und deren Durchsetzung.
    Mündige, kritische und selbstbewußte Bürger sind gute Demokraten und Friedensstifter.
    Ja und das erklären Sie mir mal. Wenn das nicht aus dem Reich des Wünschens und des Glaubens kommt. Wenn ich keine Argumente mehr habe komme ich mit den großen Heilsversprechen. Klasse. Das hätten Ulbricht und Honnecker auch nicht besser machen können. Das ist kranke Ideologie pur. Das beweist nur einmal mehr, dass die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens unseriös rechnen, die herrschenden Verhältnisse verdreht darstellen und sich in Sphären undurchdachter Utopien bewegen.
  2. #111

    Es gibt keine Vollbeschäftigung

    Zitat von tobyr Beitrag anzeigen
    Nein, sie beruht darauf, daß es "echte" Vollbeschäftigung in modernen Industriegesellschaften nur punktuell unter bestimmten Sonderbedingungen gab und daß der Normalfall eine vorhandene Grundarbeitslosigkeit ist.
    Vollbeschäftigung gibt und gab es in überhaupt keiner Gesellschaftsform. Schauen Sie sich doch die präindustriellen Gesellschafte in der Dritten Welt an und wie viele Menschen dort nichts zu tun haben und von Almosen leben. Ähnlich war es auch in Deutschland vor Beginn der Industriellen Revolution. Oder wie erklären Sie sich beispielsweise die hohen Auswandererzahlen der 1870er Jahre in Deutschland.

    Selbst im Sozialismus hatte jeder bloß pro forma einen Arbeitsplatz. Es gibt in keinem Gesellschaftssystem auf Dauer Vollbeschäftigung, höchstens für wenige Boom-Jahre (Wirtschaftswunder nach Kriegsschäden), aber nicht auf Dauer.
  3. #112

    Vollbeschäftigung

    Zitat von Karendric Beitrag anzeigen
    Vollbeschäftigung gibt und gab es in überhaupt keiner Gesellschaftsform. .......
    Ich glaube, dass Sie etwas verwechseln. Arbeit gibt und gab es schon immer in Hülle und Fülle, was fehlt ist bezahlte Arbeit.

    Zu Zeiten von vor 100 Jahren, wovon ich ca. 60 überschauen kann. In diesen 60 Jahren habe ich viele Frauen gesehen, die den ganzen Tag "gearbeitet" haben. Es drehte sich um typische Hobbyarbeiten, Stricken, Sticken, Häkeln das Waschen von Hand, Kochen, alles von Hand, aber alles unbezahlt.

    Was heute wirklich fehlt, ist der Lohn, nicht die Arbeit. Dazwischen ist die Wirklichkeit.

    MfG,
    Rainer
  4. #113

    Wer debattiert und ideologisiert hier unseriös?

    Zitat von degeisle Beitrag anzeigen
    Wenn ich keine Argumente mehr habe komme ich mit den großen Heilsversprechen. Klasse. Das hätten Ulbricht und Honnecker auch nicht besser machen können. Das ist kranke Ideologie pur. Das beweist nur einmal mehr, dass die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens unseriös rechnen, die herrschenden Verhältnisse verdreht darstellen und sich in Sphären undurchdachter Utopien bewegen.
    Ist das HWWI unseriös? Man kann vielleicht an einzelnen Punkten von deren Finanzierungsrechnung herum mäkeln aber die Rechnungen selber sind weder undurchdacht noch unseriös. Wer sich genauer informieren will findet deren relativ übersichtlich aufbereiteten Schätzrechungen unter:
    http://www.hwwi.de/fileadmin/hwwi/Me...deinkommen.pdf

    Aus diesen Rechnungen kann man auch erkennen, dass alle Wünsche nach utopischen Grundversorgungen, die über die momentane Geld-Sozialhilfe hinausgehen derzeit kaum finanzierbar wären (Seite 5, Untere Variante A, ohne die derzeitigen 286 Mrd Sachbezüge Sozialleistungen). Natürlich rechnen alle Vertreter des Bürgergelds oder Grundeinkommens mit positiven Finanzierungseffekten. Darüber könnte man sicher leidlich streiten. Althaus versucht, mit seinem Konzept der kleinen Schritte etwas näher an das derzeit politisch machbare zu kommen. Dabei findet er auch häppchenweise mehr Zustimmung in der SPD, als z.B. das HWWI oder die FDP-Alternative.
    Weitere Artikel des HWWI findet man unter:
    http://www.hwwi.de/Grundeinkommen.679.0.html insbesondere auch die für Politiker verkürzte Präsentation
    http://www.hwwi.de/fileadmin/hwwi/Le...men_presse.pdf
    Dem HWWI gehöre ich weder an, noch bin ich mit ihm verwandt oder verschwägert. Mir ist dieser Laden relativ Wurscht. Deshalb habe ich im Forum auch auf die anderen Gestaltungsvarianten für das Bürgergeld hingewiesen.
    Aber solche Rechnungen als unseriös oder "kranke Ideologie" zu beschimpfen, erinnert fast schon an ideologische Ausfälle der oben zum (untauglichen) Vergleich herbei zitierten Alt-Kommunisten Ulbricht und Honecker.
    Bei Vergleichen mit solchen Gespenstern der Vergangenheit seien es Ulbricht, Honecker, Hitler oder Stalin, ist so manche(r) PolitikerIn - man denke an Frau Däubler-Gmelin - schon auf die Nase gefallen. Sowas bringt unnötige Unruhe in die Diskussion, finde ich.
    Gruss vom Daten-Terrier
  5. #114

    War doch klar

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass Sie etwas verwechseln. Arbeit gibt und gab es schon immer in Hülle und Fülle, was fehlt ist bezahlte Arbeit.
    Genau deswegen habe ich ja auch nicht von Arbeit oder ehrenamtlicher Arbeit geschrieben, sonden von "Vollbeschäftigung". Das der Begriff nur bezahlte Arbeit umfasst, ist eigentlich unstrittig.

    Dass es immer und überall etwas zu tun gibt, ist ja auch eine Binse, die hier nicht der Erwähnung bedarf.
  6. #115

    Die Institute und die Wirtschaft

    Zitat von weissich Beitrag anzeigen
    Ist das HWWI unseriös? Man kann vielleicht an einzelnen Punkten von deren Finanzierungsrechnung herum mäkeln aber die Rechnungen selber sind weder undurchdacht noch unseriös. Wer sich genauer informieren will findet deren relativ übersichtlich aufbereiteten Schätzrechungen unter:
    http://www.hwwi.de/fileadmin/hwwi/Me...deinkommen.pdf
    Unseriöser geht's kaum. Herr Straubhaar ist schlicht ein marktradikaler. Finanziert wird Sein Institut von der Wirtschaft (unter anderem von der Handelskammer Hamburg). Es muß endlich aufhören, diesen Leuten wissenschaftliche Unabhängigkeit zu attestieren. Ob Sinns IFO oder Börsch-Supans MEA (Research Institut for the Economics of Aging): allesamt von der Wirtschaft gefördert.
  7. #116

    Hobby oder Arbeit?

    Zitat von Karendric Beitrag anzeigen
    Genau deswegen habe ich ja auch nicht von Arbeit oder ehrenamtlicher Arbeit geschrieben, sonden von "Vollbeschäftigung". Das der Begriff nur bezahlte Arbeit umfasst, ist eigentlich unstrittig..........
    Was ich damit sagen wollte: dass es früher für eine Frau, Mädchen üblich war, sich zu beschäftigen. Heute "hängt" man ab. Auch Komatrinken gehört heute zum Beschäftigungsprogramm. Da hat sich etwas sehr verändert. Ich sehe das heute noch bei älteren Nachbarinnen, die sich in hohem Alter noch beschäftigen. Die "finden" immer Arbeit;o).

    MfG,
    Rainer
  8. #117

    Genau das meinte ich doch

    Zitat von Karendric Beitrag anzeigen
    Es gibt in keinem Gesellschaftssystem auf Dauer Vollbeschäftigung, höchstens für wenige Boom-Jahre (Wirtschaftswunder nach Kriegsschäden), aber nicht auf Dauer.
    Genau dies war es, was ich sagen wollte.
  9. #118

    Geld ist nicht Alles..

    Zitat von nevermore Beitrag anzeigen
    Interessant finde ich immer wieder die Klagen über den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und die Behauptung, wir könnten einfach Vollbeschäftigung haben, wenn sich nur die ganzen Leute einfach qualifizieren würden.

    Dumm ist nur, dass höhere Qualifikationen eine Menge Geld kosten, auch die Leute, die diese Qualifikationen erreichen sollen....
    Leider sind die Menschen auch nicht alle qualifizierbar oder qualifizierwillig. Wäre es anders, dann gäbe es schon heute ausschließlich Abiturienten ;-)
  10. #119

    Grundversorgung statt Grundeinkommen

    Den Kritikern eines bedingungslosen Grundeinkommens ist etwas gemein. Sie alle blicken nicht besonders weit über den eigenen Tellerrand hinaus.
    Bei den Traditionslinken dominiert dabei die Befürchtung, ein GE sei nichts anderes als die konsequente Fortsetzung von Hartz IV und so aus neoliberaler Sicht ein Beitrag zu einer erwünschten Deregulierung der Sozialsysteme verbunden mit Bürokratieabbau und einer daraus folgenden Stabilisierung der Marktwirtschaft.
    Die Pragmatiker und Freunde der Zahlenspielereien unter des Kritikern stellen wüste Berechnungen an, um zu beweisen, dass ein Grundeinkommen nicht finanzierbar wäre.
    Die düster gestimmten misanthropischen, mitunter auch autoritären Charaktere erinnern uns gerne an die Wolfsnatur des Menschen und unterstellen den angefeindeten „Gutmenschen“ das Fehlen jeden Realitätssinns.
    Allen ist gemein, dass eine Gesellschaft, in der es weder Armut noch Existenzangst gibt nicht möglich zu sein scheint.
    Dabei stehen Utopien hoch im Kurs. Leider beschränken sich die meisten auf Zukunftsszenarien, in denen fliegende Autos uns durch eine noch üppigere Warenwelt geleiten und wir es endlich schaffen, zum Mars zu fliegen, um dort ein Fähnchen in den staubigen Boden zu rammen.
    Das blinde Vertrauen in die heilsbringende Allmacht des Marktes hat dazu geführt, dass wir nicht mehr in der Lage sind uns eine Gesellschaft vorzustellen, in der wir nicht mit Geld und innerhalb einer unglaublich aufgeblähten (Geld)-Bürokratie unser Leben organisieren müssen.
    Allgemein und verbindlich herrscht Einigkeit darüber, dass wir hier Naturgesetzen folgen und Zweifel an ihrer Allgemeingültigkeit werden zum exotischen Vergnügen verrückter Spinner und Träumer degradiert.
    Da niemand morgen erklären wird, das Geld sei abgeschafft und in Zukunft machen wir das alles irgendwie anders, sehe ich die Idee des GE als Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig bin ich aber zutiefst davon überzeugt, dass die Widerstände gerade bei denen am größten sind, die uns zur Zeit verwalten regieren und lenken.
    Nun möchte ich mich aber gar nicht mit dem Für und Wider eines GE bzw. seiner Umsetzungsproblematik befassen, sondern gleich einen (notwendigen) Schritt weiter gehen:
    wir brauchen ja kein Geld, sondern eine ausreichende Grundversorgung für alle.
    Lebensmittel, Kleidung, Wohnraum (und alle dazugehörigen Gebrauchsgüter), Energie, Kommunikationsmittel, Bildungsmöglichkeiten, eine Gesundheitsversorgung und Mobilität.
    Wenn also nicht Geld genug da ist, warum machen wir es dann nicht ohne Geld? Unter Ausnutzung der heute möglichen Produktivität im Einklang mit einer nicht auf Ressourcen - und Umweltverbrauch ausgerichteten Organisation einer Primärversorgung muss es möglich sein, die Gesellschaft zu restrukturieren. Nicht unbedingt von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt. Das erste Projekt könnte die Freigabe von Grundnahrungsmitteln sein, ein Rechtsanspruch auf Wohnraum oder ein Rechtsanspruch auf eine angemessene Energieversorgung.
    Es wird dabei keine „Bürgerbeteiligung“ geben müssen, sondern Selbstorganisation. Wir beteiligen uns nicht, wir tun es! Nicht der Staat versorgt die Menschen, wir versorgen uns selbst!
    Zwischen einem Bedürfnis und dessen Befriedigung werden direkte Kanäle gegraben. Und das nicht auf Selbstversorgerhöfen mit Harke und Spaten, sondern mit der Technologie und den Vernetzungsmöglichkeiten des 21 Jahrhunderts.
    Vielleicht wird dann die Farce endlich beendet, nach der wir mit einem Arbeitsbegriff – und Ethos des 19. Jahrhunderts an die Kette genommen werden und der Begriff der Freiheit bei uns in erster Linie als „Freiheit, etwas zu besitzen“ gedacht wird.








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