Gastbeitrag des französischen Präsidenten: "Ein Scheitern würde uns die Geschichte ni

Reform des globalen Finanzsystems, zusätzliche Hilfen für die Wirtschaft - und vor allem mehr Tempo beim Krisenmanagement: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schreibt auf SPIEGEL ONLINE, welche Erwartungen er an das G-20-Treffen knüpft.

http://www.spiegel.de/politik/debatt...616707,00.html
  1. #10

    Afrikanische Gesellschaft vs Überflusseuropäer

    Zitat von spiegelmaus Beitrag anzeigen
    Ein Afrikaner, der Zugang zu sauberem Wasser hat, ein kleines Stück Land und Saatgut zum Anbau von Gemüse, um sich selber und die Familie zu versorgen, vielleicht etwas zu verkaufen, der außerdem ein paar Haustiere, Hühner oder Ziegen o.ä. hat so wie eine Lehmhütte über dem Kopf, geht es gut. Wer meint, .....
    Das ist richtig. Die Welt kann sich ja genaugenommen auch keine Milliarde Menschen leisten, die auf dem Stand von Mittel- bzw Westeuropäern oder US-Amerikanern oder Australiern und Japanern leben. NOCH mehr Menschen in diesen Lebensstandard zu heben, verkraftet unser Planet keinesfalls.

    Eigentlich müssten die oben angesprochenen Kreise deutlich ihre Ansicht zum Thema "guter Lebensstandard" überdenken. Müssen wir wirklich mehrere PKW pro Familie haben? Muss man pro Woche mehr Energie verbraten, als der von Ihnen angesprochene Afrikaner in einem ganzen Jahr?
    Wir leben in einer Überflussgesellschaft, deren Wirtschaft darauf basiert, dass immer weggeschmissen, ja nichts repariert oder gewartet wird, dass die Garantiezeiten gerade so eingehalten werden - nur damit die Konjunktur brummt.
    Der von Ihnen angesprochene Afrikaner dagegen benutzt eine Hacke, die schon sein Vater verwendet hat, und wenn der Stiel morsch ist, wird neu bestielt. Weggeworfen wird nix.

    Worauf ich jetzt hinaus will: Die ÜBERFLUSSgesellschaft muss ein Ende haben. Es muss nicht das ganze Jahr über Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten geben, es muss auch nicht an sieben Tagen die Woche Fleisch und Wurstwaren auf den Tisch gebracht werden. Also ich persönlich handhabe es schon (allerdings eher aus Gründen der gesünderen Ernährung), dass es eben nicht jeden Tag Wurst auf'm Brot gibt und Fleisch (Braten, etc), egal ob vom Schwein oder Rind, gibt's nur noch am Wochenende.
    Trotzdem bin ich noch immer eine "Umweltsau", was den Stromverbrauch angeht. Naja, da dran kann man auch arbeiten.

    Ich will nicht auf das Niveau eines afrikanischen Bauern runter, aber vom "Überfluss" weg will ich schon.
  2. #11

    Aha!

    Zitat von spiegelmaus Beitrag anzeigen
    Ein Afrikaner, der Zugang zu sauberem Wasser hat, ein kleines Stück Land und Saatgut zum Anbau von Gemüse, um sich selber und die Familie zu versorgen, vielleicht etwas zu verkaufen, der außerdem ein paar Haustiere, Hühner oder .....
    Ich hoffe, dass ich Ihren Beitrag mißverstanden habe.

    Mit Verlaub, aber Ihre Ansicht kann nur jemand vertreten, der Annehmlichkeiten wie Waschmaschine, Fernseher, Handy, Elektrizität etc. zur Verfügung hat. Gönnen Sie den Afrikanern auch kein gut funktionierendes Gesundheitswesen und/oder Bildungssystem? Mit welchem Recht meinen Sie, für sich selbst gewisse Annehmlichkeiten beanspruchen und eben genau dieselben Annehmlichkeiten anderen Menschen versagen zu dürfen?

    Sie sind bereits priviligiert auf die Welt gekommen. Warum? Weil Sie rein zufällig in Europa geboren wurden, OHNE SELBST etwas dafür getan bzw. sich dieses Privileg verdient zu haben. Das berechtigt Sie aber nicht zu arrogantem und elitärem Denken. Es ist ganz einfach: Mensch ist Mensch!

    Wären Sie beispielsweise bereit, höhere Preise für Kaffee, Tee und andere afrikanische Erzeugnisse zu bezahlen, würde es dem afrikanischen Kleinproduzenten wesentlich besser gehen - allerdings unter der Voraussetzung, dass auch der Zwischenhandel auf einen Teil der Zwischenhandelsspanne verzichten und den Afrikaner FAIR behandeln würde.
    Geld, Waschmaschine, Fernseher etc. machen nicht glücklich. Das ist richtig. Der Mensch kann auch ohne diese technischen Errungenschaften durchaus glücklich sein.

    Mir geht es aber darum, dass alle Menschen dieselben Chancen haben müssen und niemand priviligiert sein sollte, nur weil er zufällig in der westlichen Welt geboren wurde und aufgewachsen ist.
  3. #12

    Herr Sarkozy ....

    .... denkt leider auch nicht über seinen "Wirtschaftswachstum"-Horizont hinaus. K e i n einziges Wort über die wirklichen Probleme. Z. B. Maßnahmen, die notwendig sein werden, um der Klimakatastrophe zu begegnen. Also, Wirtschaft, Wachstum, WeiterSo! Recourcenvergeudung bis zum "Geht-nicht-mehr". Und d i e s e Leute (von den anderen erwarte ich auch nicht viel, sind ja meistens Lobbyisten) bestimmen unsere Zukunft. Denk' ich an Mutter Erde in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht....
  4. #13

    Antwort

    Zitat von e.schw Beitrag anzeigen
    Mit “wir” meinen Sie wahrscheinlich “einige wenige”. Denn die unter 2) beschriebenen "Anleger und Sparer", die für die hohen "Sparraten" in Deutschland sorgen, sind nicht viele und werden immer weniger.
    ... eigentlich meine ich uns alle in den Industrieländern (die ganz Armen mal ausgenommen). Wir profitieren indirekt alle von den billigen Lebensmitteln oder von der Möglichkeit billig zu Reisen. Wir ruhen uns auf dem Luxus des billigen Öls aus, das wenige relativ preisgünstig aus dem Boden ziehen und unseren luxeriösen Lebensstil damit subventionieren.

    Hat jemand mal berechnet, wie teuer Öl sein müsste, wenn man den gesamten natürlichen Herstellungsprozess einberechnen würde?

    Hat jemand mal eine Energiebilanz berechnet, wieviel das verschrotten eines 10 Jahre alten Wagens an Benzin oder Diesel spart und wieviel es kostet den alten Wagen abzuwracken und einen neuen zu produzieren?

    Genau genommen lügen wir uns alle in die Taschen. Aber Spaß macht es trotzdem. ;-)
  5. #14

    Chancengleichheit für 8 Milliarden

    Zitat von LadyAmica Beitrag anzeigen
    Ich hoffe, dass ich Ihren Beitrag mißverstanden habe.
    Nein, Sie denken lediglich nicht zu Ende, sondern Ihre Emotionen hindern Sie am denken. Und ja, die Welt war ist und bleibt ungerecht. Oder finden Sie es gerecht, dass Tierart um Tierart wegen der "Chancen", auf die alle meinen einen Anspruch haben zu müssen, ausgerottet werden. Was ist mit den Chancen der Tiere oder Pflanzen, was mit den Chancen der Fischarten, die wegen permanenter Überfischung bald nicht mehr existieren?

    Mir geht es aber darum, dass alle Menschen dieselben Chancen haben müssen und niemand priviligiert sein sollte, nur weil er zufällig in der westlichen Welt geboren wurde und aufgewachsen ist.
    Ein edler, frommer Wunsch, aber nicht realistisch. Wenn man allen 8 Milliarden Menschen auf der Erde den gleichen Wohlstand zur Verfügung stellen wollte, wie wir ihn haben, wären allein zur Ressourcenbeschaffung 8 oder 9 Erden notwendig. Ich fürchte, Sie müssen damit leben, dass andere Menschen nicht so privilegiert sind, wie ich es anscheinend bin. Aber nur, weil ich privilegiert bin, bin ich nicht automatisch arrogant, nur weil ich realistisch denke.
  6. #15

    Nebelwerfer auf dem Weg in die Diktatur

    Zu der Passage: "Wiederaufbau eines erneuerten, eines besser reglementierten Kapitalismus mit einer deutlicheren moralischen und solidarischen Komponente" fällt bezüglich der persönlichen Politik des Präsidenten auf & ein:
    Die Bevorzugung der Superreichen (Spitzensteuersatz);
    Das gebrochene Wahlversprechen (Häuser für alle) -unveränderte Misere der Obdachlosen (SDF), gar nicht zu reden von den 3-400.000 Zigeunern in Slums;
    Die zunehmende Demontage der Unabhängigkeit der Justiz und Brutalisierung der Sicherheitskräfte. Symptom: vor 14 d wurde eine Collegeklasse,aus Bordeaux, welche Paris und die Nationalversammlung besichtigt hatte, mitsamt Lehrerin und Aufsichtsperson vom republikan. Sicherheitsdienst verprügelt (mit Demonstranten verwechselt);
    Die Gleichschaltung der Medien und systematische Ausschaltung unabhängiger Berichterstattung incl. Repressalien gegen zu kritische Journalisten. Eine Informationspolitik, welche in F in weiten Bereichen (nucleaire, Umweltrisiken, Misere des Gesundheitsystems...) "Omerta" genannt wird;
    Eine veraltete Erziehungs- und Ausbildungsstruktur,
    Höheres Preis- und niedereres Lohnniveau als die Bundesrepublik als Folge von...
    Ein nationales Bankengefüge, welches nur durch Protektionismus vor ausländischer Konkurrenz bewahrt überleben konnte,
    ETC,ETC...
  7. #16

    Kommunikations-Aktion 1

    Monsieur le Président,

    Sie lassen hier unter Ihrem Namen einen Beitrag veroeffentlichen, dessen Leser nur sehr unzureichend ueber die Auswirkungen Ihrer Politik in Frankreich informiert sein duerften. Faktisch auch verstaendlich, denn es geht ja in London nicht (nur) um nationale, sondern um globale Probleme. Dennoch steht die Frage der persoenlichen Glaubwuerdigkeit ganz im Vordergrund; da Sie selbst ja seit einigen Wochen unermuedlich und bewegend ueber fehlende Moral klagen, werden Sie diese Meinung ganz sicher teilen. Doch zunaechst zu einigen Ihrer Kernaussagen:
    Wir haben es hier also nicht mit einer Krise des Kapitalismus zu tun, sondern mit der Krise eines Systems, welches sich von den grundlegenden Werten des Kapitalismus entfernt hat, wie Sie schreiben (schreiben lassen). Leider sprechen Sie dann nicht mehr von diesen Werten, so dass wir auf Vermutungen angewiesen sind. Indem Sie System und Kapitalismus trennen, ist man auch ein wenig ratlos, was denn nun Ihrer Ueberzeugung nach der Kapitalismus ist - eine Idee, ein Axiom, oder eine Religion? (Wie denkt denn Ihre Feder Henri Guaino darueber?)

    Sie schreiben weiter, dass dieses System die Banken dazu gedraengt haette, immer hoehere und unueberlegte Risiken einzugehen, anstatt ihre eigentliche Aufgabe zu erfuellen, naemlich Entwicklung und Wachstum der Wirtschaft zu sichern. Monsieur Sarkozy, Sie waren doch auch mal Budget-Minister - haben Sie da nicht erkennen duerfen, dass Wettbewerb, ja knochenharte Konkurrenz, das wesentliche Merkmal des "Systems" sind? Es geht den handelnden Personen dabei doch prinzipiell und zuerst um Profite, nicht aber um Umsetzung moralischer Kriterien. Entwicklung und Wachstum der Wirtschaft - von denen alle nutzniessen koenten - sind dabei nicht Ziele, sondern bestenfalls gern gesehenes Beiwerk. Waere es anders, haetten Hedgefonds und Subprimes (die Sie selbst noch vor wenigen Monaten gern dauerhaft fuer F wuenschten!) nicht so ungezuegelt und verheerend wirken koennen. Nicht um Moral oder ethische Prinzipien, wie menschliche Wuerde fuer Jeden, sondern um Kampf fuer hohe - und immer schneller realisierbare ! - Profite geht es bisher. Wie wollen Sie dies verhindern, wenn doch am Prinzip gar nichts veraendert werden muss? (So, wie Sie ja selbst - nach einer juengsten Aeusserung - im Rueckblick auf Ihre zwei Jahre im Amt, keine eigenen Fehler erkennen koennen.)

    Die Mittel des IWF (FMI) sollen verdoppelt werden. Ist dies nicht der gleiche IWF, der - neben der Weltbank - fuer die Zunahme des Elends in der Dritten Welt immer wieder entscheidend mitverantwortlich gemacht wird? Sie selbst haben mit Ihrer ungluecklichen Dakar-Rede Ihre mangelnde Kenntnis und Inkompetenz gegenueber einer Ihnen fremden Mentalitaet bewiesen. Haetten Sie nicht jetzt Gelegenheit gehabt, oeffentlich und mit Energie ein Weltwirtschaftssystem in Frage zu stellen, welches auf Unrecht aufbaut - anstatt (wie Sie es wieder tun) von "Solidaritaet" mit den armen Laendern der Welt zu sprechen? Almosen in der Not, statt Gerechtigkeit fuer's normale Leben!

    Lagardère, Bouygues ( beide u.a. Medienkaiser in F) und Bolloré (u.a. Eisenbahn- und Hafenkoenig in Kamerun) - um nur diese zu nennen - gehoeren als erfolgreiche Unternehmer zu den reichsten Europaeern. Richtet sich nun auch an diese Ihre engen Freunde Ihr Moralisierungs-Appell?
  8. #17

    Kommunikations-Aktion 2

    Lagardère, Bouygues ( beide u.a. Medienkaiser in F) und Bolloré (u.a. Eisenbahn- und Hafenkoenig in Kamerun) - um nur diese zu nennen - gehoeren als erfolgreiche Unternehmer zu den reichsten Europaeern. Richtet sich nun auch an diese Ihre engen Freunde Ihr Moralisierungs-Appell?

    In F haben ueber 60% der Bevoelkerung kein Vertrauen mehr in Ihre Politik - nach noch nicht einmal der Haelfte Ihrer Amtszeit! Frau Merkel muss mit einer Niederlage in den kommenden Wahlen rechnen. Ergibt nun die Addition zweier politischer Minusfaktoren ein zukunftssicherndes Plus? Moegen Sie auch im Moment im gleichen Boot sitzen, Sie werden sehr viel rudern muessen, um wieder Land zu sehen! Denken Sie nicht gerade jetzt an Ihren Platz in der Geschichte - von Sie doch auch vorher sichtlich nicht so nachhaltig bedraengt wurden - denken und handeln Sie fuer die Gegenwart!