Galápagos-Inseln: Und danke für den Fisch

Naturparadies? Von wegen. Die Kleinstadt Puerto Ayora auf den Galápagos-Inseln bietet längst allen touristischen Luxus - und ein irres Schauspiel: Wenn mannsgroße Seelöwen versuchen, den Fischmarkt zu plündern.

http://www.spiegel.de/reise/fernweh/...784949,00.html
  1. #1

    Toll

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Naturparadies? Von wegen. Die Kleinstadt Puerto Ayora auf den Galápagos-Inseln bietet längst allen touristischen Luxus - und ein irres Schauspiel: Wenn mannsgroße Seelöwen versuchen, den Fischmarkt zu plündern.

    http://www.spiegel.de/reise/fernweh/...784949,00.html
    Das alles ist aber kein Fortschritt für diese Insel, auch wenn der Spon Artikel den lesern das weiß machen will.

    Was haben 15000 Menschen auf einer solch schützens werten Insel zusuchen, diese Frage sollte man sich stellen.
  2. #2

    ...

    Zitat von dumedienopfer Beitrag anzeigen
    Das alles ist aber kein Fortschritt für diese Insel, auch wenn der Spon Artikel den lesern das weiß machen will.

    Was haben 15000 Menschen auf einer solch schützens werten Insel zusuchen, diese Frage sollte man sich stellen.
    Dumme Sache mit den Menschen... was haben die nur überall verloren?
    Das blöde ist halt, dass man das nur den wenigsten vorschreiben kann.
    Der Schwarzwald war auch mal unberührtes Naturparadies und jetzt ist ganz Europa dicht besiedelt. Es steht uns wohl nicht zu, anderswo Menschen vorzuschreiben, wo sie zu sein haben, und wo nicht. Mit Sicherheit ist die Insel schützenswert - und wir können in unserem Reichtum auch leicht Urteile fällen.
    Doch unter gegebenen Umständen sollte man statt Urteilen zu fällen lieber dankbar darüber sein, dass man dem Anschein nach dort ein einigermaßen funktionierendes Zusammenleben von Mensch und Natur zustandebringt. Wer nur vorbringt, dass das noch lange keine guten Zustände sind, sollte wohl auch konstruktive Alternativen vor Ort anbieten können.

    Alles andere erscheint wie der Schreibtisch-Protest gegen Ölabbau... wenn man kurz darauf ins Auto springt, um 500m zum Bäcker zu fahren und dabei lauthals über die Spritpreise meckert.
  3. #3

    ...

    Zitat von dumedienopfer Beitrag anzeigen
    .....
    Was haben 15000 Menschen auf einer solch schützens werten Insel zusuchen, diese Frage sollte man sich stellen.
    Leben?!
    Und wenn es dann in Eintracht mit der Natur geschieht um so schöner.
  4. #4

    Volle Zustimmung für MartinS

    Es sind ja nicht nur die Menschen, die dort leben, welche möglicherweise die Natur stören, sondern die vielen vielen Touristen. Die echten Naturfreunde werden es sich gut überlegen, ob sie die Eilande wirklich mit ihrer Anwesenheit "beglücken" sollen.
    Mein Tip an alle Turtleheads: Gonfaron in Südfrankreich.
  5. #5

    Falsches Bild von Galapagos

    Leider berichtet Herr Heinloth sehr einseitig. Wer aber auch nur in Puerto Ayora auf Santa Cruz war, kann nicht von dem wahren Gesicht der Galapagos Inseln berichten. Der Artikel liest sich wie ein Reisebericht über die gesamte USA, geschrieben von einem Reisenden der nur New York gesehen hat. Der Artikel sollte Puerto Ayora heißen, nicht Galapagos Inseln. Sehr schade, denn Galapagos hat mehr zu bieten als den Hafen von Puerto Ayora, der selbstverständlich für die Versorgung, die Verwaltung und den Schutz des Archipels benötigt wird. Lieber Herr Roth, sparen Sie das nächste Mal nicht am falschen Ende und recherchieren Sie gründlich bevor Sie sich eine Meinung bilden.
  6. #6

    Galápagos-Tourismus

    Zitat von maipiu Beitrag anzeigen
    Es sind ja nicht nur die Menschen, die dort leben, welche möglicherweise die Natur stören, sondern die vielen vielen Touristen. Die echten Naturfreunde werden es sich gut überlegen, ob sie die Eilande wirklich mit ihrer Anwesenheit "beglücken" sollen.
    Der Galápagos-Tourismus ist extrem streng regelmentiert, und weil es eine Inselgruppe ist, die nur von Ecuador aus angeflogen wird, lässt sich das auch gut forcieren (schon vom Festland aus).

    In den Park (dieser belegt 97% der Fläche der Inseln, praktisch alles außer den wenigen Städtchen und Ranches) darf man ohnehin nur mit Guide, und der sorgt dafür, dass man immer auf den Wegen bleibt und von den Tieren (die sich tatsächlich nicht an Menschen zu stören scheinen) genügend Abstand hält.
  7. #7

    Nicht ganz...

    Zitat von lug&trug Beitrag anzeigen
    Der Galápagos-Tourismus ist extrem streng regelmentiert, und weil es eine Inselgruppe ist, die nur von Ecuador aus angeflogen wird, lässt sich das auch gut forcieren (schon vom Festland aus).
    Nicht ganz richtig. Die Reglementierung geschieht hauptsächlich über die Übernachtungsplätze - wer kein Hotelbett mehr findet (oder auf einem Ausflugsschiff eine Kabine) fliegt da logischerweise auch nicht hin. Zusätzlich gibt es eine Beschränkung der Sitzplätze in den Flugzeugen, weil die einheimischen Pendler bevorzugt werden; viele Ureinwohner arbeiten zwar noch auf einer der Galapagosinseln, wohnen tun sie aber auf dem Festland, wo sie im ein- bis mehrwochen Rythmus hin fliegen - ihre Heimat ist für sie zu teuer geworden...

    Es werden aber laufend neue Hotelbetten gebaut bzw. Lizenzen an Ausflugs- und Tauchschiffe ausgegeben - also kommen auch mehr Touristen.

    In den Park (dieser belegt 97% der Fläche der Inseln, praktisch alles außer den wenigen Städtchen und Ranches) darf man ohnehin nur mit Guide, und der sorgt dafür, dass man immer auf den Wegen bleibt und von den Tieren (die sich tatsächlich nicht an Menschen zu stören scheinen) genügend Abstand hält.
    Man darf zwar als Tourist kein Auto mieten, aber man kann z.B. auf San Cristobal oder Santa Cruz mit dem Taxi fast überall hin - oder man kann sich ein Fahrrad mieten (das einzige Verkehrsmittel, das für Touristen als Selbstfahrer erlaubt ist). Damit kommt man auch schon ganz schön weit und kann schon viel Schaden anrichten...

    Passiert aber glücklicherweise nicht; auch das Inselinnere ist noch sichtbar intakt. Und nicht nur die Guides, auch die Taxifahrer begleiten einen auf Wanderungen, zeigen Sehenswürdigkeiten und passen auf, das man den rechten Weg nicht verlässt. Die Einheimischen sind sich der Einmaligkeit und des Wertes ihrer Inseln voll bewusst.

    Auffallend ist auch die große Sauberkeit auf den Inseln. Es liegt nirgends Papier, Kippen oder sonstwas herum, die Strassen und Wege sehen aus wie geleckt - auch wenn man kaum Reinigungspersonal sieht. Das steckt in den Menschen dort drin, da können sich viele auch hier zu Lande eine gewaltige Scheibe von abschneiden... ich habe noch nie auf der Welt derart saubere Strassen und Wege gesehen, trotz der Touristen und überall hinschei...den Seelöwen.
  8. #8

    Galapagos

    Ich habe fast drei Jahre lang fuer die Invertebratenabteilung der Charles Darwin Research Station (CDRS) in Puerto Ayora geleitet und ich kann sagen, dass die meisten Touristen nur eine Seite von den Galapagos sehen. Hier einige Beispiele der anderen Seite: Es gibt inzwischen mehr exotische als endemische Insekten. Ich habe die Denguemuecke in Puerto Ayora gefunden, die sehr wahrscheinlich mit einen der vielen Frachtschiffen eingeschleppt wurde. Wir haben dann mit dem lokalen Krankenhaus eine Mueckenbekaempfungskampagnie durchgefuehrt. Uebrigens sind die exotischen Arten (Pflanzen und Tiere), die entweder absichtlich oder unabsichtlich eingeschleppt wurden das groesste Problem fuer die Artenvielfalt in den Galapagos. Muell: Auch wenn die Hauptstrassen gepflegt werden fuer die Touristen, sobald man vom Hauptpfad abweicht ist Muell ein riesiges Problem. Wir haben jedes Mal, wenn wir auf der fuer Touristen gesperrten Insel Marchena eingeschleppte Feuerameisen bekaempften, Dutzende von Muellsaecken voll mit Muell, der an den Strand gespuelt wurde, aufgesammelt. Der Muell wurde von den Fischerleuten einfach ins Meer geschmissen. Ein Wort noch zu den “Einheimischen”. Der Tourismus treibt, dass Ecuadorianer illegal nach Galapagos einwandern. Jeder braucht eine Aufenthaltsgenehmigung, um laenger als drei Monate dort zu bleiben oder zu arbeiten. Innerhalb weniger Jahre ist die Zahl der Fischerleuten zum Beispiel von ca. 100 auf ueber 1000 angestiegen. Das hatte zur Folge, dass innerhalb kuerzester Zeit die “pepinos”, die Seegurken, ueberfischt wurden. Da die CDRS fuer den Nationalpark die pepinos gezaehlt hatte und sagte, dass es nicht mehr genuegend gibt, haben aufgebrachte Fischerleute mehrmals gewaltsam die Station und den Nartionalpark gestuermt und fuer mehrere Tage besetzt. Keiner durfte rein oder raus. Ich lebte mit meinen kleinen Kindern in der Station und wir mussten Nachtwachen halten, um zu sehen, ob die betrunkenen Fischerleute nicht, wie angekuendigt, unsere Station niederbrennen. Am Ende gab die Regierung nach und liess die Fischerleute mehr pepinos fischen.
    In meiner Meinung gab es zwei Fehler in der Entwicklung der Galapagos: 1. Dass Galapagos zur Provinz erklaert wurde und damit ein eigenstaendiges politisches System erhielt. Politiker, wie wir ja alle wissen, haben nur heute und nicht morgen im Kopf. 2. Die Einfuehrung der speziellen Galapagosgesetze, die die Galapagos eigentlich beschuetzen sollten, aber nur bewirkt hatten, dass mehr Leute noch schnell, bevor die Einwanderung kontrolliert wurde, in die Galapagos gekommen sind. Als die Station gebaut wurde, 1964, gab es nur 250 Einwohner in Puerto Ayora. Die Zahl von 15000 ist sehr untertrieben. Es duerften wohl mehr bei 20000 sein. In den 70iger Jahren wurde eine Studie durchgefuehrt, wieviele Touristen die Galapagos vertragen koennen. Es war 12000 pro Jahr, heute kommen ueber 120000 Touristen pro Jahr.
    Als conservationist in den Galapagos zu arbeiten, war sehr frustrierend, denn, wenn wir nicht einmal in der Lage sind, einen kleinen Teil wie die Galapagos zu schuetzen, wie sieht es dann wohl aus fuer unseren Planeten?
  9. #9

    Danke für die Infos

    Zitat von helmie Beitrag anzeigen
    Ich habe fast drei Jahre lang fuer die Invertebratenabteilung der Charles Darwin Research Station (CDRS) in Puerto Ayora geleitet und ich kann sagen, dass die meisten Touristen nur eine Seite von den Galapagos sehen. Hier einige Beispiele der anderen Seite: ...
    Danke für die Infos, das erklärt doch einige Diskrepanzen, die ich mir vor Ort nicht so richtig erklären konnte. Es zeigt auch, WAS man alles als Tourist nicht mitbekommt und diese Inseln zu verklärt betrachtet; und wie schlecht es doch in Wirklichkeit dort aussieht.