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Gastbeitrag zur Exzellenzinitiative: Keine Wettbewerbe mehr!

dpaEinige Unis haben sich im Exzellenz-Rennen zu Tode gesiegt, andere mit Anträgen über die Maßen verausgabt. So sieht es Dieter Lenzen, Präsident der Uni Hamburg und 2007 erfolgreich mit der FU Berlin. Vor dem Finale am Freitag kritisiert er den Wettbewerb - und will von Elite nichts mehr hören.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...838572,00.html
  1. #1

    Euphemismus

    In der Bilanz bedeutet doch "Elite" und "Exzellenz" hier nur, daß die anderen weniger kriegen. Die Regierung hat dadurch wunderbar erreicht, daß die Hochschulen sich wie junge Hunde um ein paar Knochen gebalgt haben, während das gute Futter heimlich beiseitegeschafft wurde. (Z.B. um Banken, die mißgewirtschaftet haben, zu erhalten...)
  2. #2

    Dinge, die Wirklich helfen könnten...

    1. Unbefristete Anstellung für alle, die nach der Promotion an der Uni bleiben, dafür keine Verbeamtungen mehr; bescheidenes Grundgehalt, aber ein faires Verfahren für eine angemessene (!!!) Lehrstunden- und projektbezogene Aufstockung, außerdem lohnende, z.B. durch Abstimmung im Fachkreis vergebene Bonusleistungen
    2. Erst rechnen, dann Leute anstellen, erst Unterhaltskosten ermitteln, dann bauen und Geräte anschaffen; verfallene Gebäude abreißen
    3. Promotion: Doktoranden an der Fakultät anstellen, keine Stipendien mehr, Doktorvater und Gutachter dürfen nie eine Person sein
    4.. Mehr Demokratie für alle! Auch Studenten sind erwachsene Menschen
    - Im Moment flüchten viele gute junge Wissenschaftler in die Wirtschaft oder ins Ausland - von den Leuten, die ich im Studium kennengelernt habe, waren einige der brilliantesten Köpfe darunter. Das meiste Geld wird der Staat nie bieten können (Wer keine Überzeugung mitbringt, wird in der Forschung vielleicht ohnehin nicht glücklich) - aber das wäre nicht entscheidend, wenn es wenigstens irgendwie akzeptable Arbeitsbedingungen und faire Chancen gäbe!
  3. #3

    Frühlingsgefühle?

    Du meine Güte, was ist denn mit dem Herrn Lenzen in letzter Zeit los? In meiner FU-Berlin-Zeit war er Vorkämpfer der Zentralisierung, der geistigen Enteignung der Fachbereiche und des Gerangels um die Exzellenzkriterien.

    Woher die plötzliche Kritik? Hat der gute Mann eine junge Geliebte in der Studentenschaft, oder ist das hier nur Schadensbegrenzung weil seine neue Uni nicht mehr im Rennen um die Pötte ist?

    Amüsierlich.
  4. #4

    Willkommen in der Parallelwelt

    An meinem Institut (naturwissenschaftliche Fakultät) kriegt rein rechnerisch ein Mitarbeiter alle 20 Jahre einen neuen Rechner. Der Rest ist ähnlich gut finanziert. Wie es an der universitären Basis aussieht interessiert keine Sau, Hauptsache wir haben irgendwelche Leuchtturmprojekte.
  5. #5

    Zitat von strixaluco Beitrag anzeigen
    Dinge, die Wirklich helfen könnten...
    Endlich mal jemand, der kapiert hat, was an den Unis schiefläuft und vernünftige und (eigentlich, wenn nicht zu viele verbohrte Weltfremde an den Stellen säßen, wo so etwas letztlich enschieden wird) realistische Lösungsvorschläge nennt. Vielen Dank für diesen Beitrag!
  6. #6

    Warum...

    ...sollte die Wiedereinführung des Feudalismus auch vor den Hochschulen halt machen? Die Idee, Hochschulen miteinander konkurrieren zu lassen, kommt aus den Think-tanks des Bertelsmann-Konzernes der Fam. Mohn. Noch Fragen? Letztlich geht es um eine Ökonomisierung der Hochschulen, die einmal etabliert, dazu führt, dass man bestimmte Fächer, die ökonomisch wenig zur materiellen "Volksbeglückung" beitragen, einfach weg zu rationalisieren. Außerdem können unsere Unternehmer zunehmend ihre Forschungsabteilungen in die Universitäten "outsourcen", um damit eigene Risiken minimieren (Forschungsprojekte müssen nicht immer zum gewünschten Ziel führen, aber das Geld ist dann in den Sand gesetzt) und somit wieder für einen Backflow von Steuergeldern sorgen. Gleichzeitig werden bestehende Abhängigkeiten verstärkt.
  7. #7

    Zitat von hlschorsch Beitrag anzeigen
    An meinem Institut (naturwissenschaftliche Fakultät) kriegt rein rechnerisch ein Mitarbeiter alle 20 Jahre einen neuen Rechner. Der Rest ist ähnlich gut finanziert. Wie es an der universitären Basis aussieht interessiert keine Sau, Hauptsache wir haben irgendwelche Leuchtturmprojekte.
    Auf meiner Seite des Spektrums kann ich jedes Jahr einen neuen high-end Rechner kaufen, muss aber schonmal 2-4 Wochen warten bis er fertig eingerichtet unter meinem Schreibtisch auftaucht.
    (Nicht dass ich das ausnutzen wuerde, es waere nur theoretisch moeglich).

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so ganz warum Sachmittel so unterschiedlich gehandhabt werden. Im Vergleich zu Personalkosten sind die verschwindend gering. Ein neuer, preisguenstiger Rechner alle 3-4 Jahre sollte doch drin sein, an jedem naturwissenschaftlichen Institut.
  8. #8

    Interessehalber gefragt:

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Einige Unis haben sich im Exzellenz-Rennen zu Tode gesiegt, andere mit Anträgen über die Maßen verausgabt. So sieht es Dieter Lenzen, Präsident der Uni Hamburg und 2007 erfolgreich mit der FU Berlin. Vor dem Finale am Freitag kritisiert er den Wettbewerb - und will von Elite nichts mehr hören.

    Uni Hamburg-Präsident Dieter Lenzen: Keine Exzellenzinitiative mehr - SPIEGEL ONLINE
    Also, Herr Lenzen, ich hab da mal 'ne Frage: Was heißt 'katalysatorisch'? Was ist der Unterschied zu 'katalytisch'? Stärkere Betonung? Bitte um Aufklärung der semantischen Feinheiten (und zwar ernsthaft; keine rhetorische Frage)

    Was heißt überhaupt 'Exzellenz' (mir bisher nur als diplomatische Anrede geläufig, im Gegensatz zu 'exzellent', das auch für herausragendes benutzt wird)?

    Was heißt überhaupt 'Elitehochschule'? Ließe sich hier nicht wirklich ein Ranking ermitteln, indem die Studienanfänger- bis Anstellungsfinderquoten (mitsamt Salär) ermittelt würden?

    Sind andere Kriterien wirklich sinnvoll?
    Gemeint ist eben diese dümmliche 'Leuchtturmkarte':

    Würde, bei ernsthafter Betrachtung der Qualität einer Hochschule, beispielsweise der 'Leuchtturm' in Göttingen nicht erlöschen und dafür etwas weiter nordnordöstlich (namentlich im Harz) ein neuer erstrahlen?

    Unterfinanzierte Massenunis, in denen Ellbogen wichtiger scheinen als wissenschaftliche Qualifikation, werden jedenfalls keinen neuen Gauss hervorbringen.

    Grüße, tutmosis
  9. #9

    Dinge, die wirklich helfen könnten

    Zitat von strixaluco Beitrag anzeigen
    1. Unbefristete Anstellung für alle, die nach der Promotion an der Uni bleiben, dafür keine Verbeamtungen mehr; bescheidenes Grundgehalt,
    2. Erst rechnen, dann Leute anstellen, erst Unterhaltskosten ermitteln, dann bauen und Geräte anschaffen;
    3. Promotion: Doktoranden an der Fakultät anstellen, keine Stipendien mehr, Doktorvater und Gutachter dürfen nie eine Person sein
    Was Sie gegen Stipendien haben verstehe ich nicht; für den Doktoranden ist doch nur entscheidend dass sein Lebensunterhalt während der Promotion gesichert ist und er sich nicht von einer Halbjahresstelle zur nächsten hangeln oder nebenbei kellnern muss.
    Was man noch machen könnte wäre, Doktoranden von der Regelung auszunehmen, dass sie nach soundsoviel Jahren in Jobs an der Uni zwingend eine Festanstellung bekommen müssen. Umgekehrt müssten dann natürlich auch Doktorandenstellen nicht mehr berücksichtigt werden, wenn es heißt, dass jemand, der schon soundsoviele Jobs hatte, nicht noch einmal beschäftigt werden darf.

    Ansonsten Zustimmung.

    Was ich noch hinzufügen möchte, Geräte betreffend: Es sollte den Fakultäten erlaubt werden, ausrangierte Geräte Uni-intern weiterzugeben oder sogar auch mit anderen Unis/Instituten auszutauschen oder zu verkaufen.
    Eine Feinwaage zB, die den Chemikern oder Geologen in der Forschung zu alt und ungenau ist, kann für ein Anfängerpraktikum der Biologen immer noch reichen. Der Zwang, so etwas zu verschrotten, bevor ein Antrag auf ein neues Gerät gestellt werden darf, sollte entfallen. Damit ließe sich Geld sparen, das man dann für was anderes einsetzen könnte.

    Was den Artikel angeht möchte ich sagen, dass ich es unsinnig finde, Unis im Ganzen zu bewerten. Eine Uni kann doch eine ganz ausgezeichnete Forschung in Medizin, Biologie oder Mathematik machen, während Physik und Archaeologie unspektakulär vor sich hin dümpeln. Die Lehre in den Ostasienwissenschaften mag großartig sein, während schon die Romanistik deutlich zweitklassig ist und die Juristen allenfalls mit drei privaten Nachhilfekursen ihr Staatsexamen schaffen. Man sollte die Fakultäten einzeln betrachten.








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