Investoren wollen Fakten und Informationen, keine Meinungen. Deutsche Redaktionen haben offenbar vergessen, dass das Wort Zeitung ursprünglich
"Nachricht" bedeutet, und nicht Meinungsmache.
dapd/ Gruner + Jahr"Keine echten Chancen": Julia Jäkel, Vorstandsmitglied von Gruner + Jahr, hat das Aus für die "Financial Times Deutschland" im Interview als "unvermeidbar" bezeichnet. Kritik kommt jedoch vom Gründungschefredakteur. Der Verlag habe es versäumt, rechtzeitig eine Digitalstrategie zu entwickeln.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-869099.html
Investoren wollen Fakten und Informationen, keine Meinungen. Deutsche Redaktionen haben offenbar vergessen, dass das Wort Zeitung ursprünglich
"Nachricht" bedeutet, und nicht Meinungsmache.
Sicherlich bedauerlich für die Journalisten und deren Familien, die an die Sicherheit dieser Arbeitsplätze geglaubt haben. Allein am fehlenden Geschäftsmodell im Internet hat es jedoch wohl kaum gelegen. Man muss schon auch Inhalte und eine Qualität anbieten, für die die Leser zu zahlen bereit sind. Tja Leute, das nennt sich Marktwirtschaft. Und bitter, wenn man da auf die Fresse fällt. Noch bitterer, wenn man andere darüber journalistisch belehrt, wie man erfolgreich wirtschaftet und wie nicht. Ein bisschen mehr Tiefe, konträre Ansichten und neue Perspektiven hat man im rosa Blatt aber nicht gefunden. Vielleicht hätte ein Blick über den Gartenzaun in Richtung Brand Eins ganz gut getan. Nicht, um das Konzept zu kupfern. Aber um zu sehen, wie spannend man Wirtschaft heute erzählen kann und was die Leser wirklich interessiert. Erst dann kann man sich Gedanken zum Business Modell machen. Die Verlagsleitung dürfte nach meiner Einschätzung wenig Schuld treffen. Die versuchen jedes Jahr mit guten Produkten und innovativen Konzepten den Leser zu gewinnen. Um mit ein bisschen Häme abzuschließen: im neuen FTD-Businessplan-Wettbewerb sind sicher ein paar hübsche Vorlagen für die (ehemaligen) FTD-Mitarbeiter dabei. Macht Euch doch selbstständig! Aber heult nicht rum.
Jetzt plötzlich wird über die Positionierung der FTD im Markt gesprochen. In den vergangenen Jahren habe ich davon nichts mitbekommen. Mir ist auch keine FTD-Werbekampagne aufgefallen. Ich bekam auch nie eine E-Mail, die mir vorgeschlagen hätte, die FTD mal für einige Tage zu testen. Bei den meisten Verlagen haben heute Betriebswirte das Sagen. Das sind ausgezeichnete Mathematiker, aber keine Journalisten und Werber...
...weder fürs bedruckte Papier noch fürs Internet. Nach meinem Eindruck hat man am Baumwall mindestens zehn Jahre geschlafen. Das einstige Flaggschiff des Hauses, der Stern, dümpelt vor sich hin, dessen Netzableger liegt weit abgeschlagen hinter Spiegel Online. Man sehe sich nur mal die letzten vier Stern-Titel an: Seitensprünge, Miezekatzen, Obama und Diättips - bis auf Obama hätte das auch auf der Brigitte oder der Männer-Bravo ("Men's Health") stehen können.
Bei den Wirtschafts- und Finanztiteln ähnliches: Als "Capital" noch in Köln saß, lebte die Redaktion - nach den Erzählungen ehemaliger Redakteure zu urteilen - in Saus und Braus. Jahrzehntelang verdiente man sich ja dumm und dämlich leistete sich den entsprechenden Wasserkopf. Als es dann bei der FTD brannte (und das Geld in Kölle nicht mehr so sprudelte), wurde die Redaktion nach Hamburg verlegt und mit der der FTD fusioniert. Vorausschauende Planung sieht anders aus...
Den Online-Analphabetismus von Gruner belegen auch Episoden aus der Stuttgarter Tochter "Motorpresse" bestens. Bis 2008 gehörten zum Haus Elektroniktitel wie Audio, Colorfoto, Connect, Stereoplay und Video. Nachdem man das Internet auch dort jahrelang verschlafen hatte (Audio.de und Video.de hatten sich andere geschnappt), packte man alle Blätter unter ein gemeinsames Netz-Dach. Dessen logischer wie naheliegender Name: "Netedition.de"...
Nachdem die Stuttgarter dann alle Elektroblätter und damit die Testkompetenz im Haus verkauft hatten, kamen sie (wie schon Dutzende vor ihnen) auf die glorreiche Idee, ein Portal mit aus dem Web zusammengesuchten Tests von (hauptsächlich) Unterhaltungselektronik zu eröffnen. Selbstverständlich rangiert megatest.de unter ferner liefen...
G J hat hier offensichtlich keine Ideen mehr oder auch in der Vergangenheit viel zu wenige Ideen gehabt.
Aber die Frau Jäkel hat ein schönes Foto dem Interview mitgegeben.
Seit den Hitler-Tagebüchern lese ich den Stern nicht mehr, genauso wie ich seit Senna's tödlichem Unfall die Formel-1 verlassen habe. Konsequent.
Der Stern ist heute dort, wo früher "Quick" war.
Die anderen Titel, FTD, Impulse usw. sind gute Schreibtischideen, denen die echte journalistisch-innovative Seele fehlte. Nicht dass die Mitarbeiter nichts taugten, aber ohne Visionen und charismatische Visionäre, die m it interessierten, offenen Augen mutig am Markt unterwegs sind klappt auf Dauer kein Projekt.
G&J ist zu einer lahmen Behörde nah dem Hafenschlick versunken, die sich als selbstverständlich wahrnimmt und so jede zukunftsweisende Innovation verpennt hat. Ohne straffer Takelage wird das ganze Dickschiff in absehbarer Zeit auf Grund laufen.
Aber es noch nicht zu spät, um sich ein energetisches Quantum Trost unter den Weihnachtsbaum zu wünschen.
G+J hat kein zeitgemäßes Geschäftsmodell mehr. Das bestehende Portefeuille an Zeitschriften ist überaltert und bedarf in zahlreichen Fällen einer Neupositionierung. Gerüchteweise soll man sogar im Hause
Gruner + Jahr gehört haben, dass es so etwas wie ein Internet gibt.
Von einer konsistenten Internetstrategie für das Unternehmen gar nicht zu reden ... .
Ob die, möglicherweise mangels fehlender qualifizierter Bewerber, quasi aus dem Nichts erschienene und in den Vorstand beförderte Julia Jäkel für die Wahrnehmung dieser unternehmerischen Mammutaufgabe die richtige Besetzung ist, darf bezweifelt werden.